Wenn Worte fehlen – Symbole als Dolmetscher
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Wenn Worte fehlen – Symbole als Dolmetscher

Ein Praxisbuch fĂŒr Therapie, Beratung, Begleitung von Teams und PĂ€dagogik. Mit BeitrĂ€gen von 33 Autorinnen und Autoren

  1. 364 pages
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Wenn Worte fehlen – Symbole als Dolmetscher

Ein Praxisbuch fĂŒr Therapie, Beratung, Begleitung von Teams und PĂ€dagogik. Mit BeitrĂ€gen von 33 Autorinnen und Autoren

About this book

EIN HANDBUCH FÜR DIE THERAPEUTISCHE ARBEIT MIT SYMBOLEN ALS METHODE DER INTERVENTIONIn der PSYCHOSOZIALEN ARBEIT trifft man oft auf Menschen, die fĂŒr das, was sie erlebt haben und was sie fĂŒhlen, KEINE WORTE FINDEN. Hier reicht Sprache allein nicht aus. Es braucht mehr, um Ausdruck und Verstehen zu fördern und Lösungen zu entwickeln. SYMBOLE werden in diesen Situationen zu DOLMETSCHERN UND GEBURTSHELFERN FÜR NEUE IDEEN. Die den KlientInnen und Gruppen angebotenen Symbole sind im wörtlichen und ĂŒbertragenen Sinne begreifbar. VerĂ€nderung wird sichtbar und wahrnehmbar, "Handwerk" geht hier ĂŒber "Mundwerk". Klienten und Gruppen arbeiten ĂŒber lange Phasen selbstĂ€ndig, ohne dass der Berater oder Therapeut eingreift. Sie beginnen selbstbestimmt, sich mit ihrem Problem auseinanderzusetzen und Lösungen zu entwickeln. So ist von Beginn an immer auch gewĂ€hrleistet, dass sie ihren Selbstwert erleben.In diesem Buch finden die LeserInnen eine FĂŒlle von INTERVENTIONEN MIT SYMBOLEN FÜR THERAPIE, BERATUNG, ARBEIT MIT TEAMS UND PÄDAGOGIK, die es ermöglichen, differenziert und schnell zu intervenieren. Behandelt werden die Bereiche "Biografiearbeit und Lebensplanung", "Emotionen und GefĂŒhle", "Kommunikation", "IdentitĂ€t – Wer bin ich?", "Werte" und "Innere Bilder nach außen kehren". Zudem werden die Grundlagen der Arbeit mit Symbolen beleuchtet.

Information

Publisher
StudienVerlag
Year
2019
Print ISBN
9783706551519
eBook ISBN
9783706560061

Teil X

Weiteres Handwerkszeug

ErklĂ€rung und Übersicht des Handwerkszeugs

Denise Bohnenberger
In diesem Teil des Buches befinden sich viele unterschiedliche Interventionen zur Arbeit mit Symbolen nach Wilfried Schneider. Die einzelnen Texte sind bewusst diesem Teil zugeordnet, da sie den vorherigen Kategorien des Buches nicht eindeutig entsprechen. Damit den Lesern eine gewisse Übersicht der einzelnen Interventionen möglich ist, sind diese in alphabetischer Reihenfolge geordnet.
Wie die meisten vorangegangenen Interventionen lassen sich auch die folgenden Übungen ganz spezifischen Beratungs- bzw. Therapieprozessen sowie einzelnen Lebensphasen zuordnen. Die Kunst scheint oftmals darin zu liegen, als Berater, Trainer oder Therapeut im passenden Moment die passende Intervention zur Hand zu haben. Die bereits vertraute Textstruktur Material – Ablauf – Beispiele – ErgĂ€nzungen/Variationen – Fazit wird deshalb auch in diesem Teil beibehalten. Damit Sie als Leser und ggf. Nutzer der Methoden die gesuchte Intervention zĂŒgig finden, sind die Übungen von A wie Anker oder Alkoholflasche bis Z wie Zeit oder Zimmer sortiert.
Der letzte Text in diesem Teil des Buches trĂ€gt den Titel „Tabellarische Übersicht der Interventionen“ – in diesem Text finden Sie abschließend einen Großteil aller vorgestellten Interventionen aus diesem Buch, die zu den unterschiedlichsten Arbeitsschwerpunkten in Form einer Tabelle sortiert sind. Diese ist besonders im Arbeitsalltag zur themenorientierten Vorbereitung auf Klienten von großem Nutzen.

Alter Zwerg – Ambivalenz

Paul Schober
Diese Puppe lĂ€dt ein zur Auseinandersetzung mit der eigenen Ambivalenz. Was auf den ersten Blick alt und schĂ€big wirkt, kann auf den zweiten Blick ein wunderschönes, großes Herz zum Vorschein bringen.
Material
Eine kaputte Puppe mit fehlendem Bein oder einem kaputten Arm, etc. Vor der Anwendung bitte mit einem großen (aufgeklebten) Herzen, das auf den ersten Blick durch die Jacke der Marionette verdeckt ist, versehen. Das Herz kommt erst nach dem Öffnen der Sicherheitsnadel an der Jacke zum Vorschein.
Ablauf
In Gruppen bietet es sich an, diese Puppe im Kreis gehen zu lassen und alle TeilnehmerInnen zu bitten, eine Beobachtung zur Puppe zu Ă€ußern. Damit kann die große Bandbreite unterschiedlicher Beobachtungen zum gleichen Gegenstand thematisiert werden. Es hilft auch, die Beobachtungsgabe zu schĂ€rfen, weil man erst genauer hinschauen muss, um das Herz zu entdecken.
Als Spiel mit der eigenen Ambivalenz kann die Puppe auch mit dem Auftrag nach Hause gegeben werden, zu beobachten, ob sich die Wahrnehmung zur Puppe danach Àndert.
Die unterschiedlichen GefĂŒhle des Klienten können auch zu Beginn bzw. zum Abschluss der Intervention mit dem GefĂŒhlstern abgefragt werden. Diese Puppe kann ganz unterschiedliche GefĂŒhle hervorrufen, die von Abscheu, Ekel bis zu HilfsbedĂŒrftigkeit, LiebenswĂŒrdigkeit und Identifikation reichen können.

Einsatz von Alkoholflaschen in der Arbeit mit Suchtklienten

Susanne Rödiger
Ich arbeite in einem Wohnhaus, in dem junge erwachsene Menschen mit der Doppeldiagnose Sucht und psychische Erkrankung leben. Die Intervention mit den zehn GefĂŒhls-Alkoholflaschen setzen wir erfolgreich in der Suchtgruppe ein.
Material
Die unterschiedlichen leeren Alkoholflaschen (Wein, Bier, Whiskey, Wodka, Korn, Rum, Flachmann etc.) sollten mit Wasser oder Tee befĂŒllt sein, um zu suggerieren, dass die Flaschen „echt“ sind. Den Tee vorher möglichst öfters durch ein Sieb gießen, damit sich nichts am Boden absetzt. Sonst wird der Trick schnell erkannt.
Auch darauf achten, dass man die Ringe, die locker herunterhĂ€ngen, wenn man eine Originalflasche öffnet, abkneift. Auf jeder Flasche befindet sich ein ausreichend großes, mit einem GefĂŒhl beschriftetes Etikett. Dort sind folgende GefĂŒhle zu finden: Angst, Ärger, Depression, Gelassenheit, GlĂŒck, Liebe, Scham, Schuld, Trauer und Wut.
Die Etiketten mĂŒssen einen professionellen Eindruck erwecken, sonst verliert die Übung an Wirkung. Bevor die Gruppe den Raum betritt, stehen die Flaschen bereits in der Mitte des Stuhlkreises.
Ablauf
Einleitung: Die Teilnehmer betreten den Raum und nehmen Platz. Der Gruppenleiter sitzt da und schweigt. Man erkennt sehr schnell neugierige Blicke, die auf die Flaschen gerichtet sind, teilweise sind Unsicherheiten zu bemerken und „Gemurmel“ erfĂŒllt den Raum. Wichtig ist auch, mit den Teilnehmenden in die Auseinandersetzung zu gehen: WofĂŒr war es gut, dass ich getrunken habe?
Die Gruppenleitung (GL): Ich habe Alkohol mitgebracht. Welche Flasche hast du vor dir? Welches GefĂŒhl steht auf der Flasche?
Teilnehmer (TN): Ärger!
GL: Ärger! Gibt es Situationen, in denen du dich Ă€rgerst?
TN: Auf der Straße, wenn Menschen chaotisch Auto fahren. Das kann ich nicht aushalten. Die Idioten, wo hat so manch einer seinen FĂŒhrerschein her!?
GL: Und zu Hause? Gibt es da Situationen, in denen du dich Àrgerst?
TN: Ja. Meine Schwiegertochter, die alle im Griff hat. Ich fĂŒhle mich in meinem eigenen Haus als Gast. Sie bestimmt immer, was zu tun ist.
GL: Hast du das zu Hause angesprochen?
TN: Nein. Ich werde das zu Hause ansprechen.
GL: Hast du also noch nicht!
TN: Nee, mach ich heute Abend 

GL: Wie schaffst du das? Wie hast du das frĂŒher in Ă€hnlichen Situationen geschafft?
TN: Ich habe mir Mut angetrunken.
GL: Ah, und dann hast du gesagt, was du sagen wolltest?
TN: Ja. Das war mit Hilfe von Alkohol einfacher.
GL (Gruppe wird miteinbezogen): Wer kennt solche Situationen? Was kann man stattdessen tun? Was ist hilfreich? Woran wĂŒrden wir merken, das TN mutig ist? Was ist der erste kleine Schritt, den TN erproben kann?
Andere Teilnehmer werden miteinbezogen und können Fragen stellen oder von eigenen Erfahrungen zum Thema berichten. Gemeinsamkeiten werden herausgearbeitet und reflektiert. Hilfreiche Strategien werden gemeinsam erarbeitet. Wichtig: Der Gruppenleiter sollte die Fragen prĂ€zise stellen und sich durch Detailfragen rĂŒckversichern, dass der Inhalt von allen Teilnehmern verstanden wurde. Die Gruppenleitung löst bis zum Gruppenende nicht auf, ob wirklich OriginalflĂŒssigkeiten in den Flaschen sind.
Variation
Die Flaschen bleiben in der Mitte stehen. Die Teilnehmer wechseln die PlÀtze. Ein Teilnehmer ordnet einem oder mehreren Teilnehmern Flaschen zu. Was denkst du, welches war das LieblingsgetrÀnk von Teilnehmer X?
Fazit
Die Flaschen haben schon so manche heiklen Themen an das Tageslicht gebracht. Sie werden oft in die Hand genommen, beim ErzĂ€hlen fĂ€llt der Blick auf die Flasche, an der sich der ein oder andere festhĂ€lt. Beim ErzĂ€hlen von unangenehmen Situationen kann man Blickkontakt zu den anderen Teilnehmern vermeiden. Oftmals fĂ€llt es dem ErzĂ€hler leichter, seine Gedanken und GefĂŒhle ohne Blickkontakt zu den anderen Teilnehmern zu benennen. Will man nicht lĂ€nger in dem GefĂŒhl verharren, werden die Flaschen weggestellt, umgedreht oder gar in einer anderen Ecke des Raumes deponiert. Der Einsatz der Flaschen ist lohnend und eröffnet Menschen, die nicht so viele Worte zur VerfĂŒgung haben, viele Möglichkeiten, sich ausdrĂŒcken zu können. Die Teilnehmer unserer Suchtgruppe erblĂŒhen förmlich, wenn die Flaschen als Symbole eingesetzt werden. Kribbeln und Knistern liegt in der Luft sowie geheimnisvolle Stimmungen, die mitgeteilt werden wollen.

Angstbarometer

A n g s t b a r o m e t e r
100
....
90
....
80
....
70
....
60
....
50
....
40
....
30
....
20
....
10
....
0
Von Wilfried Schneider
Diese Vorlage kann genutzt werden, um optisch deutlich zu machen, wie groß die Angst in einer bestimmten Situation ist. Das geschieht dadurch, dass die Klientinnen und Klienten bei der zutreffenden Zahl ein Kreuz machen. Sie können oder sollen sich dann entscheiden, wie hoch der Angstpegel sein darf, um eine Aufgabe, die sie sich vorgenommen haben, auch auszufĂŒhren.
Beispiel: Der Ärger eines Klienten gegenĂŒber einem Menschen ist groß und er hat große Angst, diesem das mitzuteilen. Daher hat er es bisher unterlassen. In der Sitzung wird erarbeitet, bei welchem Angstpegel es ihm möglich sein wird, seinen Ärger los zu werden. Das wird dann geĂŒbt, bevor er es real versucht.

Anker

Wilfried Schneider, Kathrin Berendsohn
Bei der Arbeit mit den Ankern steht die Frage Wie hast Du schwierige Situationen bewĂ€ltigt und was hat dir dabei geholfen? im Mittelpunkt. Mit verschieden großen Ankern versuchen wir in der Lebensgeschichte Situationen zu finden und zu verdeutlichen, in denen der Klient Halt gefunden hat.
Oft sind diese Ereignisse nicht mehr gegenwĂ€rtig, von erdrĂŒckender Vergangenheit und problematischer Gegenwart ĂŒberschattet. Durch behutsame Arbeit, so unsere Erfahrung, findet jeder Klient einen oder mehrere Anker. Ausgehend von diesen positiven Erfahrungen lernt der Klient die andere Seite seiner Geschichte zu sehen, darauf aufzubauen.
Zumeist geht es in der Arbeit mit den Ankern also um das Entdecken, Entwickeln und Nutzen von Ressourcen des Klienten. Sie können aber auch bei schwierigen Lebensentscheidungen (Was hĂ€lt mich zurĂŒck?) oder bei Fragen zu neuen beruflichen Schritten eingesetzt werden.
Material
Man benötigt Anker aus Gusseisen oder Plastik, wie sie im Schiffsmodellbau verwendet werden. Auch in SpielwarenlĂ€den oder SouvenirgeschĂ€ften kann man fĂŒndig werd...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhaltsverzeichnis
  5. Vorwort
  6. Teil I: Grundlagen zur Arbeit mit Symbolen
  7. Teil II: Interventionen zur Biografiearbeit
  8. Teil III: Interventionen zu Emotionen und GefĂŒhlen
  9. Teil IV: Interventionen zur Kommunikation
  10. Teil V: Interventionen zur IdentitÀt
  11. Teil VI: Interventionen zu Zeit
  12. Teil VII: Interventionen zu Schwere und TrÀgheit
  13. Teil VIII: Innere Bilder nach außen kehren
  14. Teil IX: Werte und PrioritÀten
  15. Teil X: Weiteres Handwerkszeug

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