Psychotherapie der AlkoholabhÀngigkeit
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Psychotherapie der AlkoholabhÀngigkeit

Ambulante und stationÀre Therapie im Einzel- und Gruppensetting - Ein integratives Manual

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Psychotherapie der AlkoholabhÀngigkeit

Ambulante und stationÀre Therapie im Einzel- und Gruppensetting - Ein integratives Manual

About this book

Das Manual prĂ€sentiert eine umfassende, ĂŒbersichtliche und flexibel anpassbare Therapieeinheit fĂŒr die strukturierte Behandlung von AlkoholabhĂ€ngigkeit. Die von den Autoren entwickelte und evaluierte Psychiatrische Kurz-Psychotherapie (PKP) eignet sich sowohl fĂŒr die Richtlinienbehandlung durch Psychologische Psychotherapeuten und -therapeutinnen als auch als Einzel- und Gruppentherapie in Klinik, Praxis und in der Suchtberatungsstelle. Die Leistungen können in jedem Setting abgerechnet werden. Im integrativen Manual wird der verhaltenstherapeutische Ansatz um eine systemische und psychodynamische Perspektive ergĂ€nzt.

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Information

Year
2020
Edition
1
eBook ISBN
9783170368354

1 EinfĂŒhrung in den PKP-Therapieansatz der AlkoholabhĂ€ngigkeit

1.1 Das Konzept der Psychiatrischen Kurz-Psychotherapie (PKP) mit Therapie-/Sprechstundenkarten

Alle Beteiligten (Patienten, HausĂ€rzte, Internisten, Chirurgen, Psychiater, FachĂ€rzte fĂŒr Psychosomatische Medizin und Psychologische Psychotherapeuten und Medizinischer Dienst der Krankenkassen) scheuen sich davor, die Notwendigkeit einer Alkoholismus-Therapie festzustellen. Oder sie ignorieren sie völlig. Das kostet unsere Gesellschaft jĂ€hrlich große Summen und es kostet jĂ€hrlich sehr viele Menschenleben. Dies entspricht der Grundhaltung: »Ein Trinker ist ein charakterloser Mensch und selbst schuld an seinem Schicksal. Da ist eine Krankenbehandlung nicht angezeigt.« Selbst wenn eingestanden wird, dass es sich um eine behandlungsbedĂŒrftige Krankheit handelt, wird abgewunken: »Er will sich ja nicht helfen lassen. Er gibt nicht einmal zu, sĂŒchtig zu sein. Außerdem werden ja alle rĂŒckfĂ€llig.«
Dabei kann mit niederschwelligen Angeboten wie der PKP (Psychiatrische Kurz-Psychotherapie) ein Anfang gemacht werden, der mit viel Geduld immer wieder eingefĂ€delt wird. Sie ist wie eine Angelschnur, die immer wieder ausgeworfen wird, bis der Fisch anbeißt. Allerdings mit dem gegenteiligen Ergebnis. Denn ein frĂŒhzeitiger Behandlungsbeginn kann ein Leben retten.
Unstrukturierte ArztgesprĂ€che können in systematische 20-minĂŒtige Therapie-Interventionen umgewandelt werden. Sprechstunden- bzw. Therapiekarten helfen als Fortsetzungsserie dabei, dass von GesprĂ€ch zu GesprĂ€ch thematisch der roter Faden der Therapiestrategie beibehalten wird.
Das PKP-Konzept baut auf dem 3-SĂ€ulen-Modell der Strategischen Kurzzeittherapie (Sulz 1994, 2012c, 2017a) auf:
1. Symptomtherapie
2. Fertigkeitentraining
3. Schemaanalyse: Überlebensregel
Den flexiblen Einsatz der drei SĂ€ulen zeigt Abbildung 1.1 (
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Abb. 1.1).
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Abb. 1.1: Das Drei-SĂ€ulen-Therapieprinzip der PKP (Sulz 2017c, S. 124)
Dieser verhaltenstherapeutische Ansatz ist im Wesentlichen integrativ, weil er immer wieder eine systemische und eine psychodynamische Perspektive einnimmt. PKP kann im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung eingesetzt werden oder als psychiatrisches GesprĂ€ch in der Psychiatrie-Praxis, aber auch als ArztgesprĂ€ch auf der Station der Klinik. DarĂŒber eignet sie sich einerseits fĂŒr die Richtlinienbehandlung durch Psychologische Psychotherapeuten und andererseits als Gruppentherapie in Klinik, Praxis und in der Suchtberatungsstelle. Damit können die Leistungen in jedem Setting abgerechnet werden.
FĂŒr die Anwendung von PKP können
a) ein Manual in Form eines A4-Ringbuchs (Sulz et al. 2012a)
oder
b) Sprechstunden-/Therapiekarten (Sulz et al. 2012b)
zu Hilfe genommen werden.
Einige Therapieeinheiten können durch Co-Therapeuten durchgefĂŒhrt werden. Obwohl ein zuverlĂ€ssig verfĂŒgbarer Bezugstherapeut unverzichtbar ist, können die Therapiesequenzen an andere Therapeuten weitergegeben werden – wie bei der StabĂŒbergabe in der Leichtathletik.
Der nÀchste Therapeut kann genau da fortsetzen, wo der letzte aufgehört hat bzw. wo die PKP-Gruppe aufgehört hat.
Die Reihenfolge muss nicht zwingend eingehalten werden, sondern kann ganz individuell auf den einzelnen Patienten eingestellt sein. Im Lauf der Behandlung entsteht ein Selbsthilfebuch fĂŒr den Patienten, das dieser auch weiterhin fĂŒr sich verwenden kann. Auch die Dokumentation der Therapie auf Therapeutenseite ist auf diese Weise gegeben.
Dieses Konzept wurde in der Suchtambulanz des Centrums fĂŒr Psychosomatische Medizin CIPM (heute co-medicum) in MĂŒnchen erarbeitet, erprobt und wird seit vielen Jahren und weiterhin dort angewandt – heute ĂŒberwiegend als Gruppentherapie.
Theoretischer Hintergrund ist die affektiv-kognitive Entwicklungstheorie, die sowohl als Störungstheorie als auch als Therapietheorie dient.
Sie geht davon aus, dass im Vorschulalter elterlicherseits die kindlichen GrundbedĂŒrfnisse (Willkommensein, Geborgenheit, Sicherheit, Liebe, Beachtung, VerstĂ€ndnis, WertschĂ€tzung, Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung, Grenzen, Fördern, Herausfordern, Vorbild, kindliche Erotik und ein GegenĂŒber) nicht befriedigt wurden und dass sie – die Eltern – das Kind zudem Bedrohungen aussetzten, die zu zentralen Ängsten fĂŒhrten (Vernichtungsangst, Trennungsangst, Kontrollverlustangst, Liebesverlustangst, Gegenaggressionsangst, Hingabeangst). Seine Frustration durfte das Kind nicht durch Wut kundtun. So war es in einer ausweglosen Situation, zumal es seine Affekte noch lange nicht steuern konnte. Es bildete eine im Erwachsenenalter dysfunktional werdende Überlebensregel, als implizites nicht-bewusstes motivationales Schema, das so heißen könnte:
‱ Nur wenn ich immer der Beste und perfekt bin,
‱ und wenn ich niemals Wut zeige und mich wehre,
‱ bewahre ich mir Willkommensein und Liebe,
‱ und verhindere Alleinsein und Vernichtung.
Dem Patienten wird geholfen, das Gebot und Verbot in eine Erlaubnis zu verwandeln. Denn diese Überlebensregel hat zur Symptombildung gefĂŒhrt. Sie hat wehrhaftes Verhalten gestoppt, zum Nachgeben gezwungen und eine Reaktionskette hervorgerufen, die den Griff zum Alkohol notwendig gemacht hat (Beispiel):
‱ Situation: Ehefrau und Schwiegereltern werten ihn massiv ab.
‱ PrimĂ€re Emotion: Wut
‱ PrimĂ€rer Handlungsimpuls: Wut zeigen, wirksam wehren
‱ Überlebensregel verbietet das, indem sie die Folgen vor Augen fĂŒhrt: Liebes- und Beziehungsverlust
‱ SekundĂ€res GefĂŒhl: Ohnmacht, Wertlosigkeit
‱ Vermeidungsverhalten: schluckt die Wut herunter und gibt nach
‱ Symptombildung: Griff zum Alkohol.
BezĂŒglich des thematischen Ablaufs der Therapie können wir bei PKP sechs Therapiestrategien unterscheiden (
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Abb. 1.2), die eine Rosette um das therapeutische Grundprinzip bilden (Vom Überleben zum Leben – von der BedĂŒrfnisorientierung zur Wertorientierung):
1. Beziehung gestalten
2. Die dysfunktionale Überlebensregel entdecken und Ă€ndern
3. Achtsamkeit ĂŒben und Akzeptanz entstehen lassen
4. Symptomtherapie – Abstinenz erhalten
5. Kompetenzen und Fertigkeiten aufbauen – Selbstwirksamkeit erfahren
6. Entwicklung des Menschen fördern – EmpathiefĂ€higkeit entwickeln
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Abb. 1.2: Die sechs Therapiestrategien der PKP (aus Sulz 2017c, S. 11)
Der Verlauf der Therapie kann in 20 implizite prozessuale Therapieschritte unterteilt werden (Sulz 2017...

Table of contents

  1. Deckblatt
  2. Titelseite
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Vorwort
  6. EinfĂŒhrung in das Thema Alkohol – zuerst etwas Hintergrundwissen
  7. 1 EinfĂŒhrung in den PKP-Therapieansatz der AlkoholabhĂ€ngigkeit
  8. 2 PKP-Therapiemodul 1: Patientenaufnahme
  9. 3 Die PKP-Therapiemodule
  10. 4 Symptomtherapie – SĂ€ule 1 der Therapie
  11. 5 Fertigkeitentraining – Aufbau von Kompetenz
  12. 6 Vom Überleben zum Leben – von der dysfunktionalen Überlebensregel zur Erlaubnis gebenden Lebensregel
  13. 7 Entwicklung der Persönlichkeit
  14. 8 Paartherapeutische Sitzungen
  15. 9 Gruppentherapeutische Sitzungen
  16. 10 Familientherapeutische Sitzungen
  17. Literatur

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