Es sind teilweise weit ĂŒber Berlin hinaus bekannt gewordene Persönlichkeiten, die am Werderschen Markt in Berlin zu historisch unterschiedlichsten Zeitpunkten wohnten und wirkten und an die keine Gedenktafel erinnert: Der kurfĂŒrstliche Premierminister, der im Kerker landet; der hollĂ€ndische Kaufmann, der Brandenburg in eine Seemacht verwandeln will, der Buchdrucker und Erfinder eines gemeinnĂŒtzigen, auch auĂerhalb des Landes geschĂ€tzten Stadtmöbels, der Schöpfer des ersten Kaufhauses von Berlin, der Chef der Deutschen Reichsbank, der sich willig den NS-Machthabern andient, der Direktor des Reichskriminalpolizeiamts, der sich nach 1933 mittels Tricks, Intrigen, aber auch mit regimekonformen verbrecherischen Taten durchschlĂ€ngeln will, der Kirchenmann, der sich mutig der nationalsozialistischen Ideologie widersetzt, der SED-Chef und Staatsratsvorsitzende, der wie sein Nachfolger versucht, eine sozialistische Gesellschaftsordnung zu errichten und scheitert.
Viel ehrgeiziges Streben, aber auch GröĂenwahnsinniges hat der Werdersche Markt erlebt. Mit diesem Wissen ausgestattet, sieht mehr, wer dort wohnt, arbeitet, ĂŒbernachtet oder flaniert.
