Im Jahre 2018 hat die SPARDAT ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert, denn die Gründung erfolgte mit der Unterzeichnung des Gesellschafts-Vertrages am 8. August 1968. Die Geschichte der SPARDAT ist untrennbar mit der Sparkassenautomation dieser 50 Jahre verbunden und hat diese maßgeblich beeinflusst. Die SPARDAT war - darüber sind sich sehr viele ehemalige Mitarbeiter einig - ein außergewöhnliches Unternehmen, was in diesem Buch durch viele Fakten, Bilder und Geschichten untermauert wird. Es wird erzählt, wie eine kleine Firma mit anfangs acht Mitarbeitern mit damals in Österreich neuen Methoden bezüglich Unternehmenskultur, Führungstechniken und Mitarbeiter-Motivation zu einem Unternehmen mit über tausend Mitarbeitern gewachsen ist. Das Buch ist für den Themenkomplex ein Zeitdokument.

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50 Jahre Sparkassen-Automation
Die Erfolgsgeschichte der SPARDAT-Buchungsgemeinschaft
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50 Jahre Sparkassen-Automation
Die Erfolgsgeschichte der SPARDAT-Buchungsgemeinschaft
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1 Prolog
Im Jahre 2018 hat die SPARDAT ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert, denn die Gründung dieses Unternehmens erfolgte mit der Unterzeichnung des Gesellschafts-Vertrages am 8. August 1968. Als Firmenziel wurde im Vertrag die Errichtung einer Buchungsgemeinschaft definiert, die allen österreichischen Sparkassen EDV-Dienstleistungen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten anbieten sollte. Der Name SPARDAT ist heute nur mehr wenigen bekannt, denn durch in der Folge beschriebene Umstände, wie zum Beispiel Eigentümerwechsel, heißt die Nachfolgefirma s IT Solutions Austria. Diese fungiert als IT-Dienstleister der Erste Bank und Sparkassen und ist ein Tochterunternehmen der Erste Group. Der Name SPARDAT ist aber nach wie vor im Handelsregister eingetragen.
Einige ehemalige Mitarbeiter der SPARDAT, welche die Anfänge miterlebt haben, fassten einen Entschluss: Dieses Ereignis muss entsprechend gewürdigt und es soll in Form eines Druckwerkes darüber berichtet werden. Gemäß SPARDAT-Gepflogenheiten wurde professionell vorgegangen, ein Projekt aufgesetzt und von der Gruppe Norbert Tischelmayer als Projektleiter bestimmt. Nach Erarbeitung eines Konzeptes mit erforderlicher Zielsetzung, Aktivitäten und Terminen bzw. Zeitplan sowie auch den geschätzten Kosten wurde mit der Umsetzung begonnen.

Die Geschichte der SPARDAT ist untrennbar mit der Sparkassen-Automation dieser 50 Jahre verbunden und hat diese maßgeblich beeinflusst. Die SPARDAT war – darüber sind sich sehr viele ehemalige Mitarbeiter einig - ein außergewöhnliches Unternehmen, was in diesem Buch durch viele Fakten, Bilder und „Geschichten“ untermauert wird. Ich selbst war in der SPARDAT 25 Jahre und in den RZ-Betriebs-Nachfolgefirmen SARZ und iT-AUSTRIA 10 Jahre tätig. In diesem langen Zeitraum gab es nur relativ wenige Tage, an denen ich nicht gerne in die Firma gegangen bin.
Die Zielgruppe für dieses Buch sind die ehemaligen Mitarbeiter der SPARDAT und aller Nachfolgefirmen sowie ehemalige und aktive Mitarbeiter des Sparkassen-Sektors. Es wäre schön, wenn darüber hinaus auch Leser gewonnen werden können, die ein allgemeines Interesse an der Sparkassen-Automation und der Entwicklung der Computer-Technologie der letzten 50 Jahre haben. Außerdem kann man erfahren, wie ein kleines Unternehmen mit anfangs nur acht Mitarbeitern mit damals in Österreich neuen, ungewöhnlichen bzw. revolutionären Grundsätzen bezüglich Unternehmenskultur, Führungstechniken und Mitarbeiter-Motivation zu einem Unternehmen mit über tausend Mitarbeitern gewachsen ist. Das Buch ist für diese drei Bereiche ein Zeitdokument.
Es ist ein Gemeinschaftswerk vieler Autoren mit allen dadurch geprägten Stärken bezüglich Vielfalt, aber vielleicht auch Schwächen bezüglich der „Wahrheit“ und zum Teil auch inhaltlichen Überschneidungen. Jeder erzählt „seine Geschichte“ nach seinen persönlichen Erinnerungen, die ja zum Großteil sehr lange zurückliegen. In diesem Zusammenhang ist folgender Umstand bemerkenswert: obwohl bei den meisten seit ihrem Ausscheiden aus der SPARDAT viele Jahre (Jahrzehnte) vergangen sind, haben sich insgesamt 25 Personen bereit erklärt, einen Beitrag zu leisten. Das ist bei weitem nicht selbstverständlich.
Die Beiträge der SPARDAT-Autoren sind von positiven Erlebnissen an diese Zeit geprägt. Um die notwendige Objektivität zu gewährleisten, kommen deshalb auch Kunden und Externe zu Wort.
Alle Mitarbeiter haben zum Erfolg der SPARDAT-Buchungsgemeinschaft beigetragen. Wir möchten uns bei allen entschuldigen, die namentlich nicht genannt werden.
Norbert Franz-Josef Tischelmayer - Wien im Oktober 2020
PS: Inzwischen gab es zahlreiche zum überwiegenden Teil positive Rückmeldungen zu diesem Buch. Das waren u. a. Frau Patricia Neumann (Country General Manager IBM Austria) und Herr Helmut Vanek (Steiermärkische Sparkasse), deren Feedbacks in dieser 4. Auflage enthalten sind (siehe Kap. 11.4).
2 Das Unternehmen
Anfang der 1960er-Jahre wurden im österreichischen Kreditsektor die ersten damals noch nicht als Computer bezeichneten Geräte eingesetzt, das waren die Zentralsparkasse, die Erste österreichische SparCasse, die Girozentrale und die Salzburger Sparkasse. Als rein lochkartenorientierte Anwendungen wurden bei diesen Instituten anfangs die Buchung von Giro- und Sparkonten entwickelt. Im Jahre 1967 wurde vom Hauptverband der Sparkassen der damals beim Computerhersteller Remington Rand-UNIVAC tätige Erwin Standl beauftragt, die flächendeckende Computerisierung im Sparkassensektor auf Basis der Erfahrungen der bisherigen Anwender und die Gründung einer Buchungsgemeinschaft vorzubereiten.
Aus diesem Grund wurde am 19. Mai 1967 sozusagen als Vorgängerfirma der SPARDAT die STUSA (Studiengesellschaft für Sparkassen Automation) mit Beteiligung von Sparkassenverband, Girozentrale, Sparkassenverlag, der beiden Wiener Sparkassen sowie der Landeshauptstadt-Sparkassen gegründet und Erwin Standl als Geschäftsführer bestellt. Der Praxistest der STUSA war die Automatisierung der Kärntner Sparkasse von 1967 bis1968. Das positive Ergebnis führte dann 1968 zur Einführung der Datenverarbeitung in der Allgemeinen Sparkasse in Linz. Die STUSA war ab der ebenfalls in diesem Jahr erfolgten Gründung der SPARDAT ein inaktiver Teil davon. Sie wurde dann im Jahre 1970 unter der Führung von Hans Ambros als eigenständige Firma reaktiviert und beschäftigte sich mit langfristig ausgerichteter Grundlagenarbeit.
Am 8. August 1968 wurde mit der Unterzeichnung des Gesellschafts-Vertrages die SPARDAT ins Leben gerufen. Die Gründungsmitglieder waren Generalsekretär Dr. Walter Sadleder vom Sparkassen-Verband, Direktor Herbert Lugmayr von der Zentralsparkasse und Direktor Dr. Theoderich Mellich von der Girozentrale. Die Anteile hielten der Sparkassen-Verband mit 45%, die Girozentrale mit 45% und der SPV mit 10%. Am 23. September 1968 wurde die SPARDAT mit dem Eintrag in das Handelsregister als Ges.m.b.H. rechtswirksam; der erste Geschäftsführer war Erwin STANDL. Die SPARDAT bestand aus 8 Mitarbeitern.

Als Ziele werden u. a. definiert: Es wird eine Buchungsgemeinschaft errichtet, die allen österreichischen Sparkassen EDV-Dienstleistungen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten anbieten soll. Die finanzielle Gestionierung ist so zu gestalten, dass die SPARDAT insgesamt kostendeckend arbeiten kann. Die SPARDAT verpflichtet sich, dass für diese Dienstleistungen geeignete und ständig auf dem letzten Wissensstand befindliche Mitarbeiter sowie die technischen Einrichtungen zur Verfügung stehen. Bis 1975 sollen sämtliche Sparkassen an leistungsfähige EDV-Anlagen angeschlossen sein. (übrigens wurde dann bis zum Jahre 1975 dieses Ziel nahezu, mit Ausnahme von 7 Instituten, erreicht). Im Jahre 1968 gab es insgesamt 172 Sparkassen mit 506 Geschäftsstellen; nur 3 davon hatten eine eigene EDV, die damals noch lochkartenorientiert war (Zentralsparkasse, Erste Österreichische SparCasse und Salzburger Sparkasse).
2.1 Die Geschäftspolitik der SPARDAT
Im Frühjahr 1971 erschien die erste Nummer der Broschüre „SPARDAT-Info“. Für die redaktionelle Gestaltung war Hans-Georg Schwarz verantwortlich. In zeitlichen Abständen von ca. acht Wochen wurde Aktuelles über die SPARDAT, allgemein über die Computerbranche und vor allem über alle für die Sparkassen interessanten Neuerungen und Erweiterungen der SPARDAT-Dienstleistungen berichtet (siehe auch unter Kap. 9.9). Unter anderem war in der Nummer 1 die Geschäftspolitik der SPARDAT mit drei Prinzipien und fünf Zielen wie folgt formuliert:


2.2 Organisationsstruktur
Zu Beginn gab es in der SPARDAT eine flache Hierarchie mit anfangs drei Ebenen (GF, Abteilung, Referat) und später vier Ebenen (GF, Bereich, Abteilung, Team). Bei einer kleineren Mitarbeiteranzahl ist das zwangsläufig so (1970 rund 70). Nach einer Legende gab es beim Orden der Zisterzienser folgende Regel: Hatte ein Kloster eine Anzahl von etwa 60 bis 70 Mönchen erreicht, mussten die jüngsten 12 das Kloster verlassen und an einer anderen Stelle ein neues Kloster gründen. Diese Größe entspricht auch in etwa einer Horde in der Steinzeit. Jeder kennt jeden, jeder weiß um Stärken und Schwächen der anderen und niemand kann sich verstecken und schmarotzerhaft agieren, indem er sich nicht an den notwendigen Arbeiten in der Gruppe beteiligt. Das würde sofort entsprechende Maßregelungen nach sich ziehen.
Die gesamte SPARDAT-Zeit war geprägt von unzähligen Strukturänderungen. Trotz großer Bereitschaft der SPARDAT’aner zu Veränderungen war das zum Teil zwar sehr belastend aber auch von Vorteil, weil sich besonders für die karrierebewussten Kollegen ständig neue Chancen ergaben. Siegfried „Sigi“ Nowak hat sich die Mühe gemacht und von 1970 bis Anfang 2000 alle Strukturänderungen gesammelt. In diesen 31 Jahren waren es unglaubliche 86 (sechsundachtzig). Das bedeutet im Durchschnitt rund drei Änderungen jährlich oder anders ausgedrückt gab es alle vier Monate eine strukturelle Veränderung. Darüber gibt es auch eine der zahlreichen Anekdoten, wie sie dann im Kap. 8 erzählt werden.
Wieder einmal wurde in einer Middle (großer Besprechungskreis aller Führungskräfte) eine Strukturänderung vorgestellt. Wilhelm Markom meldete sich zu Wort und meinte, man möge in Hinkunft auf den neuen Organigrammen nicht nur das Datum, sondern auch die Uhrzeit vermerken. Vom Großteil der Runde wurde dies mit schallendem Gelächter belohnt, aber es gab nach Ohrenzeugenberichten auch einen hochrangigen Nichtgenannten, dem dies nicht gefallen hat (ja – es gab auch humorlose Leute in der SPARDAT).
In der Folge werden einige Organigramme gezeigt, und zwar von jenen Jahren, in denen ein Wechsel in der Geschäftsführung stattgefunden hat. Das hat selbstverständlich auch immer einen mehr oder weniger großen Wandel bedeutet, weil selbstredend jeder neue Geschäftsführer seine Vorstellungen und Ideen einbrachte, die sich auch in recht verschiedenen Führungsstilen äußerten.

Runde der ehemaligen SPARDAT-Geschäftsführer 22. Jänner 2004: Johannes Höbinger, Christian Gosch, Erwin Standl, Peter Bezold, Gerhard Schellander, Peter Benda und Walter Mangl.
2.3 Erwin Standl und Peter Benda - 1970 bis 1980
Im Zeitraum 1970 bis 1980 waren Erwin Standl und Peter Benda als Geschäftsführer verantwortlich. Diese zwei haben auf entscheidende und nachhaltige Art die SPARDAT-Kultur eingeführt und geprägt. Peter Benda wechselte 1975 in die GIROZENTRALE als Bereichsleiter Organisation, war aber nach wie vor als zweiter Geschäftsführer in der SPARDAT tätig. Erwin Standl wechselte dann Mitte 1980 in die ERSTE BANK. Das Organschafts-Verhältnis bzw. der bilanzmäßige Gewinn- und Verlustabsaugungs-Vertrag mit der GZ wurde 1974 beendet; die SPARDAT war aber nach wie vor eine 100%-ige GZ-Tochter.
Das Organigramm zeigt die Struktur im Juni 1974. Die SPARDAT beschäftigte 117 Mitarbeiter, die Umsatzerlöse betrugen 91,4 Mio ATS. Das Ereignis dieses Jahres war der Einsatz des neu entwickelten Datenerfassungs-System EDESYS am 11. November in der Sparkasse Stockerau. Im GIROZENTRALEHaupthaus 1010 Wien Schubertring wurde im März dieses Jahres das SPARDAT-RZ-Wien 2 in Betrieb genommen. Es diente ausschließlich für die Beleglesungs-Arbeiten der GZ-Abteilung 252.


2.4 Peter Bezold, Peter Carniel, Friedrich Horak - 1980 bis 1983
Im Jahre 1973 wurde von der GIROZENTRALE die Tochtergesellschaft LOGICA als Programmentwicklungs-GmbH gegründet. Rund 20 Leute verließen die SPARDAT und bildeten den Grundstock (u. a. Herbert „Alfi“ Schmid, Johann Hack, Jörg Reidlinger und Siegfried Nowak). Die LOGICA bezog ein Gebäude in 1020 Wien, Schreygasse und hatte die Aufgabe, speziell für die GIROZENTRALE und die s Bausparkasse EDVAnwendungs-Systeme zu entwickeln. Im Gegensatz zur SPARDAT, die auf die Programmiersprache COBOL setzte, war in der LOGICA der ASSEMBLER Standard. Es gab auch verschiedene Meinungen bezüglich Führungstechniken. Die SPARDAT setzte auf „GRID“, die LOGICA auf „Transaktionsanalyse“. Das Verhältnis der beiden Firmen war nicht konfliktfrei, es wurde aber in Projekten professionell zusammengearbeitet.

Die LOGICA wurde dann Ende 1980 wieder aufgelöst und deren Agenden und der Großteil der Mitarbeiter in die SPARDAT rückgeführt, was eine Änderung in der Geschäftsführung und große Strukturänderungen bewirkte. Die LOGICA brachte die für die GIROZENTRALE entwickelten Anwendungspakete ein (AZV, Depot, WPA). Nun gab es das Geschäftsf...
Table of contents
- Über den Autor
- Inhaltsverzeichnis
- 1 Prolog
- 2 Das Unternehmen (Norbert Tischelmayer & Geschäftsführung)
- 3 SPARDAT-Mitarbeiter berichten
- 4 Chronik der Ereignisse (Hans Georg Schwarz)
- 5 Anwendungsentwicklung (Franz „Angelo“ Gruber)
- 6 Technik (Norbert Tischelmayer & Egon Telecek)
- 7 Kunden & Eigentümer (Hans-Georg Schwarz & Kunden)
- 8 Anekdoten & Bonmots (verschiedene Zeitzeugen)
- 9 Unternehmenskultur (Norbert Tischelmayer)
- 10 In Memoriam
- 11 Epilog
- Quellen
- Bildquellen
- Impressum
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