Shaolin Qi Gong
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Shaolin Qi Gong

Herz beruhigen, Niere stärken

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Shaolin Qi Gong

Herz beruhigen, Niere stärken

About this book

Shaolin Qi Gong ist eine altchinesische Bewegungskunst, die Heilgymnastik, Atemtechniken und meditative Übungen kombiniert und damit ein fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin darstellt. Bodhidharma, ein indischer Mönch, der im legendären Shaolinkloster lebte und wirkte, gilt als der Begründer des Shaolin Qi Gong und erschuf die ersten Shaolin Qi Gong Übungen Yi Jin Jing (Muskel und Sehnen Qi Gong), Xi Sui Jing (Knochenmark Qi Gong) sowie das meditative Sitzen (Chan).Im vorliegenden Buch werden die Shaolin Qi Gong Übungen in Theorie und Praxis erklärt.

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Information

Year
2020
Print ISBN
9783751979740
eBook ISBN
9783752664973

Grundlegende Qi Gong Übungen

Der Qi Gong Stand

Die Basis für jede Qi Gong Übung ist eine entspannte aber dennoch achtsame Haltung. Man nennt diesen Zustand in China „fang song“ und man könnte diesen Begriff mit „Wohlspannung“ übersetzen. Wohlspannung bedeutet der Körper hat die größtmögliche Entspannung und trotzdem ausreichend Muskelspannung und eine aufrechte, physiologische und wohltuende Haltung zu gewährleisten.
Für die Übungen im Stehen gibt es ganz speziell den Qi Gong Stand, der hier stellvertretend für die Ausgangspositionen genau erklärt werden soll.
Gemäß der aufsteigenden Muskelketten beginnt man die Einnahme des Standes bei den Füßen: Diese werden schulterbreit und parallel abgestellt und das Körpergewicht gleichmäßig auf beide Fußsohlen verteilt. Die Knie werden ganz leicht gebeugt und soweit nach außen gedrückt, dass man merkt, wie die Fußsohlenaußenkante etwas mehr belastet wird, wie die Innenkante.
Die Hüften werden locker und entspannt gehalten, wobei das Becken so eingedreht wird, dass Steißbein und Kreuzbein wie eine Schaufel unter den Körper gleiten und dadurch die Lendenwirbelsäule etwas begradigt wird.
Der Oberkörper wird aufgerichtet, die Schultern werden etwas nach hinten gezogen und das Kinn wird in Richtung Hals und Brustbein bewegt, so dass auch die Halswirbelsäule möglichst gerade ausgerichtet werden kann.
Durch diese Übungen wird die Doppel-S-Form der Wirbelsäule etwas aufgelöst und sie wird bewusst deutlich gerader gehalten wie im Alltag.
Den Kopf zieht man dann vom höchsten Punkt, den man in der traditionellen chinesischen Medizin „Hundertfaches Zusammentreffen (baihui) nennt, nach oben Richtung Himmel.
Man kann den Körper jetzt einteilen in eine Basis: Von den Füßen bis zur Hüfte hat der Körper die Tendenz Richtung Erde zu ziehen und sich fest zu verwurzeln. Der Mittelteil des Körpers, vom Bauchnabel bis zu den Schultern, öffnet sich zur Umwelt und den Mitmenschen und intensiviert durch diese Öffnung das Ein- und Ausatmen. Und der Kopf letztendlich zieht zum Himmel und richtet den gesamten Körper nach oben aus und gibt den Gelenkzwischenräumen den nötigen Spielraum für eine nahezu reibungslose Bewegung der Gelenkpartner. Man nennt dies Haltung auch die Körperhaltung von Himmel, Mensch und Erde (tian, ren, di).
Während des Qi Gong Standes versucht man, die Atmung ruhig, tief, gleichmäßig und vor allem bewusst zu führen. Sobald sich ein angenehmer Atemrhythmus eingestellt hat, konzentriert man sich auf den Geist, auf die Gedanken und Gefühle. Das Ziel soll das Einfinden im Hier und Jetzt sein, ohne sich um die Vergangenheit oder die Zukunft zu kümmern. Was war ist gewesen, was kommen wird, wird kommen, gelebt und geübt wird einzig und allein in der Gegenwart.
Somit eignet sich der Qi Gong Stand perfekt als Einstieg, um sich, seinen Körper und seinen Geist auf das Qi Gong Üben einzustimmen – unabhängig davon, welche Übungen oder welche Übungsserie man ausüben und trainieren möchte.

Die Atemblume im Shaolin Qi Gong

Um die Methoden der Energieführung näher zu erläutern, ist die Übung der Atemblume (sie wird auch die große Atmung genannt) ein gutes Beispiel was einerseits zu einem klaren Verständnis führt und andererseits zum sofortigen Nachüben einlädt.
Die Atemblume oder große Atmung ist im Shaolin Qi Gong der rituelle Anfang und das rituelle Ende eines jeden Übungssets bzw. einer jeden Übungseinheit. Sie soll den Übenden auf das Training einstimmen, Körper und Geist vorbereiten und den Fluss der Lebensenergie so anregen, dass mit den klar definierten Ideen der weiteren Übungen begonnen werden kann. Genauso soll die Atemblume nach der Übungseinheit den Übenden aus der geistigen Qi Gong Haltung in den Alltag zurückbringen und mental wieder im Hier und Jetzt verwurzeln, falls sich durch das Üben z.B. eine gewisse „Zeitlosigkeit“ eingestellt hat.
Die Atemblume beinhaltet zwei Atemzüge und teilt sich in vier Bewegungen beziehungsweise fünf Phasen ein. Somit hat man die Möglichkeit, die Übung als Atemübung zu sehen oder aber über die vier Bewegungen suggestiv die Energieleitbahnen nachzuspüren bzw. über die fünf Phasen die Wandlungsphasen mit ihren Energiekonzepten zu üben. Dabei beinhaltet die gymnastische Komponente alle vier Methoden der körperlichen Energieführung: Anspannung/Entspannung der Muskulatur, Anheben/Absenken des Körpers, Ausdehnen/Zusammenziehen des Körpers mit Hilfe der Extremitäten und Spiralbewegungen hauptsächlich der Gelenke bzw. durch die Gelenke.
Zunächst wird, wie bei allen Übungen im Stehen, der Qi Gong Stand eingenommen, bevor die eigentliche Atemübung beginnt. Der Qi Gong Stand wurde im vorherigen Kapitel ausführlich erklärt.
1. Phase der Atemblume
Die Arme hängen seitlich am Körper nach unten. Mit Beginn der Einatmung bewegt man die Hände in einer schöpfenden Bewegung und führt sie unter Zuhilfenahme der Arme mit Handflächen nach oben und entspannten Schultern bis vor das Brustbein. Jede Bewegung der großen Atmung wird im Sinne der Geschwindigkeit und des Rhythmus exakt mit der Atmung abgestimmt.
Die erste Phase wird dem Element Erde zugeordnet: Die Bewegung wird zur Mitte des Körpers geführt.
Gleichzeitig stellt man sich vor, man holt die Energie aus den Beinen und bringt sie zum Brustraum (entspricht den Fuß-Brust-Meridianen).
2. Phase der Atemblume
Wenn die Atmung in die Ausatemphase übergeht, gleiten die Hände auf dem gleichen Weg, wie wir sie nach oben gebracht haben, wieder nach unten, bis die Fingerspitzen Richtung Erde zeigen.
Phase 2 ist dem Element Wasser zugewiesen, da die Bewegung nach unten fließt wie auch das Wasser stets nach unten drängt.
In der zweiten Phase übt man die Meridiane, die von der Brust bis zu den Fingerspitzen ziehen und füllt diese mit frischer Energie (Brust-Hand-Meridiane).
3. Phase der Atemblume
Nach der ersten Atmung kommt eine kleine Atempause, in der man die Arme soweit nach außen rotiert, dass die Daumen in Richtung des Rückens zeigen, die Schulterblätter zusammengepresst werden und der Brustraum dadurch weit geöffnet wird.
4. Phase der Atemblume
Jetzt beginnt die Einatmung des zweiten Atemzuges. Hierzu werden die Arme weit nach außen gestreckt nach oben bis über den Kopf bewegt, so dass sich die Handflächen exakt über dem Kopf treffen und wie betende Hände locker zusammengedrückt werden.
Die 4. Phase enthält die Wandlungsphasen Holz und Feuer: Zunächst breiten wir die Arme aus wie auch ein Baum in alle Richtungen wächst – die Wurzeln nach unten, die Krone seitwärts und nach oben. Danach führen wir die Arme nach oben über den Kopf, wie auch das Feuer stets nach oben brennt.
Diese Übungsphase entspricht den Hand-Kopf-Meridianen und man stellt sich vor, wie die Energie aus den Fingerspitzen über die Arme bis zu den jeweils höchsten Meridianpunkten des Kopfes gebracht wird.
5. Phase der Atemblume
Danach erfolgt die Ausatemphase, bei der die Hände in der betenden Stellung nach unten geführt werden bis etwa vor Mund und Nase. Dort öffnen sich die Hände, so dass sich nur noch die Fingerspitzen berühren und die Handflächen nach unten zeigen. In dieser Haltung letztendlich werden die Hände vor dem Körper weiter bis ganz nach Unten geführt.
Die 5. Phase entspricht der Wandlungsphase Metall und damit der zusammenziehenden Energie – alles wird auf einen Punkt gebracht.
Mit der Vorstellungskraft begleiten wir die Energie vom Kopf weg nach unten bis zu den Fußsohlen bzw. den Zehenspitzen (Kopf-Fuß-Meridiane).
Nun kann man entweder wieder mit Phase 1 beginnen und so viele große Atmungen fließend aneinanderreihen oder aber man beendet die Übung der großen Atmung, in dem man die Hände als Schale formt und diese vor das untere Energiezentrum (dantian), welches sich zwei Finger breit unter dem Bauchnabel befindet, platziert.
Werden die Arme bei der Atemblume nach oben bewegt, erfolgt dies immer unter leichter Anspannung der Muskulatur, führt man die Arme nach unten, so löst man diese Anspannung wieder (Prinzip Anspannen/Entspannen). Bewegt man die Arme eher Richtung Körperzentrum, so ist die Übung eher zusammenziehend, bewegt man sie vom Zentrum weg, ist die Übung ausdehnend. In den Einatemphasen werden die Arme und auch der Körper (aus der Hüfte heraus) leicht nach oben bewegt, in den Ausatemphasen dann wiederum nach unten. In der dritten Phase, also während der kurzen Pause zwischen dem ersten und zweiten Atemzug, führen die Arme eine kleine Spiral- bzw. Rotationsbewegung aus, um die Schulterregion und den Brustraum zu öffnen.
So sind alle Methoden der Energieführung in dieser einfachen und jederzeit zu übenden Qi Gong Übung möglich.
Die große Atmung oder Atemblume – der Anfang und das Ende jedes Shaolin Qi Gong Übungssets.

Die kleine Atmung

Im Gegenzug zur großen Atmung oder Atemblume beinhaltet die kleine Atmung nur einen einzigen Atemzug. Sie wird zum Beispiel ausgeführt, um die Konzentration und den Fokus zwischen den Qi Gong Übungen wieder zurück auf den Unterbauch und das untere Energiezentrum (dantian) zu richten. Dazu wird sie mehrmals hintereinander, mindestens jedoch fünf Mal, ausgeführt.
Zu Beginn wird der Qi Gong Stand eingenommen und die Arme seitlich des Körpers nach unten hängen gelassen. Wie auch bei der Atemblume werden die Arme zu Beginn der Einatmung mit einer schöpfenden Bewegung der Hände nach oben bis auf Höhe des Brustbeines gebracht. Wenn die Einatmung in die Ausatmung übergeht, drehen die Hände, so dass die Handflächen zum Boden zeigen. Während der gesamten Ausatmung werden die Hände nun links und rechts der Körpermittellinie nach unten gebracht, bis die Arme nahezu gestreckt nach unten hängen und die Fingerspitzen zum Boden zeigen.
Jetzt können die Hände in einer schöpfenden Bewegung die nächste kleine Atmung initiieren oder aber man bringt die Hände als Schale vor das untere Energiezentrum um sich, seine Energie und seine Aufmerksamkeit dort zu sammeln und beendet damit die Übung.
Großmeister Shi Yongchuan unterrichtet die kleine Atmung in der Shaolin Wu Xiao Schule in Senden anlässlich eines Qi Gong Seminars.

Wellenspiel

Eine Variation der kleinen Atmung ist das sogenannte Wellenspiel. Man nimmt auch hier den Qi Gong Stand ein, lässt die Arme nach unten hängen und legt dabei aber die Handflächen vorne auf die Oberschenkel ab. Bei der Einatmung führt man nun die Arme vor dem Körper etwas nach oben und bei der Ausatmung wieder nach unten. Diese Bewegung ist recht klein, spielt sich komplett vor dem Bauch ab und wird wellenförmig ausgeführt.
Das heißt, die Schultern initiieren die Bewegung, dann folgen die Ellbogen, danach wiederum die Handgelenke und letztendlich dann die Hände und Finger. Wenn die Hände und Finger in der Einatmungsphase nach oben gebracht werden und die Atmung langsam in die Ausatmungsphase übergeht, beginnen die Schultern schon wieder mit der Abwärtsbewegung. So entsteht eine kleine Wellenbewegung der Arme. Wichtig ist, darauf zu achten, dass das Brustbein in die Auf- und Ab-Bewegung einbezogen wird und die Übung trotz...

Table of contents

  1. Hinweise
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Motto
  4. Vorwort
  5. Die Geschichte des Qi Gong
  6. Die Traditionelle Chinesische Medizin
  7. Chan - der chinesische Buddhismus
  8. Arbeiten an und mit der Lebensenergie
  9. Grundlegende Qi Gong Übungen
  10. Zusammenfassung und Schlußbetrachtung
  11. Erklärung chinesischer Fachbegriffe
  12. Impressionen
  13. Impressum

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