Der Sommer ist doch einfach die schönste Jahreszeit in Hohenlohe! Grund genug, in den drei anderen Jahreszeiten vom Hohenloher Sommer zu träumen. Die Crailsheimer Autorin Wildis Streng jedenfalls träumt davon - mit kleinen Geschichten, Erzählungen, Überlegungen und Gedichten. Von früher und von heute.

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Hohenloher Sommerträume
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Information
Märchenhaftes Hohenlohe
Die Quelle bei Satteldorf
Die Quelle ist klein und gar nicht spektakulär. Jedenfalls nicht so, wie man sich eine Quelle vorstellt. Nicht sprudelnd, nicht gewaltig. Nein, sie ist ein kleines, aus Naturstein gemauertes, ovales Becken von etwa 80 cm Breite. Und aus einem Rohr, noch unter der Oberfläche des terrassenförmig angelegten Bodens, rinnt Wasser. Mal hat der Strahl die Intensität eines laufenden Wasserhahns. Mal rinnt er kläglich. Mal tröpfelt die Quelle bloß. Aber sie speist ein kleines Bächlein. Ich komme gern auf meinen Spaziergängen hierher, denn die Quelle hat etwas Magisches. Es ist faszinierend, dass da Wasser fließt – einfach so. Ich weiß nicht, woher es kommt. Es ist früher Abend, das letzte Spätsommerlicht taucht die Umgebung in goldenes Leuchten. Die Quelle selbst bleibt verschattet, das ist sie immer, und ich finde, das passt. Das Wasser riecht warm, obwohl es kalt ist. Ich halte eine Hand unter den rinnenden Strahl. Kühl und klar wirkt das Wasser. Ich benetze meine Lippen, es schmeckt süß. Plötzlich ein Rascheln im Gras neben mir. Ich erschrecke, denn ich entdecke eine kleine, gelbe Schlange. Eine Blindschleiche. Sie hebt den Kopf etwas vom Boden und sieht mich direkt an. Dann schlängelt sie sich durchs hohe Gras davon. Ich stelle mir vor, sie wäre verzaubert.

Rotkleidchen in Wildentierbach
Sie hatte sich sofort in dieses kleine, bezaubernde Haus in Wildentierbach verliebt. Seit sie diesen Frauenroman über Biggy gelesen hatte, die aus der Stadt aufs Land gezogen war, hatte ihr genau so etwas vorgeschwebt. Ein kleines, altes Haus mit einem Bauerngarten davor. Ihre letzte Beziehung war Monate her, und sie hatte sich für einen Neuanfang entschieden, hatte eine neue Stelle in Niederstetten gefunden. Also war sie nach Wildentierbach in das Traumhäuslein gezogen und hatte sich einen Hund geholt. Naja, böse Zungen nannten ihren Rex auch „Ratte“, denn es handelte sich um einen Chihuahua. Sie fand das gemein, Rex war keine Ratte, sondern der schönste, liebste und mutigste Hund der Welt. Und er war ausdauernd, sie konnte mit ihm wirklich ausgedehnte Spaziergänge durch die Wildentierbacher Wälder unternehmen. So wie heute, an diesem wunderschönen Sommerabend. Die Sonne versendete letzte Strahlen und tauchte den Wald in ein goldenes Licht, das hie und da zwischen den Bäumen hindurch funkelte. Nicht überall erreichte das Licht den duftenden, moosigen Waldboden. Manche Stellen waren erstaunlich dunkel, so dunkel, dass man sich über ihre Finsternis wunderte. Sie trug ihr neues rotes Kleid, das in einer klassischen A-Linie geschnitten war und das wirklich gut aussah an ihr. Obwohl das hier im Wald zweitrangig war, denn es würde ihr hier sicherlich niemand begegnen, der sie attraktiv hätte finden können. Egal, dann war sie eben für Rex schön, der begeistert den Boden inspizierte und ab und zu Haken schlug, als wäre er kein Hund, sondern ein Feldhase. Er hechelte glücklich, schnupperte, wühlte. Selten nur blickte er zu ihr auf, er war einfach zu beschäftigt. Und auch sie hing ihren Gedanken nach. Hier war sie nun also gelandet, in Wildentierbach. Im Wald. Im tiefen, dunklen Wald. In den Fränkischen Nachrichten hatte heute ein Artikel gestanden, über den Wolf. „Der Wolf ist in Hohenlohe!“ Eine Wildkamera bei Niederstetten habe einen Wolf geknipst, angeblich. Vielleicht sei es aber auch nur ein großer Hund gewesen, das könne man nicht wissen und das könne durchaus sein, es gebe ja viele Hunderassen, die dem Wolf, lupus lupus, sehr, sehr ähnlich sähen. Sie hatte den Kopf geschüttelt, so ein Quatsch! Niemals war hier ein Wolf! Und aus urheberrechtlichen Gründen könne man das Bild leider nicht abdrucken, hatte noch dabei gestanden. Sie hatte erneut den Kopf geschüttelt und sich gefragt, ob der Selbstauslöser der Kamera denn tatsächlich seine Persönlichkeitsrechte verletzt gesehen hätte, wenn die „Fränkischen Nachrichten“ sein Bild gedruckt hätten. Weil interessant wäre das Bild ja schon gewesen - aber nun gut. Dort hinten flutete Sonnenlicht durch die Fichten, deren Stämme am unteren Ende von dürren Zweigen bestanden waren. Durch die dichten Wipfel kam einfach zu wenig Licht am Boden an. Drüben war wieder so eine dunkle Stelle, richtig duster, grau. Bewegte sich da etwas? Sie blieb stehen und kniff die Augen zusammen, um besser sehen zu können, sie hatte beim Spaziergang nie ihre Brille dabei. Rex blieb ebenfalls stehen und blickte irritiert zu ihr hoch. Das war doch ein gutes Zeichen, denn wenn sich da hinten im Schatten wirklich ein wildes Tier verstecken würde, dann würde ihr Rexi das garantiert merken. Obwohl. Rex war klein, und vielleicht reichte seine Nase gar nicht so weit? Und immerhin bist du hier in Wildentierbach, was glaubst du, woher der Ort seinen Namen hat?, dachte sie bei sich. Sie lächelte und strich sich eine einzelne Haarsträhne, die sich aus dem Zopf gelöst hatte, aus dem Gesicht. So ein Quatsch! Das Kaff hieß Wildentierbach, weil sich am Bach öfters Wildtiere versammelt hatten. Rehe. Hirsche. Wildschweine vielleicht. Solche Tiere. Und keine Wölfe. Sie setzte ihren Weg fort, und Rex senkte seine kleine Schnauze wieder auf den Boden. Die Sonne war jetzt fast unter den Horizont gesunken, schaffte es nur noch an wenigen Stellen, die unerbittlichen Fichtenwipfel orangerot zu durchdringen. Sie fröstelte, und das wunderte sie, es war ein warmer Sommerabend. Kaum merklich beschleunigte sie ihren Schritt, bog in den Waldweg in Richtung Wildentierbach ein, in Richtung Zivilisation, weg vom tiefen, dunklen Wald. Etwas hinter ihr im Gebüsch knackte, und sie widerstand der Versuchung, sich umzudrehen. Rex blickte sich kurz um, wollte stehen bleiben. Aber sie zerrte ruckartig und etwas rüde an der Leine. Rex winselte klagend, aber sie ging einfach weiter, und so zog er den Schwanz ein und trottete gehorsam mit. In der Ferne sah sie das helle Licht, das durch eine Art Tor zu leuchten schien. Natürlich war da nicht wirklich ein Tor – es sah nur so aus, durch die Bäume und Sträucher, die einen Rahmen um den Waldausgang bildeten. Da mussten sie hin, denn allmählich war ihr wirklich recht kühl. Sie ärgerte sich nun doch, dass sie ihr Jeansjäckchen zuhause am Haken hatte hängen lassen, an der Garderobe. Vielleicht wäre es doch gut gewesen, es dabeizuhaben, denn jetzt war es schon kühl. Der Wolf in Hohenlohe, lächerlich war das. Außerdem hatte sie Durst, und Rexi brauchte seine abendliche Ration Hundefutter, dringend. So kleine Hunde mussten regelmäßig gefüttert werden, und zu trinken brauchte er auch. Nicht, dass er noch einen Hitzschlag bekäme! Das Sonnenlicht war jetzt rot, blutrot. Rotkäppchenrot, so...
Table of contents
- Inhaltsverzeichnis
- Hohenloher Kindheit
- Märchenhaftes Hohenlohe
- Sommerliebe
- Hohenloher Fantasien
- Hohenloher Betrachtungen
- Sommernächte
- Bildnachweise
- Impressum
Frequently asked questions
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