Minna von Barnhelm ist eines der meistgespielten deutschen Schauspiele. Es wurde 1763 von Lessing veröffentlicht und erzählt von einem verlobten Paar, das durch Kriegswirren getrennt wurde. Die Braut reist mit ihrem Vormund ihrem Verlobten hinterher, um ihn wieder zu sehen.

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Information
Fünfter Aufzug
Erster Auftritt
Die Szene, der Saal.
Von Tellheim von der einen und Werner von der andern Seite.
VON TELLHEIM. Ha, Werner! ich suche dich überall. Wo steckst du?
WERNER. Und ich habe Sie gesucht, Herr Major; so gehts mit dem Suchen. – Ich bringe Ihnen gar eine gute Nachricht.
VON TELLHEIM. Ah, ich brauche jetzt nicht deine Nachrichten: ich brauche dein Geld. Geschwind, Werner, gib mir so viel du hast; und denn suche so viel aufzubringen, als du kannst.
WERNER. Herr Major? – Nun, bei meiner armen Seele, habe ichs doch gesagt: er wird Geld von mir borgen, wenn er selber welches zu verleihen hat.
VON TELLHEIM. Du suchst doch nicht Ausflüchte?
WERNER. Damit ich ihm nichts vorzuwerfen habe, so nimmt er mirs mit der Rechten, und gibt mirs mit der Linken wieder.
VON TELLHEIM. Halte mich nicht auf, Werner! – Ich habe den guten Willen, dir es wieder zu geben; aber wenn und wie? – Das weiß Gott!
WERNER. Sie wissen es also noch nicht, daß die Hofstaatskasse Ordre hat, Ihnen Ihre Gelder zu bezahlen? Eben erfuhr ich es bei –
VON TELLHEIM. Was plauderst du? Was lässest du dir weis machen? Begreifst du denn nicht, daß, wenn es wahr wäre, ich es doch wohl am ersten wissen müßte? – Kurz, Werner, Geld! Geld!
WERNER. Je nu, mit Freuden! hier ist was! – Das sind die hundert Louisdor, und das die hundert Dukaten. – Gibt ihm beides.
VON TELLHEIM. Die hundert Louisdor, Werner, geh und bringe Justen. Er soll sogleich den Ring wieder einlösen, den er heute früh versetzt hat. – Aber wo wirst du mehr hernehmen, Werner? – Ich brauche weit mehr.
WERNER. Dafür lassen Sie mich sorgen. – Der Mann, der mein Gut gekauft hat, wohnt in der Stadt. Der Zahlungstermin wäre zwar erst in vierzehn Tagen; aber das Geld liegt parat, und ein halb Prozentchen Abzug –
VON TELLHEIM. Nun ja, lieber Werner! – Siehst du, daß ich meine einzige Zuflucht zu dir nehme? – Ich muß dir auch alles vertrauen. Das Fräulein hier, – du hast sie gesehn, – ist unglücklich –
WERNER. O Jammer!
VON TELLHEIM. Aber morgen ist sie meine Frau –
WERNER. O Freude!
VON TELLHEIM. Und übermorgen, geh ich mit ihr fort. Ich darf fort; ich will fort. Lieber hier alles im Stiche gelassen! Wer weiß, wo mir sonst ein Glück aufgehoben ist. Wenn du willst, Werner, so komm mit. Wir wollen wieder Dienste nehmen.
WERNER. Wahrhaftig? – Aber doch wos Krieg gibt, Herr Major?
VON TELLHEIM. Wo sonst? – Geh, lieber Werner, wir sprechen davon weiter.
WERNER. O Herzensmajor! – Übermorgen? Warum nicht lieber morgen? – Ich will schon alles zusammenbringen – In Persien, Herr Major, gibts einen trefflichen Krieg; was meinen Sie?
VON TELLHEIM. Wir wollen das überlegen; geh nur, Werner! –
WERNER. Juchhe! es lebe der Prinz Heraklius! Geht ab.
Zweiter Auftritt
VON TELLHEIM. Wie ist mir? – Meine ganze Seele hat neue Triebfedern bekommen. Mein eignes Unglück schlug mich nieder; machte mich ärgerlich, kurzsichtig, schüchtern, lässig: ihr Unglück hebt mich empor, ich sehe wieder frei um mich, und fühle mich willig und stark, alles für sie zu unternehmen – Was verweile ich? Will nach dem Zimmer des Fräuleins, aus dem ihm Franziska entgegen kömmt.
Dritter Auftritt
Franziska. von Tellheim.
FRANZISKA. Sind Sie es doch? – Es war mir, als ob ich Ihre Stimme hörte. – Was wollen Sie, Herr Major?
VON TELLHEIM. Was ich will? – Was macht dein Fräulein? – Komm! –
FRANZISKA. Sie will den Augenblick ausfahren.
VON TELLHEIM. Und allein? ohne mich? wohin?
FRANZISKA. Haben Sie vergessen, Herr Major?
VON TELLHEIM. Bist du nicht klug, Franziska? – Ich habe sie gereizt, und sie ward empfindlich: ich werde sie um Vergebung bitten, und sie wird mir vergeben.
FRANZISKA. Wie? – Nachdem Sie den Ring zurückgenommen, Herr Major?
VON TELLHEIM. Ha! – das tat ich in der Betäubung. – Jetzt denk ich erst wieder an den Ring. – Wo habe ich ihn hingesteckt? – Er sucht ihn. Hier ist er.
FRANZISKA. Ist er das? Indem er ihn wieder einsteckt, bei Seite. Wenn er ihn doch genauer besehen wollte!
VON TELLHEIM. Sie drang mir ihn auf, mit einer Bitterkeit – Ich habe diese Bitterkeit schon vergessen. Ein volles Herz kann die Worte nicht wägen. – Aber sie wird sich auch keinen Augenblick weigern, den Ring wieder anzunehmen. – Und habe ich nicht noch ihren?
FRANZISKA. Den erwartet sie dafür zurück. – Wo haben Sie ihn denn, Herr Major? Zeigen Sie mir ihn doch.
VON TELLHEIM etwas verlegen. Ich habe – ihn anzustecken vergessen. – Just – Just wird mir ihn gleich nachbringen.
FRANZISKA. Es ist wohl einer ziemlich wie der andere; lassen Sie mich doch diesen sehen; ich sehe so was gar zu gern.
VON TELLHEIM. Ein andermal, Franziska. Jetzt komm –
FRANZISKA bei Seite. Er will sich durchaus nicht aus seinem Irrtume bringen lassen.
VON TELLHEIM. Was sagst du? Irrtume?
FRANZISKA. Es ist ein Irrtum, sag ich, wenn Sie meinen, daß das Fräulein doch noch eine gute Partie sei. Ihr eigenes Vermögen ist gar nicht beträchtlich; durch ein wenig eigennützige Rechnungen, können es ihr die Vormünder völlig zu Wasser machen. Sie erwartete alles von dem Oheim; aber dieser grausame Oheim –
VON TELLHEIM. Laß ihn doch! – Bin ich nicht Manns genug, ihr einmal alles zu ersetzen? –
FRANZISKA. Hören Sie? Sie klingelt; ich muß herein.
VON TELLHEIM. Ich gehe mit dir.
FRANZISKA. Um des Himmels willen nicht! Sie hat mir ausdrücklich verboten, mit Ihnen zu sprechen. Kommen Sie wenigstens mir erst nach. – Geht herein.
Vierter Auftritt
VON TELLHEIM ihr nachrufend. Melde mich ihr! – Sprich für mich, Franziska! – Ich folge dir sogleich! – Was werde ich ihr sagen? – Wo das Herz reden darf, braucht es keiner Vorbereitung. – Das einzige möchte eine studierte Wendung bedürfen: ihre Zurückhaltung, ihre Bedenklichkeit, sich als unglücklich in meine Arme zu werfen; ihre Beflissenheit, mir ein Glück vorzuspiegeln, das sie durch mich verloren hat. Dieses Mißtrauen in meine Ehre, in ihren eigenen Wert, vor ihr selbst zu entschuldigen, vor ihr selbst – Vor mir ist es schon entschuldiget! – Ha! hier kömmt sie. –
Fünfter Auftritt
Das Fräulein. Franziska. von Tellheim.
DAS FRÄULEIN im Heraustreten, als ob sie den Major nicht gewahr würde. Der Wagen ist doch vor der Türe, Franziska? – Meinen Fächer! –
VON TELLHEIM auf sie zu. Wohin, mein Fräulein?
DAS FRÄULEIN mit einer affektierten Kälte. Aus, Herr Major. – Ich errate, warum Sie sich nochmals her bemühet haben: mir auch meinen Ring wieder zurück zu geben. – Wohl, Herr Major; haben Sie nur die Güte, ihn der Franziska einzuhändigen. – Franziska, nimm dem Herrn Major den Ring ab! – Ich habe keine Zeit zu verlieren. Will fort.
VON TELLHEIM der ihr vortritt. Mein Fräulein! – Ah, was habe ich erfahren, mein Fräulein! Ich war so vieler Liebe nicht wert.
DAS FRÄULEIN. So, Franziska? Du hast dem Herrn Major –
FRANZISKA. Alles entdeckt.
VON TELLHEIM. Zürnen Sie nicht auf mich, mein Fräulein. Ich bin kein Verräter. Sie haben um mich, in den Augen der Welt, viel verloren, aber nicht in meinen. In meinen Augen haben Sie unendlich durch diesen Verlust gewonnen. Er war Ihnen noch zu neu; Sie fürchteten, er möchte einen allzunachteiligen Eindruck auf mich machen; Sie wollten mir ihn vors erste verbergen. Ich beschwere mich nicht über dieses Mißtrauen. Es entsprang aus dem Verlangen, mich zu erhalten. Dieses Verlangen ist mein Stolz! Sie fanden mich selbst unglücklich; und Sie wollten Unglück nicht mit Unglück häufen. Sie konnten nicht vermuten, wie sehr mich Ihr Unglück über das meinige hinaus setzen würde.
DAS FRÄULEIN. Alles recht gut, Herr Major! Aber es ist nun einmal geschehen. Ich habe Sie Ihrer Verbindlichkeit erlassen; Sie haben durch Zurücknehmung des Ringes –
VON TELLHEIM. In nichts gewilliget! – Vielmehr halte ich mich jetzt für gebundener, als jemals. – Sie sind die Meinige, Minna, auf ewig die Meinige. Zieht den Ring heraus. Hier, empfangen Sie es zum zweitenmale, das Unterpfand meiner Treue –
DAS FRÄULEIN. Ich diesen Ring wiedernehmen? diesen Ring?
VON TELLHEIM. Ja, liebste Minna, ja!
DAS FRÄULEIN. Was muten Sie mir zu? diesen Ring?
VON TELLHEIM. Diesen Ring nahmen Sie das erstemal aus meiner Hand, als unser beider Umstände einander gleich, und glücklich waren. Sie sind nicht mehr glücklich, aber wiederum einander gleich. Gleichheit ist immer das festeste Band der Liebe. – Erlauben Sie, liebste Minna! – Ergreift ihre Hand, um ihr den Ring anzustecken.
DAS FRÄULEIN. Wie? mit Gewalt, Herr Major? – Nein, da ist keine Gewalt in der Welt, die mich zwingen soll, diesen Ring wieder anzunehmen! – – Meinen Sie etwa, daß es mir an einem Ringe fehlt? – O, Sie sehen ja wohl, Auf ihren Ring zeigend. daß ich hier noch einen habe, der Ihrem nicht das geringste nachgibt? –
FRANZISKA. Wenn er es noch nicht merkt! –
VON TELLHEIM indem er die Hand des Fräuleins fahren läßt. Was ist das? – ...
Table of contents
- Inhaltsverzeichnis
- Personen.
- Erster Aufzug
- Zweiter Aufzug
- Dritter Aufzug
- Vierter Aufzug
- Fünfter Aufzug
- Weitere Informationen
- Impressum
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