Ein schneller Blick aufs Smartphone ⊠eine Armbanduhr braucht heutzutage niemand mehr. Und doch sind Uhren so gefragt wie nie â als Luxusgut, Statussymbol, Anlageobjekt. Prof. Oliver Hoffmann, einer der besten Kenner der Szene, geht in seinem Buch dem PhĂ€nomen "Uhr" technisch und ökonomisch auf den Grund. Im ersten Teil des Buches beantwortet er Fragen wie: Wie hat sich die Uhrenindustrie in verschiedenen LĂ€ndern entwickelt? Und welche Rolle spielt permanente Innovation fĂŒr die Branche? Der zweite Teil ist der Uhr als Investment gewidmet: Wie kann ich Uhren sinnvoll als Investmentvehikel nutzen? Welche Strategien kann ich verfolgen? Welche Marken sind besonders relevant? "Vom nĂŒtzlichen Luxus" ist das erste deutschÂsprachige Buch, welches gerade diesen InvestmentÂaspekt aufgreift, und hat das Zeug zum Standardwerk.

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Information

1
Kapitel Eins
Die folgenden vier Kapitel erklÀren, wie das Produkt Uhr als solches funktioniert und wie die Uhrenindustrie aufgebaut ist. Dabei wird es insbesondere um den Begriff der Innovation gehen, da mit diesem im weiteren Verlauf des Buches sehr gut eine Wertentwicklung abgeleitet werden kann. In einem Exkurs wird das Thema Innovation und deren Verbreitung vertieft.
Wichtige Inhalte:
âąEs wird erklĂ€rt, was Innovation ĂŒberhaupt ist, wie sie bei Uhren zu verstehen ist und wie sie zu deren Wertbasis beitrĂ€gt.
âąEin umfassendes (holistisches) Innovationsmodell wird eingefĂŒhrt und es wird erlĂ€utert, was wertgenerierende Faktoren sind.
âąWie Uhren produziert werden.
âąWelche Rolle Uhren in der Industrie spielen.
âąBesonderheiten von LuxusgĂŒtern und deren Werten.
Uhren als Produkt â zwischen Massenproduktion und Manufaktur
Wenn man Uhren als Produkt verstehen möchte, hilft es, zu begreifen, wie sie hergestellt werden und wie die Produktionsprozesse abstrahiert aussehen. Denn der Preis einer Uhr â und streng genommen auch der ihr zugeschriebene Wert â wird stark durch den subjektiv wahrgenommenen, fiktiven Produktionsaufwand sowie in zweiter Linie natĂŒrlich auch durch die realen Fertigungskosten bestimmt.
Die Produktion einer Uhr gliedert sich grundlegend in zwei Teilbereiche: zunĂ€chst die physische Fertigung, die in den letzten 400 Jahren zahlreiche Innovationen und Prozessverbesserungen erlebt hat. Von diesen Wandlungen wird im folgenden Kapitel ausfĂŒhrlich die Rede sein, ebenso von den verschiedenen Produktionssystemen sowie von den Spezifika verschiedener LĂ€nder und Produktionsregionen.
Neben der physischen Fertigung kommen insbesondere in den letzten 30 Jahren (in denen sich der Uhrenmarkt in seiner heutigen Form konstituiert hat) immer mehr sogenannte virtuelle Fertigungskomponenten hinzu, die heutzutage unerlĂ€sslich sind, um eine Uhr am Markt erfolgreich platzieren zu können. Gemeint sind damit vor allem Themen, die unter den Oberbegriff âsoziale Innovationenâ zu fassen sind. Damit sind zum Beispiel verschiedene Formen von Marketing gemeint, der Aufbau einer Marke sowie die Steuerung der Kundenwahrnehmung. Es ist jedoch wichtig, zu verstehen, dass dies genauso zum Produktionsprozess gehört wie die Produktion von Werken und GehĂ€usen â denn das Produkt Uhr vereint wie jedes Luxusgut neben physikalischen Komponenten als Unterscheidungsmerkmal zu regulĂ€ren GĂŒtern soziale Komponenten in sich, die unabdingbar sind, um den Wert bestimmen und letztendlich diese Produkte auch verkaufen zu können. Wer also eine Uhr kauft, der kauft letztendlich neben dem physikalischen Gut auch immer den aktuellen Stand der psychosozialen Positionierung der Marke sowie die damit verbundenen Implikationen fĂŒr den SekundĂ€rmarkt. Diesem Produktaspekt wird im zweiten Teil des Buches ausfĂŒhrlich Platz eingerĂ€umt.
Ein weiteres Spannungsfeld im heutigen UhrenprimĂ€rmarkt ist das zwischen Manufaktur und Massenproduktion: In der Wahrnehmung einer ĂŒberwĂ€ltigenden Mehrheit der Kunden (87 Prozent) werden Luxusuhren im Wesentlichen in Handarbeit hergestellt, was zentral zu dem mitverkauften Mythos Uhr beitrĂ€gt und fĂŒr viele KĂ€ufer (79 Prozent) auch ein wichtiges Kaufargument ist.1 Dem steht meist die RealitĂ€t diametral gegenĂŒber â automatisierte Fertigung beherrscht bei einem GroĂteil der Luxushersteller den Produktionsprozess, die Fertigungssysteme sind stark ausdifferenziert und sowohl vertikal als auch horizontal diversifiziert. Diese Diversifizierung wird von Computersystemen dominiert, der Faktor Mensch tritt meist nur noch in der Endfertigung bei verschiedenen hoch spezialisierten Produktionsschritten in Erscheinung. Gleichzeitig ist der Faktor Mensch in der Uhrenindustrie zumindest derzeit noch nicht vollstĂ€ndig ersetzbar und trĂ€gt daher nach wie vor entscheidend zum Mythos Uhr bei, nur eben nicht in dem AusmaĂ, wie es die Kunden glauben und das Marketing suggeriert. In wirtschaftlicher Konsequenz ist dies jedoch ein sehr wertvoller Widerspruch â denn gerade weil Uhren (auch Luxusuhren â die Produktionszahlen der Hersteller werden im zweiten Teil des Buches diskutiert) Massenprodukte mit Unikatcharakter sind, konnte sich ĂŒberhaupt ein nennenswerter Sammlermarkt mit gröĂerem Volumen entwickeln. So sind heute die begehrtesten Modelle und Marken auch die mit den gröĂten beziehungsweise signifikanten Produktionszahlen.
Doch zunĂ€chst einen Schritt zurĂŒck: Wenn man die heutige Uhrenwelt verstehen möchte, ist deren Geschichte und damit auch die Geschichte der Innovation grundlegend. Die Innovationsmechanismen, die in der Uhrenindustrie entwickelt wurden, sind beispielhaft fĂŒr alle Mechanismen in der LuxusgĂŒterindustrie und daher mehr als nur einen Blick wert.

ROLEX
Cosmograph, Paul Newman
Panda, Ref. 6263
Baujahr: 1971
Erzielter Preis / Jahr:
4.020.000 HKD / 2017
Cosmograph, Paul Newman
Panda, Ref. 6263
Baujahr: 1971
Erzielter Preis / Jahr:
4.020.000 HKD / 2017
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Kapitel Zwei
Die Grundlagen der Uhrenindustrie
Wenn man sich in der Wirtschaftsgeschichte der letzten 400 Jahre das Innovationsaufkommen anschaut, wird man zu einer aus heutiger Sicht vielleicht ĂŒberraschenden Entdeckung kommen: Ein heute im Allgemeinen (zu Unrecht) eher weniger fĂŒr seine Innovationskraft als fĂŒr seine Traditionsverbundenheit bekannter Industriezweig prĂ€gte die Entwicklung Europas und spĂ€ter auch der Welt wie kein anderer. Die Rede ist von der feinmechanischen Industrie, spezieller von deren spezifischer AusprĂ€gung in der Uhrmacherei. Dies ist aber nur auf den ersten Blick ĂŒberraschend â sobald man sich vergegenwĂ€rtigt, dass es abgesehen von der Waffenindustrie keine andere Industriesparte gibt, die ĂŒber eine lĂ€ngere kontinuierliche Historie verfĂŒgt, und dass deren Produkte (nĂ€mlich Uhren und astronomische GerĂ€tschaften) lange Zeit starke Innovationstreiber waren. Denn sie ermöglichten durch die vereinheitlichte und genaue Erfassung der Zeit die Synchronisierung des Zeitablaufs innerhalb von Handel, Produktion und Gesellschaft â eine der maĂgeblichen Grundlagen unserer heutigen Wertschöpfungsprinzipien. Neben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung waren prĂ€zise Zeitmesser auch im nautischen und militĂ€rischen Bereich von hoher Bedeutung. Sie ermöglichten Europa die Erforschung der Welt und legten auch in anderen Bereichen den Grundstein fĂŒr die bis zum heutigen Tag anhaltende wirtschaftliche StĂ€rke Europas.
Die Technologiegetriebenheit der Uhrenindustrie ist ein bis heute andauernder Prozess, der mit der Erfindung der ersten Uhren in der Renaissance seinen Anfang nahm. Diese aus heutiger Sicht ĂŒberaus lange Zeitperiode birgt die Chance, Technologiediffusion und das damit verbundene Innovationsverhalten zu analysieren, deren grundlegende, bis in die Gegenwart unverĂ€nderte Prinzipien herauszuarbeiten und so ein tieferes VerstĂ€ndnis fĂŒr Mechanismen zu erlangen, die in der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gegenwart nach wie vor praktisch identisch ablaufen, jedoch von immer komplexeren Systemen ĂŒberlagert werden â die Möglichkeiten, aus der Geschichte fĂŒr die Zukunft zu lernen, sind evident.
Die technologische Entwicklung der Uhrenindustrie innerhalb des Maschinenbausektors ist neben sich parallel entwickelnden Wirtschafts- und Produktionsprinzipien die wesentlichste Grundlage der heutigen Wirtschaftsleistung â es gibt praktisch keinen Sektor oder keine Branche, die nicht von den gewaltigen Fortschritten und Weiterentwicklungen in diesem Bereich profitiert hĂ€tte. Auch wurden in den vergangenen zwei Jahrhunderten stetig die Grundlagen fĂŒr vollkommen neue Industrien (wie die Elektroindustrie) geschaffen. Dadurch hat der Maschinenbau auch eine hohe industriepolitische Bedeutung, da er Kern- und strategischer SchlĂŒsselfaktor der Gesamtindustrie aller industrialisierten Staaten ist. Dies gilt in Europa im besonderen MaĂe fĂŒr die Schweiz und Deutschland; fĂŒr beide exportorientierten LĂ€nder ist er die jeweils wichtigste Exportindustrie. Maschinen und Anlagen sind seit jeher die Grundlage der industriellen Investitionsentwicklung und deren AusprĂ€gung im Innovationsverhalten: Beide stellen die Basis von grundlegenden und weiterfĂŒhrenden Prozessentwicklungen und darauf aufbauenden Innovationen in der gesamtindustriellen Produktion dar â dadurch bestimmen sie auch nachhaltig die ProduktivitĂ€ts-, QualitĂ€ts- und Kostenentwicklung aller anderen Industriezweige. Diese Aussage trifft insbesondere auf den Teilbereich des Werkzeugmaschinenbaus zu, der als Produzent von weiterfĂŒhrenden Komponenten und InvestitionsgĂŒtern fĂŒr alle verarbeitenden Industrien gilt. Werkzeugmaschinen schaffen dabei die Grundlagen fĂŒr (industrielle und handwerkliche) Produkte, Produktinnovationen und Herstellungsverfahren.
An dieser Stelle rĂŒcken nun die BeitrĂ€ge des Werkzeugmaschinenbaus und dessen entwickelte Produktionsverbesserungen fĂŒr die Uhrenindustrie in den Fokus â zunĂ€chst die erste anteilige horizontale Arbeitsteilung2 in Form der spezialisierten Fertigung von einzelnen einfacheren Bauteilen (wie Zeiger, ZifferblĂ€tter oder RĂ€der). SpĂ€ter wurden auch anspruchsvollere Komponenten (wie Spiralen oder Hemmungen) zugeliefert, wobei die Fertigung selbst individuellen Manufakturcharakter hatte. Dies sollte sich ab 1773 Ă€ndern, als durch George âFrĂ©dĂ©ricâ Louis Japy auch die vertikale Arbeitsteilung in Kombination mit der beginnenden Komponentenfertigung von Rohwerken3 Einzug hielt und die Fertigungsprinzipien nachhaltig verĂ€nderte: Von nun an wurden auf immer leistungsfĂ€higeren und prĂ€ziseren Werkzeugmaschinen immer komplexere Komponenten gefertigt, die anschlieĂend modular zur fertigen Uhr integriert wurden â das bis heute maĂgebliche Wertschöpfungssystem, das durch seine Skalen- und Netzwerkeffekte eine differenzierte Massenfertigung und somit die umfassende Verbreitung verschiedenster Uhrenarten erst ermöglichte. Neben den Fortschritten in der technischen Ausstattung der grundlegenden Werkzeugmaschinen ging aber der Trend gerade in der jĂŒngsten Geschichte (neben der angestrebten Perfektion in der Massenfertigung) wieder in Richtung des vollintegrierten Manufakturgedankens mit möglichst hoher Eigenfertigungstiefe. In diesem breiten Spannungsfeld bewegt sich die Geschichte der Uhrenindustrie, eines Industriezweigs mit Pioniercharakter: Praktisch alle Fertigungs- und Innovationsprinzipien dieser Branche hatten mannigfaltige, starke Auswirkungen auf benachbarte industrielle Branchen.
Und auch die Uhrenindustrie selbst ist sowohl national in der Schweiz als auch international ein Schwergewicht: Mit einer Bruttowertschöpfung von rund 26,8 Milliarden USD im Jahr 2017 und einem Exportvolumen von 20,1 Milliarden USD im Jahr 20174 ist sie die drittgröĂte Exportbranche der Schweiz (nach der chemischen Industrie und dem Maschinenbau) und als solche als eine der bedeutendsten Industrien der Schweiz einzuschĂ€tzen. Mit diesem Weltmarktvolumen ist die Schweiz noch vor Hongkong und China der mit Abstand wichtigste Akteur im Markt. Dies erklĂ€rt das ĂŒberaus groĂe Interesse der Schweiz an der Uhrenindustrie, die als nationales technologisches Kompetenzzentrum und als Vorzeigebranche fĂŒr ProduktivitĂ€t und InnovationsfĂŒhrerschaft gilt.5

ROLEX
Cosmograph, Daytona,
Ref. 6262
Baujahr: 1970
Erzielter Preis / Jahr:
435.000 CHF / 2019
Cosmograph, Daytona,
Ref. 6262
Baujahr: 1970
Erzielter Preis / Jahr:
435.000 CHF / 2019
3
Kapitel Drei
Innovation und Uhr â ein kurzer Einblick in die Entwicklungsgeschichte der Uhr
Bevor die zentrale Frage nach dem Wesen der Innovation im LuxusgĂŒtermarkt im Allgemeinen und im Besonderen in der Uhrenbrache angegangen wird, möchte ich einen Ăberblick geben, was Uhren erfolgreich im Markt macht â sprich: was Uhren innovativ macht. Diese Muster leiten sich direkt aus den Erkenntnissen der spĂ€ter folgenden Abschnitte ab, werden aber vorangestellt, um das Thema griffiger zu machen und Gelegenheit zu geben, sich wĂ€hrend des theoretischen Teils besser mit den Zielbildern auseinanderzusetzen.
Ganz einfach ausgedrĂŒckt: Jedes Produkt ist dann erfolgreich, wenn es einer Kundengruppe einen wahrnehmbaren Zusatznutzen zur Erreichung der eigenen Ziele bietet, der im Einklang mit den aufzuwendenden Mitteln steht, um dieses Produkt zu erlangen. Im LuxusgĂŒtersegment sieht der Nutzen natĂŒrlich etwas anders aus â es geht primĂ€r um einen sozialen Nutzen.
Das Produkt Uhr ist heute â wie jedes Luxusgut â ein Produkt der sozialen Differenzierung. Es geht darum, seinen persönlichen Wohlstand, seinen Geschmack und seine heute gar nicht hoch genug einzuschĂ€tzende IndividualitĂ€t ĂŒber ein weit ausdifferenziertes Produkt der Massenproduktion auszudrĂŒcken. Was zunĂ€chst wie ein Widerspruch wirkt, muss dies allerdings nicht sein: Der Uhrenmarkt hat wie jede Sparte der LuxusgĂŒterindustrie eigene Mechanismen entdeckt und entwickelt, um ein in sich stark standardisiertes Produkt immer weiter auszudifferenzieren und technologisch wie preislich zu unterscheiden. Die drei wesentlichen Themenkomplexe sind dabei heutzutage Designadaption, kreative Nutzerorientierung sowie die Nutzung neuer Technologien und Materialien.
Der letzte Themenkomplex leuchtet dabei intuitiv am einfachsten ein: In den letzten 500 Jahren Entwicklungsgeschichte der Uhrenindustrie sind immer wieder neue Materialien und neue Ideen zur Gestaltung des mechanischen Ablaufs eines Uhrwerks entwickelt und in erfolgreiche Produkte umgesetzt worden. Am Ende haben sich allerdings nur wenige technologische Funktionsprinzipien durchgesetzt, 98 Prozent aller...
Table of contents
- Cover
- Titel
- Impressum
- Widmung
- Inhalt
- Ăber dieses Buch â eine Gebrauchsanweisung
- EinfĂŒhrung: Uhren im 21. Jahrhundert â Anachronismus oder Vorreiter?
- TEIL 1: Uhren verstehen
- TEIL 2: Uhren als Investment
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