Smartphones sind eine wunderbare Erfindung, aus dem Alltag kaum wegzudenken und darĂŒber hinaus ein technischer Alleskönner fĂŒr alle Lebenslagen. Schnell auf eingehende Nachrichten reagieren, mit Freunden in Kontakt bleiben, E-Mails beantworten, durch soziale Netzwerke stöbern oder einfach nur die Zeit vertreiben: aktuellen Studien zufolge greift der Durchschnittsnutzer alle 18 Minuten zu seinem Smartphone. Die Folgen sind hĂ€ufig Stress und manchmal sogar ein Digitaler Burnout. Erfahren Sie in diesem Buch mehr ĂŒber den aktuellen Forschungsstand und insbesondere wie Sie selbst Ihren Smartphone-Konsum auf ein gesundes MaĂ reduzieren können.

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Information
Problemstellungen im Umgang mit dem
Smartphone
Im Rahmen einer Betrachtung der Smartphone-Durchdringung in der Gesellschaft wird deutlich, dass sich neben den offensichtlichen Vorteilen zunehmend negative Begleiterscheinungen einstellen. Die Nutzung des Smartphones in einem Umfang von durchschnittlich 2,5 Stunden tÀglich (vgl. Markowetz, 2015, S. 13) geht an den Nutzern nicht spurlos vorbei. Zu den langfristigen Auswirkungen der Smartphone-Nutzung auf Körper und Geist liegen zwar keine empirischen Befunde vor, da sich wie bereits erwÀhnt, wissenschaftlich fundierte Langzeitstudien kaum realisieren lassen (vgl. Markowetz, 2015, S. 80 f.). Es lassen sich allerdings Beobachtungen von kurzfristigen Auswirkungen machen, die einen Ausblick auf zu erwartende Langzeitfolgen geben können.
Bei einer aufmerksamen Beobachtung der Berichte in den Massenmedien aber auch bei einem Gang durch die örtliche Buchhandlung könnte man auf die Idee kommen, dass das Smartphone neben seiner Funktion als digitaler Alleskönner auch negative Auswirkungen auf das persönliche Wohlbefinden hat.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlichte kĂŒrzlich einen Online-Artikel mit dem Titel âDas gehackte Gehirnâ, in dem der Autor umfangreich auf psychische Probleme, welche durch das Smartphone oder genauer gesagt, die gezielte Manipulation des Belohnungssystems des Nutzers etwa durch die Betreiber von sozialen Netzwerken eingeht15. âZehn GrĂŒnde, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musstâ lautet der Titel eines Buches der aktuellen Spiegel-Bestseller-Liste, welches auf die negativen Auswirkungen von sozialen Medien und Smartphones eingeht16. In einem Interview zwischen ZEIT Online und dem amerikanischen Computerwissenschaftler David Levy wird deutlich, dass sich auch im Silicon Valley eine Debatte ĂŒber die Ethik, Verantwortung und die Zukunft der digitalen Entwicklung in Gang gesetzt hat17.
Ein konkreteres Bild ĂŒber die Folgen der Smartphone-Nutzung zeichnet der PrĂ€sident des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister, Peter Harzheim, in einem Interview mit der Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung: âImmer mehr Eltern schauen auf ihr Smartphone und nicht mehr nach links oder rechts â und schon gar nicht nach ihren Kindern.â18. Auch der Verkehrsunfall mit Todesfolge aufgrund eines durch das Smartphone abgelenkten Autofahrers in einem selbstfahrenden Auto19, geben ebenso Anlass zur Beunruhigung wie die aktuellen Unfallstatistiken in den Vereinigten Staaten, welchen die Ablenkung durch das Smartphone zugrunde liegen20.
Berichte und Artikel ĂŒber die Auswirkung der Smartphone-Nutzung wie diese lassen sich vielfach finden und decken sich weitgehend mit aktuellen Erkenntnissen aus der Wissenschaft und gegenwĂ€rtigen Befragungen. Die fortschreitende Digitalisierung und der hohe Stellenwert des Smartphones in der Gesellschaft gehen mit einer zunehmenden Fragmentierung des Alltags einher (vgl. Markowetz, S. 60). Im ĂŒbertragenen Sinn kann ĂŒber die Smartphone-Nutzung gesagt werden: âEin Alarm, der dauernd angeht, ist keine Information, sondern eine Ruhestörung.â (Schirrmacher, 2011, S. 32).
Effekte fĂŒr die Smartphone-Nutzer
âImmer und stĂ€ndig online.â könnte das Motto der jungen Generation und ein wesentliches Merkmal der heutigen Gesellschaft sein. Die Tatsache, immer erreichbar zu sein, oder den Drang danach zu verspĂŒren, immer erreichbar sein zu mĂŒssen, wirft neue Probleme auf. In einer erst kĂŒrzlich vom Branchenverband Bitkom durchgefĂŒhrten Befragung stimmen 69 Prozent der Teilnehmer der Aussage âDie zunehmende Smartphone-Nutzung fĂŒhrt dazu, dass die Menschen immer weniger miteinander redenâ zu (vgl. Bitkom, 2018, S. 5). Ein Blick im öffentlichen Personennahverkehr scheint diese Bedenken zu bestĂ€tigen, Ă€hnlich wie auf deutschen Schulhöfen, wo heutzutage Smartphones das Pausenverhalten dominieren, sitzen etwa im Zug oder im Bus die Menschen ĂŒberwiegend mit ihrem Smartphone in der Hand und befinden sich dabei hĂ€ufig in einem âgeistigen DĂ€mmerzustandâ (Markowetz, 2015, S. 135).
FĂŒr eine ĂŒbermĂ€Ăige Smartphone-Nutzung spielen ganz unterschiedliche Faktoren eine Rolle, etwa die Angst etwas zu verpassen (vgl. Spitzer, 2015, S. 177), in der Forschung als Fear of Missing Out (FoMo) bekannt, der Drang zur Selbstoptimierung durch stĂ€ndige VerfĂŒgbarkeit (vgl. Rosa, 2005, S. 366-368) oder die Wahrung des eigenen Ansehens in der Ăffentlichkeit oder bei Jugendlichen in der Peergroup. Dadurch, dass das Smartphone stĂ€ndiger Begleiter ist und unbegrenzte Möglichkeiten bietet, lassen sich viele Nutzer dazu verleiten es stĂ€ndig in die Hand zu nehmen (vgl. Markowetz, 2015, S. 107 f.).
Der Mensch hat heute wesentlich mehr Möglichkeiten sich seine vermeintliche Langeweile zu vertreiben und nutzt dazu, wie bereits genannte Erhebungen zeigen, vorwiegend sein Smartphone. Fraglich ist allerdings, ob dieses Verhalten und die Tatsache, dass der durchschnittliche Nutzer sein Smartphone 88-mal pro Tag einschaltet, folgenlos bleiben (vgl. ebd., S. 12). Auch die stĂ€ndige Unterbrechung von GedankengĂ€ngen oder TĂ€tigkeiten und schlieĂlich die Fragmentierung des Alltags, zum Beispiel durch eintreffende âPush-Benachrichtigungenâ auf dem Smartphone, hebt die Wichtigkeit einer Forschung mit wissenschaftlichen Methoden fĂŒr diesen Bereich des âneuenâ menschlichen Verhaltens hervor.
Setzt man die Ergebnisse der von der UniversitĂ€t Bonn veröffentlichten Studie âMenthalâ 21 , das Smartphone-Nutzer bei einem ĂŒblichen Tag mit acht Stunden Schlaf durchschnittlich alle 18 Minuten ihre TĂ€tigkeit unterbrechen, um mit dem Smartphone zu interagieren, in Verbindung mit Befragungen zum Bereich Wohlbefinden, wird die Problematik deutlich (vgl. ebd.). So fĂŒhlen sich 48,1 Prozent der Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahren durch ihr Handy, z. B. bei den Hausaufgaben, abgelenkt (vgl. Hefner, Knop, Schmitt & Vorderer, 2015, S. 6). Von den Arbeitnehmern in Deutschland geben 23 Prozent an, sich durch die Digitalisierung mehr als noch vor wenigen Jahren belastet zu fĂŒhlen (vgl. Kliner, Rennert & Richter, 2017, S. 115). ErwĂ€hnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass 21,9 Prozent der Befragten in der gleichen Studie angeben, mehrmals pro Woche oder tĂ€glich in der Freizeit berufliche Telefonate bzw. E-Mails zu beantworten (vgl. ebd., S. 111).
Neben der Erreichbarkeit, die fĂŒr die eher passiven EmpfĂ€nger von Benachrichtigungen zunehmend zur Belastung wird, nimmt der aktive Konsum und die bewusste Nutzung des Smartphones Einfluss auf das persönliche Wohlbefinden und sorgt nicht zuletzt durch Multitasking fĂŒr Stressreaktionen im Körper (siehe Möller et al., 2015). StĂ€ndig wird eine TĂ€tigkeit durch eine akustische oder visuelle Benachrichtigung unterbrochen und der Nutzer abgelenkt, wodurch er sich anschlieĂend erneut in seine vorherige Aufgabe einfinden muss und somit oft unproduktiv werden kann. Da die Unterbrechung mehrmals in der Stunde stattfindet, entsteht, insbesondere wĂ€hrend der Arbeit oder Schule, ein Teufelskreis der Unterbrechung, welcher wiederum Leistungs-, Zeit- und ErfĂŒllungsdruck erzeugt (vgl. Markowetz, 2015, S. 68 f.).
Im Vergleich zu den Gesellschaften in frĂŒherer Zeit bieten sich in der digitalen Welt des 21. Jahrhunderts, etwa ĂŒber soziale Netzwerke, unzĂ€hlige Möglichkeiten der Information und des Vergleichs mit anderen Individuen. Der Mensch, in seiner Art von Natur aus ein sich vergleichendes Wesen (siehe Festinger, 1954), kann sich heute jederzeit z. B. ĂŒber Instagram oder Facebook mit seiner Umwelt auseinandersetzen und muss sich nicht mehr nur auf sein direktes und reales Umfeld beschrĂ€nken. Ăber soziale Medien kann auf ganz neue Art auf sich aufmerksam gemacht werden. BeitrĂ€ge und Meinungen werden von anderen Nutzern mit âLikesâ bestĂ€tigt, wodurch der Nutzer zunehmend in die Situation gerĂ€t, im Zentrum dieser Nachrichten und Statements reagieren zu mĂŒssen (vgl. Spitzer, 2015, S. 177 f.; Markowetz, 2015, S. 192 f.).
Die Unternehmen der Digitalwirtschaft spielen im Zuge der Ablenkung und damit einhergehenden Fragmentierung des Alltags eine zentrale Rolle. Soziale Netzwerke aber auch andere Apps fungieren lĂ€ngst als âMaklerâ der Aufmerksamkeit ihrer Nutzer und verkaufen diese an Werbetreibende (vgl. Markowetz, 2015, S. 208). Zudem nutzen sie bewusst das Belohnungssystem mit Hilfe sogenannter âRandom Rewardsâ (vgl. ebd., S. 35 ff.) aus, um möglichst hĂ€ufig genutzt zu werden und um den Nutzer von seiner eigentlichen und anderen TĂ€tigkeiten abzulenken (vgl. ebd., S. 40-43).
Weil nicht mehr nur ausschlieĂlich der Nutzer ĂŒber sein eigenes Verhalten bestimmt, sondern zunehmend externe Faktoren sein Nutzungsverhalten kontrollieren und in diesem Sinne sogar steuern, bietet es sich an, empirische Befunde ĂŒber die Nutzung und deren Folgen genauer zu ĂŒberprĂŒfen. Im Folgenden soll vertiefend auf die konkreten psychischen und körperlichen Probleme eingegangen werden, die aus einer ĂŒbermĂ€Ăigen Nutzung von Smartphones resultieren.
Mögliche Konsequenzen und Gefahren der
Smartphone-Nutzung
Innerhalb des letzten Jahrzehnts haben sich die Gewohnheiten der Menschen aufgrund des Smartphones und der zunehmenden Digitalisierung in verschiedenen Bereichen verĂ€ndert. Die Nutzer greifen, immer hĂ€ufiger zu ihrem GerĂ€t und verbringen einen GroĂteil ihrer Freizeit vorwiegend damit, Nachrichten zu beantworten, im Internet zu surfen oder sich in sozialen Netzwerken zu bewegen (siehe Andone et al., 2016). Dabei stehen junge Menschen, deren Körper sich noch in der Entwicklung befindet, ebenso wie erwachsene Menschen im Fokus gegenwĂ€rtiger empirischer Untersuchungen. Es geht, wenn ĂŒber mögliche Konsequenzen und Gefahren der Smartphone-Nutzung gesprochen wird, um einen anhaltenden, oft unbewussten Erschöpfungszustand im Zusammenhang mit Stress. Dieser Zustand ist die Folge langanhaltender oder in einer hohen Frequenz erlebter Ăberforderungssituationen, die aus dem GefĂŒhl resultieren, der Informationsflut aus der digitalen Welt, welche ĂŒber das Smartphone konsumiert wird, nicht mehr Herr werden zu können (vgl. Spitzer, 2015, S. 149).
In diesem Zusammenhang wird hÀufig auch von einer zwanghaften Smartphone-Nutzung gesprochen, bei der der Nutzer unterbewusst zu seinem GerÀt greift. Dieses suchtÀhnliche Verhalten hÀngt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen damit zusammen, dass durch die...
Table of contents
- Widmung
- Inhaltsverzeichnis
- Worum es geht
- Vorwort
- Einleitung
- Digitaler Stress als Sonderform des StressphÀnomens
- Entwicklungen in der Digitalisierung der Welt
- Problemstellungen im Umgang mit dem Smartphone
- Möglichkeiten zur Problemlösung und PrÀvention
- Fazit
- Ausblick
- Nachwort
- Literaturverzeichnis
- Anhang
- Weitere Informationen
- Impressum
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