Der Propyläen-Verlag in der Weimarer Republik
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Der Propyläen-Verlag in der Weimarer Republik

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Der Propyläen-Verlag in der Weimarer Republik

About this book

Zum ersten Mal wird die Geschichte des Propyläen-Verlags systematisch wissenschaftlich aufgearbeitet. Analysiert werden die Entstehung der Klassikerausgaben und der Originalgraphiken von Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth, die Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht, Carl Zuckmayer und Hasenclever, die Geschichtspopularisierung in der Propyläen-Weltgeschichte und die Entwicklung der Kunstzeitschrift Der Querschnitt.

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1 Einleitung

Mit einem Wort – die Gelegenheit, sich die Georg Müller-Produktionen anzugliedern, kam dem Haus Ullstein zwar sehr gelegen, es war aber keinesfalls eine Zufallslaune reich gewordener Leute, daß sie ergriffen wurde. Sie erleichterte das Fortschreiten auf einem Wege, der bereits vorgezeichnet war.1
Die Rede ist hier von der Gründung des Propyläen-Verlags2 im Jahr 1919 durch den in Berlin ansässigen Ullstein-Konzern, dessen Erfolg sich bis zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich auf massenwirksame Presseerzeugnisse und preiswerte, in hohen Auflagen produzierte, populäre Buchreihen zurückführen ließ. Mit dem als Imprint gegründeten neuen Verlagsbereich hielten nun auch teure, sorgfältig und in kleineren Auflagen hergestellte Bücher gehobener Ausstattung Einzug in das Buchprogramm.
Das aus der hundertjährigen Verlagsgeschichte Ullsteins stammende Zitat zeigt, dass man die Vorgehensweise Ullsteins in Bezug auf die Etablierung des Propyläen-Verlags zwar für erklärungsbedürftig hielt, die Antwort allerdings eher vage blieb. Ob die „Gelegenheit“, die man bei Ullstein ergriff, eine Möglichkeit zur Aufpolierung des Images, zur stärkeren Marktdurchdringung oder kurzfristigen Steigerung der Wirtschaftlichkeit war oder andere Beweggründe zum Tragen kamen, wurde nicht aufgeklärt. Auf welches Ziel war der von Schwab-Felisch angesprochene Ehrgeiz des Verlags tatsächlich ausgerichtet? Und worauf basierte der vorgezeichnete Weg Ullsteins? Die Verlagschronik von 1927 ordnete die Gründung des Propyläen-Verlags etwas konkreter zwischen „kulturelle[r] Verpflichtung“ und „gute[m] Geschäft“3 ein, beließ es damit aber ebenfalls bei einer allgemeinen Charakterisierung des Spannungsfeldes, in dem Verleger4 in der Regel handeln.
Die vorliegenden Verlagsgeschichten bieten zwar als Ausgangsbasis für weitere Forschung zahlreiche Informationen zum Programm des Propyläen-Verlags und zu den wichtigsten Autoren und Mitarbeitern. Die aufgeworfenen Fragen zur Gründung des Verlags, seiner Entwicklung in den ersten Jahren und seiner Funktion als Imprint-Verlag Ullsteins werden allerdings nicht hinreichend beantwortet. Sie sollen in dieser Arbeit aufgegriffen werden und generieren das maßgebliche Forschungsinteresse der Untersuchung. Ziel ist die wissenschaftliche Aufarbeitung der Verlagsgeschichte, auf deren Basis die Aussagen der Verlagsfestschriften beurteilt und überprüft werden können. Durch die analysierende Zusammenführung der noch vorhandenen Quellen soll das nicht vorhandene Verlagsarchiv des Propyläen-Verlags gewissermaßen virtuell rekonstruiert werden.
Ihren grundsätzlichen Ausgangspunkt nahm die Beschäftigung mit der Geschichte des Propyläen-Verlags in der generellen Auseinandersetzung mit der wissenschaftlichen Verlagsgeschichtsschreibung, ihren Voraussetzungen und Theorien. Deshalb erschien es angebracht, dieser Arbeit eine fundierte Zusammenfassung der Forschungsdiskussionen und des Forschungsstandes der wissenschaftlichen Verlagsgeschichtsschreibung voranzustellen, auf deren Grundlage anschließend die methodische und theoretische Einordnung der Untersuchung des Propyläen-Verlags erfolgt.
Die Definition des Forschungsvorhabens begründet gleichzeitig den Untersuchungszeitraum, der mit dem Propyläen-Gründungsjahr 1919 und der 1934 erfolgten Enteignung des Ullstein-Konzerns eingegrenzt wurde. Gegen die Ausdehnung des Untersuchungszeitraums in die Zeit des Dritten Reiches hinein spricht außerdem die durch die nationalsozialistische Kulturpolitik ausgelöste Zäsur, die ab 1933/34 zu völlig veränderten sowohl internen als auch externen Rahmenbedingungen der Verlagsarbeit führte. Darüber hinaus unterstützen die Quellen, vor allem die größtenteils aus den zwanziger Jahren stammenden Vertragsunterlagen (s. Abschn. 1.4), eine mit den Daten der Weimarer Republik weitgehend übereinstimmende Untersuchungsperiode.

1.1 Theorien, Methoden und Forschungsstand der wissenschaftlichen Verlagsgeschichtsschreibung

Die Forschung zur wissenschaftlichen Verlagsgeschichtsschreibung hat sich in den letzten Jahren besonders der Diskussion unterschiedlicher Theorieansätze zugewandt und ihren Nutzen, ihre Anwendbarkeit sowie ihre Vor- und Nachteile für die Verlagsgeschichtsschreibung erörtert. Dies kann auch als Reaktion auf die Feststellung der „Untertheoretisierung“ der Buchwissenschaft verstanden werden, die wiederholt ausgesprochen wurde,5 und mündete schließlich in verschiedenen Ansätzen, eine spezifische, universale Theorie für die Buchhandels- bzw. Verlagsgeschichtsschreibung zu entwickeln (s. u.). Einen ersten Überblick über die Theorien des Buchhandels lieferte Hans Altenhein im Jahr 1997. Seine thematische Gliederung zeigt auf, dass die Auseinandersetzung der Buchwissenschaft mit den genannten Theorien aus den Gebieten der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften auch in einem chronologischen Ablauf erfolgte. Altenhein ging sowohl auf „praxisrelevante und oft genug aus der Praxis gewonnene“6 Theorieansätze als auch auf entsprechende Entwicklungen und Tendenzen in der buchwissenschaftlichen Forschung ein. Diese traditionelle Verzahnung von Praxis und Wissenschaft spielt in der Buchhandelsgeschichtsschreibung eine wichtige Rolle, denn jene wird wesentlich gefördert durch die Historische Kommission des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. Als umfassendstes Projekt kann die Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert angeführt werden.7 Das als Handbuch angelegte, seit 2001 erscheinende Werk stellt für die Forschung im Bereich der Verlagsgeschichtsschreibung eine maßgebliche Grundlage dar, indem es sowohl den branchenspezifischen historischen Kontext und das Zusammenspiel der einzelnen Sparten des Buchhandels erläutert als auch einen Überblick über die relevanten Verlage der einzelnen Programmsparten innerhalb der entsprechenden Zeiträume bietet und diese kurz vorstellt.
Vor dem Hintergrund seiner Arbeit an der Konzeption der neuen Buchhandelsgeschichte und nach Erscheinen der ersten Teilbände stieß Georg Jäger zusammen mit Monika Estermann und Siegfried Lokatis im Jahr 2004 das Diskussionsforum Probleme der Geschichtsschreibung des Buchhandels mit einem entsprechenden Fragenkomplex auf der Plattform IASLonline an. Bis in das Jahr 2012 erschienen in loser Folge weitere Texte, darunter auch einige, die sich explizit mit der Buchwissenschaft, der Verlagsgeschichtsschreibung und ihrer Theorie auseinandersetzen. Neben den Texten von Georg Jäger, Florian Triebel und Thomas Keiderling, die der Theoriendiskussion in der Buchwissenschaft und spezifisch der Verlagsgeschichtsschreibung neue Impulse verliehen haben (s. u.), bieten Corinna Trinckaufs Methodische Überlegungen zur wissenschaftlichen Verlagsgeschichtsschreibung8 eine Zusammenfassung der Diskussionsargumente mit weiterführender Analyse sowie umfassenden Erläuterungen zu den relevanten Theorien. Trinckauf hat sich in ihrer Magisterarbeit, auf welcher der Text basiert, mit den Kriterien der wissenschaftlichen Verlagsgeschichtsschreibung auseinandergesetzt. Dabei ging es ihr vor allem auch um die Frage, ob ein universeller methodischer und theoretischer Zugang möglich ist, bzw. sinnvoll erscheint.
Mit dem 2012 erschienenen Band Verlagsgeschichtsschreibung. Modelle und Archivfunde legten die Herausgeberinnen Corinna Norrick-Rühl und Ute Schneider einen ersten, explizit dem Thema gewidmeten Sammelband vor, der sich dem Ziel verschrieben hatte, „besonders die Überlegungen zu Theorien, Methoden und Problemstellungen der Verlagsgeschichtsschreibung voranzutreiben“9. Neben bisher in der Verlagsgeschichtsschreibung wenig beachteten Themenfeldern wie Oral History als Methode der Verlagsgeschichtsschreibung10, dem Einsatz von Verlagsgeschichte im Rahmen von History Marketing11 oder dem Umgang mit Texten und Quellen aus dem Social Web für eine Verlagsgeschichtsschreibung 2.012 bietet der Band mit den Beiträgen von Ute Schneider13, Axel Kuhn14 und Ernst Fischer15 auch direkte Anknüpfungen an die Theoriendiskussionen der vorangegangenen Jahre (s. u.).
Als einer der zentralen und traditionellen Forschungsbereiche der Buchwissenschaft fand die Verlagsgeschichtsschreibung ebenfalls ausführliche Berücksichtigung in dem von Ursula Rautenberg herausgegebenen Handbuch Buchwissenschaft in Deutschland16 sowie der von Stephan Füssel und Corinna Norrick-Rühl herausgegebenen Einführung in die Buchwissenschaft17. Während Monika Estermann in Buchwissenschaft in Deutschland einen fundierten Forschungsüberblick der Verlagsgeschichtsschreibung vom 18. bis zum 20. Jahrhundert gibt18, bietet Corinna Norrick-Rühl in der Einführung in die Buchwissenschaft eine anschauliche Vorstellung des Forschungsgebietes, in der sie auch auf Tr...

Table of contents

  1. Title Page
  2. Copyright
  3. Contents
  4. 1 Einleitung
  5. 2 Externe und interne Rahmenbedingungen
  6. 3 Gründung des Propyläen-Verlags
  7. 4 Programmstrategie und Profilierung zwischen 1919 und 1925
  8. 5 Ullsteins „exklusive Zone“ – Mehrfachverwertung bei Propyläen zwischen 1926 und 1933
  9. 6 Weltgeschichtsschreibung im Propyläen-Verlag
  10. 7 Der Querschnitt – „Das Magazin der aktuellen Ewigkeitswerte“
  11. 8 Positionsveränderung und Machterweiterung Ullsteins durch Entwicklung der Marke Propyläen
  12. 9 Quellen- und Literaturverzeichnis
  13. Anhang
  14. Abbildungsverzeichnis
  15. Abkürzungsverzeichnis
  16. Dank
  17. Personenregister
  18. Register