Der Band enthĂ€lt neben Otto Haendlers berĂŒhmter Schrift "Die Predigt" einzelne BeitrĂ€ge zur homiletischen Theorie, seine Predigtmeditationen und dessen bisher unveröffentlichte Habilitationsschrift zur "Idee der Kirche in der Predigt" (1930). Sie legt dar, warum und wie Pfarrer auf die seinerzeit propagierten gruppen- und massenorientierten Sozialmodelle (Kommunismus, Sozialismus, Nationalismus usw.) reagieren sollten, um "Kirche" als menschliches, Lebensraum bietendes, zukunftsfĂ€higes Gemeinschaftsmodell zur Geltung zu bringen. Im Fokus seiner Homiletik stehen die konvergenten Prinzipien glaubwĂŒrdiger, persönlicher und theologisch stimmiger Predigt sowie eine Freiheit fördernde Glaubenskommunikation. Die Texte werden theologiehistorisch und rezeptionsgeschichtlich eingeleitet und kommentiert.[Publications and Lectures in Practical Theology]This volume includes, besides Haendler's most famous work "Die Predigt" (The Sermon) selected contributions to his theory of homiletics, his homily-meditations and his previously unpublished habilitation thesis "Idee der Kirche in der Predigt" - On the idea of church in preaching (1930). It states why and how priests should react to, in those days propagandised, group- or mass-oriented social models (such as Communism, Socialism, Nationalism etc.), in order to assert church as a human, living space providing, sustainable community model. His homiletics focuses on the convergent principles of a credible, personally and theologically coherent sermon, as well as on a freedom-promoting communication of faith. All texts are theological-historically and reception-historically prefaced and annotated.

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Schriften und VortrÀge zur Praktischen Theologie (OHPTh)
Band 2: Homiletik. Monographien, AufsÀtze und VortrÀge
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Schriften und VortrÀge zur Praktischen Theologie (OHPTh)
Band 2: Homiletik. Monographien, AufsÀtze und VortrÀge
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Information
Topic
Theology & ReligionSubtopic
Christian MinistryTEIL II
DIE PREDIGT
IINHALT TEIL II
Einleitung:
Otto Haendlers Schrift âDie Predigtâ. Ihre PrĂ€missen, Argumente und Ziele im Spiegel der Rezeptionsgeschichte
von Wilfried Engemann
1. Die Prolegomena der Homiletik Otto Haendlers
1.1 Ein Dringlichkeitsappell zur Wahrnehmung der Lage
1.2 Das Subjekt des Predigers als Ausgangs- und Orientierungspunkt der Predigtarbeit
1.3 Zur Relevanz der Tiefenpsychologie bei der Thematisierung des Predigers
2. Die Neuordnung homiletischer Leitlinien in der Predigtlehre Otto Haendlers
2.1 Predigtlehre mit personalem Referenzrahmen â und doch eine âganze Homiletikâ
2.2 Zur Bedeutung des Subjekts fĂŒr die Predigt
2.2.1 Ein neuer Ansatz zur Bewertung subjektiver und objektiver Faktoren in der Predigt
2.2.2 Zur Bedeutung der Persönlichkeitsstruktur fĂŒr die Predigt
2.2.3 Vorgegebene Bedingungen subjekthafter Predigt
2.3 Das VerhÀltnis des Predigers zum Text
2.4 Das VerhÀltnis des Predigers zur Gemeinde und der Gemeindebezug der Predigt
2.5 Praktische Gesichtspunkte
3. âDie Predigtâ im Spiegel der Rezensionen â ein LehrstĂŒck ĂŒber die Entwicklung theologischer Argmentation
3.1 Die Rezensionen zur 1. Auflage von 1941
3.1.1 Die Predigtlehre Haendlers: Theologischer Entwurf, homiletisches Fachbuch und âLebensbuchâ in einem
3.1.2 Ein Buch, das BefĂŒrchtungen weckt: âPsychologismusâ, âPĂ€dagogisierungâ und âSubjektivitĂ€tsdoktrinâ
3.2 Die Rezensionen zur 2. und 3. Auflage von 1949 und 1960
3.2.1 Theologische Bereicherung
3.2.2 Psychologische Hilfe und praktischer Ratgeber
3.2.3 âNur ein historischer Text, keine neuen Gesichtspunkteâ
3.2.4 Ein sensationelles Buch!
4. Die Rezeption der Predigtlehre Otto Haendlers im theologischen Diskurs des 20. und 21. Jahrhunderts
4.1 Zur faktischen Wirkung der Predigtlehre Haendlers auf den homiletischen Diskurs
4.2 WĂŒrdigung und Kritik der tiefenpsychologischen Erweiterung des homiletischen Diskurses
4.3 Einzelne Rezeptionslinien der Predigtlehre Haendlers
4.3.1 Meditation und praktische Predigtvorbereitung
4.3.2 Der Ertrag fĂŒr die Seelsorge
4.3.3 Liturgische Aspekte und weitere Facetten der Rezeption
Die Predigt. Tiefenpsychologische Grundlagen und Grundfragen
Das Inhaltsverzeichnis zu dem Werk âDie Predigtâ ist in das entsprechende Werk auf S. 273â276 integriert.
EINLEITUNG: OTTO HAENDLERS SCHRIFTâDIE PREDIGTâ
IHRE PRĂMISSEN, ARGUMENTE UND ZIELE IM SPIEGEL DER REZEPTIONSGESCHICHTE
von Wilfried Engemann
1. DIE PROLEGOMENA DER HOMILETIK OTTO HAENDLERS
1.1 Ein Dringlichkeitsappell zur Wahrnehmung der Lage
Otto Haendler beginnt seine Predigtlehre (von der ersten Auflage an) mit einem Dringlichkeitsappell, die Wahrnehmung und Reflexion der âLageâ betreffend, in der sich die Menschen, die Gemeinden sowie Kirche und Gesellschaft befinden: Angesichts der âzerrissenenâ, âaufgewĂŒhltenâ und âchaotischenâ Gegenwart ist die Kirche dazu herausgefordert, den unter diesen UmstĂ€nden Lebenden beizustehen â auch durch ihre Predigtkultur, die im Dienste der âBewĂ€ltigung des Lebensâ stehen mĂŒsse. Um diesen Dienst leisten zu können, sollte die Predigt nicht nur inhaltlich dem Evangelium auf der Spur sein, sondern auch eine den Menschen der Gegenwart zugĂ€ngliche Form annehmen.1 Die Kirche selbst mĂŒsse sich schlieĂlich âanschicken, eine Gestalt zu erarbeiten, die der gegenwĂ€rtigen Lage auch insofern gerecht wird, als Fragende und Suchende [âŠ] in bisher nicht dagewesenem Zweifel und Erwarten dem Christentum, obwohl es ihre alte Heimat ist, neu begegnenâ2.
In der 3. Auflage wird die Situation, angesichts derer zu predigen ist, in drei Richtungen3 exemplarisch vertieft: (1.) In seinen Anmerkungen zur âVerkĂŒndigung im Atomzeitalterâ4 geht Haendler zunĂ€chst auf die faktischen Ăngste ein, die mit dem Wissen um die Zerstörbarkeit der Erde verbunden sind. Solche Ăngste bedĂŒrften einer homiletischen Bearbeitung, die nicht zuletzt von Sachlichkeit, Ehrlichkeit und der Gelassenheit des Glaubens bestimmt sein sollte. (2.) Als eine Herausforderung der Gegenwart bringt Haendler 1960 auch die Erfahrung des âIchverlustsâ ins Spiel, die sich besonders in Werteverlust-Erfahrungen, in einem âMangel an VerantwortungsgefĂŒhl und Mangel an Urteilskraftâ5 manifestiere. SchlieĂlich geht Haendler (3.) auch auf spezifische PhĂ€nomene des Atheismus ein, die man nicht alle als âFronthaltungâ zum Christentum oder mit âAbfall vom Glaubenâ beiseiteschieben könne. Atheismus mĂŒsse heute auch als ein âFermentâ begriffen werden, das als âAuflehnung gegen Gottâ auch bei Menschen anzutreffen sei, die sich nicht als Atheisten verstehen.6 Der Prediger habe es nicht einfach mit âUngehorsamâ im Sinne von Glaubensverweigerung zu tun, sondern er mĂŒsse sich auf Widerspruch aus begrĂŒndetem Zweifel einstellen: âAuch der Glaubende lebt im Glauben und im Unglauben zugleich.â Prediger sollten erkennen, dass sie âdie gesamten Strömungen unserer Zeitâ irgendwie in sich tragen. âSie [d. h. diese Strömungen] sind unsere Erbmasse und unser Milieu.â7
Angesichts dieser Problemanzeigen erscheint es Haendler umso mehr geboten, die Arbeit an einer Predigt â bis in die Artikulation des Evangeliums hinein â auch als persönliche Herausforderung zu begreifen: âWir sollen so predigen, dass man uns unsere Predigt âabnehmenâ kann.â8
Die Predigt ist aufgrund ihrer kommunikativen Reaktions- und AnpassungsfĂ€higkeit besonders geeignet, die âkonkreten und belangvollen Fragenâ der Zeit â einschlieĂlich âder Menschen âam Randeââ9 â adĂ€quat aufzunehmen, vorausgesetzt, den mit der Predigt Beauftragten gelingt es, sich mit entsprechender Kompetenz sowohl in das Evangelium zu vertiefen als auch âganz und gar und ebenso intensiv âin der Zeitââ zu stehen. Dabei stoĂen Prediger auf fremde und oft genug auf eigene âUnsicherheiten, Fragen und Schmerzenâ, die âeinen ĂŒbersubjektiven Hintergrund habenâ. Sie könnten, so Haendler, ein âheuristisches Prinzip fĂŒr wichtige homiletische Erkenntnisseâ werden. âDie Homiletik hat zwar immer gewusst, dass sie das Evangelium nicht verraten darf. Heute aber tritt mit neuem Gewicht die Forderung daneben, dass auch die Zeit nicht verraten werden darf.â10 Wo dies doch geschehe, werde hilfreiche Predigt unmöglich gemacht, was sich oft daran zeige, dass Prediger aus der Rolle des Kritikers der Welt und der Zeit nicht mehr herausfĂ€nden.11 Haendler praktiziert dabei sein eigenes Prinzip der Korrelation, das sich schon in seiner Habilitationsschrift abzeichnete: âWir mĂŒssen unsere Situation in der Welt so [âŠ] ernst nehmen, dass ihre Fragen unsere Fragen sind und wir sie als die unseren erleben und durchdringen. Hierzu Wege zu weisen wird eine der wichtigsten Aufgaben einer gegenwĂ€rtigen homiletischen Besinnung sein.â12
Vor diesem Hintergund geht Haendler auf die praktischen Probleme der Predigtarbeit13 ein: Pfarrer fĂŒhlten sich angesichts der (seitens der kerygmatischen Theologie proklamierten) Not des Nicht-Könnes â da es ja um die VerkĂŒndigung des Wortes Gottes gehe â im Stich gelassen. In der Homiletik werde weithin noch immer ĂŒbersehen, in welchem MaĂe und in welchem Sinne sich in einer Predigt ein konkretes Subjekt artikuliere â eine Beobachtung, die sich in homiletischen Ăbungen mit Studenten, Kandidaten der Theologie und Pfarrern immer wieder auch empirisch bestĂ€tige. Die stillschweigend ĂŒberlieferte Empfehlung, man brauche beim Predigen das exegetisch und dogmatisch Gelernte nur anzuwenden, laufe erfahrungsgemÀà ins Leere oder Ă€uĂere sich als âAusweichen vor der Wirklichkeitâ14. Signifikant fĂŒr die nachrĂŒckende Theologengeneration sei ihr mangelndes Vertrauen in die eigene Lebens- und Glaubenserfahrung sowie die gleichzeitig anzutreffende ĂberschĂ€tzung der âAmtserfahrungâ. Daher komme es nun darauf an, einmal sĂ€mtliche Probleme âder Arbeit an der Predigt ganz konkret vom Standort des Predigers aus zu bearbeitenâ15.
Haendlers Interesse an der Person des Predigers ist jedenfalls mit der Ăberzeugung verbunden, dass es aus sachlichen GrĂŒnden â die sich aus der beschriebenen Lage einerseits und den Erfordernissen der âVerkĂŒndigungâ andererseits ergeben â geboten ist, die Möglichkeiten einer bewussten Subjektorientierung in der Homiletik auszuschöpfen.
1.2 Das Subjekt des Predigers als Ausgangs- und Orientierungspunkt der Predigtarbeit
Otto Haendler knĂŒpft in den psychologischen Prolegomena seiner Predigtlehre genau dort an, wo er 1930 in seiner Habilitationsschrift einen entsprechenden Bedarf markiert hatte: Nachdem man sich im Kontext der Homiletik intensivst mit dem âWort Gottesâ und in AnsĂ€tzen mit Gemeindewirklichkeit befasst habe, sei es höchste Zeit, sich mit dem Prediger als drittem Element der klassischen Trias von Pfarrer, Evangelium und Gemeinde zu befassen16 â mit jener GröĂe, die teils aus Angst vor der Gefahr des Subjektivismus, teils aus mangelnder Kenntnis der mit der Person des Predigers verbundenen Probleme, teils aus GleichgĂŒltigkeit und anderen GrĂŒnden zu lange aus dem Diskurs ausgeblendet worden sei. Jedoch âwenn jemand Sonntag fĂŒr Sonntag mit seinem Munde, mit Worten seiner Sprache, mit Hilfe seiner Erfahrung und Erkennnis das Evangelium verkĂŒndet, so ist seine Person um der Sache willen so wichtig, dass wir ihr die gröĂe Aufmerksamkeit zuwenden mĂŒssenâ17.
Zur Verdeutlichung dieser These fĂŒhrt Haendler verschiedene Argumente ins Feld: Wer predigt, geht nicht nur als studierter Theologe an die Arbeit, ausgerĂŒstet mit exegetischem, dogmatischem und â wenn es gutgeht â homiletischem Wissen, sondern als âganzer Menschâ, als der, der er zu diesem Zeitpunkt ist, geprĂ€gt von der Gesamtheit der Lebensbeziehungen, die seine Existenz mitbedingen.18 Damit kommt eine FĂŒlle nicht-theologischer Faktoren der Predigtarbeit in den Blick. Dass ein Mensch predigt, bedeutet eben auch, dass dieses Geschehen nicht nur logischrational, die Wortebene betreffend, abgehandelt werden kann, sondern dass es unter anderem eine psychische Ebene hat, die dementsprechend psychologisch wahrzunehmen und zu verstehen ist.19 Die bald mit einem missverstandenen sola fide begrĂŒndete, bald aus Misstrauen und Vorurteilen resultierende Ablehnung psychologischer Reflexion in der Homiletik und Predigtvorbereitung fĂŒhrt nur dazu, dass seelische ZustĂ€nde und Prozesse zwangslĂ€ufig âirgendwieâ, also âunkontrolliertâ ihre Wirkung entfalten.
Psychologische Einsichten und Modelle fĂŒr die Innenansicht eines Menschen, fĂŒr die Konstitution und Entwicklung seiner Persönlichkeit, seiner religiösen Auffassungen, Grundimpulse, Ăngste usw. auch im Zusammenhang des Predigtgeschehens zu erörtern, bedeutet nicht, das Spektrum theologischer Reflexion zu verkleinern. Im Gegenteil: Die Menge und KomplexitĂ€t der Themen, Stoffe und Erkenntnisse, die mit dem Repertoire und den Fragen der Theologie bearbeitet werden können, nimmt zu. SchlieĂlich wird âdas Theologischeâ an einem Diskurs nicht primĂ€r durch den Gegenstand vorgegeben, sondern vor allem durch die Art und Weise des Herangehens an ihn â weswegen sich Psychologen umgekehrt natĂŒrlich auch mit âGottâ, âGlaubenâ, âLiebeâ âFreiheitâ oder mit der psychischen Struktur und Wirkung eines Predigers befassen können.20 âDie innere Freiheit zu einer furchtlosen und fruchtbaren Verbindung theologischer und psychologischer Arbeit gewinnt nur der, der die grundsĂ€tzliche UnerlĂ€sslichkeit beider nebeneinander erkennt.â21
1.3 Zur Relevanz der Tiefenpsychologie bei der Thematisierung des Predigers
Die Tiefenpsychologie wird von Haendler deshalb als das (seinerzeit) komplexeste Arbeitsgebiet der Psychologie als Dialogpartnerin der Theologie gewĂ€hlt, weil sie die innere Dynamik des Menschen sowohl vor dem Hintergrund des von ihm erlittenen22 als auch des von ihm gestalteten Daseins in den Blick nimmt, weil sie die Kategorie des Unbewussten als wichtigen Faktor im FĂŒhlen, Denken und Handeln eines Menschen mitberĂŒcksichtigt und, last but not least, weil von der Bewusstmachung des Unbewussten korrigierende, existenzverĂ€ndernde, ja therapeutische Effekte ausgehen können.23 Die Bewusstwerdung des Unbewussten kann â bezogen auf einen ...
Table of contents
- Cover
- Titel
- Impressum
- Vorwort
- TEIL I: DIE IDEE DER KIRCHE IN DER PREDIGT
- TEIL II: DIE PREDIGT
- TEIL III: AUFSĂTZE UND VORTRĂGE
- ANHĂNGE
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