UniversitÀtskirche St. Pauli
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UniversitÀtskirche St. Pauli

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Mit Grußworten von MinisterprĂ€sident Stanislaw Tillich, Rektorin Beate SchĂŒcking, Landesbischof Jochen Bohl, OberbĂŒrgermeister Burkhard Jung und Martin Oldiges

  1. 305 pages
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UniversitÀtskirche St. Pauli

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Mit Grußworten von MinisterprĂ€sident Stanislaw Tillich, Rektorin Beate SchĂŒcking, Landesbischof Jochen Bohl, OberbĂŒrgermeister Burkhard Jung und Martin Oldiges

About this book

AnlĂ€sslich der Wiedereinweihung der UniversitĂ€tskirche St. Pauli in Leipzig erscheint diese reich bebilderte Festschrift. Mit dem Paulinum, das zugleich als Aula und Kirche genutzt wird, erhĂ€lt die UniversitĂ€t ihr geistig-geistliches Zentrum zurĂŒck. Es eröffnet die Chance, "Tradition und Moderne in Freiheit zusammenzubringen" (MinisterprĂ€sident Stanislaw Tillich im Grußwort).Eine Reihe von BeitrĂ€gen erinnert an die 1968 gesprengte alte UniversitĂ€tskirche mit ihren Gottesdiensten, ihrer Musik und ihren Kunstwerken. Der zweite Teil der Festschrift dokumentiert den Zeitraum unmittelbar vor der Sprengung bis zur Errichtung des Neubaus. Im dritten Teil stehen die Chancen des Neubaus im Fokus. Wie wird das zusammengehen: Aula als Kirche und Kirche als Aula? Der neue Raum eröffnet den UniversitĂ€tsgottesdiensten ungeahnte Möglichkeiten. Durch die beiden Orgeln entsteht ein neues Zentrum der Musik. Aula/UniversitĂ€tskirche St. Pauli werden den Dialog zwischen Wissenschaft und Glauben voranbringen.Mit BeitrĂ€gen von MinisterprĂ€sident Stanislaw Tillich, Rektorin Beate SchĂŒcking, Landesbischof Dr. Carsten Rentzing, OberbĂŒrgermeister Burkhard Jung, Matthias Schwarz, RĂŒdiger Lux, Hartmut Mai, Christian Winter, Heinrich Magirius, Stefan Welzk, Nikolaus Krause, Martin Petzoldt, Wolfgang Ratzmann, Matthias Petzoldt, Erick van Egeraat, Ulrich Stötzner, Rudolf Hiller von Gaertringen, Horst Hodick, Christoph Krummacher; Daniel Beilschmidt, Reinhard Schmidt-Rost, Alexander Deeg, Peter Zimmerling u. a.

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Information

Year
2017
Print ISBN
9783374040346
Edition
1
eBook ISBN
9783374047796

NEUBAU

Wolfgang Ratzmann ‱ Matthias Petzoldt
Erick van Egeraat ‱ Martin Petzoldt
Ulrich Stötzner ‱ Rudolf Hiller
von Gaertringen ‱ Horst Hodick

Wolfgang Ratzmann

FASZINIEREND UND HEFTIG UMSTRITTEN

Stationen und Positionen beim Bau des neuen symbolischen Zentrums der Leipziger UniversitÀt 1
Am zentralen Leipziger Augustusplatz, an dem sich auch Opernhaus und Gewandhaus befinden, ist ein neuer innerstĂ€dtischer UniversitĂ€tscampus mit einem neuen UniversitĂ€tshauptgebĂ€ude errichtet worden. In ungewöhnlicher Architektur ist dabei etwas Unverwechselbares entstanden, wobei eine Anlehnung an die Formensprache alter Kirchenbauten ins Auge fĂ€llt. Es ist offensichtlich, dass der neue Bau an die UniversitĂ€tskirche St. Pauli erinnern soll, die bis 1968 an dieser Stelle stand. Das HerzstĂŒck des universitĂ€ren HauptgebĂ€udes ist ein Erinnerungsbau, den die UniversitĂ€tsleitung Paulinum2 genannt hat, der zugleich als Aula und Kirche dient und in dessen Dachbereich zusĂ€tzlich universitĂ€re Institute untergebracht sind.
Das neue GebĂ€ude ist schnell zu einem wichtigen Identifikationspunkt der Leipziger Innenstadt-Bebauung geworden. So taucht es seit seiner Ă€ußeren Fertigstellung immer wieder in deutschlandweit ausgestrahlten Fernsehserien aus der Messestadt auf: in der »Sachsenklinik« ebenso wie in der Krimiserie »Soko Leipzig«. Das neue Aula-Kirchen-GebĂ€ude fasziniert offenbar viele Leipziger und ihre GĂ€ste ebenso wie die Filmemacher der beiden Fernsehserien. Es spricht als »Amalgam neogotischer und neoexpressionistischer Formen«3 viele Menschen an. Es hebt dieses besondere GebĂ€ude schnell heraus aus der relativen Gleichförmigkeit der sachlich-modernen Architektur und rĂŒckt es in den Mittelpunkt gespannter Aufmerksamkeit.
Eine Leserin der Leipziger Volkszeitung spricht in einem Leserbrief davon, dass die neue UniversitÀtskirche »anmutig und architektonisch beeindruckend« dastehe, wÀhrend sie deren Standort Augustusplatz als »nachwendlich verschandelt« bezeichnet (Anne-Sophie Arnold, Regis-Breitingen, LVZ v. 28.12.2012)
Doch erstaunlich ist, dass das Entstehen des Paulinums von Anfang an von heftigen Kontroversen begleitet war, die bis in die Gegenwart anhalten. Sie betrafen zunĂ€chst vor allem die Ă€ußere Gestalt, konzentrierten sich aber nach deren Fertigstellung auf die innere Ausgestaltung des Aula-Kirchen-Raumes, auf seinen Namen ebenso wie auf bestimmte markante AusstattungsstĂŒcke und deren Platzierung im Inneren. Diese heftigen Debatten fanden nicht nur in den maßgeblichen regierungsamtlichen, universitĂ€ren oder mit der DurchfĂŒhrung betrauten Baugremien statt, sondern deutlich wahrnehmbar ebenso in der Öffentlichkeit der Stadt, und sie wurden bisweilen auch ĂŒberregional zur Kenntnis genommen, wie z. B. in der Wochenzeitung DIE ZEIT4 und in der »Welt«5. Ein wichtiger Austragungsort dieses offenen Streits war die Leipziger Volkszeitung (LVZ), die durch ihre Berichte zum Neubau des UniversitĂ€tscampus hĂ€ufig eine Flut von Leserbriefen auslöste. Der heftige Streit, in dem es immer wieder auch zu persönlichen Verunglimpfungen kam, wird wohl nur dann halbwegs verstĂ€ndlich, wenn man unterstellt, dass es sich beim neuen HauptgebĂ€ude der Leipziger UniversitĂ€t um einen symbolisch hochbedeutsamen Bau handelt, anhand dessen sich typische Einstellungen zum VerhĂ€ltnis von Staat und Kirche, von Wissenschaft und Religion, von Gottesdienst und akademischem Lehr- und Feierbetrieb artikulieren konnten, die auf jeweils gegenteilige Überzeugungen stießen und harte Konfrontationen auslösten.
Mein Aufsatz will zunĂ€chst knapp die Baugeschichte in Erinnerung rufen und einige wichtige Stationen beim Bau des neuen HauptgebĂ€udes nachzeichnen. Diese findet sich allerdings ausfĂŒhrlich und von einer etwas anderen Perspektive aus auch an anderer Stelle – jedenfalls bis zum Zeitpunkt des Jahres 2009.6 Umso mehr ist es mein Anliegen, mich darĂŒber hinaus dem anhaltenden heftigen Streit zuzuwenden, ihn mit einigen pointierten Äußerungen zu dokumentieren und zu interpretieren. Als Quelle benutze ich dazu einzelne Zitate aus Leserbriefen an die LVZ, die in diesen Jahren das Baugeschehen am Augustusplatz begleitet haben.
→ Installation vor dem HauptgebĂ€ude der UniversitĂ€t
1. EINIGE STATIONEN DER BAUGESCHICHTE 7
Bald nach der Friedlichen Revolution 1989/90 melden sich die ersten Stimmen, die einen Wiederaufbau der alten UniversitĂ€tskirche fordern. Die Diskussion pro und contra Wiederaufbau wird erstmalig öffentlich im Rahmen einer Podiumsdiskussion anlĂ€sslich des 25. Jahrestages der barbarischen Sprengung der Paulinerkirche im Mai 1993 gefĂŒhrt. Viele Fachleute Ă€ußern sich dabei zurĂŒckhaltend und kritisch gegenĂŒber PlĂ€nen zum Wiederaufbau. Der inzwischen gegrĂŒndete »Paulinerverein« verschreibt sich dagegen dem Anliegen, auf einen originalgetreuen Wiederaufbau der UniversitĂ€tskirche hinzuwirken. Am damaligen HauptgebĂ€ude der UniversitĂ€t, dem Plattenbau von 1970 mit dem daran befestigten Marx-Monument, wird eine Tafel zur Erinnerung an die Zerstörung der Kirche angebracht.
Die Stadt Leipzig lobt 1994 einen stĂ€dtebaulichen Ideenwettbewerb zum Augustusplatz und UniversitĂ€tsareal aus, der eine FĂŒlle unterschiedlicher gestalterischer VorschlĂ€ge fĂŒr das kĂŒnftige Gesicht des UniversitĂ€tshauptgebĂ€udes erbringt. Von den 64 Teilnehmern sehen dreizehn eine wiederaufgebaute UniversitĂ€tskirche vor, die sie in einen erneuerten Campus einbeziehen. Der erste PreistrĂ€ger, ein ArchitekturbĂŒro aus Hannover, plĂ€diert aber fĂŒr einen modern-funktionalen Zweckbau.
Im Mai 1998, 30 Jahre nach der Zerstörung der Kirche, wird eine große Installation vor dem HauptgebĂ€ude aufgestellt, die den Giebel der frĂŒheren UniversitĂ€tskirche nachzeichnet und die die bisherige Dominanz des Marx-Monuments an der Fassade des HauptgebĂ€udes aus den DDR-Jahren beendet. Die Theologische FakultĂ€t verabschiedet im Juni 1998 eine ErklĂ€rung, in der sie ihre Haltung zu den WiederaufbauplĂ€nen festlegt: Sie befĂŒrwortet einen Neubau, der »nach dem Leitbild der â€șUniversitĂ€tskircheâ€č als geistlicher und geistiger Mittelpunkt und Ort der IdentitĂ€t der UniversitĂ€t vorzusehen« ist. Sie nennt als Kennzeichen dieses identitĂ€tsstiftenden Ortes die Funktionen »Aula, Auditorium maximum, Gottesdienstraum, GedĂ€chtnisstĂ€tte, Konzertraum.« Sie setzt sich dabei aus ihrer spezifischen Verantwortung heraus dafĂŒr ein, dass die UniversitĂ€t mit diesem Raum ein »liturgisches Zentrum« wiedergewinnt, das als fester Ort fĂŒr UniversitĂ€tsgottesdienste, geistliche Musik und die liturgisch-homiletische Ausbildung der Theologiestudierenden zur VerfĂŒgung steht. Sie hĂ€lt es fĂŒr möglich, dass ein solches GebĂ€ude auf der GrundflĂ€che der zerstörten UniversitĂ€tskirche errichtet wird und dass »der Anschluss an die innere Haupteinteilung der Kirche in Langhaus und dreischiffigen Chor« solche Möglichkeiten fĂŒr eine vielseitige Nutzung des Raumes »als geistiges, kulturelles und liturgisches Zentrum der UniversitĂ€t« eröffnet.
Der seit 1997 amtierende UniversitĂ€tsrektor Prof. Dr. Volker Bigl setzt am 9. November 1998 einen »Arbeitskreis HauptgebĂ€ude« unter Vorsitz des Kunsthistorikers Prof. Topfstedt ein. Dieser erarbeitet VorschlĂ€ge, die vom Rektorat und vom Konzil der UniversitĂ€t im Juni 1999 bestĂ€tigt werden. In ihnen heißt es: »Das reprĂ€sentative HerzstĂŒck und geistige Zentrum des neu strukturierten Campus muss der Bau des bisher fehlenden Aula-GebĂ€udes mit einem multifunktional nutzbaren Saal (KapazitĂ€t ca. 600 PlĂ€tze) werden. Die Aula muss ĂŒber eine flexible Bestuhlung verfĂŒgen, die eine vielfĂ€ltige Nutzung des Raumes fĂŒr akademische Festakte, fĂŒr den UniversitĂ€tsgottesdienst, fĂŒr die Proben und Konzerte des UniversitĂ€tschores und des UniversitĂ€tsorchesters sowie fĂŒr wissenschaftliche Konferenzen gestattet. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist das wĂŒrdige Gedenken an die 1968 gesprengte UniversitĂ€tskirche, welches in angemessener Weise auch in der Architektur des GebĂ€udes Niederschlag finden könnte  «
Nach solchen ersten BeschlĂŒssen zur baulichen Neugestaltung des Unicampus finden immer wieder öffentliche Diskussionen ĂŒber das Pro und Contra eines Wiederaufbaues bzw. eines Neubaus statt. Im August 2001 lobt der Freistaat Sachsen einen Wettbewerb zur Neu- und Umgestaltung des innerstĂ€dtischen UniversitĂ€tskomplexes am Augustusplatz aus, in dessen Aufgabenbeschreibung es heißt: »Die neue Pauliner Aula soll als Ort akademischer Veranstaltungen, der UniversitĂ€tsgottesdienste und der universitĂ€ren Musikpflege eine lebendige BegegnungsstĂ€tte fĂŒr die UniversitĂ€tsangehörigen sowie fĂŒr GĂ€ste der UniversitĂ€t aus aller Welt und die Einwohner der Stadt Leipzig werden.« Der Wettbewerb endet im Mai 2002 mit der Vergabe des 2. Preises an das ArchitekturbĂŒro behet + bonzio (MĂŒnster), das mit seinem Konzept fĂŒr die gesamte Campusbebauung ĂŒberzeugt. Aber der Vorschlag fĂŒr die Aula ĂŒberzeugt schon die Juroren des Wettbewerbs nicht ganz und findet in der Öffentlichkeit erst recht keine Zustimmung. Entschiedener Widerstand kommt vor allem vom Paulinerverein, aber auch von vielen Leipzigern, denen die nĂŒchtern-funktionale moderne Architektur des HauptgebĂ€udes nicht zusagt. Dennoch erbittet der Senat der UniversitĂ€t von der Staatsregierung in Dresden, dem Geldgeber eines UniversitĂ€tsneubaues, die Zustimmung.
Das Kabinett in Dresden befĂŒrwortet im Januar 2003 den Neuba...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Danksagung
  5. VORWORT
  6. INHALT
  7. GRUSSWORTE
  8. PREDIGTEN
  9. WANDLUNGEN
  10. NEUBAU
  11. GOTTESDIENST INMITTEN DER UNIVERSITÄT
  12. URKUNDEN ZUR ALTARGRUNDSTEINLEGUNG
  13. ABBILDUNGSVERZEICHNIS
  14. VERZEICHNIS DER BEITRÄGERINNEN UND BEITRÄGER
  15. WEITERE BÜCHER

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