Was bedeutet es fĂŒr Christen und Christinnen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt, Nachfolge Jesu als einen Pilgerweg in Gottes Reich der Gerechtigkeit und des Friedens zu verstehen?Dieser spannende und inspirierende Band wurde von der theologischen Studienkommission des Ăkumenischen Rates der Kirchen zum "Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens" entwickelt. Er bietet einen Einblick in die spirituellen, sozialen und theologischen Dimensionen dieser globalen ökumenischen Initiative und ihrer Relevanz in verschiedenen Kontexten. Die dreizehn BeitrĂ€ge werden durch persönliche Geschichten der Autoren und Autorinnen bereichert.[Together on the way. On the Ecumenical Pilgrimage of Justice and Peace. Theological Contributions]What does it mean for Christians from different parts of the world to understand discipleship of Jesus as a pilgrimage towards God's kingdom of justice and peace?This exciting and inspiring volume about the "Pilgrimage of Justice and Peace" was developed by the Theological Study Commission of the World Council of Churches. It offers an insight into the spiritual, social and theological dimensions of this global ecumenical initiative and its relevance in different contexts. The thirteen contributions are complemented by personal stories of the authors.

eBook - ePub
Gemeinsam unterwegs
Auf dem Ăkumenischen Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens. Theologische BeitrĂ€ge
- 224 pages
- English
- ePUB (mobile friendly)
- Available on iOS & Android
eBook - ePub
Gemeinsam unterwegs
Auf dem Ăkumenischen Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens. Theologische BeitrĂ€ge
About this book
Trusted by 375,005 students
Access to over 1.5 million titles for a fair monthly price.
Study more efficiently using our study tools.
Information
Teil Zwei:
Metaphern und Praktiken
5. Kapitel
Eine transformative SpiritualitĂ€t fĂŒr den Pilgerweg des »gerechten Friedens« â im gemeinsamen trinitarischen Glauben gegrĂŒndet
Fernando Enns
An exceptionally bright and driven son of the Midwest was killed this month in Congo â his remains, along with those of a colleague, were found in a shallow grave on Monday â and to those who knew him, it is the unfairness of his death that is most crushing.1
Als wir dies am Morgen des 29. MÀrz 2017 in der Washington Post lasen, hatten wir bereits begriffen: Michael wurde getötet!
Itâs not that anyone else might have deserved Michael Sharpâs fate: kidnapped and killed by unknown assailants along with a Swedish counterpart and a local interpreter. Itâs that Sharp, 34, was »standard deviations above the norm« when it came to integrity and compassion.2
Wir Mennoniten in Deutschland kannten Michael gut aus seiner Zeit bei uns. Er arbeitete beim Deutschen Mennonitischen Friedenskomitee und begleitete in Deutschland stationierte amerikanische Soldaten durch seine ehrenamtliche Mitarbeit im Military Counselling Network. In diesen Tagen des Irakkriegs erkannten viele dieser Soldaten, dass sie in einen ungerechtfertigten Krieg hineingezogen worden waren und dass sie nicht mehr Teil davon sein wollten. Michael und andere halfen ihnen, einen Ausweg zu finden.
Michael Sharp
[âŠ] had impressed many with his cultivation of trust among eastern Congoâs rebel leaders in his three years with the Mennonite Central Committee, an organization that does humanitarian and conflict-resolution work. Heâd been so successful that he was eventually hired by the United Nationsâ Group of Experts, which is appointed by the Security Council, to investigate the violence in Kasai. He was named coordinator of the investigating panel. At 34, he was one of the youngest to ever hold that position.3
John E. Sharp, Michaels Vater, sagte, dass Michaels Hingabe fĂŒr die Friedensarbeit auf dem Mennonitischen Glauben grĂŒndete. »Wir lehren, dass Gewalt keine Lösung ist, wie die Geschichte beweist«, sagte er und fĂŒgte hinzu, dass der Tod seines Sohnes keine Rechtfertigung fĂŒr ein ĂŒbereiltes Abziehen aus dem Kongo sein dĂŒrfe. »Wir hoffen, dass die UN ihre Friedensarbeit im Kongo fortsetzt.« Die Zeitschrift Mennonite World Review zitiert den Vater wie folgt:
Ich habe mehr als einmal gesagt, dass wir Friedensstifter ebenso bereit sein sollten, unser Leben zu riskieren, wie all jene, die sich dem MilitĂ€r anschlieĂen. Jetzt ist das keine Theorie mehr.4
Michael Sharp ist einer der vielen MĂ€rtyrer, die sich dazu entschieden haben, ihr Leben als »Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens« zu fĂŒhren. Und sein Beispiel erinnert uns auf tragische Weise daran, wie verlustreich diese Hingabe sein kann. Wenn die Kirchen des Ăkumenischen Rates der Kirchen (ĂRK) gemeinsam darĂŒber beraten, was ein ökumenischer »Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens« bedeuten kann, dann ist es eben das Zeugnis dieser MĂ€rtyrer, das die mögliche Tragweite hervorhebt und uns fragen lĂ€sst: Können Kirchen diesem Auftrag wirklich gerecht werden? Sind wir uns der Kosten bewusst, nicht nur fĂŒr den Einzelnen, sondern fĂŒr die christlichen Kirchen? Welche spirituelle Kraft braucht man fĂŒr einen solchen Weg? Und welche theologischen Argumente liefert jene Weisheit, dass MitgefĂŒhl stĂ€rker ist als Gewalt, Leben stĂ€rker ist als der Tod und Ungerechtigkeit nicht ewig andauern wird â wider alle schmerzhaften »RealitĂ€ten«?
Die SpiritualitÀt des gerechten Friedens
Eine entscheidende Etappe des fortgesetzten Konziliaren Prozesses fĂŒr Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung unmittelbar vor der Vollversammlung in Busan (2013) war die ökumenische »Dekade zur Ăberwindung von Gewalt. Kirchen fĂŒr Frieden und Versöhnung 2001â2010«, deren Initiierung auf die 8. ĂRK-Vollversammlung in Harare, Zimbabwe, zurĂŒckreichte und die in der Internationalen Ăkumenischen Friedenskonvokation (IEPC) 2011 in Kingston, Jamaika, gipfelte.5 »Just Peace« â das neue ökumenische Paradigma fĂŒr theologische Ethik â wurde auf dieser Versammlung in Busan weiterentwickelt und diskutiert.6
Ein Kritikpunkt, der wĂ€hrend dieser Dekade zur Ăberwindung von Gewalt immer wieder geĂ€uĂert wurde, war einerseits der Mangel an theologischer Reflexion und andererseits die fehlende Verbindung zum spirituellen Leben der Kirchen. Kirchenvertreter*innen beklagten bisweilen, dass die AktivitĂ€ten und Programme des ĂRK in Bezug auf Friedenskonsolidierung, Versöhnung und Friedens-Diakonie einer »schlichten NGO-Agenda« sehr Ă€hnlich seien. Sie argumentierten, dass die Kirchen dagegen auf die Tatsache hinweisen sollten, dass die verschiedenen Krisen dieser Welt â wie Armut, Terrorismus, Rassismus, Klimawandel â genau genommen »spirituelle Krisen« der Menschheit seien. Und dass die Kirchen sie auch als solche angehen sollten.
Die Versammlung in Busan sammelte die Kritikpunkte und Ergebnisse der Dekade zur Ăberwindung von Gewalt und analysierte die sich stetig verĂ€ndernde globale Lage. Sie beschloss, einen ökumenischen »Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens« zu initiieren, um auf den gewonnenen Erkenntnissen aufzubauen und Christ*innen und »alle Menschen guten Willens« einzuladen, an diesem Pilgerweg teilzunehmen:
Herausgefordert durch unsere Erfahrungen in Busan rufen wir alle Menschen â jung und alt, MĂ€nner und Frauen, mit und ohne Behinderungen, Menschen aller Religionen â auf, ihre gottgegebenen Gaben gemeinsam einzusetzen, um Verwandlung herbeizufĂŒhren. In erster Linie rufen wir unsere Mitgliedskirchen und Partner auf, sich gemeinsam auf die Suche zu begeben und unsere Berufung als Kirche durch ein gemeinschaftliches Engagement fĂŒr die Ă€uĂerst wichtigen Anliegen der Gerechtigkeit und des Friedens zu erneuern und eine Welt zu heilen, in der Konflikte, Ungerechtigkeit und Schmerz herrschen.7
Die Delegierten in Busan waren der Meinung, dass dies ein Neubeginn innerhalb der ökumenischen Familie sein könnte. Es gab viele Stimmen aus unterschiedlichen Kontexten, aus Norden und SĂŒden, Osten und Westen, die ihre aufrichtigen Hoffnungen Ă€uĂerten, nicht nur fĂŒr die ökumenische Bewegung und ihre Institutionen (die kein Selbstzweck sind!), sondern fĂŒr eine wahre VerĂ€nderung in ihren lokalen Kontexten â fĂŒr eine »Transformation« der ungerechten und gewalthaltigen UmstĂ€nde, in denen sie leben oder deren Zeugen sie werden. Zudem war man sich einig, dass wir, um solch eine groĂe Transformation realistisch zu gestalten, zunĂ€chst einmal zulassen mĂŒssten, selbst »transformiert« zu werden. Es wurde fĂŒr die Erneuerung unseres Geistes durch die Kraft des Heiligen Geistes gebetet sowie fĂŒr die Erneuerung unserer Kirchen â fĂŒr einen neuen Dienst der Gerechtigkeit und des Friedens. Und ohne viele weitere ErlĂ€uterungen waren sich alle bewusst, dass dies nicht etwa durch eine weitere Deklaration oder ein weiteres Studienprojekt geschehen wĂŒrde, sondern durch das sich Einlassen auf eine Glaubensreise, eine RĂŒckbesinnung auch, um den Ruf wieder zu hören, »Botschafter der Versöhnung« zu sein und zu werden; kein weiteres Predigen an die Welt und ihre MĂ€chte, sondern ein »Pilgerweg«, der uns, individuell und als Glaubensgemeinschaften, auf unserer gemeinsamen Reise herausfordern wĂŒrde.
Stellt sich die Frage: Sind die Kirchen bereit dafĂŒr? Angesichts der harten RealitĂ€t von Gewalt und wachsender Ungerechtigkeit wissen wir: Solange wir â Christ*innen und Kirchen â nicht selbst den Weg der Gerechtigkeit und des Friedens tatsĂ€chlich »beschreiten«, werden all unsere Predigten, all unsere FĂŒrsprache und all unsere missionarischen TĂ€tigkeiten weder ĂŒberzeugen, noch zu einer echten und nachhaltigen VerĂ€nderung beitragen. In dieser Hinsicht ist der »Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens« also zunĂ€chst ein Aufruf und eine groĂe Einladung an uns selbst; keine Anleitung, wie man die Welt verĂ€ndern wird, auch kein Drehbuch fĂŒr die Organisation ökumenischer AktivitĂ€ten.
Ein Jahr spĂ€ter, auf der Sitzung des ĂRK-Zentralausschusses, wurde die Idee dieses »Pilgerwegs der Gerechtigkeit und des Friedens« weiterentwickelt:
Es ist [âŠ] ein verwandelnder Weg, zu dem Gott aufgerufen hat, in Erwartung des letztlichen Ziels fĂŒr die Welt, das der dreieinige Gott bewirkt. Die Bewegung der Liebe, die Teil des Wesens des dreieinigen Gottes ist, wird in der VerheiĂung von Gerechtigkeit und Frieden offenbar. Sie sind Zeichen des kommenden Reiches Gottes, das bereits im Hier und Jetzt sichtbar ist, wenn es Versöhnung und Heilung gibt.8
Die spirituelle Dimension des ökumenischen »Pilgerwegs der Gerechtigkeit und des Friedens«, der in einem trinitarischen Glauben verankert ist, muss sich in verschiedenen Dimensionen entfalten. Diese Dimensionen reprĂ€sentieren die traditionellen Aspekte jeder Pilgerreise: das »Aufsuchen der Wunden« (via negativa), das »Feiern der Schöpfungs-Gaben« (via positiva) und die »Transformation der Ungerechtigkeiten« (via transformativa). WĂ€hrend unserer Beratungen ĂŒber den Pilgerweg erwies sich die theologische Arbeit von Dorothee Sölle als auĂerordentlich hilfreich fĂŒr die Frage, wie diese drei Dimensionen unserer erneuerten spirituellen Reise der Gerechtigkeit und des Friedens Gestalt geben können.9
Aufsuchen der Wunden â der Weg des Kreuzes
Der Tod von Michael Sharp reprĂ€sentiert die vielen »Wunden« der heutigen Welt. Wer kennt die Namen derer, die in den letzten zwanzig Jahren in der Demokratischen Republik Kongo getötet wurden? Wer erinnert sich an sie? Als sich die internationale Referenzgruppe des ĂRK fĂŒr den Pilgerweg ĂŒber die Möglichkeiten erkundigte, ihre Jahrestagung im Kongo abzuhalten, wurde uns gesagt: »Kommt nicht! Es ist zu gefĂ€hrlich!« Wir beschlossen, stattdessen nach Nigeria zu »pilgern« und die Wunden eines weiteren Ortes gewalttĂ€tiger Konflikte im schönen Afrika »aufzusuchen«. Unsere Gastgeber*innen in Kaduna sagten: »Die Tatsache, dass Ihr Eure sicheren HĂ€user verlassen habt, um uns inmitten unseres Leidens zu besuchen, bedeutet uns sehr viel. Unsere BrĂŒder und Schwestern aus den naheliegenden NachbarlĂ€ndern kommen nicht mehr her â âșzu gefĂ€hrlichâč, sagen sie!«
Und es ist gefĂ€hrlich in Nigeria! Wir hörten die Klagen christlicher MĂŒtter, die sich an die Zeiten erinnerten, als muslimische und christliche Kinder zusammen spielten, zusammen zur Schule gingen und sogar im selben Raum schliefen. Das alles ist nun nicht mehr möglich. Wir hörten auch den muslimischen Gemeindeleiter in Kaduna, der von der Angst vor den gewalttĂ€tigen Boko Haram berichtete. Diese extremistische Gruppe hat bisher mehr Muslime als Christen getötet â das wusste ich bis dahin nicht! Wir weinen zusammen, wir beten zusammen, und dann umarmen wir uns. Und wir fragen gemeinsam: Wo ist Gott in all dem? Hat Gott beschlossen, diesen Ort zu verlassen?
Wo war Gott, als Michael entfĂŒhrt wurde? War Gott anwesend, als sie den Beschluss fassten, ihn zu töten? â Mir fallen die Worte ein, die wir auf der Versammlung in Busan miteinander gesprochen haben:
Gemeinsam glauben wir an Jesus Christus, den Friede-FĂŒrst. Daher bekrĂ€ftigen wir, dass die Menschheit aus Gnade mit Gott versöhnt ist, und wir sind bestrebt, versöhnt miteinander zu leben. Das Leben und die Lehre, der Tod und die Auferstehung Jesu Christi verweisen auf das friedliche Reich Gottes. Trotz Verfolgung und Leid bleibt Jesus standhaft in seiner Demut und aktiven Gewaltlosigkeit, sogar bis in den Tod. Sein Leben fĂŒr Gerechtigkeit endet am Kreuz, einem Instrument der Folter und der Hinrichtung. Mit Jesu Auferstehung bekrĂ€ftigt Gott, dass eine solch unerschĂŒtterliche Liebe, ein solcher Gehorsam, ein solches Vertrauen zum Leben fĂŒhren. Durch die Gnade Gottes können auch wir den Weg des Kreuzes gehen, JĂŒngerinnen und JĂŒnger sein und den Preis dafĂŒr bezahlen.10
In Gegenwart der »Wunden« erhÀlt dieses Glaube...
Table of contents
- Cover
- Titel
- Impressum
- Inhalt
- Geleitwort zur deutschen Ausgabe - Petra Bosse-Huber
- Vorwort - Olav Fykse Tveit
- Einleitung - Susan Durber und Fernando Enns
- Teil eins: Gemeinsam auf dem weg als ökumenische pilger*innen
- Teil zwei: metaphern und praktiken
- Anhang
- Weitere BĂŒcher
- Endnoten
Frequently asked questions
Yes, you can cancel anytime from the Subscription tab in your account settings on the Perlego website. Your subscription will stay active until the end of your current billing period. Learn how to cancel your subscription
No, books cannot be downloaded as external files, such as PDFs, for use outside of Perlego. However, you can download books within the Perlego app for offline reading on mobile or tablet. Learn how to download books offline
Perlego offers two plans: Essential and Complete
- Essential is ideal for learners and professionals who enjoy exploring a wide range of subjects. Access the Essential Library with 800,000+ trusted titles and best-sellers across business, personal growth, and the humanities. Includes unlimited reading time and Standard Read Aloud voice.
- Complete: Perfect for advanced learners and researchers needing full, unrestricted access. Unlock 1.5M+ books across hundreds of subjects, including academic and specialized titles. The Complete Plan also includes advanced features like Premium Read Aloud and Research Assistant.
We are an online textbook subscription service, where you can get access to an entire online library for less than the price of a single book per month. With over 1.5 million books across 990+ topics, weâve got you covered! Learn about our mission
Look out for the read-aloud symbol on your next book to see if you can listen to it. The read-aloud tool reads text aloud for you, highlighting the text as it is being read. You can pause it, speed it up and slow it down. Learn more about Read Aloud
Yes! You can use the Perlego app on both iOS and Android devices to read anytime, anywhere â even offline. Perfect for commutes or when youâre on the go.
Please note we cannot support devices running on iOS 13 and Android 7 or earlier. Learn more about using the app
Please note we cannot support devices running on iOS 13 and Android 7 or earlier. Learn more about using the app
Yes, you can access Gemeinsam unterwegs by Fernando Enns, Susan Durber in PDF and/or ePUB format, as well as other popular books in ThĂ©ologie et religion & ĆcumĂ©nisme religieux et interconfessionnel. We have over 1.5 million books available in our catalogue for you to explore.