Noch immer behaupten die alten Sprachen HebrĂ€isch, Griechisch und Latein ihre Stellung am Anfang des Theologiestudiums. Die Modularisierung des Studiums zwingt jedoch nun zu einer Revision. DafĂŒr bedarf es sorgfĂ€ltig abgewĂ€gter Argumente, bei denen die theologische Relevanz der Sprache ĂŒberhaupt zum Thema gemacht werden muss. Denn an der "Sprachenfrage" entscheidet sich nicht weniger als die Stellung der Theologie unter den Wissenschaften und im Blick auf die Kirche.Der Band bringt interdisziplinĂ€re ErwĂ€gungen zu einer verantworteten Neufassung der alten Sprachen fĂŒr das Studium der Theologie ins GesprĂ€ch.Mit BeitrĂ€gern von Martin Arneth, Christfried Böttrich, Bernhard Dressler, Dietrich Korsch, Ulrike Rosin und Johannes Schilling.[Sacred Languages? The Discussion about the Role of the Languages of the Bible in the Study of Theology]The old languages, Hebrew, Greek, and Latin, still hold their place at the beginning of the study of theology. But the modularization of study now calls for a revision. This requires a careful consideration of arguments, in which the question of the theological relevance of language plays an important role. Because in regard to the "question of languages" nothing less is decided as the position of theology within the context of the other sciences and the church.The volume contributes with interdisciplinary considerations to the discussion about an accountable new role of the old languages in the study of theology.
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JOHANNES SCHILLING - SPRACHEN â SCHREIN FĂR DAS KLEINOD DES EVANGELIUMS
1 Johannes Reuchlin. Deutschlands erster Humanist. Ein biographisches Lesebuch von Hans-RĂŒdiger Schwab, MĂŒnchen 1998, 159 f. â Schwab bietet einen revidierten Text der Ausgabe: Johannes Reuchlin, Gutachten ĂŒber das jĂŒdische Schrifttum. Hrsg. und ĂŒbers. von Antonie Leinz-v. Dessauer, Konstanz/Stuttgart 1965. â Originaltext: âsollich commentarien kan vnd mag die cristenlich kirch nit von handen lasen / dan sie behaltten die hebraische sprach inn der aigenschafft ĂŒbung / dero die halig schrifft nit kann mangeln besunder im alten testament / Gleich als wir nit kĂŒnden noch m
gen der griechischen sprach vnd irer grammaticken vnnd commentarien inn dem newen testament mangeln vnnd embern / wie das yetzt gemelt gaistlich recht Ut veterum aus weiset. Dann ich wil das mit vrlaub vnnd zĂŒchten geredt haben / das man inn vnĂerm cristenlichen glauben gar vil doctores findt die do mangel halb der zwaier sprachen die hailgen geschrifft nit recht aus legen / vnnd werden gar dick z
spott darab ⊠als brunnen daraus die recht warhait der sprachen vnd verstentnus der hailigen schrifft fleĂŒĂt / des halb spricht das gaistlich recht in ca. ieiunium lxxvi. distinc. Vil der vnnsern haben vil gesagt das anander wider ist / darumb wir gen
tt vnnd gezwungen werden z
den iuden ze lauffen vnnd die warhait der kunst vil mer aus dem brunnen dan aus den abflĂŒssen zes
chenâ (Johannes Reuchlin, SĂ€mtliche Werke ⊠Band IV Schriften zum BĂŒcherstreit. 1. Teil Reuchlins Schriften ⊠Stuttgart-Bad Canstatt 1999, 51, 2â19).
2 VD 16 B 4196; vier Exemplare online (7.9.2018), darunter Basel UB, BibG B 3. â Faksimile: Erasmus von Rotterdam, Novum Instrumentum Basel 1516. Faksimile-Neudruck mit einer historischen, textkritischen und bibliographischen Einleitung von Heinz Holeczek, Stuttgart-Bad Canstatt 1986. â Vgl. dazu Basel 1516. Erasmusâ edition of the New Testament âŠ, TĂŒbingen 2016. UnverĂ€nderte Studienausgabe 2017 (SpĂ€tmittelalter, Humanismus, Reformation 91); Das bessere Bild Christi. Das Neue Testament in der Ausgabe des Erasmus von Rotterdam ⊠Hrsg. von Ueli Dill und Petra Schierl, Basel 2016 (Publikationen der UniversitĂ€tsbibliothek Basel 44), darin besonders Christine Christ-von Wedel, Paraclesis, Methodus und Apologia: Was wollte Erasmus bewirken? (143â152).
3 Erasmus von Rotterdam, AusgewĂ€hlte Schriften ⊠Dritter Band. In Novum Testamentum Praefationes. Vorreden zum Neuen Testament. Ratio. Theologische Methodenlehre. Ăbers., eingel. und mit Anmerkungen versehen von Gerhard B. Winkler, Darmstadt 1967, 42. â Ăbersetzung: Johannes Schilling.
4 Marcel Nieden, Die Erfindung des Theologen. Wittenberger Anweisungen zum Theologiestudium im Zeitalter von Reformation und Konfessionalisierung, TĂŒbingen 2006 (SpĂ€tmittelalter und Reformation. Neue Reihe 28), 46 f. â Im Sommersemester 1561 heiĂt es von Johannes Bugenhagen d. J.: âtradet Elementa Hebraicae linguae, & addet interpretationem uel Psalmorum uel Prouerbiorum hora prima pomeridianaâ (a. a. O. 52 Anm. 76).
5 Vgl. zuletzt Edgar Thaidigsmann, âSapere audeâ. AufklĂ€rung und Theologie bei Melanchthon und Kant, in: Zeitschrift fĂŒr Theologie und Kirche 111, 2014, 389â415; Stefan Rhein, Vor 500 Jahren: Melanchthon kommt. Die Antrittsrede âĂber die Neugestaltung des UniversitĂ€tsstudiumsâ vom 28. August 1518. In: Luther 88, 2018, 72â76. Text: Corpus Reformatorum 11, 15â25; Melanchthons Werke in Auswahl, III. Band: Humanistische Schriften. Hrsg. von Richard NĂŒrnberger. GĂŒtersloh 1961, 29â42. â Ăbersetzung in: Melanchthon deutsch Bd. 1. Hrsg. von Michael Beyer u. a., Leipzig 22011, 45â67.
6 Melanchthon deutsch (Anm. 5), 61. â Originaltext: Verum quod ad sacra attinet, plurimum refert quomodo animum compares. Nam si quod studiorum genus, sacra profecto potissimum ingenio, usu et cura opus habent.â (Melanchthons Werke [Anm. 5], 40, 1â3)
7 Melanchthon deutsch (Anm. 5) 62. â Originaltext: âItaque cum theologia partim Hebraica, partim Graeca sit, nam Latini rivos illorum bibimus, linguae externae discendae sunt, ne veluti Îșáż¶Ïᜰ ÏÏÏÏÏÏα, cum Theologia agamus. Ibi se splendor verborum et proprietas aperiet et patescet velut intra meridiana cubilia verus ille ac genuinu litterae sensus. Proxime cum litteram percepimus, sequemur elenchum rerum. Facessent iam tot frigidae glossulae, concordantiae, discordantiae, et si quae sunt aliae ingenii remorae. Atque cum animos ad fontes contulerimus, Christum sapere incipiemus, mandatum eius lucidum nobis fiet, et nectare illo beato divinae sapientiae perfundemur.â (Melanchthons Werke [Anm. 5], 40, 11â22)
8 Vgl. dazu Stefan Rhein, Philipp Melanchthon und seine griechischen DichterschĂŒler. In: Hellenisti! Altgriechisch als Literatursprache im neuzeitlichen Europa ⊠Hrsg. von Stefan Weise, Stuttgart 2017, 15â46.
9 Melanchthon deutsch (Anm. 2) 64. â Originaltext: âHicspectare vobis licebit, quantum sermonis proprietas, ad intelligenda sacrorum mysteria, conferat: quid item intersit inter interpretes Graece doctos et indoctosâ (Melanchthons Werke [Anm. 5], 41, 37â42,1).
10 A. a. O. 65. â Originaltext: âSapere audete, veteres Latinos colite, Graeca amplexamini, sine quibus Latina tractari recte nequeunt. Ea pro omnium litterarum usu, ingenium alent mitius, ac elegantius undequaque reddentâ (Melanchthons Werke [Anm. 5], 42, 5â8). â Zur Gesamtthematik vgl. auch Johannes Schilling, Ad fontes â Zu den Fakten. Zur Bedeutung der Reformation fĂŒr Bildung und MĂŒndigkeit, in: Mitteilungen des Deutschen Altphilologenverbandes â Landesverband Niedersachsen â 72, Heft 2, 2017, 7â20.
11 ORATIO DE VARIARVM LINGVARVM COGNITIONE PARANDA PETRO MOSELLANO PROTEGENSE AVTHORE LIPSIAE IN MAGNA ERVDITORVM CORONA PRONVNCIATA. â LIPSIAE AN. M.D.XVIII. MENSE AVGVSTO IN OFFICINA VALENTINI SCHVMANN. â Leipzig, Valentin Schumann 1518. â VD 16 S 2132, vier Exemplare online. â Den Hinweis auf diese Rede verdanke ich Stefan Rhein, Wittenberg.
12 Martin Luther, Deutsch-deutsche Studienausgabe [DDStA] 3, Leipzig 2016, 357â405; WA 15, (9) 27â53.
13 DDStA 3, 374, 32â376, 11.
14 DDStA 3, 376, 12â25.
15 DDStA 3, 376, 26â378, 20.
16 DDStA 3, 379, 23â33. 381, 8â10. â Original: âVnd last vns das gesagt seyn / Das wyr das Euangelion nicht wol werden erhallten / on die sprachen. Die sprachen sind die scheyden / darynn dis messer des geysts stickt. Sie sind der schreyn / darynnen man dis kleinod tregt. Sie sind das gefess / darynnen man disen tranck fasset. [âŠ] Ia wo wyrs versehen / das wyr (da Gott fur sey) die sprachen faren lassen / so werden wir nicht alleyn das Euangelion verlieren / sondern wird auch endlich dahyn geratten / das wir wider lateinisch noch deutsch recht reden odder schreyben k
ndenâ (a. a O. 378, 21â30) âDarumb ists gewis / wo nicht die sprachen bleyben / da mus zu letzt das Euangelion vnter gehenâ (a. a. O. 380, 7 f.).
17 DDStA 3, 383, 30â40. â Original: âEyn schlechter prediger (ist war) hatt so viel heller spr
ch vnd text durchs dolmetschen / das er Christum verstehen / leren / vnd heyliglich leben vnd andern predigen kan. Aber die schrifft aus zulegen vnd zu handeln fur sich hyn / vnd zu streytten widder die yrrigen eynf
rer der schrifft / ist er zu geringe / das lesset sich on sprachen nicht thun. Nu mus man yhe...
Table of contents
Cover
Titel
Impressum
Vorwort
Johannes Schilling: Sprachen â Schrein fĂŒr das Kleinod des Evangeliums. Ein historischer Spaziergang
Dietrich Korsch: Das Wort Gottes und die Sprachen der Bibel. Eine systematische Besinnung
Martin Arneth: HebrÀisch. Ein Semester im Studium der evangelischen Theologie
Ulrike Rosin: Klassisches Griechisch. SchlĂŒssel zum tieferen VerstĂ€ndnis neutestamentlicher Texte
Christfried Böttrich: Zwischen Ideal und Wirklichkeit. Sprachen lernen im gestaffelten System
Bernhard Dressler: Die âalten Sprachenâ. Welche Kenntnisse sind fĂŒr evangelische ReligionslehrkrĂ€fte erforderlich?
Endnoten
Mitarbeiterverzeichnis
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