Jesus von Nazaret
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Jesus von Nazaret

Jude aus GalilĂ€a – Retter der Welt

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Jesus von Nazaret

Jude aus GalilĂ€a – Retter der Welt

About this book

Was können wir ĂŒber Jesus von Nazaret wissen? Das Buch des renommierten Berliner Neutestamentlers Jens Schröter begibt sich auf die Spurensuche nach dem Wanderprediger aus GalilĂ€a, der fest in den jĂŒdischen Traditionen seiner Zeit verwurzelt war und zur zentralen Figur der heute grĂ¶ĂŸten Weltreligion geworden ist. Dabei werden neue archĂ€ologische Forschungen ĂŒber die Orte seines Wirkens ebenso berĂŒcksichtigt wie aktuelle Erkenntnisse der Jesusforschung.Schröter zeigt Jesus im Kolorit seiner Zeit und lĂ€sst ein plastisches Bild von seinem Wirken in GalilĂ€a und seiner Hinrichtung in Jerusalem entstehen. Das Buch endet jedoch nicht mit Jesu Tod, sondern erlĂ€utert auch die AnfĂ€nge des Glaubens an Jesus als den Christus und den Retter der Welt sowie frĂŒhe Deutungen seiner Person in kanonischen und nicht-kanonischen Schriften.[Jesus from Nazaret. Jew from GalilĂ€a – Savior of the World]What can we know about Jesus of Nazaret? This book authored by the renowned Berlin New Testament scholar Jens Schröter searches for the earliest traces of the itinerant preacher from the Galilee who was deeply rooted in Jewish traditions of his time and became the central figure of what is today the world's largest religion. Thereby, new results from archaeological excavations of places of Jesus' activity as well as insights from current Jesus research are considered.Schröter sketches a vivid portrait of Jesus in his time by tracing his activity in the Galilee and his passion and crucifixion in Jerusalem. The book, however, does not end with Jesus' death, but also deals with the beginnings of faith in Jesus as the Christ, the savior of the world, and early interpretations of his person in canonical and non-canonical writings.

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Information

Year
2017
Print ISBN
9783374050437
eBook ISBN
9783374050451

B. DARSTELLUNG

1. EIN JUDE AUS GALILÄA – DER HISTORISCHE KONTEXT JESU

Wir nĂ€hern uns dem historischen Kontext Jesu in diesem Kapitel in einem Dreischritt. Dabei beginnen wir mit seiner unmittelbaren Umgebung – seinem Heimatort und seiner Familie – und dehnen die Perspektive sodann schrittweise aus: zunĂ€chst auf GalilĂ€a, wo sich wichtige Teile der öffentlichen Wirksamkeit Jesu abspielen, schließlich auf das Judentum zur Zeit Jesu als dem kulturellen und religiösen Kontext seines Wirkens.

1.1 Der Nazarener

Jesus stammt aus Nazaret in GalilĂ€a. In Mk 6,1 wird dieser Ort als seine Heimatstadt bezeichnet,72 er selbst wird verschiedentlich »Nazarener« oder »NazorĂ€er« genannt, auch bei MatthĂ€us und Lukas, die von seiner Geburt in Bethlehem erzĂ€hlen.73 Auch das Johannesevangelium, das – wie Markus – keine Geburtsgeschichte enthĂ€lt, setzt seine Herkunft aus Nazaret voraus: In Joh 1,45 f. sagt Philippus zu NatanĂ«l, er habe den von Gesetz und Propheten AngekĂŒndigten gefunden, Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs – worauf sofort die skeptische Frage folgt, ob denn aus Nazaret etwas Gutes kommen könne. SpĂ€ter wird die Herkunft aus GalilĂ€a von den Juden sogar gegen seine MessianitĂ€t vorgebracht: Der Messias kommt aus dem Geschlecht Davids und aus dem Dorf Bethlehem, Jesus dagegen stamme aus GalilĂ€a und sei kein Davidide, folglich könne er nicht der Messias sein.74 Es ist unĂŒbersehbar: Die Herkunft Jesu aus einem unbekannten galilĂ€ischen Dorf ließ sich mit dem Bekenntnis, er sei der Messias Israels, nur schwer vereinbaren.
MatthĂ€us und Lukas bringen die Geburt Jesu deshalb mit der prophetischen Verheißung in Verbindung, dass der kĂŒnftige Herrscher Israels aus Bethlehem kommen wird.75 Diese findet sich im Buch des Propheten Micha (Mi 5,1) und wird als in Jesus erfĂŒllt angesehen. MatthĂ€us zitiert dieses Wort darum in seiner GeburtserzĂ€hlung ausdrĂŒcklich, wenn auch in eigenwilliger Weise.76 Bei Lukas heißt Betlehem die »Stadt Davids« (Lk 2,4.11), wodurch die Geburt Jesu ebenfalls mit seiner davidischen Herkunft in Verbindung gebracht wird. Die Geburtsgeschichten verlegen die Geburt Jesu demnach – trotz des gegenteiligen »historischen« Befundes – nach Betlehem, um dadurch seine Bedeutung als verheißener Messias hervorzuheben, den Gott seinem Volk sendet und mit dem die auf den erwarteten Davididen bezogenen Erwartungen in ErfĂŒllung gehen. Auf diese Weise wird die Überzeugung von der besonderen Bedeutung Jesu bereits mit der Schilderung seiner Geburt verbunden, die mit der ErzĂ€hlung einer »gewöhnlichen« Geburt nicht zum Ausdruck gebracht wĂ€re.
Die ErzĂ€hlungen bei MatthĂ€us und Lukas weisen dabei in der Zuordnung von Nazaret und Bethlehem einen deutlichen Unterschied auf. In ihrer Kombination in Weihnachtslesungen und -musiken ist dies in der Regel nicht mehr zu erkennen. Im MtEv (Mt 1,18–2,12) spielen die Ereignisse von Beginn an in JudĂ€a. In 2,1 wird dementsprechend Betlehem, in 2,5 Jerusalem erwĂ€hnt. Nach der Geburt Jesu muss die Familie vor Herodes nach Ägypten fliehen. Erst spĂ€ter, nach dem Tod des Herodes, zieht sie sodann aufgrund eines Befehls, den Joseph im Traum erhĂ€lt, ins Land Israel zurĂŒck, zunĂ€chst nach JudĂ€a, anschließend, in Folge eines weiteren Traumbefehls, nach GalilĂ€a (Mt 2,19–23). Die Familie lĂ€sst sich in Nazaret nieder, das in Mt 2,23 zum ersten Mal genannt wird. Der gesamte ErzĂ€hlkomplex – die Geburt in Bethlehem, der Aufenthalt in Ägypten, die Übersiedlung nach Nazaret – steht bei MatthĂ€us unter dem Vorzeichen der ErfĂŒllung prophetischer Verheißungen, wie die mehrfach zitierten Schriftstellen deutlich machen, die MatthĂ€us zur Reflexion der Bedeutung dieser Ereignisse anfĂŒhrt.77
Bei Lukas erfolgt die AnkĂŒndigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel an Maria dagegen in Nazaret (Lk 1,26 f.).78 Joseph und Maria wohnen also in Nazaret und mĂŒssen von dort aufgrund des angeblich von Augustus angeordneten Reichszensus nach Bethlehem reisen (Lk 2,1–5).79 SpĂ€ter kehren sie von dort nach Nazaret zurĂŒck, das ausdrĂŒcklich »ihre Stadt« heißt (2,39). Auch die lukanische Geburtsgeschichte steht dabei im Zeichen der ErfĂŒllung der Verheißungen an Israel: Jesus wird »Sohn des Höchsten« genannt, dem Gott den Thron Davids geben und der ĂŒber das Haus Jakob herrschen wird (Lk 1,32 f.), das Kommen Jesu wird als Erlösung und Herrlichkeit fĂŒr Israel und Licht fĂŒr die Heiden bezeichnet (2,32). Dieser Befund zeigt, dass die Geburt in Bethlehem ein altes Motiv ist, durch welches im frĂŒhen Christentum der Glaube an Jesus als den Messias und Sohn Davids dargestellt wurde. MatthĂ€us und Lukas haben dies in jeweils eigener Weise in ihren Geburtsgeschichten verarbeitet.
DarĂŒber hinaus begegnen weitere Motive, die sich auch in anderen Schilderungen wunderbarer Geburten finden, z. B. bei denjenigen von Mose, Plato oder Alexander dem Großen. Bei MatthĂ€us treten dabei AnklĂ€nge an die Mosegeschichte in jĂŒdischer Überlieferung hervor, bei Lukas finden sich BezĂŒge zu einem in damaliger Zeit sehr bekannten Text, nĂ€mlich zur 4. Ekloge des römischen Dichters Vergil (70–19 v. Chr.), in der die Geburt eines göttlichen Knaben angekĂŒndigt wird, den eine Jungfrau (gemeint ist Dike, die Göttin der Gerechtigkeit) zur Welt bringen wird. Vermutlich ist dies auf die Geburt des römischen Kaisers Augustus gemĂŒnzt.80 Antike Leser waren also damit vertraut, dass in den Schilderungen der Geburten außergewöhnlicher Menschen wunderbare UmstĂ€nde begegnen.
Zu den bei MatthĂ€us und Lukas begegnenden Motiven gehören dabei göttliche Zeugung und Jungfrauengeburt,81 ein astronomisches Vorzeichen (der »Stern von Bethlehem«, Mt 2,2),82 das Auftreten von Gelehrten (die »Magier aus dem Osten«, Mt 2,1) sowie Kindermord und Rettung des Neugeborenen (Mt 2,16–19). Diese Motive berĂŒhren sich insbesondere mit der ErzĂ€hlung des Josephus ĂŒber die UmstĂ€nde der Geburt des Mose.83 Bei Lukas umgibt, neben den AnkĂŒndigungen der Geburten Johannes des TĂ€ufers und Jesu durch den Engel Gabriel, insbesondere noch das Auftreten der Hirten in Lk 2,8–20 die Geburt Jesu mit einer besonderen Aura.84 Schließlich sind auch die StammbĂ€ume in Mt 1,1–17 und Lk 3,23–28 zu nennen, die Jesus in die Geschichte Israels einordnen (Mt) bzw. ihn sogar mit Gott in Verbindung bringen (Lk).
An den UmstĂ€nden der Geburt Jesu werden damit bereits die Besonderheit seines Wesens und seines spĂ€teren Weges erkennbar: Gezeugt von Gottes Geist, geboren von einer Jungfrau, ist Jesus der von Gott gesandte Retter Israels und der Heiden. Mit der Bezeichnung als Sohn Davids und Sohn Abrahams (Mt 1,1) zeigt MatthĂ€us an, dass das mit dem Kommen Jesu beginnende Heil ĂŒber Israel hinaus zu den Heiden fĂŒhren wird. Lukas stellt Jesus als denjenigen dar, durch den Gott Israel zu seinem Recht verhelfen wird, dessen Geburt aber zugleich in welthistorischen Dimensionen zu beschreiben ist: Er ist der neue universale Friedensherrscher, der Licht fĂŒr die Heiden und Herrlichkeit fĂŒr Gottes Volk Israel ist (Lk 2,32). Die Geburtsgeschichten von MatthĂ€us und Lukas, die die Grundlage der christlichen Weihnachtsbotschaft bilden, deuten seinen Weg also als das zu Israel gesandte Heil Gottes, das aber ĂŒber Israel hinausfĂŒhren und auch die Heiden einschließen wird.
Bei Johannes stoßen die Verheißung des davidischen Gesalbten aus Bethlehem und die tatsĂ€chliche Herkunft Jesu dagegen hart aufeinander. Dabei wird deutlich: Wer die Herkunft Jesu aus GalilĂ€a gegen seine MessianitĂ€t ins Feld fĂŒhrt, verkennt sein wahres Wesen. Jesus erfĂŒllt die Messiaserwartungen Israels – und damit auch die Schriften – auf eine Weise, die sich nur tieferem Verstehen erschließt. Das JohEv beginnt deshalb mit einem Prolog, in dem Jesus als der göttliche Logos geschildert wird, der Fleisch wird und die Herrlichkeit Gottes in der Welt offenbar macht. Auch hier wird die Besonderheit des Wesens Jesu bereits mit seinem Eintritt in die irdische SphĂ€re verbunden. Johannes geht dabei sogar ĂŒber MatthĂ€us und Lukas hinaus, wenn er Jesus eine PrĂ€existenz zuschreibt: Er war als der göttliche Logos bereits vor der Erschaffung der Welt bei Gott und hat deshalb an Gottes Herrlichkeit Anteil, die er auch bei seinem Auftreten in der Welt behĂ€lt.
Das MkEv, die Ă€lteste JesuserzĂ€hlung, enthĂ€lt keine Vorgeschichte, sondern beginnt unmittelbar mit dem Auftreten Johannes des TĂ€ufers. Hier wird Jesus darum auch erst bei der Taufe als Sohn Gottes proklamiert, wogegen bei MatthĂ€us und Lukas bereits die Zeugung Jesu durch Gott veranlasst wird und bei Johannes sogar der prĂ€existente Logos selbst Gott ist. Es gibt allerdings eine Stelle bei Markus, in der die Frage der Davidsohnschaft Jesu ebenfalls reflektiert wird: In Mk 12,35–37 setzt sich Jesus mit dem Einwand der Schriftgelehrten auseinander, der Gesalbte mĂŒsse aus dem Geschlecht Davids kommen. Jesus widerlegt diese Behauptung mit Hilfe eines Schriftbeweises: David selbst bezeichne im Psalm85 den Christus als seinen Herrn, folglich könne er nicht der Sohn Davids sein. Bei dieser Argumentation ist vorausgesetzt, dass David der Dichter dieses Psalms ist und dass der Psalm von dem Gesalbten handelt (was in dem Psalm selbst nicht gesagt wird). Beide Voraussetzungen sind nach frĂŒhjĂŒdischer bzw. urchristlicher Auffassung ohne weiteres plausibel. Ist der Christus aber kein Sohn Davids, kann Jesus der Christus sein. Wie bei Johannes wird auch hier bei Markus das Problem, dass Jesus aus Nazaret, der Sohn des Joseph und der Maria, zugleich der Messias Israels sein soll, anders gelöst als in den GeburtserzĂ€hlungen von MatthĂ€us und Lukas: Es werden keine legendarischen ErzĂ€hlungen ĂŒber seine Herkunft aus dem Geschlecht Davids und seine Geburt in Betlehem verfasst, stattdessen wird auf andere Weise dargelegt, dass die Herkunft Jesu aus Nazaret nicht dagegen spricht, dass er der von Gott zum Heil der Menschen in die Welt gesandt wurde.
Der Befund macht somit deutlich: Die Evangelien setzen das Bekenntnis zu Jesus als dem Sohn Gottes und Messias voraus und gestalten ihre ErzĂ€hlungen ĂŒber sein Wirken und Geschick im Licht dieser Überzeugung. Die Geburtsgeschichten bei MatthĂ€us und Lukas sind dabei keine historischen Berichte, sondern Legenden, die auf der urchristlichen Überzeugung basieren, dass Jesus der Messias (der Christus) ist, in dessen Kommen sich deshalb die mit der Herrschaft des kommenden Davididen verbundenen Verheißungen erfĂŒllt haben. Die darauf grĂŒndende Rede der Herkunft Jesu aus dem Geschlecht Davids kommt auch in der bereits erwĂ€hnten Stelle Röm 1,3 zum Ausdruck, wo Jesus als »geboren aus dem Samen Davids dem Fleisch nach« bezeichnet wird. Die in 1,4 unmittelbar folgende Aussage stellt dem den neuen Status gegenĂŒber, den er durch die Auferweckung und die damit verbundene Einsetzung zum Sohn Gottes erlangt hat.86 Die Überlieferung von der davidischen Herkunft Jesu geht also auf eine frĂŒhe Bekenntnisaussage zurĂŒck, die von MatthĂ€us und Lukas zu Legenden ĂŒber seine wunderbare Geburt verarbeitet wurde.87 War bei Paulus die Einsetzung zum Sohn Gottes noch mit der Auferweckung verbunden, so wird dies in den Evangelien bis zu seiner Taufe bzw. seiner Geburt zurĂŒckverlegt oder sogar zur Aussage seiner PrĂ€existenz als göttlicher Logos gesteigert. Das irdische Wirken Jesu vollzieht sich damit von Beginn an in der AutoritĂ€t Gottes.88
Historisch betrachtet bleiben wir fĂŒr die Herkunft Jesu dagegen auf Nazaret verwiesen.89 Jesus stammt demnach aus einem kleinen, unbedeutenden Dorf in UntergalilĂ€a, das zu seiner Zeit weniger als 400 Einwohner zĂ€hlte.90 Dort lebte seine Familie,91 dort war er – wie offenbar auch sein Vater – als Bauhandwerker tĂ€tig (Mk 6,3; Mt 13,55).92 In der JesusĂŒberlieferung spielt dieser Ort allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Den synoptischen Evangelien zufolge tritt Jesus dort nur ein einziges Mal auf – und das zudem erfolglos.93 Das geringe Interesse der frĂŒhen Überlieferung ist vor allem darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass Jesus sich, als er öffentlich aufzutreten begann, von seinem Heimatort und seiner Familie trennte. Dass dies durchaus programmatisch geschah, wird daran erkennbar, dass Jesus eine solche Trennung zum unverzichtbaren Bestandteil seines Wirkens erklĂ€rte und sie auch von seinen Nachfolgern erwartete.94 Es verwundert deshalb nicht, dass sich die christliche Literatur erst im 3. Jahrhundert fĂŒr diesen Ort zu interessieren beginnt und seine Existenz im 19. Jahrhundert aufgrund der schwachen literarischen Bezeugung sogar bezweifelt werden konnte.
Über Kindheit und Jugend erfahren wir aus den Evangelien nichts historisch Auswertbares.95 Um die PrĂ€gung Jesu durch seine Umgebung zu erheben, muss deshalb ein Blick auf den galilĂ€ischen Kontext seiner Zeit geworfen werden.

1.2 Der GalilÀer

Die galilĂ€ische Herkunft Jesu wurde in unterschiedlicher Weise zur Deutung seiner Person und seines Auftretens herangezogen. Im 19. Jahrhundert entstand die romantische Vorstellung einer lĂ€ndlichen Idylle, in der sich Gott in seinem Sohn offenbart habe und die im Gegensatz sowohl zum Alten Testament als auch zur spĂ€teren Geschichte des Christentums steht. Am Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Jesus unter Berufung auf seine galilĂ€ische Herkunft aus seinem jĂŒdischen Kontext gelöst. GalilĂ€a sei zur Zeit Jesu eine ĂŒberwiegend nicht-jĂŒdische Region gewesen, Jesus sei deshalb in GalilĂ€a »außerhalb des Bannkreises von Schriftgelehrsamkeit und PharisĂ€ismus 
 in ziemlicher Freiheit vom Gesetz« aufgewachsen und habe von daher eine offene Haltung zu den Heiden gehabt.96 Diese These wurde einst im Kontext nationalsozialistischer Rassenideologie vertreten. Sie wird aber auch in neuerer Zeit wieder bemĂŒht – nunmehr, um den Worten Jesu das Flair einer weltlĂ€ufigen popularphilosophischen Lehre zu geben. Die AnfĂ€nge des Christentums werden dabei aus dem Judentum herausgelöst und auf eine Gruppe von Jesusnachfolgern zurĂŒckgefĂŒhrt, in der sich sowohl Juden wie Heiden befunden hĂ€tten.97 GalilĂ€a als Kontext Jesu spielt schließ...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Der Autor
  4. Inhalt
  5. Vorwort
  6. Vorwort zur 2. Auflage
  7. Vorwort zur 6. Auflage
  8. A. EINFÜHRUNG
  9. B. DARSTELLUNG
  10. C. WIRKUNG
  11. D. ANHÄNGE
  12. Weitere BĂŒcher
  13. Anmerkungen

Frequently asked questions

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