Von Bethlehem bis zum neuen Jerusalem
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Von Bethlehem bis zum neuen Jerusalem

Glaubenserfahrung im Neuen Testament

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Von Bethlehem bis zum neuen Jerusalem

Glaubenserfahrung im Neuen Testament

About this book

Dieser Band fĂŒhrt in die Welt und in die Glaubenserfahrung der ersten christlichen Gemeinden ein. Er richtet sich an interessierte Menschen in christlichen Gemeinden und darĂŒber hinaus. Im Mittelpunkt stehen kurze HinfĂŒhrungen zu den Schriften des Neuen Testaments mit Angaben zu Inhalt, EntstehungsumstĂ€nden und Kommunikationssituationen im Hintergrund der Texte. So entsteht ein Gang durch die Geschichte der ersten Christen von Jesu Geburt bis zur nachapostolischen Zeit mit den ersten Christenverfolgungen. Dazu werden die LebenslĂ€ufe wichtiger neutestamentlicher Personen skizziert (Jesus von Nazareth, Paulus, Petrus, Barnabas). Kurze Abrisse zum Judentum und zur nichtjĂŒdischen Welt, zu Inhalten des christlichen Glaubens nach neutestamentlichem Zeugnis sowie Hinweise zur Bedeutung des Neuen Testaments fĂŒr den christlichen Glauben heute ergĂ€nzen die Schrifterschließung.

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Information

Year
2015
Print ISBN
9783374031955
eBook ISBN
9783374043460
Edition
1
Subtopic
Religion

1 Umwelt

1.1 PalÀstina zur Zeit Jesu

Zu Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr. stellte sich die politische und religiöse Situation in der Region PalĂ€stina folgendermaßen dar: Israel wurde von König Herodes dem Großen von 40 (bzw. 37) bis 4 v. Chr. regiert. Er verstand sich als Förderer des Judentums. Er baute einen Königspalast und ein Amphitheater in Jerusalem, legte den Grundstein fĂŒr den Neubau des nach ihm benannten herodianischen Tempels, grĂŒndete die hellenistische Stadt CĂ€sarea am Meer und trat als hellenistischer Herrscher auf, der eng mit den römischen Herrschern kooperierte. Nach seinem Tod wurde das Königreich auf seine drei Söhne aufgeteilt. Landesherr der nördlichen Provinzen PerĂ€a und GalilĂ€a wurde Herodes Antipas (4 v. Chr. bis 39 n. Chr.). Er war mit Herodias verheiratet und Landesherr des Jesus aus Nazareth. Im sĂŒdlichen Zentrum Israels, in den Provinzen JudĂ€a mit Jerusalem, Samaria und IdumĂ€a, herrschte Archelaus (Mt 2,22). Diese Region wurde 6 n. Chr. nach Unruhen unter direkte römische Verwaltung gestellt. Im östlichen Jordanland herrschte Philippus (4 v. – 34 n. Chr.; Lk 3,1; Mk 6,17). SpĂ€ter ĂŒbernahm Herodes Agrippa, Enkel von Herodes des Großen und Bruder der Herodias, die Herrschaft im Norden und nach und nach im ganzen Land (bis 37–44 n. Chr.). Die Juden konnten ihr Land selbst verwalten. Sie waren vom römischen Herrscherkult befreit und genossen Privilegien. Der Hohepriester war oberster Verwalter des Landes. Er vertrat das Volk gegenĂŒber dem römischen Statthalter, der seine Residenz in CĂ€sarea am Meer hatte. Der Hohepriester saß dem Hohen Rat (Synhedrium, 70 Mitglieder) vor, der Hohe Rat verwaltete den Tempel, das geistige und politische Zentrum des Judentums. Immer wieder kam es zu AufstĂ€nden gegen die verhassten Römer. Dies mĂŒndete in den JĂŒdischen Krieg (67–70 n. Chr.), in dem die Römer nach einem Aufstand der Zeloten Jerusalem und den Tempel eroberten und zerstörten.
Zwischen 37 v. Chr. und 96 n. Chr. herrschten folgende Kaiser in Rom: Augustus, Tiberius, Gaius, Claudius, Nero, Vespasian, Titus, Domitian. In dieser Zeit wurde der Kaiserkult zunehmend forciert (Aufstellung von Kaiserstatuen zur Verehrung in den oströmischen Provinzen), wurden Juden aus Rom ausgewiesen, begann die Christenverfolgung in Rom und darĂŒber hinaus wurde Jerusalem erobert und der Tempel zerstört, zuletzt wurden die Juden aus PalĂ€stina vertrieben. Verschiedene römische Statthalter vertraten den Kaiser in den jĂŒdischen Provinzen: Quirinius (Lk 2,2), Pontius Pilatus (Lk 13,1 u. ö.), Antonius Felix (Apg 24,25 f.), Porcius Festus (Apg 25 f.).
Zur Zeit Jesu lag die Macht ĂŒber den Tempel in den HĂ€nden der SadduzĂ€er, einer religiösen Partei innerhalb des Judentums. Sie stellten den Tempelkult und die Tora in die Mitte des religiösen Lebens. Sie bemĂŒhten sich um gute Kontakte zu den Römern und um Ruhe und Ordnung in Jerusalem. Mit der Zerstörung des Tempels gingen sie unter. Die Essener bildeten eine feste religiöse Gemeinschaft innerhalb des Judentums, sie lebten zum Teil in abgeschiedenen Gemeinschaften (Qumran). Sie grenzten sich von der »unreinen Welt« ab und wollten als Söhne des Lichtes allein Gott dienen. Auch sie gingen im Zuge der JĂŒdischen Kriege unter. Die Zeloten fĂŒhrten in Erwartung einer nahenden Gottesherrschaft und im Einsatz fĂŒr die Tora einen bewaffneten Kampf gegen die römischen Besatzer fĂŒr den alleinigen König Jahwe. Den PharisĂ€ern war die Frömmigkeit im Alltag besonders wichtig. Sie relativierten die Alleinstellung des Tempels und setzten sich darĂŒber mit den SadduzĂ€ern auseinander. In Fragen der Auferstehungshoffnung, nach dem JĂŒngsten Gericht und der Messiaserwartung unterschieden sie sich von den SadduzĂ€ern. Elemente ihrer Theologie und Frömmigkeit fanden Eingang in die Strömung des rabbinischen Judentums, die nach der Tempelzerstörung das Judentum ohne Tempel prĂ€gte.

1.2 Die antike Welt zur Zeit Jesu – der Hellenismus

In der Schlacht bei Issos (333 v. Chr.) besiegte der makedonische König Alexander der Große die Perser und schuf die Grundlagen der griechischen Herrschaft bis nach Indien. Griechische Sprache, griechisches Denken, griechische Bildung und Weltvorstellung und auch das griechische Steuersystem gewannen ĂŒberall Einfluss, der Hellenismus entstand. Das machte sich auch in Israel bemerkbar. Unter dem König Antiochus IV. (167–142 v. Chr.) wurde der Jerusalemer Tempel dem Zeus Olympios geweiht. Darauf brach ein Aufstand unter FĂŒhrung der MakkabĂ€er los. Der zunehmende Einfluss der griechischen Kultur, Denkweise und Religion vollzog sich aber auch weniger gerĂ€uschvoll. Die frĂŒhen judenchristlichen Gemeinden kommunizierten selbstverstĂ€ndlich in der Welt- und Handelssprache Griechisch (neben der Volkssprache in der Region PalĂ€stina AramĂ€isch und der Amtssprache Latein), MĂ€nner im Umkreis Jesu trugen griechische Namen (Andreas), Steuer- und Zollfragen spielten auch in GalilĂ€a eine Rolle – ein Beleg fĂŒr die effizient strukturierte Verwaltung. Christen reisten von Stadt zu Stadt und konnten sich jeweils problemlos vor Ort verstĂ€ndigen. In den Schriften des Neuen Testaments wurden alttestamentliche Texte von Judenchristen in griechischer Sprache zitiert und schriftlich fixiert. Nach dem Aufstieg des Römischen Reiches setzte sich der Einfluss des Hellenismus in der antiken Welt fort. Allerdings entwickelten sich nun auch neue religiöse Strömungen.
Abb. 1: PalÀstina zur Zeit Jesu
Die ReligiositĂ€t in der hellenistischen Welt bildete vor der Zeitenwende neue Formen aus. Die alten griechischen Gottheiten verschmolzen mit den römischen Gottheiten. Sie wurden weiter im Bewusstsein gehalten, ihnen zu Ehren errichtete man aber keine neuen Tempel mehr, ausgenommen Zeus als kosmischen All- und Reichsgott. Aufschwung erlebte vor allem in oströmischen Regionen der Herrscher- bzw. Kaiserkult. Dem Kaiser in Rom wurden Beinamen wie Soter (Heiland) oder Epiphanes (sichtbarer Gott) verliehen, Götterstatuen wurden fĂŒr die Kaiser errichtet und diese kultisch verehrt. Mit der Verehrung des Kaisers als Gott begrĂŒndete und legitimierte man die Staatsgewalt und die Einheit von politischem und sozialem Gemeinwesen religiös. Die offizielle Staatsreligion forderte von den BĂŒrgern des Reiches Anerkennung und verhielt sich zugleich tolerant gegenĂŒber anderen Religionen. Wenn Christen die Anerkennung des Kaisers als »Soter« verweigerten, stellten sie die religiösen Grundlagen des Gemeinwesens und seine Ordnung in Frage und trafen auf UnverstĂ€ndnis und Gegenwehr der antiken Gesellschaft.
Abb. 2: Der östliche Mittelmeerraum in neutestamentlicher Zeit
Daneben fanden sogenannte Mysterienkulte großer Zulauf. Von solchen Gottheiten wie Asklepios, Isis und Osiris, Hermes, Kybele erhoffte man sich Heilung, Schutz und Erfolg im privatem Leben sowie Rettung im Jenseits. Man schloss sich festen (Kult-)Gemeinschaften an und praktizierte in verschiedener Weise subjektive Frömmigkeit. Auch das Christentum setzte sich mit diesen Strömungen auseinander und bildete ZĂŒge einer Erlösungsreligion aus.
PrÀgend in dieser Zeit war das Leben in der Stadtkultur. StÀdte wie Rom, Antiochia, Alexandria, Ephesus, Korinth bildeten Zentren der Kultur, Bildung, Politik und Wirtschaft. Die ersten christlichen Gemeinden entstanden in diesen Stadtzentren und spiegelten deren LebensumstÀnde wider (vgl. 1 Kor).

2 Personen und Geschichte

2.1 Jesus aus Nazareth

Jesus von Nazareth stammte dem Namen nach aus einer Familie in Nazareth. Sein Vater war Handwerker (Lk 4,22; Joh 1,46), er hatte BrĂŒder und Schwestern, deren Namen uns teilweise ĂŒberliefert sind und die in der spĂ€teren Geschichte der christlichen Gemeinde eine Rolle spielen (Mk 3,31–35; 6,3; Gal 1,19; 2,1–14).
Mt 2,1 zufolge wurde Jesus in Bethlehem zur Zeit der Herrschaft von König Herodes geboren. Nach Lk 2,1–21 verließen Maria und Josef ihren Wohnort Nazareth und gingen nach Bethlehem wegen einer VolkszĂ€hlung, die CĂ€sar Augustus (31 v. Chr. bis 14 n. Chr.) angeordnet hatte. Die VolkszĂ€hlung fand statt, als Quirinius Statthalter der Provinz Syrien (6/​7 n. Chr.) war. Josef stammte aus dem jĂŒdischen Geschlecht David. WĂ€hrend ihres Aufenthaltes in Bethlehem wurde Jesus geboren. Der Evangelist nutzte die Information von einer VolkszĂ€hlung, um die Reise von Maria und Josef nach Bethlehem zu motivieren. So brachte er in Übereinkunft, dass Jesus als Abkomme des Stammes David und damit als möglicher Messias (dt.: Gesalbter und damit von Gott fĂŒr den Königsthron bestimmter HerrschaftsanwĂ€rter) zwar in Bethlehem geboren wurde, aber aus Nazareth stammte.
Lk 3,23 zufolge war Jesus 30 Jahre alt, als er öffentlich auftrat. Er begegnete Johannes dem TĂ€ufer, von dem es in Lk 3,1 heißt, er sei im 15. Jahr von Kaiser Tiberius (14–37 n. Chr.) öffentlich wirksam geworden. Jesus war also um 30 n. Chr. im Alter von 30 Jahren als Prediger, Heiler und Menschensammler in GalilĂ€a und JudĂ€a aktiv. Die Evangelien berichten von einem Zeitraum von einem Jahr des öffentlichen Wirkens Jesu (Mk, Mt, Lk) oder zweieinhalb Jahren (Joh), wobei es sich hier jeweils um komponierte Darstellungen handelt.
Jesus starb in der Zeit der Herrschaft des römischen Statthalters Pontius Pilatus (26–36 n. Chr.) und des Hohepriesters Kaiphas (18–37 n. Chr.) an einem Passafest, das immer mit dem Abend des 14. Nisan (= 7. Monat nach jĂŒdischem Kalender) beginnt. Todestag war offenbar ein Freitag. Hinzu kommt die johanneische Angabe, dass Jesus am Tag vor dem Fest hingerichtet wurde (was aus politischen und prozesstechnischen GrĂŒnden historisch wahrscheinlich ist). Der Termin seines Todes lĂ€sst sich nicht exakt bestimmen, aber die verschiedenen Angaben weisen in die Zeit um 30 n. Chr.
Was wissen wir ĂŒber die historische Person des Jesus von Nazareth?
Jesus wuchs in einer jĂŒdischen Familie auf und wurde beschnitten (Lk 2,21), er lebte als Jude mit der Tora, betete in der Synagoge und besuchte den Tempel in Jerusalem. Der Gott Israels bestimmte sein Leben. Nach seiner Beg...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Auftakt
  6. 1 Umwelt
  7. 2 Personen und Geschichte
  8. 3 Texte
  9. 4 Themen
  10. 5 Warum das Neue Testament lesen?
  11. WeiterfĂŒhrende Literaturhinweise
  12. Editorial zur Reihe
  13. Bildnachweis
  14. Zum Autor
  15. Weitere BĂŒcher
  16. Fußnoten

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