Das Schicksal der Eva Faschaunerin
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Das Schicksal der Eva Faschaunerin

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Das Schicksal der Eva Faschaunerin

About this book

Im Faschaun, mitten in der KĂ€rntner Bergwelt, lebt ein uraltes Bauerngeschlecht, das den Namen des Berges trĂ€gt: die Faschauner. Eva, die schöne Hoferbin, verlĂ€sst den elterlichen Bergbauernhof, um im Tal den Hörl-Bauern zu heiraten. Doch ĂŒber ihrer Ehe liegen von Anfang an unheilvolle Schatten. Ein in der Brautnacht ausgesprochener Fluch tut seine Wirkung und Eva gerĂ€t in die MĂŒhlen der Justiz. Grundlage fĂŒr diesen Roman waren Gerichtsakten eines Prozesses, der im ausgehenden 18. Jahrhundert in KĂ€rnten stattgefunden hat.

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Information

Year
2015
eBook ISBN
9783475545047

1. Kapitel

Der sonntĂ€gliche Gottesdienst in der Pfarrkirche zu Malta ist beendet, der Geistliche hat sein »Ite missa est« gesprochen. Mit den verrauschenden Orgeltönen strömen auch die GlĂ€ubigen durch das hohe Portal ins Freie und betreten den Friedhof, der sich eng in den Schutz der Kirche schmiegt. Blumen in verwirrender Buntheit und immergrĂŒne StrĂ€ucher und Ranken geben diesem Garten der Ruhe ein freundliches GeprĂ€ge.
Die Menschen stehen noch lange in kleinen Gruppen beisammen, sie haben sich allerlei zu erzĂ€hlen; denn außer an Sonntagen treffen sie einander kaum. Ihre Höfe liegen zum Teil hoch oben auf dem Maltaberg, und das erklĂ€rt auch, warum sie Haus und Feld an Wochentagen nur selten verlassen können, es sei denn, dass einer nach der Tauernstadt GmĂŒnd muss, um als Graf-Lodronscher Urbarsuntertan der Grundherrschaft zu zinsen. Und dabei trifft es sich manchmal, dass er auf den SchĂŒttböden des Pflegeamtes mit einem Nachbarn zusammenkommt. Bei solcher Fahrt lenkt er dann sein Ochsengespann den dachsteilen Berg hinunter ĂŒber Gestein und FelsentrĂŒmmer, die ĂŒberall auf dem Wege liegen, als wĂ€ren sie von der Faust eines Gottes dorthin geschleudert worden.
Eine schlanke, hochgewachsene MĂ€dchengestalt, deren ausdrucksvolles Gesicht schon fraulich reif erscheint, wendet ihre Schritte dem Beinhaus zu, dessen meterdickes, graues GemĂ€uer kalte Schatten in die SommerwĂ€rme des Friedhofes wirft. Der hohen Gestalt zur Seite geht ein Dirndlein mit pausbĂ€ckigen Wangen, halb noch Jungfrau, halb schon ahnendes Weib. Es streckt den Zeigefinger aus und deutet hinunter ĂŒber die gequaderten Steinstufen, die in das Beinhaus fĂŒhren; dorthin, wo die Überreste der schon lange Dahingeschiedenen bleichen.
»Auf die unterste Stufe habe ich den Korb mit den Blumenstöcklein hingestellt, Eva. Ich dachte mir, da unten ist’s kĂŒhl, da welken sie nicht, ehe wir sie auf die GrĂ€ber pflanzen.«
Eva Faschaunerin nickt nur. Sie geht die hohen Stufen hinab und holt den weidengeflochtenen Korb, worin die Rosmarin- und Nelkenstöcklein stehen. Die beiden MĂ€dchen raffen ihre blauen Hausleinenkittel, die mit weißem, zartem BlĂ€tterwerk gemustert sind, zusammen und schreiten durch die Reihen der vielen GrĂ€ber auf eine Gruppe schmiedeeiserner Kreuze zu, die alle den Namen »Faschauner« tragen. Sie lockern die hart gewordene Erde der GrabhĂŒgel ein wenig auf und setzen die Blumen in die Krume. Nachdem diese Arbeit getan ist, nimmt Eva das Fichtenzweiglein, das zu FĂŒĂŸen der Kreuze im Weihwasserkessel liegt, besprengt zuerst das Grab der Mutter und dann der Reihe nach auch alle anderen GrĂ€ber. Bei dieser andĂ€chtigen Handlung wird sie auf einmal von ihrer Begleiterin am Ärmel gezupft.
»Schau, Eva, dort an der Friedhofsmauer steht der junge Hörlbauer. Schon eine Weile schaut er zu dir herĂŒber.«
Das Gesicht der Faschaunerin wird um einen Ton röter.
»Du redest ohne Sinn, Liesl«, rĂŒgt sie das MĂ€dchen. »Wird wohl noch ein jeder schauen dĂŒrfen, wohin er mag. Warum soll’s der Hörlbauer anders halten?«
Die Zurechtgewiesene wird unsicher. »Ich mein’ nur, er hat so lang’ herĂŒbergeschaut, als möcht’ er gradwegs zu dir kommen«, stammelt sie.
»Du musst dich geirrt haben; schau, er redet doch mit dem Meisterbauern«, antwortet die Faschaunerin trocken.
Das kann die Liesl nun nicht in Abrede stellen, und so schweigt sie. Sie ordnet noch schnell die Erde um die gepflanzten Blumenstöcke, nimmt den Korb und verlÀsst an der Seite der Faschaunerin den Friedhof.
Als die MĂ€dchen an den beiden MĂ€nnern vorĂŒbergehen, ruft ihnen der Hörl einen freundlichen Gruß zu und fragt sie, wie es ihnen denn allzeit gehe, droben auf dem Faschaun. Eva verhĂ€lt ein wenig den Schritt und sieht dem Fragesteller in das heiter lĂ€chelnde Gesicht, zu dessen gebrĂ€unter Haut der dunkle Schwalbenfrack mit der farbigen Weste gut passt. Nach einigen scherzenden Worten aber verlassen die MĂ€dchen den Kirchplatz wieder und wenden sich dem Weg zu, der in steilem Anstieg ĂŒber den Maltaberg auf das Hochplateau des Faschaun hinanfĂŒhrt.
»Ein schönes Weib, die Faschaunertochter«, bemerkt der Meisterbauer, der zugleich Dorfrichter ist.
»Hm  «, macht der Hörl und schweigt.
»Wenn man nur wĂŒsste, warum sie nicht heiratet«, setzt der Meisterbauer hartnĂ€ckig das GesprĂ€ch fort.
Der Hörl zupft an seinem Bart und schweigt noch immer. Erst als ihn der Dorfrichter fragend anblickt, antwortet er versonnen: »Es wird halt der Richtige noch nicht gekommen sein.«
Der Meisterbauer macht eine abfĂ€llige Handbewegung. »Was heißt, der Richtige? Der Richtige fĂŒr eine Bauerntochter ist allemal der, dem ein ordentlicher Besitz ein ordentliches Ansehen gibt. Ich bitt dich, Jakob, der Reiter auf dem Landfraß und der Wenzel in der Gamschitz, sind das vielleicht keine angesehenen MĂ€nner? Aber die Faschaunertochter hat nein gesagt. Es traut sich ja kaum noch einer, um sie zu werben!
»Sie wird einmal den heiraten, den sie gern hat, Meisterbauer, mag er auch weniger besitzen als der Reiter und der Wenzel.«
Der Ältere hebt lebhaft den Kopf. »Woher weißt du denn das, Jakob?«
Der Hörlbauer rĂŒckt seinen Hut etwas tiefer in die Stirn, und lĂ€chelt als wĂŒsste er es und wolle es nur nicht sagen. Ohne Übergang kommt er auf etwas anderes zu reden, und der Meisterbauer fĂŒhlt, dass seine Neugierde hier nichts ergrĂŒnden kann.
Indessen steigen die beiden MĂ€dchen mit gleichmĂ€ĂŸigen Schritten den Berg hinauf. Heiß brennt die Mittagssonne auf ihren RĂŒcken. Die Liesl streicht mit ihrer farbigen SchĂŒrze kĂŒhlend ĂŒber die erhitzten Wangen.
»Die Leut’ da unten in Malta, die haben es gut«, stellt sie schwer atmend fest. »Die können sich schon zum Essen setzen, und wir haben noch den weiten Weg auf den Faschaun vor uns.«
»Gott, wegen dem Essen! Ein paar Stunden frĂŒher oder spĂ€ter, was liegt schon dran!«
Die Faschaunerin schiebt die blĂŒhenden, schön geformten Lippen ĂŒbereinander, gleichsam als wolle sie damit zeigen, wie gleichgĂŒltig ihr derlei ist.
Dann wendet sie sich ihrer Base zu und fragt mit glĂ€nzenden Augen: »Und ist’s nicht tausendmal schöner da heroben als unten im Tal?«
»Du möchtest wohl nie in Malta wohnen?«, fragt die JĂŒngere dagegen.
Hinter der glatten Stirn der Faschaunerin arbeiten die Gedanken. Sie wendet sich um und schaut sinnenden Auges auf den Ort hinunter. Der schlanke Kirchturm grĂŒĂŸt herauf, und gleich daneben blinken die Fensterscheiben des herrschaftlichen Schlosses Kronegg in der Sonne. Doch weder die Kirche noch das stolze Schloss vermögen Eva zu fesseln. Ihr Blick sucht unter den zahlreichen Bauerngehöften und bleibt dann an einem alten, niedrigen Hause haften, das, ein paar Minuten von Schloss und Kirche entfernt, am Ende des Dorfes liegt. Es ist die Hube des jungen Hörlbauern, des Jakob Kary.
»Ob ich da unten leben möchte? Vielleicht! Vielleicht dann, wenn ich einen find’, den ich von Herzen gern hab’. Ja – ich glaub’ schon.«
Mit einer raschen Bewegung wendet sie sich wieder dem Weg zu, und der kleinen Liesl ist es, als bereue die große Eva ihre soeben gesagten Worte. GleichmĂ€ĂŸig und ohne zu sprechen, steigen die MĂ€dchen bergan. Jetzt holen sie andere Kirchenbesucher ein, grĂŒĂŸen und plaudern, fragen nach dem Fortgang der Feldarbeit, nach den an die Grundherrschaft geleisteten Abgaben und nach der Gesundheit der Alten, fĂŒr deren vergehende Kraft der Weg ins Dorf schon zu beschwerlich ist. Dann verlieren sie sich, einer nach dem anderen, unter den Haustoren ihrer hochgelegenen Huben, nur Eva und Liesl wandern noch weiter. Denn höher als alle Höfe auf dem Maltaberg liegt das Haus am Faschaun.
Seit dem Tode der Mutter ist Eva BĂ€uerin auf dem Berghof. Sie ist die Seele des Hauses und macht ihre Sache so gut, dass der Bauer zeitweise ganz vergisst, dass er das Weib im Hause verloren hat. Eine Schwester ist noch da, das Agathle. Es ist die spĂ€te Frucht aus der Ehe der Faschaunerleute, ja es könnte mit seinen dreizehn Jahren beinahe Evas Tochter sein, zĂ€hlt doch die Faschaunerin schon siebenundzwanzig. Der Bauer ist ein alter Mann, der sich erst in spĂ€ten Jahren verheiratete. So lang, bis das Agathle zur BĂ€uerin heranwĂ€chst, kann er nicht mehr hausen, und darum ist es ihm lieb, dass Eva vom Heiraten nichts wissen mag. Wie sĂ€he es wohl auf dem Faschaun aus, wenn die Tochter aus dem Hause ginge? Einheiraten, denkt der Bauer nicht selten, einheiraten könnte schon einer zur Eva, wenn er auch den Hof nicht sofort ĂŒbergeben wollte. Ein paar Jahre, zwei oder drei, möchte er die ZĂŒgel schon noch in den HĂ€nden behalten. Schon dem Agathle zuliebe; das MĂ€dchen soll keinem Schwiegersohn zur Last fallen.
Aber sonderbarerweise will Eva auch von einer Einheirat nichts wissen. Es kommt dem Alten manchmal vor, als warte die Tochter auf irgendeine Entscheidung. Aber wenn er dann einmal nachfragt, vorsichtig, wie man es bei Eva machen muss, kann er doch nichts erfahren. In ihrer zurĂŒckhaltenden Art lĂ€sst sich auf keine ErklĂ€rung ein, obgleich sie dem Vater in inniger Liebe zugetan ist.
Die hagere Berglergestalt des Bauern hĂ€lt sich im Gehen leicht vornĂŒbergeneigt, als trĂŒge er eine Last auf den Schultern. Der Faschauner hatte in seinem Bauerndasein allzeit hart gearbeitet. Immer hatte er das Schwerste selbst anpacken mĂŒssen, hat kaum die Dienstleute auf dem Hof gehabt, die zur Bearbeitung der weit verstreuten Felder notwendig waren. Das junge Volk geht ja nie gern in die Bergeinsamkeit, mag sie auch noch so weit und gottesherrlich ĂŒbers Land hinausschauen; die Burschen empfinden an den Abenden Langeweile, und die MĂ€gde behaupten, der Kirchgang sei zu weit.
Aber seit der David oben auf dem Faschaun dient, ist es anders. Er wurde als Bauernsohn auf dem Sonnberg geboren, doch verlor sein Vater den Besitz an den Grundherrn, weil er mit den Abgaben im RĂŒckstand geblieben war. Und so musste der Sohn voll schmerzlicher EnttĂ€uschung aus dem Hause gehen.
Vater Faschauner spinnt schon seit vielen Jahren einen Traum; einen stolzen Traum, der wegen seiner weittragenden Planung wohl niemals Wirklichkeit werden wird. Einmal, bei einsamer Holzarbeit im Wald, hat er David davon erzĂ€hlt: Vater Faschauner, der Graf-Lodronsche Urbarsuntertan, will seinen Hof von Zins und Abgabe freikaufen. Wenn er feierabends auf der Bank vor dem Hause sitzt und seine noch immer scharfen Augen in die Ferne schweifen lĂ€sst, denkt er immer wieder ĂŒber diesen Wunsch nach. Schön dĂŒnkt ihm die Heimat am Faschaun; wohnlich das holzgebaute Haus mit seinen wenigen, aber gerĂ€umigen Gaden; von hervorragender GĂŒte der Ackerboden, der hier oben auf der Hochebene, zum Unterschied von den Huben am Maltaberg unten, beinahe eben lĂ€uft. Das alles verdient schon, dass man es liebt! Wahrhaftig, hĂ€tte man der Grundherrschaft nicht zu zinsen, man hauste hier oben wie ein Freisasse.
Wie sich Graf Lodron zu einem Freikauf der Faschaunerhube wohl stellen wĂŒrde? Wusste man es, ob der Herr nicht ganz gern einschlĂŒge, wenn der Faschauner mit einer vollen Geldkatze erschiene? Man hörte doch, dass die gnĂ€digste Frau GrĂ€fin stets in Geldnöten sei.
Bei derartigen ErwĂ€gungen kann es sein, dass den Faschauner ein bitter-hartes LĂ€cheln schĂŒttelt. Er, der Bergbauer, bei dem die Taler immer so rar waren wie beim Fuchs die Klotzenstriezel, er soll der grĂ€flichen Finanznot abhelfen? Wie denn das eigentlich, wie denn das? Da mĂŒsste man schon so ein Fantast sein wie der David, der dumme Bub. Dem ist damals ein Feuer in die Wangen gestiegen, als ihm der Bauer von seinen TraumwĂŒnschen erzĂ€hlt hat, die nichts Geringeres ersannen, als den Hof freizukaufen. Eine ganze Weile hatte der junge Mensch dagestanden, den Blick auf den Faschauner gerichtet, die Lippen geöffnet.
»Was hast’, David?«, hat der Bauer gefragt. Er musste seine Frage wiederholen, ehe der Knecht sie vernahm. Wie Zorn blitzte es aus Davids Augen. Sein Blick wandte sich ab und den Bergen zu; der Bartelmann schien es ihm angetan zu haben und die sonnenflimmemde Tandelspitze. »Ich denke an meine liebe, verlorene Heimat, Bauer. WĂ€r’ mein Vater ein freier Bauer gewesen, niemals hĂ€tt’ uns der Grundherr von Haus und Hof vertreiben können. Und ich und meine Geschwister hĂ€tten heut’ noch ein Heimgehen!«
Der Bauer war nachdenklich geworden.
»Hast Recht, David«, sagte er, »wĂ€r’ nicht um alles gekommen, dein Vater, hĂ€tt’ nicht die Grundherrschaft die Hand drauf gelegt. Verstehst jetzt, warum ich mich loskaufen möcht’?«
»Und ob ich das versteh’, Vater Faschauner!«, hat der David gesagt.
»’S ist hart, David, ich weiß, aber was nĂŒtzt das Sinnieren? Musst es vergessen! – Wir mĂŒssen vieles vergessen  «
Der junge Mensch hat dann wieder zur Hacke gegriffen und gewaltig zugeschlagen, als hÀtte er sich gegen einen Feind zu wehren.
SpĂ€ter, als der Abend ĂŒber dem Maltaberg leise dĂ€mmerte, ist er noch einmal auf das GesprĂ€ch zurĂŒckgekommen. Der Bauer hat ihn zwar mit einer kurzen Handbewegung brummig abtun wollen, doch hat der Knecht nicht nachgegeben und gesagt:
»Bauer, habt Ihr schon die MÀr vom Freimannsloch gehört? Von der Grube auf der Stangalm?«
»Ja, ja, Bub, hab’s schon erzĂ€hlen gehört. Sollen auch schon etliche dort ihr GlĂŒck gemacht haben.«
Dem David hat darauf die Geschichte keine Ruh mehr gelassen. »Wie ist es eigentlich mit dem Freimannsloch? Bauer, ich bitt’ Euch, sagt mir alles, was Ihr davon wisst!«
»Das ist eine Geschichte«, war darauf die Antwort, »die hat schon jeder einmal vernommen und weitererzĂ€hlt. Ich weiß nicht viel mehr als ein anderer. Die Schwester von meinem Vater hat mir zum ersten Mal davon erzĂ€hlt, wie ich selber noch ein Bub war. In jungen Jahren war sie als Sennerin auf der Stangalm und hat den Ort, wo sich das Freimannsloch befindet, noch gut gekannt.«
»Wie hat denn Eure Muhme die Geschichte berichtet?«
»Nun also! Ein armer Bauer ist einmal auf unerklĂ€rliche Weise zu großem Reichtum gelangt. Da ist die Behörde auf ihn aufmerksam geworden und hat ihn ins Verhör genommen. Aber er hat nicht und nicht sagen wollen, woher das viele Geld stammt. Daraufhin hat man ihn als Dieb behandelt und zum Tod verurteilt. Der Freimann aber ist zu dem armen SĂŒnder hingegangen und hat ihm versichert, dass er sein Leben behalten könnte, wenn er ihm den Ort verraten wĂŒrde, wo sich das Geld befindet. Da sind die beiden einig geworden. Der Bauer hat dem Henker die Stelle genannt, das heutige Freimannsloch. Aber der Scharfrichter hat sein Wort gebrochen. Den Kopf hat er dem Bauern abgeschlagen und das Gold fĂŒr sich behalten. Dann aber, wie es an sein Sterben gegangen ist, hat er den ganzen Hergang erzĂ€hlt. Seit seinem Tode steht er nun zur Strafe fĂŒr seine Schandtat in der Höhle, und man sagt, dass er jedem mit einem großen Schwert in der Hand den Zutritt streitig macht. Es heißt freilich, etliche Mutige sollen schon glĂŒcklich bei ihm vorbeigekommen sein, die sollen eine Menge Gold nach Hause geschleppt haben.«
David hat den Bauern mit keinem Wort unterbrochen; schweigend, die Axt ĂŒber der Schulter, ist er neben ihm durch den Wald heim gegangen. Aber als der Bauer mit seiner ErzĂ€hlung fertig war, hat er nicht mehr an sich halten können: »Wo ist die Grube, Vater Faschauner? Könnt Ihr mir das nach so vielen Jahren sagen?«
»Das weiß heute niemand mehr genau, David. Ich selber hab’ den Ort, von dem meine Muhme berichtete, nie gekannt. Wer heute nach den SchĂ€tzen graben will, muss die Grube auf gut GlĂŒck suchen. Ein paar gute Jahre ist es her, da haben sich auch drei, vier Burschen aufgemacht, das Loch zu finden und zu dem Schatz hinunterzusteigen. Der erste hat es auch versucht, weil sie bald einen Eingang gefunden haben, aber wie er bis zum Hals drinnen war, ist ihm gewesen, als wĂ€re er im Felsen eingeklemmt, und er hat voller Angst um Hilfe gerufen. So sehr sich die Kameraden auch bemĂŒht haben, erst nach ein paar Stunden haben sie ihn herausziehen können, sein Hemd war zerfetzt, die Joppe auch und die Hose; hat keiner mehr nach dem Schatz weitersuchen wollen.«
»Man muss furchtlos sein  «, hat der junge David noch gesagt. »Die Burschen haben es schlecht gemacht, ganz schlecht!«
Der Bauer und sein junger Knecht sind dann vor dem ...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Worum geht es im Buch?
  5. 1. Kapitel
  6. 2. Kapitel
  7. 3. Kapitel
  8. 4. Kapitel
  9. 5. Kapitel
  10. 6. Kapitel
  11. 7. Kapitel
  12. 8. Kapitel
  13. 9. Kapitel
  14. 10. Kapitel
  15. 11. Kapitel
  16. 12. Kapitel
  17. 13. Kapitel
  18. 14. Kapitel
  19. 15. Kapitel
  20. Glossar
  21. Weitere E-Books im Rosenheimer Verlagshaus
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