Obwohl als nicht kriegsverwendungsfähig eingestuft, hat es Hauptmann Werner geschafft, dass man ihn in die Kubanregion nach Krasnodar schickt.Als Folge des Zusammenbruchs der 6. Armee bei Stalingrad wird der Rückzug befohlen, was, wie Werner weiß, Tod und Untergang bedeuten könnte. Unter den Angriffen der Roten Armee ziehen sich die Wehrmachtsverbände zurück und liefern die mit ihnen verbündeten Kosaken der Rache Stalins aus. Ihre Hoffnung ist der Brückenkopf am Kuban – doch ehe der erreicht ist, erfüllt sich das Schicksal zahlloser deutscher und russischer Soldaten.

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Militärische BiographienII. TEIL
13. Kapitel
Im Dienstraum des Ic drängten sich zwei Dutzend Kosaken in ihrer schwarzen Tracht. Ihr Sprecher, der weißbärtige Ataman Scheljakow, war ohne seine Begleiterin erschienen. Soeben hatte er eine an die deutsche Wehrmacht gerichtete Dankadresse verlesen.
Den Dolmetscherdienst versah Leutnant von Walde, ein Livländer, der schon als Fähnrich in der baltischen Landeswehr gegen die Bolschewiken gekämpft hatte.
Von Walde hatte Hauptmann Werner noch vor dem Eintreffen der Abordnung mitgeteilt, dass größere Abteilungen der Kosaken Krasnodar wieder verlassen hätten, während andere noch vor dem Erreichen der Stadt wieder umgekehrt wären. Die Ursache dafür glaubte Werner zu kennen. Die Flakstellung am Stadtrand hatte Flugzeuggeräusche und starke Detonationen aus verschiedenen Richtungen südlich des Kuban gemeldet. Wahrscheinlich fürchteten die Kosaken, die Rote Armee werde als Antwort auf ihre Bereitschaft, die Deutschen zu unterstützen, ihre Dörfer bombardieren. Deren Nachrichtendienst schien mit unheimlicher Präzision zu funktionieren.
Hauptmann Werner musste nun auf die pathetisch vorgetragenen Worte des alten Atamans antworten. Er versicherte, dass die Wehrmacht das Bündnis mit den tapferen Kosaken begrüße.
Gemeinsam wolle man gegen die Kommunisten kämpfen. Insgeheim aber verurteilte er seine Phrasen, denn er wusste genau, dass den Kosaken das nicht zurückgegeben werden konnte, wofür sie kämpften. Er verurteilte auch den Hass auf die eigenen Landsleute, der den Kosaken eingeimpft wurde. Die Kosaken glaubten nun, ihre Stunde sei gekommen, dachte Werner. Unzufrieden mit sich selbst beendete er seine Rede. Er hatte schon zu viel gesprochen, mehr aber noch dabei gedacht.
Das Telefon klingelte. Am anderen Ende meldete sich eine Stimme: »18.00 Uhr Offiziersbesprechung!«
Werner legte den Hörer auf und schaute auf die Uhr. Noch 15 Minuten.
»Dringende dienstliche Angelegenheit, meine Herren. Im Namen des Generals und des 1. Generalstabsoffiziers danke ich Ihnen für Ihr Erscheinen.« Leutnant von Walde übersetzte.
Da rissen die Kosaken ihre Fellmützen von den Köpfen und riefen begeistert: »Es lebe das freie Russland!«
Hauptmann Werner begleitete den alten Ataman die Treppe hinab und zur Troika, auf deren Kutschbock Jeluschka schon wartete. Er verabschiedete sich vom Alten und winkte Jeluschka freundlich zu.
»Herr Hauptmann, die Leitungen zum Sicherungsbataillon sind mehrfach durchgeschnitten!«, rief Zapp ihm zu. »Wir haben keine Verbindung. Auf den Kolchos sind Bomben niedergegangen; auch die Siedlungen der Kosaken wurden bombardiert.«
»Wo ist Bienert?«, fragte Werner. »Ist dem GFP-Chef etwas zugestoßen?«
»Wir haben ihn bei seinem Quartier abgesetzt. Seine Uniform war völlig verdreckt.«
»Verluste?«
»Die genauen Zahlen gibt Hauptmann Grader durch, sobald die Leitungen instand gesetzt sind. Alles muss sehr genau geplant gewesen sein, Herr Hauptmann.«
Werner nickte.
»Hat Bienert Anhaltspunkte gefunden?«
»Er ist gar nicht dazu gekommen, die Untersuchung einzuleiten. Auch bei den Kosaken sind Bomben gefallen.«
»Natürlich. Denen hat ja der Angriff wohl in erster Linie gegolten. Gut, dass Sie da sind, Zapp. Offiziersbesprechung beim Ia.«
Als Erster betrat Oberstleutnant Schwelm den großen Saal, wo die Lagebesprechung stattfinden sollte. Hauptmann Werner folgte ihm und sah den Oberstleutnant vor der Wandkarte stehen, auf der die eigene Front und die Bewegungen des Gegners eingetragen waren.
Zögernd drehte sich der Ia um. »Ah, die Abteilung Ic. Wie ging’s mit den Kosaken, Werner?«
»Förmlich, Herr Oberstleutnant. Ich hatte trotz ihrer Begeisterung den Eindruck, als ob da etwas Unausgesprochenes mitgespielt hätte. Die Befreiungsfeier wurde überhaupt nicht erwähnt.«
»Das hängt mit der verschärften Verdunkelung zusammen. Ich habe der Feldgendarmerie von Beloretschenskaja durchgeben lassen, dass streng durchgegriffen werden muss, vor allem keine offenen Feuer. Wir erwarten Flugzeugbesuch.«
»Das Sicherungsbataillon hatte ihn schon, Herr Oberstleutnant«, erklärte Werner. »Leutnant Zapp und Oberleutnant Bienert waren dort. Ich muss Herrn Oberstleutnant melden, dass fünf Kosaken desertiert sind.«
Der Ia blickte Werner scharf an.
»Auch das noch! Wollen hoffen, dass das ein Einzelfall bleibt. Ich schaue morgen mal selbst dort nach.«
Inzwischen traten die übrigen Offiziere des Stabes ein. Oberstleutnant Schwelm ging zu der großen Wandkarte und räusperte sich.
»Meine Herren …« Er legte eine Pause ein und schob die Hand in die Feldbluse, auf der mehrere Ordensbänder befestigt waren. »Meine Herren«, begann er von Neuem, »ich habe Sie zu mir gerufen, um Ihnen eine Eröffnung von unabsehbarer Tragweite zu machen. Planmäßiger Rückzug als Folge des Zusammenbruchs der Donfront und der Einschließung der 6. Armee in Stalingrad. Der Kaukasus wird aufgegeben. Auch das Gebiet zwischen dem Kuban und dem Gebirge wird geräumt. Die 6. Armee ist unrettbar verloren, meine Herren. Die Russen zielen mit starken Kräften auf Rostow. Ihre operative Planung ist – ich möchte sagen – gigantisch. Ihre Absicht ist die Einschließung und Vernichtung der 1. Panzerarmee und der 7. Armee, die zur Stunde noch am und im Kaukasus stehen.
Sie werden sich darüber klar sein«, sagte der Oberstleutnant weiter, »dass uns hier in Krasnodar Aufgaben zufallen werden, die im Augenblick noch nicht zu übersehen sind. Krasnodar wird der Angelpunkt der zurückflutenden 17. Armee werden. Wenn Krasnodar vorzeitig in Feindeshand fällt, kann eine ernsthafte Flankenbedrohung entstehen. Mit Anlehnung an die Taman-Halbinsel, im Rücken die Meeresstraße von Kertsch, fällt die 17. Armee auf eine Abwehrstellung zurück, die man, wenn die Bewegung gelingt, den Kubanbrückenkopf nennen wird. Die 1. Panzerarmee dagegen hat den weiteren Weg. Sie wird über das Asowsche Meer, sofern das Eis tragfähig ist, und durch den Flaschenhals von Rostow, sofern der offengehalten wird, in die alte Mijusstellung vom vergangenen Winter und Frühjahr zurückgehen. Das ist zunächst alles, meine Herren. Auf die Pflicht allerstrengster Geheimhaltung muss ich im Interesse des Ganzen besonders hinweisen. Danke, meine Herren!«
Mit betroffenen Gesichtern wandten die Offiziere sich zum Gehen. Das war das Ende aller Illusionen!
Der Ia winkte Werner zu sich.
»Ja, Hauptmann Werner, mit dem beschaulichen Etappendasein dürfte es demnächst zu Ende sein. Der Wind wird rau – auch für Krasnodar. Die Verantwortung, die auf uns zukommt, ist groß. Einen erheblichen Anteil wird die Abteilung Ic zu tragen haben. Bisher war der Gegner weit. Jetzt rückt er näher. Wie rasch und wo, hängt natürlich von der Kampftruppe ab. Das hier ist eine große Stadt, eine Großstadt nach unseren Begriffen. Die Bevölkerung – nicht einmal der russische Starost weiß, wie viele Menschen in Krasnodar geblieben sind – ist eine anonyme Masse. Für unsere Absetzbewegung erhält die Stadt besondere Bedeutung als Versorgungsbasis, da die Bahnlinie von Rostow zum Kuban in Kürze nicht mehr existieren wird. Die Pioniere, die sie nach dem Abfluss des zur Mitnahme bestimmten Materials zu zerstören haben, stehen schon bereit. Die Feldpolizei hat noch mehr als bisher die Augen offenzuhalten. Denken Sie an Kiew und Charkow. Wochen nach unserem Einmarsch flogen dort Häuser in die Luft. In Charkow wurde ja ein ganzer Divisionsstab außer ...
Table of contents
- Cover
- Titel
- Impressum
- Worum geht es im Buch?
- I. Teil
- II. Teil
- III. Teil
- Weitere E-Books von Franz Taut
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