Unsere Geschichte ist zweigeteilt: Geschichte und Vorgeschichte. Die erstere kennen wir, die zweite glauben wir zu kennen. Aber die ältere Geschichte, also die Griechen und Römer, das Mittelalter und die Neuzeit, sind alles Sagen und Legenden, stellen eine gewaltige literarische Erfindung oder Fälschung dar. Die Analyse der historischen Inhalte zeigt, dass diese Geschichten nach einer Matrix, nach ein paar wenigen Wörtern, Namen und Textbüchern geschaffen wurden. Die plausible Vergangenheit unserer Kultur ist viel kürzer, beginnt erst im Laufe des 18. Jahrhunderts.

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Die Matrix der alten Geschichte
Eine Einführung in die Geschichts- und Chronologiekritik
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Die Matrix der alten Geschichte
Eine Einführung in die Geschichts- und Chronologiekritik
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Information
Matrix, Strukturen und Parallelitäten der alten Geschichte
Petrarca, Dante und Thomas von Aquin: verfrühte
Geistesgrößen
Der Sachverhalt ist einfach: Die alte Geschichte wurde von neuzeitlichen Schriftstellern geschrieben. Manchmal kennen wir ihre Namen. Häufig aber verfaßten diese Historiographen ihre Werke anonym oder benutzten ein Pseudonym. Es entstehen Parallelitäten schon bei der Quellenbetrachtung. Die Analyse von Inhalten und Tendenzen der alten Textbücher weist nach, daß diese nicht so alt sind, wie behauptet.
Bereits einigen russischen Geschichtskritikern ist die unmöglich frühe Zeitsetzung von Dichtern wie Dante und Petrarca aufgefallen.
Im Livre de civilisation gibt es ein Kapitel Wann schrieben Dante, Petrarca und Boccaccio (Livre de civilisation, 52 ff.).
Fomenko äußerte sich ausführlich über Petrarca (= Plutarch?) und die „Wiedergeburt der Antike“ (Fomenko: History, vol. 1, 410 ff.).
Dabei streicht der Forscher vor allem heraus, wie Petrarca die Legende vom alten Rom aus dem Nichts erfand. Und es wird geschildert, wie der gleiche Dichter mit Berühmtheiten korrespondierte, die wir heute als antike Gestalten ansehen.
Bei der Textüberlieferung verblüfft der Hinweis, daß der italienische Dichter Boccaccio, dessen Lebensdaten mit „1313 – 1375“ angegeben werden, „1370“ im Kloster Monte Cassino die einzige Handschrift von Tacitus’ Historien entdeckt habe.
Doch sowohl die Annalen wie die Historien des römischen Geschichtsschreibers sind in einem einzigen Codex, dem Mediceus erhalten.
Die Annalen sollen erst „im 15. Jahrhundert“ von Poggio Bracciolini gefunden worden sein. – Ein einzelnes Werk sei also im Mittelalter auseinandergerissen und später in der Renaissance durch wundersame Fügung wieder zusammengesetzt worden.
Die Werke von Tacitus aber tauchen vor allem nördlich der Alpen auf: Sankt Gallen, Fulda und Hersfeld werden genannt.
Und wie soll Boccaccio auf Anhieb in einem süditalienischen Kloster, tausendfünfhundert Jahre nach dem Ableben des Geschichtsschreibers, eines seiner Hauptwerke gefunden haben? – Waren die Mönche jener altehrwürdigen Klause so einfältig, daß sie nicht wußten, was für Schätze sie hüteten?
An dieser Auffindungsgeschichte stimmt überhaupt nichts.
Und Giovanni Boccaccio erscheint merkwürdig früh auf der dichterischen Bühne. Sein Hauptwerk, das Decamerone, soll er gleich nach der Pest in Florenz „um 1350“ geschrieben haben.
Darin verwertet Boccaccio klassische, französische, italienische und orientalische Quellen. Friedrich von Hohenstaufen mit seinen Falken taucht auf. Und die Legende von den drei Ringen, die vom Sultan Saladin von Babylon (!) und dem Juden Melchisedek = gerechter König handelt, wird erzählt.
Doch diese dichterischen Stoffe sind erst in der Renaissance und der Barockzeit im 18. Jahrhundert plausibel. Also hat Boccaccio dann, und nicht in einem legendären 14. Jahrhundert geschrieben.
In die gleiche Zeit wie Boccaccio wird ein anderer italienischer Dichterfürst gesetzt, dessen behauptete Lebensbeschreibung von Absurditäten und Anachronismen trieft.
Francesco Petrarca hat die Lebensdaten „1304 bis 1374“ erhalten. Aber in eine derart ferne Zeit paßt er nicht hinein.
Der Renaissance-Dichter Petrarca schreibt Sonette, die voll sind mit Anspielungen auf eine Geschichte, die sich auch nach dem konventionellen Geschichtsbuch erst im 16. Jahrhundert zugetragen hat. Erwähnt wird etwa die Eroberung von Bagdad „1517“ durch den Osmanen-Herrscher Selim I. und die Errichtung von „gotteslästerlichen Türmen“, also Minaretten, um die Zentralkirche von Konstantinopel.
Aber was Petrarca, der sich selbst einen unermüdlichen Leser nennt, am meisten entlarvt, ist seine Bücherliebe (vgl. Textüberlieferung, 526 ff.).
Nicht nur soll Petrarca die größte Privatbibliothek besessen haben, er fertigte auch ein Bücherverzeichnis an. Dieses hat er sinnigerweise in einen Codex zusammengebunden, und zwar mit Cassiodors Schrift De anima und Augustinus’ De vera religione.
Man kennt den Fälschertrick, ein bestimmtes Werk mit einem anderen zu verbinden, das angeblich älter ist und somit Authentizität der Überlieferung vorgaukeln soll.
Petrarca liebt besonders Augustinus. Mit dessen Bekenntnissen (Confessiones) besteigt er bekanntlich den Mont Ventoux in der Provence und liest auf der Höhe des Berges daraus vor.
Hat etwa Petrarca Teile von Augustinus geschrieben? – Auf jeden Fall muß dieser Kirchenvater mehrere Autoren haben.
Petrarca hatte erst beschränkten Zugang zur griechischen Literatur. Bekanntlich galt das Märchen, wonach das lateinische Mittelalter die griechische Sprache verlernt habe. – Das hindert jenen Dichterfürsten nicht, sich „1353“ von einem gewissen Nikolaos Sigerios aus Konstantinopel ein Exemplar des griechischen Homer schenken zu lassen.
Und „1360“ veranlaßt Petrarca eine lateinische Übersetzung des angeblich ältesten griechischen Dichters.
Petrarca ist ein Faktotum. Er kreiert eine reiche Renaissance-Literatur und eine noch reichere antike Überlieferung.
So liebt Petrarca besonders den Redner Cicero. Zu ihm hat er ein persönliches, fast leidenschaftliches Verhältnis (Textüberlieferung, 530). Dabei überbietet sich der Dichterfürst oder die ihn erfunden haben, in den absurdesten Behauptungen.
So soll Petrarca 1333 (!) in Lüttich (!) Ciceros Gerichtsrede Pro Archia gefunden und durch Abschreiben vor dem Verlust gerettet haben.
Ferner habe Petrarca schon von seinem Vater Cicero-Bücher geerbt. - Und als Cicero-Fan soll er Handschriften jenes römischen Redners aus dem Pfandleihhaus (!) ausgelöst haben.
Petrarca war so vernarrt in Cicero, daß er in ganz Europa nach dessen Werk De re publica suchen ließ.
Aber dieses Buch fand nicht er, sondern viele Jahrhunderte später der vatikanische Bibliothekar Angelo Mai im Jahre 1819 im Kloster Bobbio. – Man darf ruhig sagen, daß Ciceros Buch über die Republik erst nach der Napoleonischen Zeit entstanden ist.
Sicher gehört Petrarca zu den Co-Autoren von Cicero. Der erwähnte Titel PRO ARCHIA klingt übrigens sehr ähnlich wie PETRARCA.
Die eigentliche Person Petrarcas ist dabei geheimnisvoll, vage und unklar (Fomenko: History, vol. 1, 410).
Das hilft uns, den Sinn-Namen PETRARCA zu entschlüsseln. Dahinter steht zweifellos PETRUS ARCANUS = der geheimnisvolle Petrus. – Name und Charakter dieser legendären Person aus dem angeblichen Trecento passen wunderbar zusammen!
Petrarca schuf die Legende von dem großen antiken Rom ohne jegliche Grundlage. – Dabei beklagt er sich in seinen Briefen, daß von der angeblichen alten Kaiserstadt nichts übriggeblieben sei.
Vielleicht aber meinte Petrarca mit Rom in Wirklichkeit Konstantinopel, das er zweifellos aus eigener Anschauung kannte. Sonst wären seine Ausfälle gegen die Minarette der Hagia Sophia schwer zu erklären.
War Petrarca überhaupt Italiener oder eine aus verschiedenen Nationen zusammengebastelte Kunstfigur? – Es fällt auf, daß jener Dichter in ganz Europa umherreiste, in Flandern, Deutschland, Frankreich und Italien.
Petrarca ist eine Proteus-Gestalt, der bewußt die Zeiten durcheinander würfelte.
Fomenko beschäftigt sich ausführlich mit dem Brief des Dichters an Titus Livius (!) (Fomenko: History, 413 ff.).
Daraus kann man schließen, daß Petrarca noch nicht von dem Chronologie-Schema von Scaliger und Petavius gefangen war. Für ihn sind die antiken Helden und Schriftsteller Zeitgenossen.
Den Eindruck der Gleichzeitigkeit von Antike und Renaissance erhält man bei vielen Schriftstellern und Chronisten.
Den Vergil schätzte Petrarca besonders. Und so hat sich ein Codex mit handschriftlichen Anmerkungen Petrarcas zu diesem römischen Dichterfürsten erhalten.
Ein dritter früher italienischer Dichter wählte bekanntlich Vergil als Begleiter für seine Reise in die Jenseitsreiche. Die Rede ist von Dante Alighieri, angeblich „1265 – 1321“.
Sowohl Boccaccio als auch Petrarca nennen Dante ihren Lehrer. – Aber die italienischen Autoren des Quattrocento kennen den Dichter der Divina Commedia merkwürdigerweise nicht. – Erst Machiavelli erwähnt ihn im angeblichen 16. Jahrhundert.
Wie bei allen antiken und mittelalterlichen Autoren hat der reichlich unitalienische Vorname DANTE Sinncharakter: Dahinter stehen die DANNATI = Verdammten des Inferno, zu denen der gekrönte Dichter mit Vergil über den Unterwelt-Fluß Sty...
Table of contents
- Mottos
- Hinweise
- Inhaltsverzeichnis
- Abbildungen
- Tabellen
- Das Thema der älteren Geschichte
- Materialien für eine Neubetrachtung der alten Geschichte
- Die Quellen und ihr Alter
- Matrix, Strukturen und Parallelitäten der alten Geschichte
- Literatur
- Impressum
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