Gedankensplitter
eBook - ePub

Gedankensplitter

zu den Losungen und Lehrtexten

  1. 104 pages
  2. English
  3. ePUB (mobile friendly)
  4. Available on iOS & Android
eBook - ePub

Gedankensplitter

zu den Losungen und Lehrtexten

About this book

Dieses Buch dient der Selbstvergewisserung in ungewöhnlichen Zeiten mithilfe von Impulsen durch zwei Bibelverse. Die Texte gehen zurück auf den Blog "Gedankensplitter" von Pastorin Wiebke Köhler, der an vierzig Tagen des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 im Netz erschien. Beim Nachlesen entsteht ein farbiges Bild davon, wie sich damals Tag für Tag die neue Situation für Christinnen und Christen in Einbeck entfaltete.

Trusted by 375,005 students

Access to over 1.5 million titles for a fair monthly price.

Study more efficiently using our study tools.

Information

Year
2021
Print ISBN
9783752687446
eBook ISBN
9783753448114
Losung und Lehrtext am 1. April
Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.
Jesaja 65,19
Jesus sprach zu den Jüngern: Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.
Johannes 16,22
Heute habe ich bei schönstem Sonnenschein im Pfarrgarten von Stiftplatz 9 Blumen gepflückt. Bevor der kleine Bagger des Stadtarchäologen darüber rollte, habe ich die zarten Blütenbündel der Wiesenschlüsselblume gepflückt. Mir ging der erste Satz der Losung nicht aus dem Kopf. Ich will mich freuen über mein Volk. Ich wollte mich auch freuen. Und nun habe ich eine kleine Vase voller kleiner „Himmelsschlüsselchen“, wie man auch sagen kann.
Wenn Gott sich über uns freuen will, dann schafft er auch die Voraussetzungen. So lese ich das 65. Kapitel des Jesaja-Buches, in denen unser Vers zu finden ist. Gott verspricht dort, Anlässe und Gründe für Freude zu stiften. Er verspricht Heilung und Segen. Und er will sich an seinen Menschen freuen, an ihrer Freude, an ihrem Wohl und Heil. Wer in diesen Kapiteln liest, was der Prophet im Namen Gottes beschreibt, dem geht das Herz auf. Es sind die großen biblischen Hoffnungsbilder, voller Trost und Liebe.
Und ich ertappe mich dabei, wie ich mir die ersten Gottesdienste in unseren Kirchen ausmale, wenn wir uns wieder treffen dürfen. Wenn die Türen offen sind und das gemeinsame Abendgebet den Feierabend einläutet. Wenn man wieder Kerzen am Friedensleuchter und am Kerzenbaum der Marktkirche anzündet. Wenn die Chöre wieder proben und der Bastelkreis im Hochsommer die Weihnachtskollektion erarbeitet. Wenn die Künstlerinnen von Leib & Seele leckeres Fingerfood unter das Kirchenvolk bringen. Wenn wieder Blumen auf den Altären blühen. Wenn der Kirchenvorstand am Ende einer langen Sitzung das Vaterunser spricht.
Jesus sagt seinen Jüngern in der Zeit vor seinem Tod: Ihr seid jetzt traurig ... Es gibt eben Gründe für Trauer. Es gibt auch für uns aktuell Gründe sorgenvoll und traurig zu sein. Und dann spricht Jesus von der erhofften Freude: ich werde euch wiedersehen und euer Herz wird voll Freude sein. Das ist die Perspektive, die nur er eröffnen kann. Die Oster-Perspektive, die Voraussetzung für echte Freude auf beiden Seiten, Gott und Mensch: der offene Himmel.
Als ich mich heute Morgen freuen wollte, habe ich gedacht: sehr passend, dass es hier so viele Himmelsschlüsselchen gibt.
Losung und Lehrtext am 2. April
Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.
Psalm 71,17
Simeon nahm das Kind Jesus auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.
Lukas 2,28–30
„Generationengerechtigkeit“ ist ein Stichwort, das in letzter Zeit häufiger fällt. Eigentlich war es schon immer so, dass Eltern sich gewünscht haben: Den Kindern soll es einmal besser gehen. Aber jetzt ist es so, dass die Kinder hoffen (und ihre Eltern mit ihnen), dass diese Erde sich von der Überforderung durch die vergangenen vier Generationen überhaupt erholen kann. Und dazu muss sich alles weiterentwickeln. Der Lebensstil aller Menschen, die im Moment da sind, muss sich neu auf dieses Ziel ausrichten.
Gerechtigkeit bezieht sich auf die gesamte Schöpfung, mit allem, was lebt, wächst, atmet und existiert. Das galt schon immer, wurde aber in der vergehenden Epoche der letzten 200 Jahre nicht beherzigt. Sie wurde vielmehr als ausbeutbare Ressource verstanden.
Nun sind neue Zeiten angebrochen, und die machen neue Handlungsweisen zwingend nötig. Und so zeigt uns das auch die Pandemie, der wir gerade ausgeliefert sind. Alles ändert sich. Weil auch alles miteinander zusammenhängt.
Die Losung für heute soll uns dazu ermutigen, das ernst zu nehmen, was wir wissen. Wir wissen, dass Gottes Schöpfung die heilsame und wunderbare Sphäre ist, die Gott für uns, ja vielmehr für alles, was lebt, geschaffen hat. Tatsächlich muss man wohl sehen lernen, dass unsere Verhältnisse immer noch paradiesisch sind, obwohl wir zerstörerisch mit ihnen umgehen. Glauben an Gott setzt dieses Lernen voraus.
Als der Säugling Jesus von seinen Eltern in den Tempel gebracht wurde, sah Simeon in dem Kind die Hoffnung auf den Messias erfüllt. Und wir glauben und hoffen mit ihm.
Generationengerechtigkeit ist eine Hoffnungsanleihe auf die Zukunft. Die Zukunft ist ja immer schon mit viel Hoffnung angereichert und zu viel Angst und Sorge belastet gewesen. Und das gilt gerade auch für unsere unmittelbare Zukunft im Bann der Corona-Situation.
Wenn wir mit der Losung von heute einen Schritt zurücktreten, können wir uns sagen lassen: Was wir geglaubt haben, das wird auch die Zukunft mitgestalten. Was Gott beiträgt, hat eine andere Qualität als das, was wir beitragen können. Und das Bindeglied zwischen beidem bleibt die Hoffnung.
Losung und Lehrtext am 3. April
Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln.
Psalm 89,16
Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
Epheser 5,8–9
Ja, die Sommerzeit ... plötzlich ist es abends ganz hell. In diesem Jahr war sie gar kein Thema wie sonst. Die Europäer wollen sie abschaffen, so hat eine europaweite Umfrage ergeben. Mir gefällt der Lichtgewinn, den ich immer im Frühjahr erlebe.
Die Losung von heute setzt einen deutlichen Kontrapunkt zu unserer momentanen Lage. Wir sind jetzt kein Volk, das jauchzen kann. Wir sind ein Volk in Schonhaltung, wir sehen in die Zukunft und können doch wenig in ihr erkennen. All das zielstrebige, organisierte, leistungsorientierte Handeln, das wir sonst von uns verlangen, wird schwer irritiert.
Andererseits sehe ich uns tatsächlich zu einem globalen Menschenvolk werden. Alle sind betroffen, keine Nation kann sich abschotten, das Virus ist grenzenlos durchsetzungsfähig. Vielleicht wächst die Solidarität untereinander? Ich bin oft in Gedanken bei den Italienern, den Spaniern, den Menschen, die in den griechischen oder syrischen Flüchtlingslagern auf die Katastrophe sehenden Auges zugehen müssen. Wie brutal verdunkelt sich der Horizont der Hoffnung immer mehr.
Wie können wir, denen es im Vergleich wirklich viel besser geht, als Kinder des Lichts handeln? Wie können Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit sich bei uns entfalten? Politisch wird um Solidarität innerhalb der Europäischen Union gerungen. Was können wir auf privater Ebene besteuern?
Ich persönlich versuche viele kleine Signale zu senden: Telefonanrufe, Postkarten, Spenden, Gebete, Emails, gute Gedanken und die nicht zu unterschätzende Alltagsdisziplin.
Luther hat den Vers aus dem Epheserbrief sehr genau ins Deutsche übersetzt: Dort steht tatsächlich im Griechischen ein Verb, das „umhergehen“ heißt. Und zwar draußen – da, wo das helle Sonnenlicht ist. Die Christen sollen sich sehen lassen mit ihren Möglichkeiten.
Auch wenn im Moment zum Jauchzen keinerlei Anlass ist, das Licht der Liebe Gottes scheint in unsere Tage so wie immer und gibt uns Früchte zu ernten. Auch wenn man eigentlich nur zum Einkaufen und zum Spazierengehen das Haus verlassen soll. Sommerzeit einmal ganz anders und neu.
Beim Schreiben ging mir ein Choral im Kopf herum:
Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit; brich in Deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann. Erbarm Dich, Herr.
Und auch noch:
Gib den Boten Kraft und Mut, Glauben, Hoffnung, Liebesglut, lass Du reiche Frucht aufgeh‘n, wo sie unter Tränen säen. Erbarm Dich, Herr.“
Losung und Lehrtext am 4. April
Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott? Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will.
Psalm 115,2–3
Gottes unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken.
Römer 1,20
Ach ja, die Gottesfrage – wer sie stellt, hat schon verloren ... Sie ist eine logische Falle. Könnte man Gott beweisen, ihn einem Beweisverfahren unterwerfen, wäre er kein Gott, bzw. was für ein Gott wäre er dann? Und die gegenteilige Fragerichtung funktioniert genauso: Wenn man fragt: Wie kann Gott das zulassen? hat man schon Kriterien für einen Gott und seine Taten aufgestellt. Auch das widerspricht der Souveränität, der Freiheit Gottes. Auch wer seinen eigenen Glauben ständig auf die Probe stellt, hat dieses Problem. Denn zu entscheiden, ob der Glaube Gott genügt oder nicht, liegt nicht in der Hand der Glaubenden, sondern muss Gott überlassen bleiben.
Die Losung von heute feiert Gottes Freiheit und seine Kreativität, seine Macht sich als Gott zu erweisen. Kommt das bei uns im Alltag an? Im Moment wächst die Unsicherheit. Wir gucken nach vorne, und dort herrscht keine klare Sicht. Genau das ist eine Lage, in der Menschen sich mit der Gottesfrage beschäftigen. Warum ist alles so gekommen? Warum sind wir nicht handlungsfähig, was haben wir falsch gemacht, dass es so kommen konnte? Warum greift Gott nicht rettend ein? Gibt es ihn?
Ich verstehe die biblischen Texte so, dass genau diese Bewegungen im Denken und im Sprechen, im Hoffen und auch im Bezweifeln und Verzweifeln das sind, was den Glauben kennzeichnet. Wer glaubt, ist in dieser Weise in ein Gespräch vertieft. Wer glaubt, steht in einer so geprägten Beziehung zu „Gottes unsichtbarem Wesen“, wie Paulus es beschreibt; und diese Beziehung schlägt sich in Gefühlen, Gedanken und Handlungen nieder. Und wer glaubt, erlebt Momente, in denen er die Welt als von Gott beseelt erlebt oder es gibt Phasen, in denen sich alles in Unsicherheit auflöst.
Lassen wir also unser Gespräch mit Gott nicht abreißen. Er ist da. Oder wie der Psalm sagt: Er ist im Himmel. Er wird sein Gespräch mit uns niemals abreißen lassen. Gerade jetzt nicht.
Andacht am Palmsonntag, 5. April
Liebe Gemeinde,
heute ist Palmsonntag, der Tag, mit dem die Karwoche beginnt. Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein. Ein strahlender Tag, er wird lauthals begrüßt von vielen Menschen, Frauen, Männer, Kinder, die von ihm Gutes gehört haben. Sie stehen dicht gedrängt, sie bilden eine Gasse und legen ihm Palmzweige und ihre Mäntel auf den Weg und jubeln: Hosianna!
Es ist ein Ruf aus den Psalmen, er bedeutet eigentlich „Hilf doch“ = Hosha-na. Aber er ist durch den Gebrauch in den Tempelgottesdiensten zum Jubelruf geworden. In diesem Ruf steckt auch der Name Jesu, Jehoshua, der bedeutet: Der Herr ist Hilfe.
Uns geht es heute ganz anders. Wir bleiben zuhause, unter uns, oft auch allein. Überall auf der Welt verschließen so Menschen der Ausbreitung des Corona-Virus den Weg. Und wer jetzt an der Krankheit leidet, ist sehr mit sich allein, besonders im Krankenhaus, trotz der Pflege, allein im Lärm der Beatmungsmaschinen und unfähig zu sprechen mit einem Schlauch im Hals.
Ein Hosianna, ein Ruf nach Hilfe für diese Situationen, müssen wir alle ...

Table of contents

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Nachwort als Vorwort: Was hat Corona mit uns gemacht?
  3. Losung und Lehrtext am 16. März
  4. Losung und Lehrtext am 17. März
  5. Losung und Lehrtext am 18. März
  6. Losung und Lehrtext am 19. März
  7. Losung und Lehrtext am 20. März
  8. Losung und Lehrtext am 21. März
  9. Andacht am Sonntag Laetare, 22. März, in der Münsterkirche Einbeck
  10. Losung und Lehrtext am 23. März
  11. Losung und Lehrtext am 24. März
  12. Losung und Lehrtext am 25. März
  13. Losung und Lehrtext am 26. März
  14. Losung und Lehrtext am 27. März
  15. Losung und Lehrtext am 28. März
  16. Losung und Lehrtext am 29. März
  17. Losung und Lehrtext am 30. März
  18. Losung und Lehrtext am 31. März
  19. Losung und Lehrtext am 1. April
  20. Losung und Lehrtext am 2. April
  21. Losung und Lehrtext am 3. April
  22. Losung und Lehrtext am 4. April
  23. Andacht am Palmsonntag, 5. April
  24. Losung und Lehrtext am 6. April
  25. Losung und Lehrtext am 7. April
  26. Losung und Lehrtext am 8. April
  27. Losung und Lehrtext an Gründonnerstag, 9. April
  28. Lichtblick für Karfreitag, 10. April
  29. Lichtblick für Karsamstag, 11. April
  30. Lichtblick für Ostersonntag, 12. April
  31. Lichtblick für Ostermontag, 13. April
  32. Losung und Lehrtext am 14. April
  33. Losung und Lehrtext am 15. April
  34. Losung und Lehrtext am 16. April
  35. Lesung und Lehrtext am 17. April
  36. Losung und Lehrtext am 18. April
  37. Losung und Lehrtext am 19. April
  38. Losung und Lehrtext am 20. April
  39. Losung und Lehrtext am 21. April
  40. Losung und Lehrtext am 22. April
  41. Losung und Lehrtext am 23. April
  42. Losung und Lehrtext am 24. April
  43. Losung und Lehrtext am 25. April
  44. Losung und Lehrtext am 26. April
  45. Impressum

Frequently asked questions

Yes, you can cancel anytime from the Subscription tab in your account settings on the Perlego website. Your subscription will stay active until the end of your current billing period. Learn how to cancel your subscription
No, books cannot be downloaded as external files, such as PDFs, for use outside of Perlego. However, you can download books within the Perlego app for offline reading on mobile or tablet. Learn how to download books offline
We are an online textbook subscription service, where you can get access to an entire online library for less than the price of a single book per month. With over 1.5 million books across 990+ topics, we’ve got you covered! Learn about our mission
Look out for the read-aloud symbol on your next book to see if you can listen to it. The read-aloud tool reads text aloud for you, highlighting the text as it is being read. You can pause it, speed it up and slow it down. Learn more about Read Aloud
Yes! You can use the Perlego app on both iOS and Android devices to read anytime, anywhere — even offline. Perfect for commutes or when you’re on the go.
Please note we cannot support devices running on iOS 13 and Android 7 or earlier. Learn more about using the app
Yes, you can access Gedankensplitter by Wiebke Köhler in PDF and/or ePUB format, as well as other popular books in Theology & Religion & Christianity. We have over 1.5 million books available in our catalogue for you to explore.