Der Peterbühel in Völs am Schlern
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Der Peterbühel in Völs am Schlern

Archäologie vor Ort

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Der Peterbühel in Völs am Schlern

Archäologie vor Ort

About this book

Archäologische Ausgrabungen in Völs am Schlern, Südtirol (Italien) auf dem Peterbühel.

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Information

Year
2021
Print ISBN
9783753422930
Edition
1
eBook ISBN
9783753431086
Topic
History
Index
History

Fibeln und Keramik. Ihr Beitrag zur Datierung

Eine Fibel (lateinisch FIBULA, „Nadel“) ist im Wesentlichen eine Vorläuferin der heutigen Sicherheitsnadel beziehungsweise einer Brosche. Nachweisbar ist diese Form des Kleiderverschlusses als Weiterentwicklung einer Vorgängerform in der Gestalt einer Gewandnadel seit der Bronzezeit. Konkurrenz bekam sie erst in römischer Zeit durch Schnallen-Verschlüsse, die ihrerseits, viel später im Mittelalter, von Knöpfen abgelöst wurden. Fibeln waren Bestandteil der Tracht von Männern und Frauen. Sie dienten dazu, Kleider, Umhänge und Mäntel in der Funktion von Gewandschließen zusammenzuhalten.
Eine Fibel besteht aus einer Nadel und einem Bügel oder einer Scheibe. Die Nadel ist an dem einen Ende des Bügels, dem „Kopf “, mit diesem federnd oder starr verbunden. Das andere Ende des Bügels endet in einem „Nadelhalter“, in den die Nadel eingelegt bzw. einspannt wird. Eine einfache Fibelmechanik verfügt über keine Federspirale; hier entsteht die haltgebende Spannung durch den Stoffbausch selbst. Im Lauf der Entwicklung wurde eine Scharnierverbindung entwickelt, bei der die Nadel mittels einer Klappverbindung in den Bügel einrastet.
Bedeutung für die Datierung
Seit etwa 600 v. Chr. gehören Fibeln zum festen Inventar der eisenzeitlichen Tracht. Bald entwickelt sich regional und zeitlich, vor allem in der Gestaltung des Bügels, eine große Formenvielfalt, was Archäologen in die Lage versetzt, anhand von Fibelcharakteristika Leitformen zu definieren und damit eine relative Chronologie von Funden und Befunden aufzubauen: Die große Menge von Fundstücken mit zeitlich und regional typischen Dekorationselementen ermöglicht die Aufstellung einer kompletten Typologie zeitlich aufeinander folgender Fibelformen, womit, vergesellschaſtet etwa in einem Fundkomplex, nun auch andere Objekte und Befunde dieses Ensembles im Sinn eines „früher als - später als“, also nicht absolut! datierbar sind. Zur absoluten und relativen Datierung wird auf einen eigenen Abschnitt in dieser Publikation verwiesen.
Die Fibelbezeichnungen der Funde am Peterbühl liegen in italienischer Sprache vor (Lorenzo Dal Ri, Umberto Tecchiati). Ich habe einen Südtiroler Archäologen italienischer Herkunſt, Dr. Patrick Cassitti, gebeten, diese in die korrekte archäologische Formensprache zu übertragen. Für eine derartige Aufgabe bin ich als Nicht-Archäologe nicht gerüstet.
Aus: Fibeln erkennen-bestimmen-beschreiben, S. 13, 33

Fibelfunde auf dem Peterbühl (Auswahl)

Das fast vollständige Exemplar einer Fibel mit geknotetem Bügel
Frescura Tb 2, S. 36
Bügel einer Krebsschwanzfibel
Dal Ri: Il Peterbühel, S. 27.6, S. 130
Die Feder einer armbrustförmigen Fibel
Dal Ri: Il Peterbühel, S. 130, 27.8
Kleine Sanguisugafibel mit Fußknopf Frescura Tb 3 S. 22
Zwei im Archäologischen Museum in Völs ausgestellte Fibeln:
Krebsschwanzfibel, 2. Jh. v. Chr.
Kahnfibel aus Bronze, 5. Jh. v. Chr.

Keramik

In der Auflistung der in den Häusern und Strukturen gefundenen Gegenstände scheinen neben Metallobjekten auch Keramikfunde auf. Von besonderem Interesse ist für die Archäologen das Alter der freigelegten Keramik, kann dieses im Verbund mit anderen Faktoren doch entscheidend zur Datierung des gesamten Fundkomplexes beitragen. Im Abschnitt „Chronologie und Datierung“ wird, wie angemerkt, die Thematik der relativen und der absoluten Chronologie dargelegt, wobei die absolute Chronologie auf einige von den Naturwissenschaſten zur Verfügung gestellte Datierungswerkzeuge zurückgreiſt wie auf die Radiokohlenstoffmethode und die Dendrochronologie. Voraussetzung für die Verwendung dieser Hilfsmittel ist jedoch das Vorhandensein von kohlenstoffhaltiger organischer Materie, ein Umstand, der natürlich nicht immer gegeben ist, auch wenn in der Tonmasse in Form von Verunreinigung oder beim Prozess des Brennens organische Partikel eingebracht sein können. Tonscherben müssen anders datiert werden; Archäologen bestimmen im Regelfall „relativ“ Konkreter Vorgang:
Die jeweils im Verlauf eines Sondierungstages ausgegrabene Keramik wird gewaschen und nach diagnostischen und nicht-diagnostischen Scherben sortiert. „Diagnostisch“ sind Rand- und Bodenscherben, Henkel und verzierte Tonware, „nicht-diagnostisch“ sind Scherben von Gefäßwänden ohne Verzierung, die in einer Warensammlung nach ihrer Warenzugehörigkeit (äußere Merkmale, Beschaffenheit des Tons usw.) sortiert und erst einmal beiseitegelegt werden.
Diagnostische Scherben werden mit eindeutigen Nummern beschriſtet. Danach werden die Warenzugehörigkeit bestimmt, die Form, das Dekor, die Maße, das Gewicht und unter Zuhilfenahme von vergleichbaren Funden, die bereits bestimmt worden sind, auch die Datierung. Dann werden diese Charakteristika in eine Datenbank eingetragen. Charakteristische Scherben werden von speziellen Zeichnern – in unserem Fall hat Frescura das bewerkstelligt - schon während der Grabung als Bleistiſtzeichnung dokumentiert und natürlich auch fotografiert. Die Zeichnung hebt aber im Unterschied zur Fotografie kennzeichnende Elemente grafisch hervor. Auf diese Weise wird die Keramiktypologie des Grabungsortes erstellt.
Die mit der Sondierung des Peterbühl befassten Archäologen Frescura, Dal Ri und Tecchiati standen vor der Herausforderung, die als „diagnostisch“ aussortierten Keramikfragmente, natürlich aber auch die Metallfunde und die übrigen Befunde, chronologisch zu bestimmen. Das ist eines der herausfordernden Arbeitsfelder der Archäometrie, dem sich zahlreiche Bände fachspezifischer Literatur widmen. Der wichtigste Ansatz dabei ist jener der typologischen Bestimmung: Grundlegend hierfür ist die Beobachtung, dass handwerkliche Erzeugnisse in einer bestimmten Region zu einer bestimmten Zeit ein charakteristisches Erscheinungsbild haben und dass sich Änderungen im Design demnach in eine Entwicklungsabfolge bringen lassen. Die Typologie liefert dadurch ein Raster, in das sich Neufunde einordnen lassen; die Ornamente auf den Scherben und die ursprüngliche Gestalt der Artefakte können mit Parametern aus bereits vorhandenen und chronologisch datierten typologischen Reihen verglichen werden. Und die gibt es Gott sei Dank. In unserem geographischen Raum hat sich im Verlauf der späten Bronzezeit eine spezifische handwerkliche Tradition mit charakteristischen Stilelementen herausgebildet, die wir bezüglich der ausgehenden Bronzezeit als Laugen-Melaun-Kultur (nördlich der Alpen: Hallstatt-Kultur) und in der folgenden Eisenzeit als Fritzens-Sanzeno-Kultur (nördlich der Alpen: Latène-Kultur) bezeichnen. Es handelt sic...

Table of contents

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Einleitung
  3. Der „Pichl“: der Weg zur Hügelterrasse
  4. Grabungsgeschichte
  5. Die Ausgrabungen in den 1950er Jahren
  6. Das rätische Haus
  7. Die Peterbühl-Häuser
  8. Gebäude („vano“) R
  9. Haus („vano“) S
  10. Haus („locale“) A
  11. Haus („locale“) D/T
  12. Haus („locale“) E
  13. Haus („locale“) Q
  14. Weitere Strukturen
  15. Die Vormauer („antemurale“) N
  16. Eingefriedeter Bereich U („piazzola murata U“)
  17. Mauerrest V („resto murale V“)
  18. Mauerrest Z („resto murale Z“)
  19. Mauerreste O („resti murali O“)
  20. Mauerrest P („resto murale P“)
  21. Weitere Grabungsergebnisse: Zwei Steinkisten
  22. Ausgrabungen in den 1990er Jahren
  23. Die „Halbmondfibel mit menschlichem Antlitz“
  24. Fibeln und Keramik. Ihr Beitrag zur Datierung
  25. Keramikfragmente im Archäologischen Museum in Völs
  26. Chronologie und Datierung
  27. Die Räter
  28. Rückkehr ins 21. Jahrhundert
  29. Literatur
  30. Abbildungsnachweise
  31. Grabungsskizze von G. B. Frescura
  32. Impressum

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