Sammelt mein Wachs im Morgengrauen
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Sammelt mein Wachs im Morgengrauen

Ausgewählte Predigten 1994-2015

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Sammelt mein Wachs im Morgengrauen

Ausgewählte Predigten 1994-2015

About this book

Die Predigtsammlung enthält 70 ausgewählte Predigten aus den Jahren 1994 bis 2015. Die Auswahl folgt dem Kirchenjahr vom ersten Advent bis zum Ewigkeitssonntag.

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Information

Year
2021
Print ISBN
9783753404158
eBook ISBN
9783753450001
Edition
1
Subtopic
Religion

Einzug in Jerusalem: Spielen Sie mit (1.Advent)

Text: Matth. 21, 1-9, 28.11.1999 in Köddingen / Stumpertenrod
1Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an dem Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus 2und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! 3Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. 4Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9): 5«Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.« 6Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, 7und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. 8Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. 9Die Menge aber, die ihm vorausging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!
Liebe Gemeinde!
Das ist ein Predigttext, den man sich gut in der Phantasie vorstellen kann: Jesus zieht in Jerusalem ein. Am besten wäre es gewesen, heute gar keine Predigt über diese Geschichte zu halten, sondern sie mit verteilten Rollen zu spielen. Im Kindergottesdienst oder in der Schule kann man sowas machen: Der Größte und Stärkste, der die anderen oft stört und verprügelt, darf den Esel spielen. Eine tragende Rolle. Der Kleinste und Stillste darf sich draufsetzen. Die anderen breiten ihre Anoraks aus und jubeln dem König zu, wenn er einreitet: »Hosianna dem Sohn Davids!«
Leider sind wir keine Kinder mehr. Leider lassen wir uns nicht mehr so leicht mitziehen und begeistern. Das ist vielleicht das Schlimmste am Großwerden und am Erwachsensein: Man wird nicht nur älter, das Leben legt uns auch immer mehr fest, es wird immer unumkehrbarer. Der Spielraum, der am Anfang noch so groß war, wird immer kleiner. Wir sind, ob wir wollen oder nicht, festgelegt auf so vieles: auf den Beruf, die Art und Weise, wie wir ihn ausüben, auf die Art, wie wir Advent und Weihnachten feiern, auf all die Dinge, die wir uns angesammelt haben, auf ein chronisches Leiden, auf den Kreis von Bekannten, den wir gewonnen haben.
Sicher, es gibt Versuche, den verlorenen Spielraum zurückzugewinnen. Man reist Weihnachten nicht einfach bloß zu Muttern, sondern fliegt nach Mallorca. Man fährt sein Auto nicht bloß mit 75, sondern mit 122 PS. Man hopst durch fremde Betten oder lässt sich die Nase liften und die Haare rot färben. Aber das sind verzweifelte Lockerungsversuche, diesem Festgelegtsein zu entkommen, das jeder auf seine Weise im Leben erfährt.
Die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem bringt Bewegung, bringt neue Lebendigkeit in unser festgelegtes, immer unumkehrbarer werdendes Leben hinein. Ich höre diese Geschichte wie eine Spielanleitung: Sie will zum Mitspielen einladen. Genauer: Sie lädt uns Erwachsene zum Mitspielen ein! Kinder braucht man nicht erst groß zu bitten, die spielen immer gerne mit. Eine Spielanleitung in der Bibel? Ja, warum denn nicht? Hören wir die Einzugsgeschichte doch einmal so:
Sie ist wie ein Spiel, das noch Mitspieler sucht. Start ist auf dem Ölberg. Zwei der Mitspieler werden losgeschickt, als wäre schon alles für das Spiel vorbereitet: »Geht in das nächste Dorf, dort werdet ihr eine Eselin und ihr Füllen finden. Bindet sie los und führt sie zu mir, und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr braucht sie. Sofort wird er sie euch lassen.« Jesus, der Spielleiter, hat schon alles vorbereitet. Den Außenstehenden, die das Spiel noch nicht kennen, auch uns, sagt der Evangelist Matthäus mit einem Bibelzitat, was für ein Spiel das ist: ein Königsspiel, bei dem unbegrenzt viele Mitspieler gebraucht werden: »Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig und reitet auf einem Esel!«
Und jetzt kann dieses Spiel so richtig anfangen, in dem Niedrigkeit und Hoheit, Sanftmut und Herrschaft, Gott und Mensch zusammenkommen. Die Jünger machen, was der Spielleiter sagt. Sie bringen den Esel, und der König kann aufsitzen und losreiten. Er hat, wie jeder König, ein Gefolge, das ihm voran- und hinterherzieht. Wer gehört dazu? Ich stelle mir vor: Dazu gehören die beiden Blinden, die ihm am Tor von Jericho nachgeschrien hatten und denen er längst das Augenlicht wiedergegeben hatte, damit auch sie die Wunder Gottes sehen können. Zu seinem Gefolge gehören die beiden Söhne des Zebedäus, die von ihrer ehrgeizigen Mutter belastet worden waren mit der Frage nach den besten Plätzen im Himmel. Auch der epileptische Knabe, dem niemand helfen konnte, den Jesus auf Fürsprache seines Vaters geheilt hatte, zog mit. Die Besessenen, die er von Geistern befreit und aus ihrer Verschlossenheit erlöst hatte. Die Stummen auch, die Gott wieder loben konnten, weil er ihnen die Zunge gelockert hatte.
Sie alle, Frauen und Männer, deren Leben längst festgelegt und unumkehrbar geworden war, ziehen mit und lassen sich hineinziehen in das Königsspiel. Sie spielen mit, so ernsthaft und hingebungsvoll, wie sonst wohl nur Kinder ihre Spiele spielen. Sie wedeln mit Palmzweigen und singen. Verrückt, oder? Erwachsene Menschen! Sie spielen mit, weil Jesus ihnen etwas Neues, Befreiendes zugespielt hatte in ihrem Leben.
Einige, die den Zug zuerst nur sehen, lassen sich auch mitreißen. Weil alles singt, breiten sie ihre Kleider auf dem Weg aus. Sie spielen mit – ohne Angst, wie das denn wieder sauber werden soll. Und wie sie alle in die Stadt einziehen, da geht durch die Stadt ein Raunen und Fragen: »Wer ist das denn?« Aber diese Frage kommt von außen, wie von Erwachsenen, die sich aus dem Fenster lehnen und spielenden Kindern zurufen: »Was soll das denn wieder?!« Die Fragenden kriegen die Antwort: »Das ist Jesus, der Prophet aus der Provinz, aus Galiläa, dem allerletzten Dorf, aus Nazareth.« »Aha«, denken sie, »ein Prophet! Na, Propheten hatten wir schon genug. Nichts Neues also!« Was hier wirklich passiert, kriegen sie nicht mit. Das wissen nur die, die mitspielen.
Das ist genauso, wie wenn am Erntedankfest oder Heiligabend die Kirche gerammelt voll ist, die Kinder singen, spielen und lärmen, und dann würde jemand fragen: »Was soll das denn wieder?« Und die Antwort wäre: »Ei, wir feiern Gottesdienst!« Dann wüsste er zwar Bescheid, er hätte aber nichts verstanden von der Freude, von dem Spaß, von dem, was man erleben kann, von Gottes Zusage im Mitspielen, im Mitfeiern. »Wer ist das denn? – Ach so, nur wieder ein Prophet …« . Doch die Mitziehenden und –spielenden wissen es besser. In ihrem Jubel wird Wahrheit laut: Der da kommt, ist der, der uns geholfen hat wie sonst keiner. Von ihm, nur von ihm erwarten wir auch in Zukunft alle Hilfe: »Hosianna, gelobt sei der, der da kommt im Namen des Herrn!«
Sie haben dieses Spiel bisher sitzend und schweigsam auf ihren Bänken mitverfolgt. Und ich habe gesagt, dass der Einzug in Jerusalem eine Art Spielanleitung ist. Es geht nicht ums Beobachten, sondern ums Mitspielen! Ums Mitmachen bei dem Königsspiel rund um Jesus. Diese Geschichte wurde doch nur deshalb aufgeschrieben, über sie wird doch nur deshalb heute noch gepredigt, damit wir sie mitspielen. Uns will Jesus als Mitspieler haben. Wir sollen ihn willkommen heißen und dann mit ihm ziehen. Wir sollen ihm entgegenrufen: »Hilf, Herr!« und »Wir loben dich, Jesus. Wir freuen uns über dich, denn Du kommst im Namen Gottes!«
Das sind aber komische Spielregeln: mit Zweigen wedeln, Hosianna rufen und Kleider wie einen Teppich ausbreiten.
Ja, das stimmt. Wir haben sie auch längst durch unsere eigenen Regeln ersetzt: Adventskränze, die wir binden. Vier Kerzen, die wir über vier Wochen verteilt anzünden. Stiefel oder Strümpfe, die wir füllen. Nadelbäume, die wir mit Kugeln und Silberfäden behängen. Kalender, bei denen wir jeden Tag ein Türchen öffnen und Geschenke, die wir einander machen. Das sind unsere Spielregeln für das Königsspiel rund um Jesus. Und es kommen immer mehr dazu, die heißen dann Weihnachtsmarkt / Wichtelmarkt, »Der andere Advent« oder »Brot für die Welt«. Aber alle diese schönen Spielregeln führen nur dann zum Gewinn, wenn wir Ursprung und Sinn dieses Spiels nicht aus den Augen verlieren: Es ist ein Königsspiel rund um Jesus! Es sind Spielregeln, die uns helfen wollen, diesen König bei uns zu empfangen, ihn zu feiern und uns von der Freude und den neuen Spielräumen, die er in ein Leben bringen kann, anstecken zu lassen.
Wenn uns Marsmenschen angesichts unserer Advents- und Weihnachtsspielregeln fragen würden: »Was soll das denn wieder?!«, dann würde es ihnen wenig helfen, wenn wir sagten: »Jo, das ist hier halt so üblich!« Und so manche Lustlosigkeit, die wir spüren, wenn wir an all das denken, was jetzt bis zum 26.12. wieder kommt an Aufregung und Trubel, die rührt vielleicht auch daher, dass wir beim eigentlichen Spiel gar nicht mitmachen: Nur wer das wirkliche Spiel mitspielt, das Königsspiel rund um Jesus, wer sich mit hinein nehmen lässt von Gott, wer bereit ist, etwas für sein Leben zu erwarten, von dem, der da in Jesus ankommt – Hilfe, Freude, Lebensperspektive und Spielraum – nur der wird wirklich gewinnbringend Advent und Weihnachten feiern.
Jesus will keine Zuschauer. Er will Mitspieler. Sie und mich. Damit er einziehen kann. Damit er bei uns ankommt. Damit er uns helfen kann. Er hat als Spielleiter schon alles vorbereitet. Und wir kennen die Spielregeln. Spielen wir doch mit!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Advent – Licht in der Dunkelheit

09.12.2001 in Helpershain / Köddingen
Liebe Gemeinde!
Der Advent ist eine irgendwie zwielichtige Zeit. Rein äußerlich betrachtet, ist es im Advent ja die meiste Zeit dunkel. Die Tage sind kurz, am Morgen wird es spät hell und am Nachmittag früh wieder Abend. Rein äußerlich betrachtet, spielt daher das Licht in dieser Zeit eine besondere Rolle. Bäume werden mit Lichterketten behängt, in den Fenstern leuchtet der Weihnachtsschmuck, und in den Stuben brennen Kerzen; am Adventskranz immer eine mehr. Da wird es dann heller.
Der Advent ist eine zwielichtige Zeit. Da scheint das Licht auf in der Dunkelheit. Aber eben: in der Dunkelheit. Es ist immer beides da: das Licht und die Dunkelheit. Dunkel könnte es ja auch sein ganz ohne ein Licht. Und strahlend hell, höchster Mittag, könnte es auch sein, fast ohne Schatten und Dunkelheit. Aber Advent heißt eben: Das Licht in der Dunkelheit. Das eine ist nicht ohne das andere zu haben. Mag sein, dass wir das Licht ohne die Dunkelheit gar nicht begreifen.
Und nun stellt sich ja auch innerlich die Frage: Was ist das Entscheidende in dieser zwielichtigen Zeit? Die Dunkelheit? Oder das Licht? Sicher kennen Sie die Geschichte mit dem Wasserglas: Wo der eine sagt: »Das Glas ist ja schon halb leer!« Und der andere sagt: »Das Glas ist ja noch halb voll!« Diese Geschichte ist ein gutes Beispiel dafür, dass man die gleichen Dinge so oder so sehen kann. Ein Beispiel, wie Menschen die Welt sehen. Und wie sie ihr eigenes Leben verstehen. Im Advent passiert etwas ganz Ähnliches. Die einen sehen immer nur: alles dunkel! Die anderen sehen das Licht, das in der Dunkelheit scheint. Für die einen ist das Leben ganz finster, auch bei noch so aufwendiger Weihnachtsbeleuchtung. Für die anderen ist das Licht in der Finsternis das Entscheidende.
Das Gute ertragen
Das Licht, das im Advent scheint, von Sonntag zu Sonntag heller, ist ein Zeichen für die Ankunft Gottes in unserem Leben. So, wie das Licht gut ist und uns gut tut, so will Gott uns Gutes tun, weil er durch und durch gut ist. Seltsamerweise ist es aber so, dass wir das Gute, wenn es uns begegnet, gar nicht gut ertragen können. Gerade so, als könnten wir uns gar nicht vorstellen, dass einer es einfach nur gut mit uns meint. Ist einer gut zu uns, dann fragen wir: Warum tut er das? Womit habe ich das verdient? Und meistens folgt darauf dann gleich auch die Frage: Und was will er von mir?
Das ist schon bei ganz einfachen Gesten so. Da will ich jemandem in seinen Mantel helfen. Und er sagt: »Ach, lassen sie nur! Ich kann das selbst!« Er will nicht, dass ich ihm helfe. Oder, das kennen Sie alle, man schenkt jemandem etwas, und bekommt gleich darauf etwas zurück geschenkt. Das gehört sich so, heißt es. Aber das ist dann doch eher ein Tausch, kein Geschenk. Vielen Menschen fällt es schwer, sich Gutes tun zu lassen. Ganz ohne Hintergedanken. Das können sie dann einfach nicht glauben, dass man ihnen Gutes tun will, ohne etwas von ihnen zu wollen. Und den meisten fällt es auch schwer, sich selbst etwas Gutes zu gönnen. Als hätten sie das nicht verdient.
Die Regel, nach der wir dabei vorgehen, lautet: Tust du mir etwas Gutes, tu ich Dir etwas Gutes. Hilfst Du mir, helfe ich Dir. Oder, kurz und bündig zusammengefasst, lautet die Regel eigentlich: Wie du mir, so ich dir! Nicht wahr: Das machen wir im Guten wie im Bösen so. Wie du mir, so ich dir! Das können wir gut. Im Bösen können wir das am besten: Klebst du mir eine, kleb’ ich dir auch eine!
Beispiel: Der Nikolaus
Gott ist durch und durch gut. Er kommt zu uns, um uns zu beschenken. Das Licht scheint in der Finsternis. Aber irgendwie können wir das gar nicht recht begreifen. Alle Zeichen stehen auf Gut, aber wir wollen das nicht glauben. Außer dem Adventslicht gibt es noch andere Zeichen. Nehmen Sie nur den Nikolaus, den wir am 6. Dezember gefeiert haben. Der Nikolaus ist ja ein durch und durch guter Mann. Daran sollte eigentlich gar kein Zweifel bestehen. Aber wieder ist es so, dass wir das Gute, das durch und durch Gute, irgendwie nicht so gut ertragen können. Wir nehmen das dem Nikolaus nicht ab.
Der wahre Nikolaus wurde in Kleinasien, der heutigen Türkei, geboren. Stellen Sie sich einen fröhlichen Jungen vor, mit braungebrannter Haut, dunklen Augen und schwarzen Haaren. Als Sohn wohlhabender Eltern hat er eine ganz normale Jugend verbracht. Nichts von heilig. Gegen seinen Willen hat man ihn dann zum Bischof der Stadt Myra gemacht. Und da hat sich sein Leben tiefgreifend verändert. In der Nachfolge seines Herren hat er sich von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit seiner ganzen Kraft für seine Mitmenschen eingesetzt.
Die Legenden, die von ihm erzählen, zeigen uns einen guten Mann. Als Nikolaus erfährt, dass ein verarmter Nachbar seine drei Töchter in ein Bordell verkaufen will, wirft er dreimal hintereinander einen Klumpen Gold durchs Fenster, damit jede Tochter eine ausreichende Mitgift für die Heirat hat. Nikolaus befreit drei Knaben, die ein Metzger in eine Tonne gesperrt hat, um aus ihnen Pökelfleisch zu machen. Nikolaus tritt für drei unschuldig verurteilte Bürger ein. Er entreißt dem Henker das Schwert und verlangt vom Richter eine stichhaltige Urteilsbegründung. Der Richter fällt auf die Knie und bekennt seine eigene Schuld. Drei Ritter, die beim Kaiser in Ungnade gefallen sind, sollen getötet werden. Nikolaus erscheint dem Kaiser im Traum und erwirkt die Begnadigung. Nikolaus war ein guter Mann. So konnte aus ihm ein Heiliger werden.
Aber irgendwie fällt es uns schwer, den Nikolaus durch und durch gut sein zu lassen. Der wahre Nikolaus rettet und beschenkt die Menschen. Damit kommen wir schwer zu Recht. Für die Erziehung unserer Kinder, meinen wir, eignet sich der nicht. So haben wir heute einen Nikolaus, der außer dem Sack mit Geschenken auch eine Rute mitbringt. Der nachfragt, ob man auch schön brav war. Einen Nikolaus, der nur die guten Kinder beschenkt, die bösen aber bestraft. Oder, noch anders, wir haben den Nikolaus aufgespalten. Er bringt dann den dunklen Begleiter mit, der für die Strafe zuständig ist: den Knecht Ruprecht, der aus dem dunklen Wald kommt, oder den Krampus, der mit seiner Kette rasselt. Diese beide müssen Angst machen und strafen, der Nikolaus kann schenken.
Gott
Noch schwieriger ist das bei Gott. Gott schickt uns seinen Sohn. Den Sohn Gottes, den Heiland, den Herren der Welt. König aller Königreich, singen wir. Dieser ist unser Retter. Er ist aber auch unser Richter. Gottseidank ist dieser durch und durch gute Retter unser Richter! Doch was bei diesem König eins ist, das spalten wir auseinander. Dass Gott unser Richter ist, leuchtet uns ein. Das Gericht haben wir verdient. Hier sind wir ganz Ohr. Wir erwarten das Urteil über uns und unser Leben. Dass derselbe Gott auch unser Retter ist, wollen wir dagegen nur schwer wahrhaben. Auf diesem Ohr sind wir taub. Wie hätten wir d...

Table of contents

  1. Widmung
  2. Motto
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. Vorwort
  5. Einzug in Jerusalem: Spielen Sie mit (1.Advent)
  6. Advent – Licht in der Dunkelheit
  7. Mein Freund kommt zu mir (2. Advent)
  8. Warten (3. Advent)
  9. Krippenbild (Heiligabend)
  10. Der Engel der Klarheit (Christnacht)
  11. Weihnachten – Was für eine Zeit!
  12. Wie kommen wir hinüber? (Silvester)
  13. Auf einen Stern zugehen (Epiphanias)
  14. Der Gottesknecht (1. Sonntag nach Epiphanias)
  15. Die Rückseite des Mondes (2. Sonntag nach Epiphanias)
  16. Im Sturm (4. Sonntag nach Epiphanias)
  17. Ein Traum (Letzter Sonntag nach Epiphanias)
  18. Die Letzten werden die Ersten sein (Septuagesimae)
  19. Das Gleichnis vom Sämann (Sexagesimae)
  20. Auf die Liebe (Estomihi)
  21. Ein wenig Moral (Invocavit)
  22. Zeichen des Glaubens (Reminiscere)
  23. Gehen wir da noch mit? (Oculi)
  24. Trost und Ermutigung (Laetare)
  25. Schaffe mir Recht (Judika)
  26. Eine verbotene Massendemonstration (Palmsonntag)
  27. Was bleibt (Gründonnerstag)
  28. Karfreitag – Gott wird uns fremd
  29. Maria stand weinend am Grabe (Ostern)
  30. Bleibe bei uns (Ostermontag)
  31. Tausendmal berührt (Quasimodogeniti)
  32. Liebst du mich? (Misericordias Domini)
  33. Und ruhte am siebenten Tage (Jubilate)
  34. Tu dir kein Leid, denn wir sind alle noch hier (Kantate)
  35. So wird euch gegeben (Rogate)
  36. Himmelfahrt – Wo ist Gott?
  37. Steh auf und iss! (Exaudi)
  38. Das Leben ist kein Spiel (Konfirmation)
  39. Ende gut oder: was bisher geschah (Pfingsten)
  40. Trinitatis – Gelobt sei Gott
  41. Himmel und Hölle (1. Sonntag nach Trinitatis)
  42. Das große Gastmahl (2. Sonntag nach Trinitatis)
  43. Der verlorene Sohn (3. Sonntag nach Trinitatis)
  44. Wie ein Adler (Goldene Konfirmation)
  45. Warten auf das Reich Gottes (Johannistag)
  46. »Guckstu« (4. Sonntag nach Trinitatis)
  47. Im Alltag (5. Sonntag nach Trinitatis)
  48. Sie fuhren schon (6. Sonntag nach Trinitatis)
  49. Was haben wir schon zu bieten? (7. Sonntag nach Trinitatis)
  50. Ende gut, alles gut? (8. Sonntag nach Trinitatis)
  51. Der Schatz im Acker (9. Sonntag nach Trinitatis)
  52. Israelsonntag (10. Sonntag nach Trinitatis)
  53. Aus dem Tod ins Leben (11. Sonntag nach Trinitatis)
  54. Worauf können wir bauen? (12. Sonntag nach Trinitatis)
  55. Der barmherzige Samariter (13. Sonntag nach Trinitatis)
  56. Dankbarkeit (14. Sonntag nach Trinitatis)
  57. Sorget nicht (15. Sonntag nach Trinitatis)
  58. 100 Jahre evangelische Kirche Helpershain
  59. 200 Jahre Evangelische Kirche Köddingen
  60. 300 Jahre Evangelische Kirche Stumpertenrod
  61. Erntedank – mit leeren Händen
  62. Das Ende der Welt (16. Sonntag nach Trinitatis)
  63. Ist denn heute schon Weihnachten? (17. Sonntag nach Trinitatis)
  64. Glaube und Moral (18. Sonntag nach Trinitatis)
  65. Bin ich schön? (19. Sonntag nach Trinitatis)
  66. Reformationstag – Was soll ich tun?
  67. Wie hartherzig bist du geworden? (20. Sonntag nach Trinitatis)
  68. Lasst eure Lichter brennen (21. Sonntag nach Trinitatis)
  69. Geschichte ohne Gott (22. Sonntag nach Trinitatis)
  70. Die Zeit ist kurz (23. Sonntag nach Trinitatis)
  71. Was dürfen wir essen? (Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr)
  72. Schuldenschnitt (Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr – Volkstrauertag)
  73. Buß- und Bettag
  74. Ewigkeitssonntag – Bleibt wach!
  75. Impressum

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