Stimmen gegen das Schweigen
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Stimmen gegen das Schweigen

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Stimmen gegen das Schweigen

About this book

Das Buch der beiden syrischen Menschenrechtsaktivistinnen Wejdan Nassif und Joumana Seif dokumentiert die Erfahrungen von Frauen in Syrien in den GefĂ€ngnissen und Folterkammern des Regimes. - Ein wichtiges Buch zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember.Übersetzt aus dem Arabischen von Leslie Tramontini und Kerstin Wilsch"Selten hat mich ein Werk so erschĂŒttert wie das vorliegende Buch. Man muss beim Lesen immer wieder kurz anhalten, tief durchatmen und sich die Frage stellen, wenn das Lesen in Frieden schon so schwer fĂ€llt, wie schwer war es fĂŒr jene, die in den barbarischen GefĂ€ngnissen die Folter durchlebt oder gar nicht ĂŒberlebt haben?Das Schlimmste, was mich zu bitteren TrĂ€nen gerĂŒhrt hat, waren die Qualen der vergewaltigten und gefolterten Frauen, die nach ihrer Entlassung von ihren Angehörigen im Stich gelassen und als 'Schande fĂŒr die Familie' diffamiert wurden. Das ist das hĂ€ssliche Gesicht der arabischen Sippe, die von MĂ€nnern und deren heuchlerischer Moral beherrscht ist, und genau darauf baut das Regime auf, das ja selbst die Herrschaft einer Sippe ist.Ich möchte das Buch jedem sensiblen, vor allem jedem jungen Menschen empfehlen. Es ist das beste Mittel gegen die gefĂ€hrliche GleichgĂŒltigkeit."Rafik Schami

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Teil 1: Politische Haft

Politische Haft in Syrien ist im Wesentlichen willkĂŒrliche Haft50 und erzwungenes Verschwinden51. Die Gefangenen verschwinden fĂŒr Monate oder gar Jahre. WĂ€hrend dieser Zeit wird ihnen das Recht verwehrt zu erfahren, wo sie sich befinden und was ihnen vorgeworfen wird. Ihren Angehörigen wird es nicht erlaubt, sie zu besuchen und so zu wissen, ob sie noch am Leben sind oder nicht. Die Gefangenen werden verhört und dabei gefoltert und misshandelt, um ihnen GestĂ€ndnisse abzuringen. Sie kommen in Isolationshaft und man verwehrt ihnen sĂ€mtliche rechtliche Garantien, gerechte Gerichtsverfahren und ein Mindestmaß an medizinischen und humanitĂ€ren Bedingungen.52
Alle unsere Zeug*innen wurden wegen ihrer politischen AktivitĂ€ten oder als Geiseln aufgrund der AktivitĂ€ten von Angehörigen inhaftiert. Deshalb wurden sie vom ersten Augenblick ihrer Haft an einer Reihe von Verletzungen ihrer körperlichen IntegritĂ€t ausgesetzt. Einige von ihnen wurden von der Straße weg entfĂŒhrt, andere verschwanden wĂ€hrend der Zeit der Verhöre, ohne dass ihre Familien wussten, wo sie sich befanden. Die meisten waren viele Jahre in den GefĂ€ngnissen verschwunden, ohne dass sie ein Gerichtsverfahren erhielten und ohne zu wissen, wann sie freikommen wĂŒrden. Jene, die von außerordentlichen Gerichten verurteilt wurden,53 berichteten davon, dass in diesen Gerichten jegliche Bedingungen fĂŒr Gerechtigkeit fehlten und keinerlei Beweise vorlagen, und so blieben sie lange Jahre inhaftiert, selbst noch nach Ende der eigentlichen Haftzeit.

Verhaftungsmethoden und Haftdauer

Der Moment der Verhaftung hat sich bei den Gefangenen als ein Scheidepunkt zwischen zwei Zeiten eingeprĂ€gt. Viele beschreiben ihn als einen Moment, in dem sie einen dunklen Tunnel betraten, ohne Hoffnung, ihn wieder zu verlassen, einen Moment, in dem sie ihrer Menschlichkeit beraubt und allen Gefahren ausgesetzt wurden, darunter auch, zu sterben und auf ewig zu verschwinden. Die meisten begannen in ihren Zeugnissen mit diesem Moment, mit dem Schmerz, den diese Erinnerung verursacht, und der Angst, die sie verspĂŒrten, weil die Geheimdienste darauf bedacht waren, bei einer Verhaftung so furchteinflĂ¶ĂŸend aufzutreten wie nur möglich. Damit sollten die Verhaftungsmethoden nicht nur die Verhafteten vor dem Verhör psychisch fertigmachen, sondern sie waren auch eine Lektion fĂŒr die gesamte Gesellschaft und fĂŒr jene, die in Zukunft etwas Verbotenes tun und sich politisch betĂ€tigen wĂŒrden.
„Sie umstellten meine Schule mit Panzern; ich erinnere mich bis heute, dass ich gerade eine PrĂŒfung im Fach BĂŒrgerkunde hatte. Als sie mich vor das Feldgericht stellten, war ich 15 Jahre und vier Monate alt.“ LAMA
Lama54 wurde 1981 aus ihrem Gymnasium in Aleppo heraus verhaftet. Sie blieb neun Jahre im GefĂ€ngnis. Nach dem Grund fĂŒr ihre Verhaftung befragt, antwortete sie, dass sie es bis heute „nicht wisse“.
„Sie haben mich von der Straße weg verhaftet. Ich rannte weg, aber sie folgten mir. Ich suchte Schutz bei den Passanten. Als sie den Leuten sagten: ‚Wir sind von der Sicherheit‘, liefen alle weg. Die Leute haben Angst vor ihnen. Die meisten haben sogar Angst davor, einer Verhaftung aus der Ferne zuzusehen. Bei meiner zweiten Verhaftung 1984 kamen sie nach Hause, durchsuchten die Wohnung und nahmen meine GĂ€ste fest. Sie blieben fĂŒr ein paar Wochen im GefĂ€ngnis und wurden dann wieder freigelassen.“ SARA
Als Sara55 1982 in Damaskus verhaftet wurde, zerrten sie die Leute vom MilitĂ€rgeheimdienst in unwĂŒrdiger Weise durch die Straße. Bei ihrer Verhaftung 1984 wurde sie zu Hause festgenommen und mit ihr ihre Freund*innen, die sie gerade besuchten.
„Sie umzingelten unsere Straße mit sehr vielen Autos. Mehr als 40 Bewaffnete drangen in unser Haus ein. Sie begannen, mich an der HaustĂŒr zu schlagen. Die GefĂŒhle meiner Familie oder der Nachbarn waren ihnen egal. Ich war damals 17 Jahre alt, meiner Mutter sagten sie das Übliche: ‚In fĂŒnf Minuten ist er zurĂŒck.‘“ MOHAMMAD
Die Familie und die Nachbarn Mohammads56 waren bei seiner Verhaftung 1980 in großer Angst. Er blieb 13 Jahre im GefĂ€ngnis.
„Sie verhafteten mich aus dem Klassenzimmer heraus. Der Direktor schickte nach mir. Ich fragte sie, was sie von mir wollten. Sie antworteten arrogant: ‚Das wirst du erfahren, wenn wir in der Geheimdienstabteilung sind.‘ Sie beschlagnahmten alle meine Papiere, darunter eine Liste mit den Namen der SchĂŒler, die an einem Ausflug teilnehmen sollten. Vor dem Direktor behandelten sie mich noch normal, aber als ich zwischen zweien von ihnen in ihrem Auto saß, Ă€nderte sich das 
“ SAWSAN
Sawsan57 arbeitete zur Zeit ihrer Verhaftung als Lehrerin in einer Grundschule in Latakia. Sie erinnert sich an den Moment, in dem die Geheimdienstleute kamen, um sie festzunehmen. Sie hatte sie durch das Fenster des Klassenzimmers kommen sehen und versucht, sich ihre Unruhe vor ihren SchĂŒlern nicht anmerken zu lassen und den Unterricht fortzusetzen, aber kurze Zeit spĂ€ter wurde sie ins BĂŒro des Direktors gerufen.
Mit Beginn der Revolution im Jahr 2011 wurden willkĂŒrliche Verhaftungen und erzwungenes Verschwinden von Aktivist*innen und allen, von denen man vermutete, dass sie die Revolution unterstĂŒtzten, zu den wichtigsten UnterdrĂŒckungsmethoden fĂŒr die Zerschlagung der Revolution. Die Geheimdienste wandten ihre brutalen Verhaftungsmethoden nicht nur vor den Augen der Syrer*innen, sondern vor den Augen der gesamten Welt an.
„Auf der PrĂ€sidentenbrĂŒcke in Damaskus standen zwei Geheimdienstleute und fragten mich nach meinem Ausweis. Dann begannen sie, mich auf der Straße zu schlagen. Es waren viele Leute unterwegs. Sie zerrten mich zu einer ‚Baracke‘58 in der NĂ€he und schlugen unaufhörlich auf mich ein. Eine alte Frau kam vorbei 
 sie begann zu weinen.
Als wir bei der ‚Baracke‘ angekommen waren, sagte einer von ihnen: ‚Gut, dass du jetzt hier bist, wir haben schon ewig keine Frau angefasst.‘ Sie steckten mich dort mit einem jungen Mann hinein, den sie auch festgenommen hatten. Alle paar Minuten kam einer von ihnen herein, spuckte uns an und ging wieder hinaus.“ LAYAL
Layal59 erzĂ€hlt, wie enttĂ€uscht sie vom Schweigen der Leute war, die ihre Festnahme beobachteten. Nicht einer von ihnen protestierte dagegen, wie sie gedemĂŒtigt wurde. Das zeigt die große Angst unter den Menschen, die vielleicht sogar in Betracht zogen, Layal oder irgendjemandem in einer Ă€hnlichen Lage zu Hilfe zu kommen, sich aber an schmerzliche Erfahrungen erinnerten und Abstand davon nahmen.
Sie erzĂ€hlt auch von ihrer eigenen Angst, als sie hörte, wie die beiden Sicherheitsleute sich darĂŒber unterhielten, wie toll es war, dass sie als Ersatz fĂŒr ihre Frauen in der „Baracke“ war. Das war fĂŒr sie ein klarer Hinweis auf ihr sexuelles BedĂŒrfnis, was sie als offene Androhung von Vergewaltigung betrachtete.
Yara60 berichtet von ihrer vierten Verhaftung im Jahr 2016 bei einer Durchsuchung der Wohnung, in der sie und ihre Familie lebten:
„Sie hoben die TĂŒr aus den Angeln und kamen herein. Es waren 15 bewaffnete MĂ€nner. Ich war in meinem Zimmer; sie kamen herein, ohne sich um die Bitte meines Vaters zu kĂŒmmern, mir kurz Zeit zu geben, mich umzuziehen. Sie durchsuchten die Wohnung und machten absichtlich alles kaputt, sogar die Jalousien.“
Anfang der 1980er Jahre, als das Regime seine Krallen offen zeigte, begnĂŒgten sich die Geheimdienste nicht mehr damit, Oppositionelle zu verhaften und sie fĂŒr kurze Zeit verschwinden zu lassen, sondern griffen zu einer schmerzhafteren Strafe – ihr Leben durch Warten zu vergeuden, wĂ€hrend sie die Jahre im GefĂ€ngnis zĂ€hlten, ohne zu wissen, wann sie vorĂŒber sein wĂŒrden.
„Acht Jahre meines Lebens habe ich im GefĂ€ngnis verbracht, ohne Gerichtsverfahren, ohne zu wissen, wann ich freikommen wĂŒrde. Der verantwortliche Offizier in der Verhörabteilung sagte zu mir: ‚Du wirst im GefĂ€ngnis verrotten.‘“ SARA
„1980 wurden viele politische Aktivisten verhaftet. Nach vier Jahren kam ich frei, doch viele andere blieben fĂŒr viele Jahre im GefĂ€ngnis, und einige sind heute noch dort. Vor Hafiz al-Assad hatten wir keine Angst vor politischer Haft. Meine BrĂŒder und viele meiner Freunde wurden vor mir verhaftet und blieben nur fĂŒr kurze Zeit im GefĂ€ngnis. Hafiz al-Assad begnĂŒgte sich nicht damit, Oppositionelle zu verhaften. Er stahl ihnen ihr Leben.“ AKRAM61
Aziza62, die als Geisel fĂŒr ihren Mann verhaftet wurde, blieb elf Jahre im GefĂ€ngnis, ohne je vor ein Gericht gestellt zu werden oder zu wissen, wann sie wieder herauskommen wĂŒrde.
„Ich war elf Jahre im GefĂ€ngnis, ohne Haftgrund und Verfahren. Ich war eine Geisel fĂŒr meinen Mann. Aber mein Mann starb, und sie wussten das. Meine Kinder wurden groß wĂ€hrend dieser Zeit. Ich wurde alt und verlor die besten Jahre meines Lebens im GefĂ€ngnis. Jeden Tag sagte ich mir, dass ich morgen entlassen werden wĂŒrde. Es wĂ€re fĂŒr mich und meine Kinder bestimmt einfacher gewesen, wenn ich gewusst hĂ€tte, zu wie vielen Jahren man mich verurteilt hatte.“
Rehab63 wurde mit einer Gruppe von Jugendlichen verhaftet, darunter zwei aus ihrer Familie, weil sie Forderungen an WĂ€nde in ihrer Stadt geschrieben hatten. Sie wurden mehrerer Dinge beschuldigt, unter anderem der „Bedrohung der Sicherheit des Staates und Destabilisierung des Herrschaftssystems“, so fasste Rehab die Anschuldigungen zusammen, die sie bei jeder neuen Runde der Folter zu hören bekam.
„Ich blieb sechs Monate lang in meiner Zelle in der PalĂ€stina-Abteilung. Danach brachten sie mich in ein ZivilgefĂ€ngnis und die Gerichtsverhandlungen begannen. Ich erwartete tĂ€glich, dass sie mich entlassen wĂŒrden. Zwei Jahre vergingen mit Warten. Bei der UrteilsverkĂŒndung erklĂ€rte mich der Richter fĂŒr unschuldig. Die JĂŒngeren verurteilte er zu zwei Jahren wegen Verunglimpfung des Staates.“ REHAB
Hafiz al-Assad starb am 10. Juni 2000 nach drei Jahrzehnten Herrschaft, wĂ€hrend derer er den Weg fĂŒr seinen Sohn als Nachfolger geebnet hatte. Dieser trat schnell in seine Fußstapfen und setzte politische Haft als erfolgreiches Mittel ein, um seine Gegner*innen und die Kritiker*innen seiner Politik aus den Reihen der Verfechter*innen der Menschenrechte, der politischen Gruppierungen, der Intellektuellen und Studierenden in Schach zu halten.
Im Jahr 2009 wurde Ayat64 aus der Philosophischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Damaskus heraus verhaftet. Sie war damals im ersten Studienjahr. Man beschuldigte sie, auf dem Campus FlugblĂ€tter verteilt zu haben. Sie blieb neun Monate in Haft und wurde dabei zwischen der Abteilung fĂŒr Politische Sicherheit und der PalĂ€stina-Abteilung hin- und hergebracht und dort schlimmster Folter ausgesetzt.
„Als mein Vater nach neun Monaten kam, um eine BĂŒrgschaft zu unterschreiben und mich abzuholen, sagte der Offizier zu ihm: ‚Du kannst Gott dafĂŒr danken, dass sie rauskommt. Hier kommen sonst nur Alte raus.‘“ AYAT
Nach Beginn der Revolution im Jahr 2011 begegnete das syrische Regime den Aktivist*innen der Revolution mit systematischer UnterdrĂŒckung. Tausende von Frauen und MĂ€nnern und sogar Kinder wurden ins GefĂ€ngnis gesperrt, Tausende durch Folter getötet und Zehntausende sind bis heute verschollen,65 darunter etwa 8.000 Frauen.

Mehrfaches Leid

Durch die harten Bedingungen im GefĂ€ngnis und die psychische und familiĂ€re Situation ist es fĂŒr die gefangenen Frauen sehr schwer, mit dem Faktor Zeit umzugehen. Besonders fĂŒr die MĂŒtter unter ihnen wird die Haftdauer zu Klauen, die jeden Tag neu nach ihren Seelen greifen, weil sie so weit von ihren Kindern entfernt sind und sich nicht um sie kĂŒmmern können.
Als Aziza 1979 zum ersten Mal verhaftet und gefoltert wurde, war sie mit ihrem dritten Kind schwanger. Obwohl die Vernehmungsoffiziere und Folterer das wussten, war das absolut kein Grund, die Folter abzuschwÀchen:
„Sie steckten mich in einen Reifen66 und schlugen mich abwechselnd, ununterbrochen zwölf Stunden lang. Dann setzten sie meine Zehen unter Strom, bis ich ohnmĂ€chtig wurde. Immer, wenn eine Folterrunde vorĂŒber war, kam einer zu mir und sagte: ‚Du hast noch nichts davon gesehen, was dich hier noch erwartet!‘ Ich fragte mich, was noch Schlimmeres passieren könnte. Ich wollte nur, dass irgendetwas die Folter beenden wĂŒrde. Ich wĂŒnschte mir, eine Fehlgeburt zu haben. Stell dir vor, so weit zu sein, dass du dir den Tod deines Kindes wĂŒnschst, nur damit sie aufhören, dich zu foltern.“
Beim zweiten Mal wurde Aziza 1980 gemeinsam mit ihren drei Kindern festgenommen. Ih...

Table of contents

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Katrin Langensiepen: Nur ein Wimpernschlag. Geleitwort
  6. Anwar al-Bunni: Vorwort
  7. Einleitung
  8. Methodik des Berichts
  9. Historischer Hintergrund
  10. TEIL 1: Politische Haft
  11. TEIL 2: Folter
  12. TEIL 3: Die Entlassung aus dem GefÀngnis
  13. Schlussbemerkung
  14. Anmerkungen
  15. Die Autor*innen