Die Hoffnung eine Oase zu finden, ich meine damit nicht nur ein Island in einer verzauberten Südseewelt, sondern einen Platz in der Welt, in ihr zu leben und seine Erfüllung, Profession und Lebensqualität zu erlangen, beseelt viele Menschen. In allem Kleinen etwas Großes zu sehen, kann oft mehr Befriedigung schenken, als in die scheinbar große Welt der Schönen und Reichen einzutauchen. Die Geschichte erzählt von Menschen, die ihr persönliches Schicksal in die Hand nahmen, die nicht aufgaben, sondern nach einem Weg gesucht haben, ihre Lebens Situation zu verbessern. Eingebunden sind spannende Geschichten, angefangen von den ehemaligen DDR Funktionären und ihren Machenschaften. Menschen die das Land mit Katamaranen verließen, neue Freunde gewannen und ungewöhnliche Abenteuer auf den Weltmeeren erlebten. Es handelt von Aussteigern und Seeräubern, die moderne Pest der Meere. Wie sich Zufallsbekanntschaften zu Freundschaften entwickelten, wie sie in ihrer neuen Welt, die sie dann am Ende doch fanden, nicht nur für sich, sondern auch für die einheimische Bevölkerung, große Verbesserungen ihrer Lebenssituation erreichten und ihren Kindern und Enkeln die Basis für ein neues Leben schafften.

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Die Aussteiger-The Dropouts
Oase der Lebensfreude für Zivilisationsmüde
- 220 pages
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Kapitel 1 Die Entschleunigung
Ermusste einfach mal raus, raus aus diesem Affenzirkus, es war nicht mehr auszuhalten. Diese Hektik, dieses sich bewähren müssen – jeden Tag und immer eine gute Figur machen, egal wo man hinging oder was man unternahm, eine gute Miene zu jedem, selbst zum bösesten Spiel machen, sich ständig verbiegen müssen, sich zu prostituieren und mit Leuten, die er von ganzem Herzen verabscheute, zusammenzuarbeiten. Der ständige Erfolgsdruck lastete wie ein Damoklesschwert über ihm: Kindergarten, Schule, Gymnasium, Studium und der Einstieg ins Berufsleben. Schlagartig wurde es ihm klar, er war inzwischen 35 Jahre alt, hatte aber noch nicht wirklich gelebt, noch nichts erlebt!
Ja, da stand ein Porsche in der Garage seines Hauses, sein Bankkonto war prall gefüllt, seine flüchtigen Freundinnen, konnte er kaum noch an einer Hand abzählen, doch echte Liebe? Er hatte sie nicht gefunden, sie sonnten sich alle nur in seinem Erfolg. Aber was war das eigentlich: Erfolg? In materieller Hinsicht hatte er viel erreicht, aber, war er deshalb ein erfolgreicher Mensch? Das wurde ihm plötzlich klar, als er im Krankenhaus aufwachte und seine Beine nicht mehr bewegen konnte. Langsam erinnerte er sich an den Idioten, der ihn beim Skifahren von hinten umgefahren hatte. Ja, natürlich, er war hochgeschleudert worden und landete unglücklich auf einer Felsplatte, die nur von ein paar Zentimetern Schnee bedeckt war. Er nahm sich vor, wenn er je wieder einigermaßen hergestellt sein würde, wollte er sein Leben von Grund auf ändern. Doch die Diagnose verhieß nichts Gutes: „Partielle Querschnittslähmung QL, TH 12 Parese - Schockzustand.“, sagte der Chefarzt.
Nie wieder Sport machen, nie wieder mit einer Frau schlafen, es blieb nur der Rollstuhl und den hasste er jetzt schon, doch der stand an seinem Bett und grinste ihn an. Als er dann in der Reha, im „Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie und Klinik für Rückenmarksverletzungen“ in Heidelberg war, kamen sie anfangs noch ein paar Mal zu einem sogenannten Anstandsbesuch vorbei. Dann wurden sie immer weniger und nach und nach waren sie alle weg, „die guten Freunde“. Es blieben nur seine Eltern und die Geschwister übrig, die seinen Schmerz teilten. Ja, seine Eltern, wie hatte er sie in den letzten Jahren vernachlässigt, nur mal kurz guten Tag gesagt und dann weiter, weiter, keine Zeit, keine Zeit. Jetzt hatte er sie, die Zeit, doch er wusste mit ihr nichts anzufangen, sein Lebensgebäude war zusammengebrochen.
Ein paar Wochen später hatte er einen kleinen Teil seines früher unerschütterlichen Selbstbewusstseins durch einen Zufall wiedergefunden. Die Versicherung des Verursachers wollte nicht zahlen, sie sah eine Mitschuld in seiner Fahrweise und behauptete, dass er den Unfall hätte verhindern können, wenn er dem von rechts kommendem Skiläufer, nach links ausgewichen wäre. Da packte sie ihn wieder, die Wut auf diesen unverantwortlichen Pisten-Schmarotzer und riss ihn aus seiner Lethargie. Dieser Widerling, der nicht einmal gestürzt war, sich nicht einmal entschuldigt hatte und ihm zurief, er solle ihm doch mal seinen verlorenen Skistock runterwerfen. Der Ärger riss ihn aus dem Bett, er ließ sich die Akten kommen und studierte den Schriftverkehr, den sein Vater bisher geführt hatte. Von nun an wollte er kämpfen, sich nicht in das Schicksal ergeben, ab sofort trainierte er wie besessen in der Reha, um seinen Körper wieder für das Leben fit zu machen.
Zeugen gab es nicht und wenn es jemand gesehen hatte, so waren sie weitergefahren. Seine Freundin Sina war vor ihm gefahren und konnte den Unfall auch nicht gesehen haben. Aber, wo waren sie, seine Skistiefel, die Skier, die Stöcke, ja und seine Kleider, die Handschuhe? Er rief seinen Vater an, der beruhigte ihn: „Junge, sagte er, alles da wo du es immer über den Sommer gelagert hattest. Das Krankenhaus hat uns alles übergeben, aber warum fragst du, Skifahren kannst du…., in dem Moment stoppte er seine Rede, denn sie sollte mit „doch nicht mehr“ enden. „Vater, man kann auch als Querschnittsgelähmter Skifahren, aber deshalb rufe ich nicht an, wir müssen ein Gutachten in Auftrag geben, bringe mir bitte meinen Laptop, ich will herausfinden, wer dafür in Frage kommt.“
Es klopfte, Sina steckte ihren hübschen Kopf durch den Türspalt und grinste. „Na, du Überflieger, wie geht es dir heute?“ fragte sie. „Besser, ich will wieder weiterleben.“ „Das hört sich gut an.“ „Wie geht es dir Sina.“ Fast hätte er „mein Schatz“ gesagt, doch im letzten Moment verkniff er es sich. Wie sah es aus, wenn er ihre Treue zu ihm so auslegte, als gehöre sie nun – auch nach dem Unfall – fest zu ihm, wo sie doch erst seit Kurzem zusammen waren und bisher nur ein loses Verhältnis gepflegt hatten.
Sina war eine etwas zu stille, introvertierte 1,75 m große junge Frau mit 28 Jahren. Sie hatte eine gute Figur, blondes, gescheiteltes Haar, das sie hinten zu einem Dutt hochsteckte. Die dunkle Hornbrille gab ihr einen intellektuellen Tatsch und das war sie auch. Mit dieser Einschätzung lag man nicht einmal falsch, denn die studierte Philologin war Lektorin in einem Offenburger Verlag. Dieser Frauentyp hatte nie zu seinen Favoritinnen gezählt, eigentlich war sie nur zufällig in sein Beuteschema geraten. In seinem Bekanntenkreis kannte er keine Frauen, die Skifahren konnten. Sie war ihm beim Tanzen in der Hausbar seines Hotels in Hochsölden aufgefallen. Er war allein und die Auswahl an geeigneten Tänzerinnen in seinem Alter, war hier oben begrenzt. Anscheinend war sie auch solo, würdigte ihn aber keines Blickes. Als er sie zum Tanzen aufforderte, schaute sie ihn keineswegs begeistert an und meinte nach kurzem Zögern:
„Na gut, probieren wir‘s halt mal, aber dieses moderne Zeugs tanze ich nicht. Ich bin mehr für den gepflegten Gesellschaftstanz zu haben.“
Das kann ja heiter werden, die macht schon vorher Einschränkungen, dachte er, doch dann stellte sich zwischen ihnen ganz schnell eine Übereinstimmung des Tanzfilings ein und offensichtlich hatte auch sie die gleiche Wahrnehmung, sodass sie den ganzen Abend zusammenblieben. Langsam zog er sie näher zu sich heran, sie legte ihm die Hand auf die Schulter und eher unbewusst, rutschte sie ihm in den Nacken. Im Aufzug ließ sie sich dann auch noch küssen und war dabei leidenschaftlicher, als er es sich hätte ausmalen können. Dann schloss sie ihre Tür auf, nahm ihn unkompliziert an der Hand und zog ihn ihr Zimmer hinein.
„Jan, ich habe noch eine Flasche guten Durbacher Spätburgunder, wenn du Lust hast, trinken wir zusammen noch einen Absacker, aber nur so zum Kennenlernen – sonst nichts weiter. Kennst du ihn, hast du ihn schon mal getrunken?“ „Bezieht sich das Kennenlernen nur auf den Wein, oder auch auf mich?“
„Na, du weißt ja, im Wein liegt Wahrheit und wir kennen uns ja noch gar nicht, ich bin keine Frau für eine Nacht. Aber wenn du möchtest, darfst du dir inzwischen Schuh und Jacke ausziehen, das ist bequemer, ich komme gleich wieder.“
Als sie zurückkam, hatte sie ihr wunderschönes, volles Haar gelöst, einen Jogginganzug angezogen und auch die Brille war verschwunden.
„Brauchst du die Brille nicht immer?“ fragte Jan.
„Ach, zuhause oder jetzt hier im Zimmer trage ich sie nicht, ich habe nur eine kleine Fehlsichtigkeit und bekomme dann bei grellem Licht Kopfschmerzen.“
„Na, dann passen wir ja wunderbar zusammen, du sehbehindert und ich gehbehindert.“ Jetzt lachten sie beide ein befreiendes Lachen, dass die Spannung löste. Er hatte sich kurz vorher, beim Aufhalten der Aufzugtür, sein Knie angeschlagen und humpelte ein wenig.
„Zeig mal her, also los, Hose runter“, sagte sie unkompliziert.
„Aha, geschwollen, da packen wir mal die Eiswürfel aus dem Kühlschrank drauf und morgen springst du wieder von der großen Schanze.“
„Na, hoffentlich, aber innerlich müssen wir auch noch ein paar Medikamente anwenden.“
Während sie sein Knie mit einem Handtuch voll Eiswürfel umwickelte und das ganze Paket tapete, machte er die Flasche Durbacher Spätburgunder auf.
„Aah, Spätlese trocken, Barrique, beste Steillage“. „Bist du Kenner?“
„Ne, steht auf dem Etikett, aber einen guten Tropfen erkenne ich schon. War nicht ganz billig, was?“
„So viel trinke ich nicht, aber wenn schon Wein, dann leiste ich mir was Ordentliches.“
„Aaah, exzellentes, dunkelrotes, rosenfarbiges Bouquete, mit leichtem Zimtkarenzen, im Abgang tiefer Grottenkelch.“
„Eye, das hast du jetzt erfunden?“
„Nee, irgendwo gelesen.“
In dem Moment rutschte das Handtuch von seinem Knie etwas herunter. Als sie es wieder hochschob und ihm dabei tief in die Augen sah, spürte er ein leises Ziehen in den Lenden. Hoffentlich merkt sie es nicht, dachte er noch, aber dann war es schon geschehen, sie hing mit ihrem ganzen Körper über ihm und küsste ihn kunstvoll, berauschend, doch auch zärtlich liebkosend auf den Mund. Was im Sitzen noch verdeckt war, konnte er nun nicht mehr verbergen, weil sie auf ihm hing, doch sie ignorierte diese Entwicklung und zog ihn vom Stuhl auf den Teppich. Mit einem endlosen Aufstöhnen, gab sie ihn wieder frei, griff nach ihrem Glas, nahm einen tiefen Zug und machte sich von ihm los.
„Du ich bin müde, willst du bei mir bleiben oder gehst du in dein Zimmer?“
„Ja, wenn du möchtest, schlafe ich auch bei dir.“
„Okay, aber dass das klar ist, heute noch keinen Sex.“
„Gut, wenn du das aushältst, ist es auch für mich in Ordnung.“„Ja, dann gehe ich mal zuerst ins Bad.“
Als sie nach ein paar Minuten mit einem eher unspektakulären, bunten Schlafanzug zurückkam, wäre er trotz der abschreckenden Wirkung, am liebsten über sie hergefallen, doch im letzten Augenblick bekam er sich wieder unter Kontrolle. Als er aus dem Bad zurückkam, brannte die Nachttischlampe noch, doch sie war schon eingeschlafen. Vorsichtig legte er sich neben sie, legte einen Arm über ihre Taille und träumte sich in den Schlaf.
Am nächsten Morgen saßen sie dann zusammen am Frühstückstisch, so, wie ein ganz normales, altgedientes Ehepaar, das schon lange zusammen Urlaub machte, nur die Gespräche die sie führten, waren ganz anderer Natur.
„Jan, wo wohnst du eigentlich?“
„In Heidelberg, ich habe dort studiert und bin hängen geblieben. Und du?“
„Ich arbeite in einem Offenburger Verlag als Lektorin.“
„Das ist schön, nicht so weit entfernt“, dachte er laut nach.
„Soll das heißen, du möchtest mich näher kennenlernen?“
„Wie, ach so, na klar oder möchtest du das nicht, hast du anderweitige
Verpflichtungen? Du hast doch gesagt du bist keine Frau für eine Nacht“
„Nein, ich möchte dich auch besser kennenlernen, das ist doch das Schönste in einer beginnenden Beziehung, gehen wir nachher zusammen Schifahren?“
„Ja, heute ist schönes Wetter, wir sollten zum Rettenbachferner hinter fahren, was meinst du?“
„Gut, dann treffen wir uns in einer halben Stunde im Ski-Stall.“„Hmm, bis dann.“
Doch dann blieben sie auf dem Hochsöldener Plateau, denn es hatte frisch geschneit, die Pistenraupen waren gerade dabei den Neuschnee zu planieren. In der Sonne glitzerten die Eiskristalle, die sich im Morgendunst in der kalten Luft gebildet hatten und fielen ganz langsam nach unten, schwebten wie kleine Karfunkel dahin und legten sich sanft und leise auf den Neuschnee zu ihren großen Brüderchen.
Wintermorgen
Eisnadeln flirren, glitzern, fallen,
Milchsonne schwebend über allem,
klare Luft atmet ruhende Winterkraft,
Märchenwelt, kalt, unbarmherzig, zauberhaft.
Kristallklare Eispanzer kraftlose Zweige biegen,
die Naturwunder noch im Schoße der Erde liegen,
reglos staunend stehst du Mensch, unbedeutender Wicht,
erwartend das hervorbrechende Frühlingslicht.
Rei©Men
Die Massen der Skitouristen waren noch unten im Tal und die Pisten fast leer. Es war eine Lust die Hänge hinunter zu sausen und die Schönheiten dieses Sportes zu genießen. Immer, wenn sie sich nach einem Parallelschwung wieder begegneten, juchzte Sina sich die Lebensfreude aus der Seele. Einmal fuhr er ihr in ihre Falllinie hinein und ließ sie nicht weiterfahren. Doch sie stoppte und wich ihm aus, es entstand eine wilde Verfolgungsjagd und als sie mit weichen Knien und nach Luft schnappend stehenblieb, schuppste er sie in den frischen, sauberen Schnee und verwickelte sie in eine wüste Balgerei, bedeckte sie mit schneeverkrusteten Küssen, die sie leidenschaftlich erwiderte.
„Du“, gestand er, „ich glaube, ich habe mich in dich verliebt.“
„Und ich in deine Küsse.“
Und dann fuhren sie durch den tiefen Taleinschnitt, den die Einheimischen das >Kanonenrohr < nennen, talwärts weiter bis an den letzten Schlep...
Table of contents
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Kapitel 1 Die Entschleunigung
- Kapitel 2 Schiffbrüchige
- Kapitel 3 Ruth und Bernd
- Kapitel 4 Das Umdenken 1948 - 1989
- Kapitel 5 Der Atombunker 1970
- Kapitel 6 Die Wende 1989
- Kapitel 7 Die Weiterreise
- Kapitel 8 Von Afrika nach Indien
- Kapitel 9 Sri Lanka, Malaysia, Singapur, Australien
- Kapitel 10 Landhopping
- Kapitel 11 Historisches für Interessierte
- Kapitel 13 Buenos Aires
- Kapitel 14 Die Überfahrt nach Europa
- Kapitel 15 Sibylle und Werner bekommen Besuch
- Kapitel 16 Das Inselfest und die Firma
- Kapitel 17 Rückkehr des Paares Sina und Jan
- Kapitel 18 Die Verhandlung
- Kapitel 19 Der Start und die Heimkehr
- Über das Buch
- Die handelnden Personen und Plätze
- Leser-Informationen
- Veröffentlichungen
- Impressum
Frequently asked questions
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