Ihr Kind weist eine scheinbar problematische bis krankhafte Internetnutzung auf?Sie sind nicht allein. Eine halbe Million Familien stehen in Deutschland vor dem gleichen Problem. Ratlosigkeit, Stress und Angst dominieren das Verhalten. In diesem Buch finden Sie einen Leitfaden, der Jugendlichen und Angehörigen mit klar definierten Methoden und Techniken aus der Krise hilft.Wer könnte Betroffene und Angehörige besserer verstehen als ein ehemalig SĂŒchtiger? Der Autor Florian Buschmann konnte sich selbst aus der Sucht befreien. Seine persönlichen Erfahrungen, das Wissen von Psychologen und vielseitige TherapieansĂ€tze prĂ€gen dieses kompakte Buch. Somit halten Sie den Ausweg in Ihrer Hand.

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Information
1 Unsere moderne Zeit
Ein Tag hat 24 Stunden. Eine Woche 7 Tage und damit 168 Stunden. Der deutsche Jugendliche verbringt davon rund 58 Stunden vor dem Smartphone, dem Laptop oder anderen internetfÀhigen GerÀten (Eder, 2019). Ein wahrer Alptraum! Wie kann es dazu kommen, dass Menschen ein reichliches Drittel ihrer Lebenszeit in einer Scheinwelt verbringen? Gruppenzwang? Perspektivlosigkeit? Angst?
Die verschiedensten Zweige der Wissenschaft bestĂ€tigen negative Auswirkungen: die gesteigerte Anzahl an Depressionen, das signifikante Wachstum der Suizidgefahr und die allgemein geistige Verarmung sind nur einige der Auswirkungen. Ungeachtet dessen bekommen Kinder im Schnitt mit 10 Jahren ihr erstes Handy. GegensĂ€tzlich in den Hightech Hochburgen des Silicon Valleys: Erst mit 14 bekamen die Kinder von IT-Spezialisten, wie Bill Gates oder Steve Jobs, ein Handy zum Telefonieren und Schreiben (Andreatta, 2019). Diese Menschen wissen, welche Auswirkungen ĂŒbermĂ€Ăiger Konsum hat und daher empfiehlt es sich, diesem Beispiel zu folgen.
Sie lesen dieses Buch und haben somit begonnen sich ĂŒber Probleme, wie Leistungsabfall oder dysfunktionale Emotionskontrolle, zu informieren. Da diese, neben der Entwicklung einer Zweitstörung, keinesfalls zu verantworten sind, fordert dieses Buch zum Handeln auf.
Liebe Eltern und Angehörige, bitte helfen Sie SpÀtfolgen zu vermeiden!
Gleichzeitig bietet die Mediendebatte in der Familie die Möglichkeit das Eltern-Kind-VerhĂ€ltnis zu verbessern. Jedes Kapitel endet mit Fragen, welche Sie unterstĂŒtzen ein GefĂŒhl fĂŒr die aktuelle Situation zu entwickeln. Im anschlieĂenden Teil, der âDrei-Schritt-Methodeâ, finden Sie einen konkreten Handlungsplan, um den Jugendlichen loszulösen und eine neue Perspektive zu schaffen. Bevor Sie diesen anwenden, lesen Sie bitte den fachlichen Teil, um die Techniken angemessen einzusetzen. Es handelt sich hierbei keinesfalls um einen schnellen Umbruch, sondern um eine Methode, welche langfristig VerĂ€nderungen erreicht. Haben Sie daher Geduld beim Lesen und dem AusfĂŒhren.
Dieser Prozess des Wachstums lĂ€sst sich mit dem einer Pflanze vergleichen. Bevor sie blĂŒht, braucht es eine lĂ€ngere Phase des Wachstums, in der scheinbar nicht viel passiert. Doch gerade in dieser Zeit benötigt die Pflanze kontinuierlich Wasser, DĂŒngung und Sonne. Durch diese Zuneigung entwickelt sie ein nicht sichtbares Fundament, welches ĂŒber kurz oder lang eine BlĂŒte offenbart. Genauso ist es bei Ihrem SchĂŒtzling. Zeigt sich ĂŒber lĂ€ngere Zeit kein Fortschritt, verwerfen Sie Ihre BemĂŒhungen auf keinen Fall, sondern schenken Sie diesem weiter Zuwendung!
2 Das Krankheitsbild verstehen
Wann ist exzessiver Konsum kritisch? Es spielt doch jeder, warum sollte ich mich sorgen? Das gesellschaftlich akzeptierte Gaming unterscheidet sich maĂgeblich von suchtartigem Verhalten. Sucht bedeutet einem Zwang nachzugeben, wodurch selbstbewusstes, selbstsicheres und selbstbestimmtes Handeln nicht mehr möglich sind. Oft wohnt der Jugend eine Orientierungslosigkeit inne, welche einer Sehnsucht entspringt, diesen Zustand mit allen Mitteln zu beenden. Das Spiel bietet dabei oberflĂ€chlich betrachtet, eine verheiĂungsvolle Option und steigt zum heiligen Gral auf. Dabei gibt es nur eine Antwort: mehr, mehr und mehr. Abtauchen und abschotten. Begleitet von kraftvoll geschlossenen TĂŒren boykottieren Betroffene: âAlles andere ist genauso sinnfrei.â oder schlichtweg: âDu hast keine Ahnung!â. Genau an diesem Punkt ist die kritische Linie ĂŒberschritten und der exzessive Konsum rutscht in eine Sucht ab!
Ich auch
Ich war in diesem Punkt nicht anders. Je öfter mein Verhalten gespiegelt wurde, desto mehr ging ich in mich und in meine Welt des Spielens. Im Nachhinein betrachtet fehlte mir der Blick ĂŒber den Tellerrand, wodurch mir mein eigener Abgrund nicht als ein solcher erschien. In dieser Findungsphase reagierte ich nahezu auf alles gereizt. Gemeinhin beginnen Menschen erst zu handeln, wenn der Schmerz eine gewisse IntensitĂ€t erreicht hat. Jeder hat einen solchen individuellen Tiefpunkt, an dem es gilt, die Entscheidung zu treffen, sich nie wieder so fallen zu lassen. Allein der Konflikt innerhalb der Familie konnte mein Handeln nicht beflĂŒgeln. Der Stein der Erkenntnis begann erst zu rollen, als die Meinungen einiger Freunde auĂerhalb meines Gaming-Umfeldes hinzukamen. Meist glĂ€nzten sie in einigen TĂ€tigkeiten besonders und verkörperten etwas Beneidenswertes. Dadurch erkannte ich eines der wertvollsten Paradigmen des Lebens. Es gibt immer mehrere Wege und jeder entscheidet selbst, welchen er geht.
2.1 Symptom der Zeit
In den spĂ€ten 90er Jahren wurden die ersten Smartphones entwickelt. Dennoch schlug Steve Jobs erst 2007 mit der Erfindung des iPhones seine Delle ins Universum. In Windeseile eroberte Apple den Markt und begeisterte die Menschen. Bereits etwas mehr als zehn Jahre spĂ€ter finden wir eine komplett verĂ€nderte, gar transformierte Gesellschaft vor. Diese gesellschaftliche Strömung riss nahezu jeden mit sich. Es gehört indes zur unabdingbaren Grundausstattung des modernen Menschen und ist allgegenwĂ€rtig. Umso schwerer ist es, ĂŒber negative Folgen sowie eine bewusste Nutzung aufzuklĂ€ren. VielfĂ€ltige Studien zeigen dies und dennoch Ă€ndert sich das Verhalten nicht. Radikale Formulierungen wie: âDu trĂ€gst dein selbstgewĂ€hltes GefĂ€ngnis stĂ€ndig bei dirâ 1 stoĂen auf immenses UnverstĂ€ndnis. Sicherlich braucht es einige Zeit, um diesen AnstoĂ mit dem eigenen Verhalten abzugleichen. Diejenigen, die es bereits getan haben, stimmen entweder zu oder quittieren es mit einem mĂŒden Schulterzucken.
VerÀnderung
Suchtartiges Verhalten einzugestehen erfordert einiges an Ăberwindung. Altgewohnte Denkmuster mĂŒssen auf den Kopf gestellt und revolutioniert werden. Zusammenfassend vorab die Worte des österreichischen Psychologen und Neurologen Viktor Frankl: âLebenssinn ist das Dringendste, was ein Mensch braucht. Der Mensch muss etwas oder jemanden finden, fĂŒr das oder den es sich zu leben lohnt.â (Buddhismus Aktuell, 2018).
Eine solche Orientierung oder auch das Erwachen eines Lebenstraums kann einen Monat, ein halbes Jahr oder lĂ€nger dauern. UnterstĂŒtzen Sie in dieser Zeit den Jugendlichen mit Motivation und Inspiration.
Entsprechend dieser Reise zu sich selbst, Ă€ndert sich das Umfeld, wie Folgendes aus meiner Entwicklung zeigt: Nach einem Event von Startupteens 2 in Dresden tauschten wir unsere Kontakte und begannen eine Gemeinschaft zu entwickeln. Als stolzer MitbegrĂŒnder von ProjectPowerMind, kurz PPM (https://www.projectpowermind.com), wuchs ich ĂŒber meine Probleme hinaus. Jede zweite Woche trafen wir uns, sprachen ĂŒber Fortschritte, lernten voneinander und motivierten uns gegenseitig. Wir inspirierten unsere Teilnehmer mit ImpulsvortrĂ€gen und regten sie dadurch an, sich persönlich weiter zu entwickeln. Das schaffte ein produktives Umfeld, indem SchĂŒler und Studenten gemeinsam wuchsen. Gleichartige Gruppen, oftmals staatlich organisiert und geleitet, gibt es vielerorts.
Dieses Beispiel zeigt, dass jeder Mensch eine Bezugsgruppe 3 hat und braucht, welche die persönliche Entwicklung maĂgeblich beeinflusst. Ohne diese Gruppe wĂ€ren wir nicht die Menschen, die wir sind. Auch Tiere kooperieren gemeinsam, um Vorteile bei der Jagd zu erlangen. Unsere FĂ€higkeiten gehen darĂŒber hinaus. Durch ein kollektives Denken können wir hochkomplexe ZusammenhĂ€nge erfassen, verstehen und mit der KreativitĂ€t fĂŒr uns nutzen.
Die Ăberlegungen des NobelpreistrĂ€gers Elias Canetti, lassen sich auf das Umfeld ĂŒbertragen. Er setzte sich in seinem Werk: âMasse und Machtâ mit den MassenphĂ€nomenen auseinander.
Versucht ein Mensch, wie die Abbildung weiter unten zeigt, eine Treppe entgegen der Masse hinaufzulaufen, hat dieser es schwer. Massen haben immer eine gerichtete Bewegung, welche meist AnfĂŒhrer oder Panikmacher vorgeben. Bei einer Massenpanik strömt die FĂŒlle, wie bei einer Lawine, in eine Richtung. Diese Gewalt reiĂt alles mit oder begrĂ€bt es unter sich.

Gemeinsamkeiten dominieren, sei es die Richtung oder ein anderes verbindendes Element. Menschen mit der gleichen Leidensgeschichte können, trotz verschiedener Herkunft, Ethnie und Hobbys, unzertrennlich sein.
Werfen wir einen Blick auf die glorreiche FuĂball-Weltmeisterschaft, als Deutschland wie ein Herz und eine Seele zitterte und zelebrierte. Jeder Deutsche, egal ob FuĂballfan oder nicht, lieĂ sich mitreiĂen und jubelte fĂŒr die Nation. Ungeachtet politischer Meinungsverschiedenheiten oder anderer GegensĂ€tze waren alle vereint. Schnell verbrĂŒderte man sich mit dem Tischnachbarn beim Public Viewing und trank gemeinsam auf âdas Teamâ. Dieses Spektakel offenbarte die StĂ€rke des Sports, eine Nation zu formen. Wer fĂŒr eine andere Nation brannte, gehörte nicht dazu.
Ăhnlich ist es beim Gaming. Die Spielervereinigungen entwickeln einen Kult um ihre Gruppe in Form von rituellen Spielzeiten, Werten, Zeichen oder Symbolen. Der Zusammenschluss verschiedener Individuen bedeutet einen Zuwachs an StĂ€rke fĂŒr den Einzelnen. Nach dem Leitbild: âEiner fĂŒr Alle - Alle fĂŒr Einenâ ist keiner in schwierigen Zeiten ohne Beistand.
2.2 Virtuelle Parallelwelt
Jeder, der Romane liest, weiĂ, wie einfach es ist in jene fantastischen Welten abzutauchen. Die VirtualitĂ€t bietet eine digitale Möglichkeit vor der RealitĂ€t zu fliehen. In der eigenen Blase vergisst der Spielende die Umwelt, wĂ€hrenddessen die Zeit zu fliegen scheint. Die AttraktivitĂ€t von Spielen ist fĂŒr die meisten wesentlich höher, da sich der Inhalt scheinbar beeinflussen lĂ€sst. Dies suggeriert, im Gegensatz zur RealitĂ€t, das GefĂŒhl etwas zu bewirken und das Zentrum zu sein.
Warum faszinieren PC-Spiele derart, dass sie Menschen immer und immer wieder in ihren Bann ziehen? Unserem Gehirn fĂ€llt es schwer zwischen realen und virtuellen Reizen zu unterscheiden. Beide fĂŒhren zur AusschĂŒttung von Hormonen. Bei einem Krimi empfinden wir Furcht und bei einem Liebesroman schmelzen wir dahin. Die GefĂŒhle entspringen einer erdachten und fiktiven Geschichte. Verschwimmen die Grenzen, wird die Fiktion zu einer Illusion. SĂŒchtige können oft nicht mehr ausreichend zwischen der Lebenswelt und der oftmals verzerrten VirtualitĂ€t unterscheiden.
Es stellt sich die Frage, wer wirklich profitiert. Der Historiker und zeitgenössische Denker Yuval Noah Harari schreibt dazu in einem seiner Weltbestseller: âHast du die Zombies gesehen, die durch die StraĂen laufen, die Augen fest auf das Smartphone gerichtet? Glaubst du, sie kontrollieren die Technologie, oder kontrolliert die Technologie sie?â (Harrari, 2019). Zombies! Die AufklĂ€rung lehrte uns selbststĂ€ndig zu denken. Wie selbststĂ€ndig, selbstbestimmt und selbstwirksam sind wir noch, wenn Ă€uĂere EinflĂŒsse, wie die Benachrichtigungen auf dem Handy, unsere Zeiteinteilung und unsere Emotionen kontrollieren?
Wir befinden uns jedoch keinesfalls auf einer EinbahnstraĂe: Simulationen, wie das Andockmanöver im Orbit oder Cockpitsimulationen wĂ€hrend der Pilotenausbildung, unterstĂŒtzen den Kompetenzerwerb. Dieser praktische Nutzen steht im Kontrast zu virtuellen Belohnungen.
Belohnungen
Was bringen Spielgeld oder Erfahrungspunkte, die von trockenen Algorithmen ausgeschĂŒttet werden? Ihr Wert geht nicht ĂŒber das Spiel hinaus und sie stellen keinen Mehrwert fĂŒr das echte Leben dar. Wohingegen jemand, der Sport treibt oder sich gesund ernĂ€hrt, seine eigene RealitĂ€t gestaltet.
Ăberschreitet die Wertzuweisung virtueller Belohnungen die der realen Belohnungen, entwickelt sich eine bevorzugte Parallelwelt. Durch diese FehleinschĂ€tzungen kommt es zur Entfremdung. Das Spiel ordnet sich der Schule, der Gesundheit, sozialen Interaktionen und der Familie ĂŒber. Jegliche Alternativen lehnen SĂŒchtige zugunsten des Spielens ab und leben in ihrer eigenen Kapsel.
Zusammenfassung
- Umfeld ist gleich und beeinflusst die Entwicklung
- Spiele entfremden durch Verlust des Bezuges zur RealitÀt
- Optimierungsalgorithmen ersetzen zwischenmenschliche Belohnungen durch...
Table of contents
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Einleitung
- 1. Unsere moderne Zeit
- 2. Das Krankheitsbild verstehen
- 3. Spielgenres und ihre Mechanismen
- 4. Noch Hobby oder schon Sucht?
- 5. Ein Selbstportrait
- 6. Blick ĂŒber den Horizont
- 7. Mechanismen der AbhÀngigkeit
- 8. ResĂŒmee und verschiedene Perspektiven
- 9. Drei-Schritt-Methode
- 10. PrĂ€ventive MaĂnahmen
- Nachwort
- Danksagung
- Literaturverzeichnis
- Impressum
Frequently asked questions
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