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Die Gretchenfrage
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In der Zeit des Wandels wird die Geistesforschung zur aktuellen Aufgabe. Ein Weg zur geistigen Welt führt zum besseren Verständnis der Schöpfung. Im freien Willen wird der neue Zeitgeist gestaltet, in dem wir auch Veränderungen in der Gesellschaft zustande bringen.Weil Angst den freien Willen begrenzt, soll sie in der Freiheit des Denkens überwunden werden.
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GEISTER
In Wünschen gefangen
Not, Bedürfnissen und Begabungen
suche ich die Freiheit
mich selbst zu sein.
*
„Gott ist Geist, und die ihn anbeten, sollen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ 16 Der wahre Gott ist vollkommen. Das Chaos der Naturgeister hat er durch seine Vollkommenheit überwunden. Die Vielgötterei ist von den Naturgeistern geprägt. Da ist das Chaos in der geistigen Welt noch nicht geordnet.
Nach vorausgegangenen misslungenen Versuchen hat das Christentum dem Monotheismus weltweite Gültigkeit verschafft. In ihm sahen sich die Juden noch als Auserwählte. Nun wurde der einzig wahre vollkommene Gottesgeist vom Menschengeist bestätigt. Für uns Menschen ist die Welt zu kompliziert. Deshalb finden wir die Vollkommenheit in keinem anderen Wesen als im Geist des einzig wahren Gottes.
Naturgeister offenbaren sich zuvorderst im Selbsterhaltungstrieb und Fortpflanzungstrieb. Ungezügelt neigt die Natur zur maßlosen Reproduktion und entlässt das Überflüssige in die Gleichgültigkeit oder in die Nahrungskette. In der Vielfalt kann aus dem Guten das Beste wachsen. In dieser Gesetzmäßigkeit ist alles Leben gediehen. Dieses Ur-Gesetz hat weder Moral noch ein gestecktes Ziel. Es ist allgültig und stellt sich der Schöpfung unterordnend zur Verfügung. Dort herrscht der übergeordnete Geist.
Der bewusste Mensch kann in dieses Geschehen eingreifen. „Lass uns Menschen machen nach unserem Bild. (…) Sie sollen beherrschen alles, was sich regt auf der Erde“. 17 Deshalb muss der Mensch sein Bewusstsein mit gutem Willen und Wissen gestalten, sich kultivieren, befähigen, dem Auftrag nachzukommen. Nur in dem Maße, wie wir der Vollendung näher kommen und dabei sehend werden, können wir auch die Vollkommenheit, die Wahrheit erkennen.
*
Wir neigen dazu, das Unbekannte zu personalisieren, um es handlich zu machen. Gute Wirkkräfte aus der geistigen Welt werden als Engel dienlich, und weil es auch negative Kräfte gibt, sehen wir gefallene Engel, die Teufel. Diese Lösung ist gut im Umgang mit den Guten. Geister gibt es, weil Menschen an sie glauben. Auch hier hat der Glaube Gestaltungskraft. Man kann den positiven Kräften Namen und Gestalt geben. Bei den Negativen (Teufeln) sollten wir freilich bildhafte und sinnbildliche Vorstellungen vermeiden, weil die halt auch deren Wirkkraft stärken. Die Widersacher stören das Gute im fügsamen Werden.
Strafe, Hass, Buße oder gar Rache sind Elemente der Macht und keine Themen in der geistigen Welt.
Die Engel sind Gottes Geister und werden oft als seine Boten bezeichnet. Die zentrale Botschaft steht freilich in unserem Gewissen, dem verinnerlichten Wissen um Gut und Böse. Wir können der Schöpfung dienen. Dann sind wir ausgeglichen. Dann ist es auch gut, wenn es zuweilen verzichten heißt. Mit den Entscheidungen gegen unser Gewissen drängen wir die Schöpfung von ihrem heilsbringenden Weg ab. Sie wird versuchen zu korrigieren. Wenn das nicht fruchtet, wird sie rebellieren. Auch unser Gewissen will uns in den Einklang mit der Schöpfung bringen. Die ist eine mächtige Kraft, und das Wirken ist allumfassend. Wir sehen an allen Ecken und Enden, wie sie versucht zu korrigieren. Klima, Flora und Fauna sprechen ihre Sprachen. Die Menschen gehen auf die Straße, andere flüchten. Wer diese Sprachen nicht verstehen will, zwingt die Schöpfung zur Rebellion. Dann werden globale Katastrophen auf den Punkt zurücksetzen, wo ein neuer Beginn möglich ist. Die Schöpfung lässt sich nicht vergewaltigen. Sie wird sich in der ihr eigenen Gesetzmäßigkeit retten. Am Ende steht Mephisto mit der Einsicht: „Ich bin die Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“, 18 als mahnendes geistiges Beispiel. Der Menschengeist schafft das Gute, weil ihm am Ende kein anderer Weg bleibt. Irrtümer bezahlen wir mit menschlichem Leiden.
Geister sind natürlich auch die angeborenen menschlichen Bedürfnisse. Angemessen werden sie zu Engeln, ungezügelt zu bösen Kräften. In dieser Erwägung nehmen wir Maß, um mit ihnen umzugehen. Die angeborenen, aus der geistigen Welt kommenden Bedürfnisse sind deren Sprache. Sie zeigen zunächst nicht Mangel oder Überfluss an, sondern das Thema, welches im Leben bearbeitet werden soll. Hier geht es darum, die Begabungen und Bedürfnisse von uns und der Mitmenschen wahrzunehmen.
Die Selbsterhaltung spielt eine besondere Rolle. Sie ist ein grundlegender Bedarf. Wir sprechen vom Selbsterhaltungstrieb. Dies ist abzuwägen an der Einsicht, dass mit dem Leben auch das irdische Werden sein Ende findet. Selbsterhaltung ist eine Voraussetzung unseres Werdens als Teil der Schöpfung. Unser Bedarf nach Gemeinschaft fördert Solidarität und Hingabe, der angemessene Drang, sich zu bewahren, ist positiver Egoismus.
Ungezügelte Bedürfnisse nennen wir zu Recht auch Triebe, weil sie die Menschen treiben.
*
Auf der naiven Ebene (in der heilen Welt) erscheinen uns die Geister als Engel oder Teufel. Negativ wirkende Kräfte stören und zersetzen. Kinder können das oft nicht unterscheiden. Sie bauen sich ihre eigene „heile Welt“, weil sie die für ihre Entwicklung brauchen. Sie klammern sich zuweilen daran, auch wenn sie Unheil war und verteidigen sie dann noch, indem sie als Erwachsene Verbrechen begehen, unter denen sie selbst gelitten haben. Wir sehen, wie sich Störungen entwickeln können, und wie die wirklich heile Welt zur positiven Entwicklung der Kinder beiträgt.
In der heilen Welt werden Ideale geweckt, ohne die unsere Gesellschaft zerbräche. Die Ideale, der Glaube an das Gute, sind der Schöpfung förderlich. Sie entwickeln gerade im jugendlichen Alter Gestaltungskraft. „Lasst der Jugend ihre Ideale“, sagte Albert Schweitzer.
Reduziert auf Brot und Spiele wird unsere Kultur niedergehen. Wir brauchen Ideale, an denen wir wachsen können. Sie kommen aus dem Bedürfnis nach freier und humaner Selbstgestaltung, die befriedigt und beglückt, freilich auch einsam machen kann. Im besten Fall durchdringen wir die archaischen Wirkkräfte der Naturgeister mit unserem Geist, unterwerfen sie der vernünftigen Moral und verinnerlichen sie, führen sie der Seele zu.
Das ist Seelen-Werden. Bei der Sexualität bedeutet das nicht Verzicht oder Zölibat, sondern tiefgründige Gestaltung.
Jede unserer Entscheidungen aus freiem Willen fließt als Substanz in die Seele.
Wir sind soziale Wesen. In der Not müssen wir mit dem Nachbarn teilen. Der wird uns in der Verzweiflung trösten, bei Krankheit heilen, aus der Einsamkeit retten, bei Gefahr schützen. Wir dürfen ihn nicht preisgeben, weil wir ihn auch brauchen, sagt uns die Vernunft. Wenn es uns eine Befriedigung ist zu helfen, dann lenkt uns die Liebe, in der wir Gott nahe sind.
*
Macht nimmt eine besondere Stellung auf der Skala unserer Wünsche ein. In der zukünftigen Welt wird sie obsolet, weil sie durch nützliche Entscheidungen aus vernünftigen Einsichten ersetzt werden muss. Darin liegt unser eigentliches Bedürfnis.
Die Macht ist ein Hilfsmittel. Zu oft wird sie missbraucht, um egoistische Ziele zu erreichen. In ihrer Ausübung wird gestaltet und geschaffen. Das verschafft den Mächtigen Befriedigung. Dabei werden auch die schlimmsten Verbrechen begangen und das tiefste Leid ausgeschüttet. Da wird die Befriedigung satanisch. Egoismus im Verbund mit Macht ist tödlich. „Ich zuerst“ lässt sich nur durchhalten, bis man alleine und dann der Letzte ist.
Mit der Liebe Gottes ist die irdische Macht nicht im Bunde. „Weiche Satan“, sagte Jesus. 19 Er hielt der Versuchung stand, als der Widersacher wollte, dass er ihn anbete (an ihn glaube). Dieser Teufel wusste um die Kraft, die der Glaube verleiht.
Dennoch ist Macht eine unbewältigte Versuchung. Jeder findet sie schlecht, wenn er ihr unterworfen ist, und jeder gut, wenn er sie ausüben kann. Macht ist an sich kein Bedürfnis. In totaler Freiheit kann der Wille die Seelen gestalten. Und nur wenn wir mit Überzeugung die Moral und Ethik mit unserem freien Willen einbringen, werden die auch unseren Seelen Substanz geben. Diese wirkt aus der geistigen Welt heraus auf unseren mächtigen Zeitgeist ein.
Auch die demokratisch legitimierte Macht unterwirft, ist ein Joch, welches freie Entscheidungen und damit seelisches Werden behindert. Als Demokraten werden wir das Joch tragen, solange nützliche Entscheidungen nach vernünftigen Einsichten aus demokratischen Prozessen erstehen. Die Mehrheit entscheidet und übernimmt die Verantwortung. Das ist vernünftig in der Einsicht, dass wir keine vollkommenen Geschöpfe sind.
In dieser Überlegung finden wir, dass jeder persönliche Machtanspruch immer auch die Ambition auf Vollkommenheit, zumindest Überlegenheit in sich trägt.
Machtstrategen leiten den Anspruch auf Macht von der Unzulänglichkeit ihrer Mitmenschen ab. Da wurde von Religionen Jahrhunderte lang der sündige Mensch angeführt.
Eine rechtsgerichtete politische Partei in Deutschland „glaubt nicht an die „Heraufkunft“ eines neuen besseren Menschen.“ Sie bestreitet den Fortgang der Schöpfung. Solche Menschen erhöhen sich über andere, um so die Notwendigkeit eines Führers oder einer Führerriege zu rechtfertigen. In der Ausübung von Macht spüren sie sich erhaben. In diesem Gefühl lebt der ausgeprägte Egoismus oft mit narzisstischen Zügen. Das liegt jenseits von Liebe und Sozialität, wo der liebende Mensch Verantwortung trägt und dient.
Der Liebende braucht keine Macht.
*
Gewalt ist die Anwendung reiner egoistischer Macht. Wir unterscheiden zwischen der direkten und der subtilen Gewalt.
Die Waffengewalt ist nicht überwunden. Die Wirkung von Kernwaffen wird heute begrenzt, um deren Einsatz im Zusammenspiel mit massiver Feindpropaganda besser rechtfertigen zu können. Das ist pervers.
Die direkte Gewalt stützt sie sich auf Abhängigkeiten. Das Elend dieser Welt wird in Ausübung der Macht über Abhängige geschaffen. Kleine Staaten werden durch Bedrohung zum Wohlverhalten gezwungen. Andere nutzen ihre wirtschaftliche Macht zu Boykott oder Sanktionen. Das geht bis in die unteren Regionen, wo Unternehmen die Kommunen mit Ansiedlung oder Abzug von Produktionsbetrieben erpressen. Auch sogenannte Entwicklungshilfe für Drittländer hat in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts Millionen Menschen ins...
Table of contents
- Widmung
- Motto
- Inhaltsverzeichnis
- Prolog
- Gott
- Der Name Gottes
- Der Glaube
- Religionen
- Der Mensch
- Die Kraft des Glaubens
- Das Leben
- Aquarell
- Geister
- Aquarell
- In unserer Zeit
- Der Geist in der Politik
- Aquarell
- Zeitgeist
- Dimensionen des Daseins und des Lebens
- Aquarell
- Epilog
- Zum Autor
- Hinweise
- Impressum
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