1972 war ein auĂergewöhnliches Jahr, das die Menschen in ihren Bann zog. Seine Geschichte wird in Form eines monatlich gegliederten Panoramas lebendig gemacht. Es werden Ereignisse wach wie das leidenschaftliche Ringen um eine neue Ostpolitik, die unglĂŒckseligen Terrorakte des deutschen und internationalen Terrorismus, der Krieg in Vietnam, Innovationen in Technik, Mode, Literatur und Kunst, sexuelle TabubrĂŒche und spannende Sport-Events. Das Seelenjahr 1972 ruft auch nach einem halben Jahrhundert groĂes Interesse und viele Emotionen hervor.

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Information
MĂ€rz
Wenn im MĂ€rz die Kraniche ziehen, werden bald die BĂ€ume blĂŒhen.
Bauernweisheit
LenzgefĂŒhle machen sich breit. Das Quecksilber steigt in den Plusbereich. Die Menschen freuen sich ĂŒber 154 Stunden Sonnenschein.
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Am Abend des 1. MĂ€rz setzt sich der 17jĂ€hrige Richard Epple im wĂŒrttembergischen Breitenholz hinter das Steuer eines nicht zugelassenen Ford Taunus 12 M. Er ist Lehrling, Autofan und hat noch keinen FĂŒhrerschein. Sein Ziel ist die nahe UniversitĂ€tsstadt TĂŒbingen, wo er dann in der WilhelmstraĂe von einer Polizeistreife zum Halten aufgefordert wird, da ein Blinker nicht funktioniert. Epple widersetzt sich und fĂ€hrt mit hoher Geschwindigkeit davon. Das Polizeifahrzeug verfolgt ihn und fordert UnterstĂŒtzung an. Als Epple am Ortseingang von Herrenberg eine StraĂensperre durchbricht, ĂŒberfĂ€hrt er beinahe einen Polizisten. Die Einsatzleitung nimmt inzwischen an, dass es sich beim FlĂŒchtenden um ein Mitglied der Roten Armee Fraktion handelt. Ăber Funk signalisiert sie: Feuer frei! Ein Polizist feuert mit einer Beretta-Maschinenpistole auf Epple. Durch eine von sieben Kugeln wird dieser getötet. In TĂŒbingen formiert sich heftiger Protest. Es finden Demonstrationen statt. Der Polizei wird unverhĂ€ltnismĂ€Ăiges Handeln vorgeworfen. Man grĂŒndet ein âSolidaritĂ€tskomitee Richard Eppleâ. Ein von TĂŒbinger Jugendlichen besetztes und als Jugendzentrum fungierendes GebĂ€ude erhĂ€lt den Namen âEpplehausâ. SpĂ€ter zieht eine Untersuchungskommission den Schluss, dass das polizeiliche Handeln verhĂ€ltnismĂ€Ăig gewesen sei.
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Tags darauf kommt es auch in Augsburg zu einer Konfrontation mit tödlichem Ausgang. Zwei Mitglieder der Roten Armee Fraktion, die in die IllegalitĂ€t abgetaucht sind, verlassen ihre Wohnung im Augsburger Georgsviertel. Es sind Thomas Weisbecker und Carmen Roll. Sie wissen nicht, dass sie seit einiger Zeit ĂŒberwacht werden. Als sie die Innenstadt erreichen, trennen sich ihre Wege. Vor dem Stadtwerkehaus treffen zwei Polizisten auf Weisbecker. Sie befehlen ihm die HĂ€nde hochzunehmen. Dieser greift nach einer Pistole. Ein Polizist tötet ihn durch einen Schuss ins Herz. Weisbeckers Mutter stellt danach eine Strafanzeige wegen des Verdachts der vorsĂ€tzlichen Tötung. Die Polizei gibt an, der Beamte habe in Notwehr geschossen. Die Staatsanwaltschaft folgt der polizeilichen Darstellung und stellt das Verfahren ein. Am 12. Mai verĂŒbt die Rote-Armee-Fraktion einen Racheakt und lĂ€sst im PolizeiprĂ€sidium Augsburg eine Bombe detonieren. Ein Kommando Thomas Weisbecker bekennt sich zu dem Anschlag: Die Fahndungsbehörden haben zur Kenntnis genommen, dass sie keinen von uns liquidieren können, ohne damit rechnen zu mĂŒssen, dass wir zurĂŒckschlagen.
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Auch Italien hat ein Problem mit dem Linksextremismus. Ein prominenter Exponent ist der 46jĂ€hrige steinreiche Verleger Giangiacomo Feltrinelli. Er ist in den Untergrund abgetaucht und fĂŒhrt die Terrororganisation GAP (Gruppe der Partisanenaktion). Zwölf Tage nach dem Augsburger Ereignis wird er in einem Hochspannungsmast in der NĂ€he von Mailand tot aufgefunden. Laut einer gerichtlichen Untersuchung wollte Feltrinelli einen Terroranschlag auf die Ăberlandleitung ausĂŒben. Seine Bombe sei vorher explodiert und habe ihm tödliche Verletzungen zugefĂŒgt. Die italienische Linke zweifelt das Untersuchungsergebnis an. Sie vermutet, dass Feltrinelli einem Mordanschlag zum Opfer gefallen ist.
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Der Griff nach den Sternen ist ungebrochen. Die NASA schickt die Raumsonde Pioneer 10 am 3. MĂ€rz in Richtung Jupiter, der gröĂter Planet des Sonnensystems ist. In 21 Monaten soll sie zum Jupiter gelangen und anschlieĂend das Sonnensystem verlassen. Da nicht ausgeschlossen wird, dass das Weltraumfahrzeug auf eine auĂerirdische Zivilisation trifft, fĂŒhrt es eine Botschaft auf einer vergoldeten Plakette mit sich. Darauf befinden sich Zeichnungen und Symbole ĂŒber das Leben auf der Erde.
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Die deutsche Ausgabe des Politthrillers âDer Schakalâ kommt in die Buchhandlungen und begeistert die Leserschaft. Autor ist Frederick Forsyth, einst jĂŒngster Pilot der Royal Air Force und Fernsehreporter der BBC. In dem super spannenden Roman geht es um ein von der französischen Untergrundorganisation OAS geplantes Attentat auf den StaatsprĂ€sidenten Charles de Gaulle. Bisher sind all ihre Tötungsversuche gescheitert. Jetzt, nachdem viele UntergrundkĂ€mpfer verhaftet worden sind, will sie es nochmals versuchen und engagiert einen auslĂ€ndischen Berufskiller. Die französischen Geheimdienste bekommen von dem Attentatsplan Kenntnis. Sie wissen allerdings lediglich, dass er EnglĂ€nder ist, blonde Haare trĂ€gt und den Decknamen âSchakalâ gebraucht. Die europaweite Jagd auf den Schakal beginnt. Kommissar Claude Lebel gelingt es schlieĂlich, den Gesuchten auszumachen und somit das Attentat zu verhindern.
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In Ulm an der Donau stellt der 21jĂ€hrige strubbelhaarige Gewichtheber Rudolf Mang am 5. MĂ€rz einen neuen Superschwergewichts-Weltrekord im DrĂŒcken auf. Er erhöht die Bestmarke auf 230,5 kg. Der starke Mann aus Bellenberg im bayerischen Schwaben macht seine Gemeinde weltbekannt. In den Medien wird er BĂ€r von Bellenberg genannt. Bei den Europameisterschaften am 21. Mai in Konstanza unterliegt er im Dreikampf aus DrĂŒcken, ReiĂen und StoĂen dem russischen Koloss Wassili Alexejew nur knapp. Man traut ihm jetzt den Gewinn der Goldmedaille bei den diesjĂ€hrigen Olympischen Spielen in MĂŒnchen zu. Mang gerĂ€t unter Erwartungsdruck. Im erneuten Duell unterliegt er Alexejew. Er muss sich mit der Silbermedaille und mit dem Status des zweitstĂ€rksten Mannes zufriedengeben.
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Zum ersten Mal bringt der als Dramatiker bekannt gewordene Rolf Hochhuth eine Komödie auf die BĂŒhne. Er betitelt sie mit âDie Hebammeâ. Die Premiere findet zeitgleich in Kassel, Göttingen, Essen, Wiesbaden und ZĂŒrich statt. Ort der Komödie ist die imaginĂ€re nordhessische Provinzstadt Wilhelmsthal. In dieser Kommune tritt ein besonderer sozialer Gegensatz zutage. Zum einen gibt es dort eine Barackensiedlung, in der arme Menschen im sozialen Elend leben. Zum anderen ist in der NĂ€he eine Bundeswehr-Siedlung entstanden, in die demnĂ€chst MilitĂ€rmusiker einziehen sollen. Die CDU-StadtrĂ€tin, Diakonissin und Hebamme Sophie setzt sich zum Ziel, die Baracken-Bewohner aus ihrem sozialen Elend zu befreien. Sie wĂ€hlt einen illegalen Lösungsweg. Sie fĂ€lscht die Papiere einer am Kriegsende verstorbenen Witwe eines Offiziers, dem die Nazis Unrecht angetan hatten. Sie bemĂ€chtigt sich deren IdentitĂ€t und stellt einen Antrag auf Wiedergutmachung. Diesem wird von der betreffenden Behörde entsprochen. Somit verfĂŒgt sie ĂŒber eine gute finanzielle Basis, um mit viel List die Armen von Wilhelmsthal in die bundeseigenen HĂ€user umzuquartieren.
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In der Bundesrepublik Deutschland wird seit Ende der sechziger Jahre ĂŒber die rechtliche Regelung von SchwangerschaftsabbrĂŒchen eine sehr kontrĂ€re Diskussion gefĂŒhrt. Besonders hoch schlugen die Wellen, als am 6. Juni 1971 das Bekenntnis von 374 Frauen, abgetrieben zu haben, im Wochenmagazin STERN veröffentlicht wurde. Initiatorin der Aktion war die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Diese veröffentlichte ein paar Monate spĂ€ter das Buch âFrauen gegen den § 218â. Die Gesetzgebung bleibt in der Bundesrepublik Deutschland zunĂ€chst unverĂ€ndert. Auftrieb erhĂ€lt die westdeutsche Protestbewegung gegen den Paraphen 218, als am 9. MĂ€rz die Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik das âGesetz ĂŒber die Unterbrechung der Schwangerschaftâ verabschiedet. Es ist ĂŒbrigens die einzige Abstimmung in diesem obersten Machtorgan, die nicht einstimmig endet. Es gibt 14 Neinstimmen aus der Fraktion der Ost-CDU und acht Enthaltungen. Nach dem neuen Gesetz haben ostdeutsche Frauen das Recht, sich innerhalb der ersten zwölf Wochen fĂŒr einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden, wenn dieser nach vorhergehender Beratung von einem Arzt durchgefĂŒhrt wird.
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Am zweiten MĂ€rzwochenende treffen sich 400 Frauen aus 40 StĂ€dten in der Frankfurter Jugendherberge am Mainufer zum ersten Bundesfrauenkongress. Sie möchten der UnterdrĂŒckung der Frau entgegenwirken und ihre Interessen artikulieren. In einer Resolution konkretisieren sie ihre Ziele:
- gleiche Löhne fĂŒr gleichwertige Arbeit (und dazu die Abschaffung des Hausarbeitsgesetzes § 1356),
- die Vergesellschaftung der Hausarbeit (GroĂkĂŒchen sollen der Hausfrau zeitraubende Vorarbeiten wie zum Beispiel KartoffelschĂ€len abnehmen),
- Teilzeitarbeit fĂŒr Mann und Frau,
- Gratis-24-Stunden-KindergÀrten und Ganztagsschulen,
- ein Babyjahr fĂŒr Mutter oder Vater statt des ĂŒblichen Mutterschutzes von sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt,
- die steuerliche Gleichstellung von unverheirateten mit verheirateten Paaren,
- und die Errichtung von GroĂwohnungen zu niedrigen Mieten, um die Isolation der Kleinfamilie aufheben zu können.â
Am Ende des Kongresses singen die Teilnehmerinnen gemeinsam das Lied âFrauen gemeinsam sind starkâ des Frankfurter Weiberrates. Die neue deutsche Frauenbewegung hat begonnen.
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Der junge, aufstrebende Schriftsteller Peter Handke steigert seinen Bekanntheitsgrad. Am 13. MĂ€rz erscheint bei Suhrkamp sein neuer autobiografisch beeinflusster Roman âDer kurze Brief zum langen Abschiedâ. Der Ich-ErzĂ€hler, ein österreichischer Autor Anfang 30, reist quer durch die USA, nach dem er sich von seiner Frau Judith getrennt hat. Sie reist ihm nach und lĂ€sst ihn wissen, dass sie von ihm nicht kontaktiert werden möchte. Die zunĂ€chst entspannend anmutende Reise spitzt sich dramatisch zu. Judith trifft auf ihren Mann und konfrontiert ihn mit einem gezĂŒckten Revolver. Ihrem Ex-Partner gelingt es, sie zu entwaffnen und die Konfrontation zu entschĂ€rfen. Daraufhin reisen sie mit einem alten Western-Regisseur nach Kalifornien. Er gibt ihnen Gelegenheit, sich ihr Beziehungsproblem von der Seele zu reden. Friedlich gehen sie auseinander. Der Literaturkritiker Helmut Karasek lobt die klare, anschauliche Schönheit dieses Buches.
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Beinahe wĂ€re Frankfurt am Main 1949 vorlĂ€ufige Bundeshauptstadt geworden. Bonn hatte die Nase bei der Abstimmung knapp vorn. Dennoch ist die GroĂstadt am Main âhauptstĂ€dtischerâ als Bonn. Sie ist unbestritten die Banken- und Finanzmetropole der wirtschaftlich erfolgreichen Bundesrepublik Deutschland. Und was den Flugverkehr betrifft, ist sie Deutschlands Tor zur Welt. Am 14. MĂ€rz wird das Terminal Mitte (heute Terminal 1) des Flughafens vom BundesprĂ€sidenten Gustav Heinemann feierlich eröffnet. Sieben Jahre hat der eine Milliarde Mark teure Neubau gedauert. Otl Aicher, der auch fĂŒr das visuelle Erscheinungsbild der Olympischen Spiele 1972 zustĂ€ndig ist, hat fĂŒr die Orientierung der Flugpassagiere ein prĂ€gnantes Piktogramm-System entwickelt. Es kommt so gut an, dass es in der Folgezeit von vielen FlughĂ€fen der Welt ĂŒbernommen wird. Man ist voll des Lobes ĂŒber das Bauwerk und spricht vom âAirport der Zukunftâ.
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Am 15. MĂ€rz kommt âDer Pateâ in die Kinos. Francis Ford Coppola hat Mario Puzos gleichnamigen Roman verfilmt. Zentraler Inhalt sind der Aufstieg und der Machtverfall einer vom Paten Don Vito Corleone regierten Mafia-GroĂfamilie. Zeitlich angesiedelt ist das Geschehen in der New Yorker Unterwelt der 1940er und 1950er Jahre. Titelheld ist der genial spielende Marlon Brando. Ein Jahr spĂ€ter wird der Film fĂŒr elf Oscars nominiert. SchlieĂlich erhĂ€lt er davon drei: als bester Film, bester Hauptdarsteller (Marlon Brando) und bestes adaptiertes Drehbuch.
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Im Verlauf des Monats erregt ein 200 Seiten starkes Sachbuch die Aufmerksamkeit der Welt. Es ist die von Dennis Meadows und seinem Team am Massachusetts Institute of Technology verfasste Studie âDie Grenzen des Wachstumsâ. Auftraggeber ist der Club of Rome, eine 1968 gegrĂŒndete Denkfabrik. Fazit dieser Studie ist, dass bis zum Jahr 2100 unsere Umwelt zerstört ist und die Rohstoffquellen der Erde zur Neige gehen. Diese drohende Katastrophe kann, so die zentrale Schlussfolgerung, nur durch eine radikale umweltpolitische Wende verhindert werden. Konkret heiĂt es weiter: Unsere gegenwĂ€rtige Situation ist so verwickelt und so sehr Ergebnis vielfĂ€ltiger menschlicher Bestrebungen, dass keine Kombination rein technischer, wirtschaftlicher oder gesetzlicher MaĂnahmen eine wesentliche Besserung bewirken kann. Ganz neue Vorgehensweisen sind erforderlich, um die Menschheit auf Ziele auszurichten, die anstelle weiteren Wachstums auf GleichgewichtszustĂ€nde fĂŒhren. Sie erfordern ein auĂergewöhnliches MaĂ von VerstĂ€ndnis, Vorstellungskraft und politischen und moralischen Mut. Wir glauben aber, dass diese Anstrengungen geleistet werden können, und hoffen, dass diese Veröffentlichung dazu beitrĂ€gt, die hierfĂŒr notwendigen KrĂ€fte zu mobilisieren. Obwohl es zu der Studie auch kritische Stimmen gibt, entsteht in deren Gefolge eine zur nachhaltigen Entwicklung mahnende Umweltbewegung. Der naive ökonomische Wachstumsglaube wird erschĂŒttert. In der Wachstumsgesellschaft bahnt sich ein MentalitĂ€tswandel an. Die grĂŒnen Geister, die die Studie gerufen hat, können nicht mehr zum Verschwinden gebracht werden.
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In Europa ist man sich sicher, den Pocken-Virus ausgerottet zu haben. Als im Februar 1972 der 38jĂ€hrige Kosovo-Albaner und islamische Geistliche Ibrahim Hoti von einem Besuch Mekkas und der heiligen StĂ€tten im Irak in die jugoslawische Heimat zurĂŒckkehrte, weiĂ er nicht, dass er diesen Krankheitserreger in sich trĂ€gt. Er hat kurze Zeit Fieber und einen Hautausschlag. Dann verschwinden die Symptome. Plötzlich erkrankt eine Kontaktperson Hotis schwer. Die Ărzte können die Krankheit nicht als Pockeninfektion diagnostizieren. Der tatsĂ€chlich infizierte Pockenkranke stirbt am 10. MĂ€rz. Weitere Patienten weisen Ă€hnliche Symptome auf. Erst am 21. MĂ€rz weiĂ man, dass sie durch schwarze Pocken hervorgerufen wurden. Insgesamt werden 175 Menschen infiziert, 53 sterben. Durch strenge QuarantĂ€ne-MaĂnahmen und Massenimpfungen kann die beginnende Epidemie eingedĂ€mmt werden. Auch in Deutschland droht ein Ausbruch. Ein jugoslawischer Gastarbeiter bringt den Virus von einem Kosovo-Aufenthalt nach Hannover mit. Dort werden 645 Kontaktpersonen ausfindig gemacht und in QuarantĂ€ne geschickt. Einer Epidemie kann dadurch vorgebeugt werden.
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In den USA erfĂ€hrt das Rauschgift Kokain ein Comeback. Die Modedroge der zwanziger Jahre wird vor allem von Angehörigen der GroĂstadt-Schickeria konsumiert. Die Underground-Zeitschrift âRolling Stoneâ spricht von der Droge des Jahres. Manche User nehmen das weiĂe Pulver mit Hilfe einer zusammengefalteten US-Dollarnote ein. Offensichtlich gelangt das Rohkokain aus den Andenstaaten in die US-Metropolen. Obwohl nach dem Kokain-Konsum ein katerartiges Unwohlsein zu verspĂŒren ist, bleiben die Konsumenten von gravierenden körperlichen Entzugserscheinungen verschont. Sie preisen die Erhöhung der Kreativleistung, die SchĂ€rfung der Wahrnehmung, die Beseitigung von Selbstzweifeln und die Steigerung des Sexualgenusses. Trotz Ă€rztlicher Warnungen vor der langfristigen psychischen AbhĂ€ngigkeit hĂ€lt der Kokain-Hype an.
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Nicht nur in den Kasernen der Bundeswehr, sondern auch in den Klassenzimmern der deutschen Schulen lĂ€sst die Disziplin zu wĂŒnschen ĂŒbrig. Bundesweite Aufmerksamkeit erregt ein âAufruf an alle Elternâ, verfasst v...
Table of contents
- Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Januar
- Februar
- MĂ€rz
- April
- Mai
- Juni
- Juli
- August
- September
- Oktober
- November
- Dezember
- Literatur
- Impressum
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