Friedrich Maximilian von Mandelsloh (I)
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Friedrich Maximilian von Mandelsloh (I)

Erinnerungen 1803 - 1812

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Friedrich Maximilian von Mandelsloh (I)

Erinnerungen 1803 - 1812

About this book

Die beiden Hefte (69 + 70) beinhaltet die 1850 niedergeschriebenen Erinnerungen des damaligen pensionierten Generalmajors von Mandelsloh. Er trat 1803 ins adlige Kadettenkorps und nahm als Offizier an den Feldzügen von 1806 (Regiment Prinz Clemens), 1809 (Grenadierbataillon v.Hake), 1812 (Grenadierbataillon v.Liebenau), 1813 (Regiment v.Steindel) und 1814 (3. Grenadierbataillon) teil.

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Information

Year
2021
Print ISBN
9783754315330
Edition
1
eBook ISBN
9783754354568
Topic
History
Index
History

Feldzug 1809

Die Grenadier-Kompanien der Regimenter Prinz Clemens und von Oebschelwitz bildeten ein Bataillon unter den Befehlen des Major von Hake vom Regiment König. Weder in seiner inneren Verfassung noch in seiner äußeren Erscheinung genügte das Bataillon den Ansprüchen, die man an eine wohl organisierte Truppe, geschweige denn an eine Elite zu machen berechtigt gewesen wäre. Im Feldzug 1807, welchem das Bataillon beigewohnt hatte, hatten die Kompanien sehr viel Leute verloren, mehr durch Krankheit und Desertion als vor dem Feinde und zählten daher über 2/3 Rekruten in ihren Reihen. Die Offi-ziere waren nicht vollzählig, denn so fehlten namentlich sämtliche Hauptleute, welche teils in den Depots, teils durch Krankheit zurück gehalten wurden und teilweise erst später eintrafen. Die Bekleidung war mangelhaft, besonders das wesentlichste Stück derselben für einen Feldzug, die Capots, waren infolge des polnischen Feldzugs in dem erbärmlichsten Zustande; die Zierde der Grenadiere, die Bärmütze, war abgelegt worden und an deren Stelle kleine dreieckige Hüte mit einem weißen Federstützchen getreten. Dies war die wenig glänzende Beschaffenheit des Bataillons, bei dessen 2ter Kompanie von Clemens ich meine Anstellung erhalten hatte und deren übrige Offiziere der Premierleutnant von Minckwitz und Sousleutnant von Kessinger waren.
Das sächsische Korps war am 16ten April aus der Umgegend von Dresden aufgebrochen, um als 9tes Korps der großen Armee unter dem Marschall Bernadotte zum französischen Heer zu stoßen, welches zu dieser Zeit in Bayern an der Donau dem österreichischen Heere entgegen rückte. Ich traf an diesem Tag bei dem Bataillon ein, welches in der Gegend von Meißen Nachtquartier hatte und mein erstes Debüt war, dass ich für die nächsten Tage auf Batteriewache kommandiert, mit der Artillerie marschieren musste. Unser March ging über Altenburg nach Weimar, wo das Korps einen Tag rastete. Mein Bataillon lag in Weimar selbst, wo sich das Hauptquartier befand und das mit Truppen angefüllt war. Ein Ball am Hofe, zu welchem sämtliche Offiziere eingeladen waren und bei dem ich mich entsinne Wieland gesehen zu haben, so wie eine Vorstellung von Wallensteins Lager im Theater bei freiem Eintritt füllten die beiden Abende, die wir in Weimar zubrachten, ganz angenehm aus. Besonders vergnügte mich die Vorstellung im Theater und gewiss wurde Wallensteins Lager nie vor einem passenderen und teilnehmenderen Publikum gegeben als hier, wo das ganze Haus nur mit Uniformen angefüllt war.
Hier in Weimar ging uns der Befehl zu, die Feldbinden abzulegen und obgleich nun, außer dem Portepee keine äußere Abzeichnung des Offiziers blieb, so entäußerten wir uns doch nicht ungern dieses, für uns unter jetzigen Verhältnissen, etwas unbequemen Schmuckes. Unsere Equipage war bis auf eine Minimum reduziert worden und nur ein kleiner Mantelsack war uns für den Transport unserer Effekten erlaubt, so wie auch die früher den Offizieren zugestandenen Reitpferde weggefallen waren, so dass für uns Fußgänger jede Erleichterung im Anzuge ein Vorteil war. Die Gelegenheit, die sich uns in Weimar bot, unsere Feldbinden zu verkaufen, wurde zum Vorteil der dortigen Goldarbeiter nicht unbenutzt gelassen und das dafür gelöste Geld als ein willkommener Zuschuss zu den bevorstehenden Feldzug betrachtet.
Von Weimar aus wendete sich unsere Marschrichtung, indem wir von hier über Schleiz, Hof und längs der böhmischen Grenze hin über Wunsiedel nach Straubing marschierten, wo die Donau von uns überschritten wurde. Der Marsch wurde von Hof aus sehr beschwerlich, denn von hier an marschierten wir nur in größeren Kolonnen mit allen Vorsichtsmaßregeln wie in der Nähe des Feindes und wenn wir auch nicht eigentlich biwakierten, so kamen wir doch so dicht in die Quartiere, dass oft die kleinen Orte die Menge an Truppen nicht aufzunehmen vermochten und wir in Scheuern und unter freiem Himmel uns unser Lager bereiten mussten. Von Straubing aus folgten wir dem Lauf der Donau und die erste Division kam am 17ten Mai Nachmittags, nach einem sehr anstrengenden Marsch von Efferdingen aus, in Linz an. Hier lagerten wir uns ermüdet auf das Straßenpflaster und sollten eben einquartiert werden, als wir schleunigst wieder unter die Waffen treten mussten, um den im Gefecht begriffenen Württembergern unter dem General Vandamme zu Hilfe zu eilen, welche von den Österreichern auf dem linken Donauufer hart bedrängt wurden. Im Laufe ging es über die Donaubrücke, wohin schon die zweite Brigade uns vorangegangen war, doch war der Anteil, den unser Bataillon am Gefecht nahm, nur unbedeutend. Die Hauptbestrebungen der sächsischen Truppen, wenigstens der Infanterie, waren gegen den Pöstlingsberg gerichtet, auf welchem die Österreicher eine starke und feste Position genommen hatten. Unser Bataillon hatte die Bestimmung, diesen Angriff zu unterstützen und wurden vom Pöstlingsberg aus zwar mit lebhaftem Kanonenfeuer begrüßt, doch gingen die Kugeln alle zu hoch, so dass sie uns keinen Schaden zufügten. Mit der Einnahme des Pöstlingsberges war das Gefecht entschieden, die Österreicher zogen sich zurück und unser Bataillon wurde nebst andern Truppen zu den Vorposten bestimmt, wobei ich zum ersten Mal in meiner Dienstzeit so ganz in der Nähe des Feindes auf Feldwacht kam, wo weder ein Feuer angezündet noch das Gewehr aus der Hand gelegt werden durfte. Es war dies eine etwas unangenehme Nacht, denn nach dem höchst ermüdenden Marsch des Tages war uns keine Ruhe gegönnt worden und an Lebensmitteln hatten wir nichts, als was wir aus dem letzten Nachtquartier etwa noch bei uns führten.
Nachdem wir hier ein oder zwei Tage gestanden hatten, bezogen wir einen Biwak näher an Linz, wo der größte Teil der sächsischen Truppen lagerte und blieben hier bis zum 26ten Mai stehen. An diesem Tag erhielt das Bataillon gegen Abend plötzlich den Befehl aufzubrechen und nebst zwei Schwadronen Carabiniers nach Steyer zu marschieren zur Sicherung der dortigen Gegend gegen insurrektionelle Bewegungen, welche von der Steiermark her drohen sollten. Dem Befehl zu Folge brach dann das Bataillon Abends 8 Uhr aus dem Biwak bei Linz auf und nachdem wir die Nacht hindurch marschiert waren, erreichten wir Steyer des andern Tags früh 9 Uhr. Meines Bleibens war jedoch hier nicht, denn ich wurde zur Deckung der rechten Flanke des Bataillons mit 15 - 20 Mann nach dem Dorfe Sarning entsendet, wo ich mich zwar außerhalb des Dorfes aufstellte und hier biwakierte, mich und mein Detachement aber mit allem Nötigen aus dem Dorfe versehen ließ. Die Dorfbewohner hatten große Angst vor uns und versorgten uns reichlich mit allen Bedürfnissen, so dass wir uns hier ganz wohl befanden. Ich benutzte, freilich etwas widerrechtlich, diese Furcht noch weiter, indem ich gegen das Versprechen, die strengste Disziplin zu halten, für jeden Mann meines Detachements Leinwand zu ein paar Pantalons requirierte und diese auch ohne alle Widerrede erhielt.
In dieser Stellung blieben wir bis zum 30ten Mai, an welchem Tag ich wieder zum Bataillon einberufen wurde, welches gegen Abend von Steyer aufbrach und bis gegen Enns marschierte, wo wir des Nachts um 1 Uhr ankamen. Am Morgen erhielten wir den Befehl, dem Korps, welches an diesem Tage, 31ten Mai, von Linz aufbrechen würde, als Vorhut zu diesen und denselben bis Amstetten vorauszugehen. Wir setzten uns daher gegen Mittag wieder in Marsch und erreichten nach einem heißen Tag Abends 9 Uhr Amstetten sehr ermüdet. Dieses kleine, zwei Stunden von den Donau entfernt liegende Städtchen, durch welches die Straße nach Wien führt, war ausgeplündert und fast von allen seinen Einwohnern verlassen. Ein Teil der Carabiniers war schon vor uns angelangt und hatte sich einquartiert. Unser Bataillonskommandant entschloss sich zu derselben Maßregel, teils um der ermüdeten Mannschaft Ruhe zu gewähren, teils auch weil ihm von dem dort anwesenden französischen Platzkommandanten versichert wurde, dass hier nichts vom Feind zu fürchten sei. Um jedoch einige Sicherheitsmaßregeln zu treffen, wurden die Tore der Stadt mit Wachen besetzt und eine kleine Feldwache auf der Straße nach Wien aufgestellt. An eine regelmäßige Einquartierung war natürlich nicht zu denken, die Kompanien wurden in den Straßen verteilt und jeder suchte sich dann ein Unterkommen so gut er konnte. Wir Offiziere der beiden Kompanien von Clemens waren zusammen in ein Haus gegangenen, was zwar noch bewohnt war, dessen Besitzer uns aber nichts weiter zu bieten hatte als etwas Stroh zu einem Lager. Bei unserer Ermüdung war uns dies das Willkommenste und nachdem wir von unseren mitgebrachten Lebensmitteln ein kleines Abendessen eingenommen hatten, streckten wir uns auf unsere Streu, wo der Schlaf nicht lange auf sich warten ließ.
Noch lagen wir im ersten Schlafe, als wir nach Mitternacht durch Schüsse aufgeweckt wurden, die in den Straßen des Städtchens fielen. Schnell sprangen wir von unserm Lager auf, fuhren in unsere Stiefeln und Kleider, denn wir hatten im Gefühl der Sicherheit es uns so bequem gemacht wie möglich und eilten zusammen der Türe zu. Vor dem Hause jedoch trennten wir uns in der Dunkelheit und jeder handelte nun auf seine eigene Hand. Ich bemerkte, wie aus einem der gegenüber liegenden Häuser 10 - 12 Grenadiere herauskamen, sprang sogleich zu ihnen hin und eilte mit ihnen den Ausgang der Straße, zu der Hauptstraße hin, zu besetzen, so dass wir an beiden Seiten an die Häuser anlehnten und meine Flanken vor den Angriffen der in den Straßen umhersprengenden Österreichischen Reiter geschützt waren. Sehr schnell wuchs mein kleines Häuflein durch sich anschließende Mannschaft zu einem ansehnlichen Trupp an, mit dem ich mir durch ein tüchtiges Feuer alle Angriffe vom Hals hielt. Da sah ich im Zwielicht einen Reiter auf mich ansprengen, von dem ich nur bemerken konnte, dass er keinen Hut trug und dunkelfarbig gekleidet war, während die mit uns im Orte befindlichen Carabiniers weiße Collets hatten und als Kopfbedeckung Hüte. In der Überzeugung, dass dies nur ein Österreicher sein könnte, befahl ich Feuer zu geben und augenblicklich stürzte das Pferd zusammen, der Reiter aber hob die Arme und rief: „Wollt ihr mich mit Gewalt tot schießen!“ Meines traurigen Irrtums gewahr werdend, sprang ich nebst ein paar Mann dem Gefallenen zu Hilfe, zog ihn unter dem Pferd hervor und geleitete ihn hinter meinen Trupp. Es war, wie ich nun leider sah, der Major Lehmann von den Carabiniers, der seinen Hut im Gefecht verloren hatte und statt des weißen Collets einen dunkelfarbigen Spencer trug. Das Pferd war tot und der Major durch den Leib geschossen, doch beklagte er im Zurückführen nicht sich sondern nur seinen schönen Braunen. Ob er durch eine unserer Kugeln oder schon früher durch eine österreichische verwundet worden war, lasse ich dahin gestellt; natürlich hatte ich kein Interesse eine Erörterung hierüber herbeizuführen, indes wurde er von seiner Wunde glücklich hergestellt und starb erst im hohen Alter in Dresden. Mittlerweile hatte unser Haufen sich immer mehr vergrößert und auch der Bataillonskommandant hatte sich zu uns gesellt. Die Österreicher, Reiterei und Jäger, die wohl geglaubt haben mochten, das Hauptquartier in Amstetten zu überraschen, verließen den Ort, sobald wir ihnen in größeren Abteilungen Widerstand entgegen setzten und sie nun in den Straßen der Stadt nichts mehr ausrichten konnten. Es war schon ziemlich still im Ort geworden und wenigstens in unserm Wirkungskreis kein Feind mehr zu bemerken, als wir plötzlich in unserm Rücken Trompetenschmettern und Pferdegetrappel hörten, was uns im ersten Augenblick nicht wenig stutzig machte, da wir einem Angriff von dieser Seiten entgegenzusehen glaubten. Doch glücklicher Weise war dem nicht so. Eine Abteilung Carabiniers, welche unter dem Leutnant Seydlitz detachiert gewesen und auf dem Marsch nach Amstetten begriffen war, hatte das Feuer gehört und ganz richtig vermutend, dass wir der Hilfe benötigt sein könnten, hatte der Leutnant Seydlitz seine Abteilung in scharfen Trab gesetzt und durch Trompetenschall uns seine Ankunft verkündigen wollen. Wir waren freudig überrascht, unsere Befürchtungen sich so in das Gegenteil verwandeln zu sehen, ließen die Carabiniers durch unsere Reihen hindurch und folgten ihnen so dann selbst vor die Stadt, wo wir und aufstellten, während jene den Spuren der nach der Donau zurückgekehrten Österreichern folgten, ohne diese jedoch zu erreichen.
Das Bataillon versammelte sich nun hier nach und nach, so wie die Carabiniers, welche während des Gefechtes mit ihren Pferden in den Ställen zurück geblieben waren, da sie sonst dem Feinde einzeln in die Hände gefallen wären. Der Major Hake umarmte mich, nannte mich auch seinen Retter und verhieß mir den Orden, woraus jedoch nichts wurde, denn der Marschall nahm die Nachricht von dem Überfall sehr ungnädig auf und ließ dem unschuldigen Bataillon diese Ungnade sehr fühlbar merken, so dass er sogar auf späteren Märschen, wenn er der Kolonne entlang ritt, weit in das Feld ausbog, sobald er in die Nähe des Bataillons gelangte.
Nachdem das Bataillon versammelt war, konnten wir erst unsern Verlust an Toten, Verwundeten und Gefangenen übersehen, der nicht umbedeutend war. Von den mit mir zugleich aus dem Haus getretenen Offizieren war der Premierleutnant v.Stutterheim an Kopf, Händen und Armen durch Säbelhiebe bedeutend verwundet und der Sousleutnant v.Kessinger gefangen worden. Von den Offizieren der Oeschelwitzer Kompanien war der Leutnant v.Gärtner schwer verwundet und starb noch im Laufe des Tages. Vom Feind fanden wir keine Toten und nur die auf seinem Abzugsweg bemerkbaren Blutspuren zeigten, dass es bei ihm wenigstens nicht ohne Verwundungen abgegangen war.
Sobald die ausgesendeten Patrouillen uns von dem Rückzug der Österreicher über die Donau vergewissert hatten, traten wir unsern Weitermarsch an und zwar diesmal mit großen, leider nur zu spät angewendeten Vorsichtsmaßregeln, wobei ich den ganzen Marsch über Feld und durch Gebüsch auf Seitenpatrouille zurücklegte. Erst gegen Abend langten wir in Ybbs an und wurden einquartiert, obgleich der Ort dicht an der Donau lag, indes wurde alle Anstalten getroffen, um keinem zweiten Überfall ausgesetzt zu sein und uns der so nötigen Ruhe sorglos überlassen zu können.
Am 2ten Juni gingen wir bis Melk, dieser prächtigen Benediktiner-Abtei, welche auf hohem Felsen an der Donau liegt. Zwar lagerten wir hier im Biwak, doch wurden wir Offiziere in der reichen Abtei bewirtet und ergötzten uns an der wundervollen Aussicht von der Terrasse des Klosters. Den 3ten Juni setzten wir unsern Marsch fort und bezogen am Fuße des Berges, worauf das Kloster Gottreich liegt, einen Biwak an der Straße von St.Pölten nach Mautern. Das an der Donau liegende Mautern war von unsren leichten Truppen besetzt, denen wir zur Unterstützung dienten, während das Korps am 4ten Juni eine Stellung bei St.Pölten bezog. Unser Bataillon trat hier unter die Befehle des französischen Generals Dupas, welcher mit mehreren Truppen hier zu uns stieß, wo wir bis zum 8ten Juni stehen blieben. In diesem Lager herrschte Überfluss an Lebensmitteln und besonders an Wein, dessen übermäßiger Genuss nicht unbedeutende Unordnungen herbeiführte, welche besonders bei dem neben uns liegenden Regiment Johann Dragoner hervortraten. Württembergische Truppen lösten uns hier ab, worauf wir ein Lager bei Regelsdorf, eine Stunde von St.Pölten bezogen.
Bei dem Abmarsch von Gottreich erhielten die beiden Kompanien von Clemens den Auftrag zu einer nächtlichen Expedition an dem Ufer der Donau, deren eigentlichem Zweck ich mich nicht mehr erinnere. Der Weg musste bei Nacht und mit Vorsicht zurückgelegt werden, da er dicht an dem Flusse hinführte, dessen anderes Ufer von den Österreichern besetzt war und deren Kugeln das diesseitige Ufer des hier nicht sehr breiten Flusses erreichten. Bei finsterer Nacht und in größter Stille zogen wir an dem felsigen Ufer hin, welches in dieser Gegend von bayerischen Truppen besetzt war. Ich hatte mich den beiden Grenadieren der Spitze zugesellt, um bei den Posten, die wir zu passieren hatten, die Examination abzukürzen, damit wir unsern Weg ohne längeren Aufenthalt fortsetzen konnten. So gelangten wir an einen stärkeren Posten, dessen Schildwache vor dem Gewehr unserer Annäherung nicht eher gewahr wurde, als bis wir uns ihr auf wenige Schritte genähert hatten. Jetzt, vielleicht aus dem Schlummer erwachend, gewahrt uns die Schildwache plötzlich, ruft an, aber ohne die Antwort zu erwarten und in der Meinung Feinde vor sich zu sehen, feuert sie auch sogleich ihr Gewehr auf uns ab, doch glücklicher Weise ohne jemand von uns zu treffen. Die im Schlaf versunkene Mannschaft der Wache sprang, von dem Schuss erweckt, auf und ergriff ihre Waffen, um sich dem vermeintlichen Feind entgegen zu werfen, doch gelang es mir durch Zurufen sie zu beruhigen und von weiteren feindlichen Demonstrationen abzuhalten.
Während das Korps bei St.Pölten stand erfolgte eine veränderte Formierung desselben, wobei aus jedem Regiment ein Bataillon wurde und die unverändert bleibenden Grenadierbataillone zu einer Brigade unter dem Generalmajor v.Hartitzsch zusammenstießen. Die hierdurch überzählig gewordenen Offiziere sollten den 12ten Juni unter General v.Boxberg nach Sachsen zurückgehen, um dort neue Bataillone zu b...

Table of contents

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Einleitung
  3. Die Kadettenjahre
  4. Mein Eintritt ins Regiment
  5. Feldzug 1806
  6. Mein Aufrücken zum Offizier
  7. Feldzug 1809
  8. Der Zeitraum zwischen den Feldzügen 1809 und 1812
  9. Quellen
  10. Bei BOD sind in dieser Reihe an Berichten und Tagebüchern bisher erschienen
  11. Impressum

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