Was ist das Geheimnis des Erfolgs im Management und im Leben? Es sind nicht nur Kompetenz, Erfahrung und politisches GespĂŒr. Es sind Werte wie zum Beispiel Vertrauen, IntegritĂ€t und WertschĂ€tzung, die unser Verhalten steuern. Werte prĂ€gen, was wir tun und wer wir sind. Die Autorin beleuchtet den Unterschied zwischen den Werten eines Sustainable Leaders und jenen, die einen Toxic Leader anleiten. Es geht u.a. um Macht versus AutoritĂ€t, Haltung oder Opportunismus, DuckmĂ€usertum oder Rebellendasein, um den allgemeinen KonformitĂ€tsdruck bis hin zur Bedeutung von Freiheit als gesellschaftlichen Wert. Dabei blickt sie ĂŒber den Management-Tellerrand hinaus ins Alltagsleben: Werte enden nicht an der BĂŒrotĂŒr. Am Beispiel einiger zentraler Werte zeigt sie, wie sich Werte auf Erfolg und Zufriedenheit eines Menschen auswirken und wie man die beste Version von sich selbst werden kann. Und: Wie vermeiden wir es, im Stress von Management, Familie und Alltag selbst toxisch zu werden? Jeder Mensch hat seinen Werte-Kompass. Dieses Buch gibt Gelegenheit, sich mit den eigenen Werten zu beschĂ€ftigen und sie, vor allem in Krisensituationen, zu ĂŒberdenken, zu verĂ€ndern oder neu zu priorisieren.

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Information
âDinge, die man nicht kaufen kann: Charakter,
Manieren, Respekt, Geduld, Vertrauen, Moral,
Liebe, Freundschaft.â
Manieren, Respekt, Geduld, Vertrauen, Moral,
Liebe, Freundschaft.â
Siebtes Kapitel
Vertrauen ist die Basis von allem
Vertrauen ist nicht alles, aber ohne Vertrauen ist alles nichts
Das ist ĂŒberzogen formuliert? Manche meinen das, weil sie denken: âWichtiger fĂŒr Erfolg im Leben und im Beruf sind doch wohl Kompetenz, Erfahrung und Durchsetzungskraft!â Was meinen Sie?
TatsĂ€chlich wird die Bedeutung von Vertrauen chronisch unterschĂ€tzt â meist von Toxic Leaders. Wie wichtig dieser Wert jedoch fĂŒr jeglichen Erfolg ist, sieht man oft erst, wenn das Vertrauen weg ist.
Ein Beispiel, das nationale negative PopularitĂ€t erlangte: Das Bundesliga-FuĂball-Team von Mönchengladbach war in der Saison 2020/21 sensationell unterwegs, zĂ€hlte zeitweilig zu den Top3 der Liga â bis der Trainer mitten in der RĂŒckrunde durchsickern lieĂ, dass er in der nĂ€chsten Saison bei einem Konkurrenten anheuern wird.
Die nÀchsten sieben Spiele verlor sein Team in geradezu absurder Weise. Warum haben das die oben aufgezÀhlten vorgeblich prioritÀren Erfolgsfaktoren nicht verhindert?
- Die Kompetenz von Spielern und Trainer war noch dieselbe
- Die Erfahrung von beiden war die gleiche
- Der Trainer hatte noch immer dieselbe DurchsetzungsfÀhigkeit: Er konnte spielen lassen oder auf die Bank setzen, wen er wollte.
Und doch verlor sein Team sogar gegen Abstiegskandidaten. Warum? Weil das Vertrauen zer- oder schwer gestört war.
Oder wie es ein Spieler, natĂŒrlich anonym, ausdrĂŒckte: âWenn der Trainer gut ist, gehst du fĂŒr ihn die Extrameile. Wenn er selber geht, machst du das nicht.â
Das gilt nur fĂŒr den FuĂball?
Wer meint das?
NatĂŒrlich. Der Toxic Leader. Er bestreitet vehement die Bedeutung und Wirkung von Vertrauen auf ProduktivitĂ€t, Motivation und Effizienz. Er ahnt es, aber will es nicht wahrhaben:
Vertrauen ist der Basis-Produktionsfaktor. Der zentrale Wert, der alles antreibt.
Das wird an vielen Stellen im Berufsleben deutlich; jedoch besonders markant im Projektmanagement; ein Beispiel:
- Das Projekt âEinfĂŒhrung des neuen Rechnungslegungsstandards IFRS 17â steht auf der Kippe (IFRS steht fĂŒr International Financial Reporting Standard)
- Der Vorstand appelliert an Teamleiter und Team: âWenn ihr die Extrameile geht, habt ihr was gut bei mir!â
- Das Team geht die ExtrameileâŠ
- âŠund vermisst in der Folgezeit, was der Vorstand versprach
- Schon im nÀchsten Projekt nehmen Engagement, Commitment, Motivation, Effizienz und ProduktivitÀt deutlich ab.
⊠und das zu Recht â wie das Team meint, weil es dem aus Sicht des Teams wortbrĂŒchigen Vorstand nicht mehr voll und ganz vertraut.
Warum stellt dieser dann das Vertrauen nicht schleunigst wieder her?
Weil er nicht herstellen kann, was er nicht (an)erkennt: âAch was, das neue Projekt ist einfach viel komplexer, und aus diesem Grund ist die ProduktivitĂ€t so schwach â aus keinem anderen.â
Man kann nicht managen, was man nicht sehen kann/will.
Oder wie John Heywood schon 1546 sagte: âThere are none so blind as those who will not see.â Am blindesten ist immer noch, wer nicht sehen will.
Wenn wir dagegen die Augen aufmachen und erkennen, wie grundlegend Vertrauen ist, sollten wir uns wohl alle stĂ€rker um ein tragfĂ€higes Vertrauen bemĂŒhen, sofern wir vorher eine Frage klĂ€ren: Was verstehen wir unter âVertrauenâ?
Was ist Vertrauen ĂŒberhaupt?
Um es kurz zu machen: Vertrauen ist gemeinhin die subjektive Ăberzeugung von der Redlichkeit einer anderen Person.
Wem man vertraut, dem glaubt man, dass er sich so verhĂ€lt wie er es ausgedrĂŒckt hat und dass er es mehr oder weniger ehrlich mit einem meint.
Und das soll in der heutigen Arbeitswelt noch gelten, wo ĂŒberall auch viel getrickst, geschummelt, manipuliert und schöngeredet wird?
NatĂŒrlich.
Auch deshalb wirkt Vertrauen wie ein Turbolader auf Erfolg: Weil dieser grundlegende Wert heutzutage so selten geworden ist. In vielen Unternehmen herrscht geradezu der Anti-Wert, das blanke Gegenteil: die viel zitierte toxische Misstrauenskultur.
VertrauenswĂŒrdig fĂŒhren können und wollen nicht alle. Es sind jene wenigen, die in der Konsequenz mit ĂŒberdurchschnittlichem Erfolg belohnt werden. FĂŒr sie und ihre Mitarbeiter ist Vertrauen der zentrale Wert der Zusammenarbeit.
Warum?
Vertrauen ist die Essenz der Zusammenarbeit
Die beste Antwort auf die Warum-Frage erhalten wir, indem wir den Spieà umdrehen: Wenn ein Mitarbeiter seinem Vorgesetzten und den Kollegen nicht mehr oder nur eingeschrÀnkt vertrauen kann, dann
- ist er stÀndig auf der Hut
- kontrolliert er anderen hinterher und sichert sich selbst ab in Minuten und Stunden, in denen er lieber produktiv arbeiten sollte
- regiert das gegenseitige Misstrauen
- entsteht in groĂem Umfang Ineffizienz
- wird die Zusammenarbeit stressig, kraftraubend und anstrengend
- entsteht nie ein Wir-GefĂŒhl, ein gemeinsamer Teamgeist.
Das alles ersparen wir uns, wenn wir uns aktiv und nachhaltig um gegenseitiges Vertrauen bemĂŒhen. Warum wirkt Vertrauen so stark?
Der Coke-Effekt
Nein, damit ist nicht das Pulver gemeint, sondern die Brause (Sie dĂŒrfen auch Pepsi nehmen). Wenn eine Marke dank QualitĂ€t, Liefertreue und Marketing ein starkes Vertrauen genieĂt â das auf Erfahrung durch den frĂŒheren Genuss des GetrĂ€nks beruht â baut dieses Vertrauen beim Kunden Unsicherheit ab: weniger Pre- und Post-Decision Dissonance.
Wenn ein Kunde auf Basis dieses Vertrauens in die Marke zur Flasche greift, muss er sich nicht lange â wie bei unbekannten oder nicht vertrauenswĂŒrden Limos â fragen: Schmeckt mir das? Taugt das was? Ist da drin, was draufsteht? Stimmt das Preis/LeistungsverhĂ€ltnis? Nein, Vertrauen macht alles viel einfacher: Deckel ab, ansetzen, trinken.
Bei der Limo und zum Beispiel auch bei der Franchise-Systemgastronomie wie auch beim âStammlokalâ und beim âHoflieferantenâ reduziert Vertrauen etwaiges Misstrauen und einige Sekunden bis Minuten Entscheidungsfindung je Transaktion. Und wenn das schon bei so banalen Alltagsdingen einen so starken Effekt hat, können wir diesen Effekt hochrechnen auf Beruf und Management, wo er bedeutende AusmaĂe annimmt: Ist das Vertrauen futsch, arbeiten die Leute nur noch âmit angezogener Handbremseâ, im penetranten Absicherungs- und Kontrollmodus und damit ineffizient, weil stĂ€ndige Kontrolle und Cover Your Ass-Manöver viel Zeit und Energie fressen.
Vertrauen senkt die Kontroll- und Friktionskosten des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit. Denken wir uns nur einmal das Gegenteil: Angenommen, Sie arbeiten mit Leuten zusammen, denen Sie nicht vertrauen!
Viele von uns mĂŒssen das leider. Sie sehen und erleben tĂ€glich, wie um sie herum geschummelt, verschwiegen, getrickst und oft genug intrigiert wird: kein angenehmes Arbeiten. Und ganz selbstverstĂ€ndlich sichern wir uns in so einem Arbeitsklima sorgfĂ€ltig ab â anstatt uns voll und ganz unserer eigentlichen Arbeit zu widmen. Woher kommt das Misstrauen im Berufsleben heutzutage?
Toxiker sind keine bösen Menschen
Menschen, die unser Vertrauen nicht verdienen oder es verspielt haben, sind nicht zwingend böse Menschen per se. Sie haben es schlicht nie anders gelernt. Schon als Kind bekamen sie nur das, was sie brauchten, indem sie ihre Umwelt manipulierten, ihre Taten schönredeten und sich nicht an Versprochenes hielten. Seither gehen sie misstrauisch und tricksend durchs Leben. Sie kennen es nicht anders. Sie können es nicht anders. Das soll keine Entschuldigung sein.
Lediglich eine ErklĂ€rung. Eine Entschuldigung kann es nicht sein, weil jeder Mensch spĂ€testens ab 18 Jahren fĂŒr sich selber verantwortlich ist und deshalb auch Verantwortung fĂŒr seine Werte und sein Verhalten ĂŒbernehmen könnte, sollte, mĂŒsste. Manche tun es: Sustainable Leaders. Auch von ihnen wuchsen etliche in einer Misstrauenskultur auf. Doch irgendwann erkannten sie, dass, wenn Misstrauen Familien und die Psyche von Kindern schĂ€digt, das auch fĂŒr die Arbeit, fĂŒr Teams und den beruflichen Erfolg gilt. Warum erkennen das nicht alle Menschen lĂ€ngst?
Weil â so verrĂŒckt das klingt â Tricksen belohnt wird. Kurzfristig. âWeil jeden Tag ein Dummer aufstehtâ, wie das etwas krasse Sprichwort sagt. It takes two to tango: Tricksen funktioniert nur dann, wenn sich Menschen austricksen lassen. Und davon gibt es tĂ€glich genug. Worauf tippen Sie?
Welche Menschen lassen sich am leichtesten hinters Licht fĂŒhren? Welche sind am vertrauensseligsten?
Die meisten tippen spontan auf Menschen mit schwacher Intelligenz (wie das Sprichwort unterstellt). Die UniversitÀt Oxford dagegen fand in einer Studie heraus, dass es genau umgekehrt ist:
Je höher der IQ, desto vertrauensseliger sind Menschen.
Das ist keine Absage an Intelligenz. Das heiĂt lediglich: Intelligenz schĂŒtzt nicht vor Trickserei. Es erklĂ€rt aber auch, warum gerade in einigen Unternehmen, in denen die KlĂŒgsten der Klugen versammelt sind, oft aufs heftigste intrigiert und manipuliert wird â und kaum jemand etwas dagegen unternimmt: zu viel versammelte Intelligenz.
Vertrauen ist Effizienzfaktor
Vertrauen minimiert KomplexitĂ€t, was wiederum die Effizienz steigert. Man muss nicht bei jeder Transaktion erst lange recherchieren, testen, prĂŒfen und kontrollieren, ob es das GegenĂŒber ehrlich mit einem meint, wenn man weiĂ: Ich kann ihm vertrauen.
Vertrauen schafft Sicherheit. Rein theoretisch.
Rein praktisch ist in Wirtschaft und Unternehmen die RealitĂ€t hĂ€ufiger als gedacht eine andere. Es gibt immer noch zu viele Machtspiele, Konkurrenzdenken, Mobbing, gebrochene Versprechen, Intrigen, Character Assassination, Klatsch & Tratsch, Abwertung, geringe WertschĂ€tzung, Respektlosigkeit, Anfeindungen, Inkonsequenz und fehlende VerantwortungsĂŒbernahme. Das ist doch ganz normal?
Ja, das meinen und sagen viele, wobei sie âhĂ€ufigâ mit ânormalâ verwechseln. In echten Spitzenteams lĂ€uft das anders. Ein Beispiel.
Unternehmen A digitalisiert. Die IT-Abteilung möchte viele ArbeitsvorgĂ€nge digital gestalten. Die Fachabteilungen sagen: âOkay, spielt die neue Software auf, schult unsere Leute und lasst uns das asap einfĂŒhren!â Binnen weniger Monate sind die angepeilten Arbeitsprozesse digitalisiert. Was ist in diesen Monaten in Unternehmen B passiert?
âDie Fachabteilungen prĂŒfen noch das Konzept der ITâ, sagt die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin nach mehreren Monaten. Weil die Fachabteilungen so viel von Digitalisierung verstehen?
Nein, weil die IT in der Vergangenheit bei vielen Projekten die Nutzersicht vernachlĂ€ssigte. Also sind die Fachabteilungen misstrauisch. Und wĂ€hrend sie noch misstrauisch prĂŒfen, hat Unternehmen A bereits digitalisiert. Warum so schnell?
Weil dort jede Fachabteilung weiĂ: âWenn die IT etwas ausrollt, können wir sicher sein, dass das auch User-freundlich und auf die BedĂŒrfnisse unserer Abteilung abgestimmt ist. Sie involvieren uns von Beginn an und haben viel Zeit darauf verwendet, uns am Projekt zu beteiligen.â Vertrauen eben.
Deshalb ist Vertrauen so wichtig: Es spart eine Menge Arbeit, Aufwand, Energie und Kosten. Werden diese ...
Table of contents
- Ăber die Autorin
- Weitere BĂŒcher der Autorin
- Gender-Anmerkung
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Erstes Kapitel: Giftige Chefs
- Zweites Kapitel: Die Macht einer FĂŒhrungsrolle
- Drittes Kapitel: Die beste Version von sich selbst werden
- Viertes Kapitel: Haltung oder Opportunismus?
- FĂŒnftes Kapitel: Werte und FĂŒhrung - Prinzipien eines Sustainable Leaders
- Sechstes Kapitel: Wer aufgibt, kann gewinnen
- Siebtes Kapitel: Vertrauen ist die Basis von allem
- Achtes Kapitel: Die drei TodsĂŒnden von Frauen im Management
- Neuntes Kapitel: Mutig sein und die Klappe halten
- Zehntes Kapitel: Manager oder Leader?
- Elftes Kapitel: Sinn und Unsinn des Noble Purpose
- Zwölftes Kapitel: Chefs mit Charakter
- Dreizehntes Kapitel: Der Weg der Disziplin
- Vierzehntes Kapitel: Kadavergehorsam und KonformitÀtsdruck
- FĂŒnfzehntes Kapitel: Unternehmertum in Konzernen ̶ Die verschleppten Entscheidungen
- Sechzehntes Kapitel: Frauen in die Chefetage!
- Siebzehntes Kapitel: Macht versus AutoritÀt
- Achtzehntes Kapitel: IntegritÀt und CharakterstÀrke
- Neunzehntes Kapitel: Zehn Ăberlebensregeln im Alltag
- Zwanzigstes Kapitel: Praxisbericht: Toxische Offiziere
- Einundzwanzigstes Kapitel: Der innere Inquisitor
- Zweiundzwanzigstes Kapitel: DuckmÀuser oder Rebell
- Dreiundzwanzigstes Kapitel: Freiheit ĂŒber alles?
- Impressum
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