Irrsinn in der GeschichteDiese mehrbĂ€ndige Buchreihe hat den menschlichen Irrsinn zum Thema und versteht sich als Beitrag zur Geschichte der Psychiatrie und Psychologie. Band 1: Neolithikum und AntikeDieser Band beinhaltet AusfĂŒhrungen zur frĂŒhesten Geschichte des Irrsinnes. Wir beginnen ab dem Neolithikum, erklĂ€ren den Sinn der Trepanationen des menschlichen SchĂ€dels, streifen KrĂ€uter, Heiler und Heilpflanzen, erleuchten die Antike, beginnend mit dem alten Ăgypten, fahren mit AusfĂŒhrungen ĂŒber das alte China fort und gelangen schliesslich nach Griechenland, wo wir Asklepios, Hippokrates und Galen begegnen. Ăber Rom und Byzanz spannen wir dann einen Bogen bis zum Islam.

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Information
Von wem oder von was ist in dieser Buchreihe die Rede?
Von den Sonderlingen?
Und den aus der Gesellschaft Vertriebenen!
Von den Halluzinierenden?
Von den durch ihre eigenen Sinnen GetÀuschten!
Von den Wahnsinnigen?
Von dem am Geist, an der Psyche und an der Seele Erkrankten!
Von den SĂŒchtigen?
Von den Drogen-, und Alkohol-, Spiel, und Sex-AbhÀngigen!
Von den Gottesvergifteten?
Von den vom eigenen Glauben oder von der Esoterik verblendeten!
Von den AnfallssĂŒchtigen?
Von den Erkrankten an Hirn und Nerven!
Von den Ărzten, Juristen, Politikern, Heilern und Schamanen?
Von denen, die behaupten, VerrĂŒckte verstehen und behandeln und heilen zu können!
Von den Politsystemen, die Staatsgesetzen?
Von denen, die Deutungsmacht haben und Menschen fĂŒr internierungs-, isolations-, sterilisations-, und euthanasiebedĂŒrftig erklĂ€ren!
Wir gehen Fragen nach:
Wer oder was galt in der Geschichte als verrĂŒckt? Wie gingen wir frĂŒher mit unseren Wahnsinnigen um? Welche Verbrechen beging die Menschheit an seelisch kranken Menschen?
Was bewirken die skurrilen und brutalen BemĂŒhungen um Heilung? Wie hatte Heilung zu sein? Wie hatte Verwahrung zu sein: in die Gesellschaft inkludierend oder exkludierend? Dienten abgelegene und isolierte Verwahranstalten dem Heilungserfolg? Oder waren sie allesamt Orte der Abschottung und Ausgrenzung?
Vorbemerkungen
Von der grauen Urzeit ĂŒber die Antike, vom Mittelalter bis in die heutige Gegenwart wird in dieser Buchreihe der Geschichte der VerrĂŒckten und des Irrsinns nachgegangen. Wahnsinn und Irrsinn stellte sich dabei als ein komplexes Thema heraus. Eine Einengung auf die Sichtweise des rein Psychiatrischen und Geistig-Seelischen ist schwierig, jedoch war es ein Versuch wert.
Psychiatrie ist ein Teilgebiet der Medizin. In bestimmten Zeiten war dem nicht so. Die Psychiatrie ging teils völlig eigene (Irr-)Wege. Jede Psychiatrie, die nicht den Weg der Medizin geht, ist eine unkluge Wissenschaft. Immerhin lÀsst sich versuchen, die Psychiatriegeschichte aus der allgemeinen Medizingeschichte zu extrahieren oder einzubetten. Dies wird hier in AnsÀtzen versucht.
Diese Buchreihe kommt bewusst populĂ€rwissenschaftlich daher ohne den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit zu erheben. Die BĂ€nde sind bebildert in der Hoffnung, das schwerverdauliche Thema âPsychiatrieâ möge dadurch aufgelockerter erscheinen. Diese populĂ€rwissenschaftliche Strategie dient einer besseren Vermarktung. Sie sucht eine breitere Leserschaft.
Ich möchte die Psychiatrie als Wissenschaft durch die PopulÀrwissenschaftlichkeit dieser Buchreihe keineswegs diskreditieren. Psychiatrie tut das in der Regel selber. Jede in dieser Buchreihe beschriebene Behandlungsweise widerspiegelt den Kenntnisstand von Forschung und AufklÀrung der jeweiligen Zeitepochen. (Kultur, Moral, Gesellschaft, Rechtsprechung, Religion etc.) Sie widerspiegelt die jeweils herrschende politische, soziale, moralische, medizinische und religiöse Gesinnung, innerhalb der die Psychiater praktizierten und therapierten.
Schliesslich sind alle Therapien eingebettet in die kulturelle Matrix, in der sie quasi âhineinsozialisiertâ wurden. Und die gegenwĂ€rtigen Kulturen schienen den Lebenden immer ordentlich und unangefochten vernĂŒnftig, auch wenn sie vor nicht so langer Zeit den zornigen Wettergöttern noch arglos Menschenopfer an- und darboten, um sie gnĂ€dig zu stimmen.
Leider hatten manche Forscherpersönlichkeiten der Psychiatrie und Medizin ein mieses oder zumindest etwas eigenartiges Menschenbild. Tiefe Verachtung, Wegwendung vom Menschlichen und kalte Empathie schlug den Seelenkranken immer wieder und ĂŒber Jahrhunderte mitten ins Gesicht. Dabei waren und sind unsere seelenkranken Mitmenschen eindeutig humane Wesen und haben ein Herz und eine Seele, wie ihre Therapeuten es auch waren oder hĂ€tten sein sollen.
Auch lag mir fern psychiatrische Kliniken oder Regionen und LĂ€nder zu diskreditieren, auch wenn das manchmal so erscheinen mag. Sie diskreditierten und diskreditieren sich selbst. Wenn sie negativ im Munde waren und in Zeitungen Artikel ĂŒber ihre Missetaten berichteten, dann sind sie mindestens mitschuldig an der eigenen Misere. Auch lag mir fern, Psychiaterpersönlichkeiten der ersten, zweiten oder neuesten Generation zu diffamieren. Auch sie taten oder tun dies selbst, wenn die Ăffentlichkeit sich mit ihnen beschĂ€ftigt, weil sie Fehler begangen hatten. Denn jedes Vergangene vermag sich nicht dem Urteil des Heute zu entziehen, auch nicht in der Zukunft. Wir alle schauen hin!
Psychiatrische Kliniken sollten immer in einem engen Verbund zur Medizin stehen und keinen separaten Dornröschenschlaf trĂ€umen. Meiner Meinung nach gehören alle psychiatrischen Institutionen in den Verbund eines grösseren Spitalcampus, auch wenn ihre Klientel körperlich gesund erscheint. Im Campusverbund sind nicht nur psychiatrische Hilfestellungen fĂŒr die entgleiste Seele ohne Zeitverzug möglich, sondern auch medizinisch-chirurgische Notfallmassnahmen. Psychiatrische Kliniken abseits von Medizinalzentren, UniversitĂ€tskliniken und RegionalspitĂ€lern in die Landschaft hineingestellt, sind nicht zu fördern, ausser sie gehen auch dort einen engen Verbund mit der Somatomedizin ein. Es soll des Menschen Seele nie von seinem Körper getrennt behandelt werden, denn Seele und Körper bilden eine untrennbare Einheit. Jede Therapiemassnahme wirkt dual.
Kritik an der Pharmakologie wie auch an den praktizierten Therapieformen verstehe ich nicht aus sektiererischer oder nörglerischer Perspektive. Sie ist unumgĂ€nglich, jedoch nur in einem gesunden und fairen Mass. Ich bin ĂŒberzeugt, dass alle Pharmaunternehmen nicht nur das Wohl ihrer Finanzen, sondern auch das Wohl ihrer Klienten im Auge haben. Denn die grösste Forderung an zukĂŒnftige Psychopharmaka ist und bleibt die Ursachen- und nicht die SymptombekĂ€mpfung.
Religion und Esoterik dĂŒrfen innerhalb der Psychiatrie niemals dominant werden. Das Beste ist, sie bleiben draussen vor den EingĂ€ngen der Kliniken.
Abschliessend noch einige besondere Worte zur Zeit des Nationalsozialismus. Bereits Friedrich Nietzsche sagte: âDer Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes â aber bei Gruppe, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.â Bei meinen AusfĂŒhrungen zur Euthanasie des Nationalsozialismus, in einem spĂ€teren Band, ging es mir um eine möglichst korrekte Darstellung. Ich versuchte, die politische, gesellschaftliche und kulturelle Gesinnung der damaligen Zeit des Nazi-Reiches so nĂŒchtern wie möglich darzustellen. Diese sehr schlimme Zeit forderte Millionen von Toten, auch psychisch-Kranke und geistig Behinderte waren ihre Opfer.
Motivation und Intention
Meine Motivation zur Verfassung dieses mehrbĂ€ndigen Buchwerkes ĂŒber unsere geistig kranken Mitmenschen schöpfe ich aus einer rund 40 Jahre dauernden und oft arbeits- und beziehungsintensiven und direkten Begegnung mit ihnen. Es war insbesondere ein polnischer Arzt und Mitarbeiter in derselben Klinik, mit dem ich eine Zeit lang zusammen gearbeitet hatte und der sich ebenfalls fĂŒr die Geschichte der psychiatrischen Therapie interessierte. Wir tauschten uns immer wieder zu den verschiedenen Aspekten aus. Dabei hatte das Thema mich irgendwann selbst ergriffen.
Meine ersten Kontakte zu psychisch âKrankenâ knĂŒpfte ich berufsbedingt rund 40 Jahre zuvor in einer Spezialklinik fĂŒr Epilepsie in ZĂŒrich. Es folgten Anstellungen und Erfahrungen als psychiatrischer Krankenpfleger, Abteilungsleiter und Oberpfleger. FĂŒr einige Zeit war ich auch Mitglied des Lehrkörpers einer Schule fĂŒr psychiatrische Krankenpflege und erteilte dort Theorie und praktischen Unterricht und begleitete SchĂŒler in ihrem Ergotherapiepraktikum. Zudem entwickelte ich ein Aufnahme- resp. PrĂŒfungsverfahren fĂŒr Ausbildungswillige in dieser Psychiatrie.
SpĂ€ter absolvierte ich eine Ausbildung zum Eidg. Diplomierten Heimleiter BIGA beim Heimverband Schweiz (HVS). Ich leitete spĂ€ter auch Alters- und Pflegeheime. Dann fĂŒhrte ich, zusammen mit meiner Frau, lange Jahre eine private Wohngruppe fĂŒr seelenpflegebedĂŒrftige Menschen, nachdem ich zuvor eine eigene Pflegewohngruppe fĂŒr geriatrische Patienten geleitet hatte.
Meine Erfahrungen mit seelenkranken Menschen und mit den sie behandelnden Institutionen, Ărzten, Therapeuten wirkten beim Schreiben als innerer Antrieb in mir. Eine gewisse, moderate antipsychiatrische Haltung trug ich immer im Herzen, auch wĂ€hrend meiner Arbeit in psychiatrischen Institutionen und das war bestimmt richtig so. Allerdings war ich nie ein militanter Gegner der Psychiatrie. Antipsychiatrisches Denken empfand ich stĂ€rker innerhalb militĂ€risch organisierter und eng gefĂŒhrter Psychiatrien, weniger oder kaum noch in privatwirtschaftlich gefĂŒhrten, einem gewissen Humanismus verpflichteten Kliniken. Meine interessantesten und âschönstenâ Erfahrungen machte ich in einer modernen Klinik im Schweizerischen Kanton Thurgau, unweit von Wil. Sie wurde in meiner Vorstellung zur Idealklinik.
Der gesellschaftlichen Ausgrenzung von Menschen mit einer seelischen Devianz sollte vehement entgegengewirkt werden. Anstaltspsychiatrien als Ausgrenzungsghettos sind passé. Psychisch kranke Menschen sind in unsere gesellschaftliche Mitte zu nehmen.
Ich gestehe, dass mein Buchtitel âDie VerrĂŒcktenâ frech und plakativ ist. Ich entschuldige mich dafĂŒr. Er ist unserer tĂ€glichen Umgangssprache entnommen. Mit âverrĂŒcktâ meine ich ver-rĂŒckt im Sinne von abweichend, aus dem Rahmen rĂŒckend, auffĂ€llig, originell, extravagant, sowie auch unkonventionell und manchmal erfrischend ungewöhnlich oder auch genial.
Das VerrĂŒckte ist Raum des Leides und zugleich Heimat des menschlichen Genies.
VerrĂŒckt: (nach Duden)
BeifĂŒgung, Zuschreibung von Ursachen (Eigenschaften)
Das Adjektiv verrĂŒckt sollte im öffentlichen Sprachgebrauch nicht mehr auf Menschen bezogen werden, die geistig oder psychisch krank sind. Hier mĂŒssen die entsprechenden neutralen oder fachsprachlichen Bezeichnungen Verwendung finden, so etwa psychisch behindert, psychisch krank oder psychotisch.
© Duden - Das Synonymwörterbuch, 4. Aufl. Mannheim 2007 [CD-ROM]
Inzwischen lĂ€ngst pensioniert und auch (ein ganz kleines bisschen) alt geworden, wĂ€re ich im wohlverdienten Ruhestand und hĂ€tte viel Freizeit fĂŒr âGescheiteresâ zur meiner VerfĂŒgung, wenn das Schreiben mich nicht gepackt hĂ€tte.
Nun denn, ein Boot, ein Motorrad und ein E-Bike sowie eine langjĂ€hrige Lebenspartnerin stehen mir fĂŒr meine Freizeit stets zur VerfĂŒgung und bringen meiner Lebenszeit Sinn.
Diese Buchreihe ist mein Lohn fĂŒr die Aufwendung unzĂ€hliger, freudvoller und freiwillig gewĂ€hlter (meist morgendlicher) ArbeitsstundenâŠ
âŠam Nachmittag fische ich vom Boot aus im See. Alternativ trete ich gesundheitsfördernd ins Velo oder lasse mich von meinem Motorrad durch den heimatschönen Thurgau chauffieren.
Mein inneres Interesse und meine âLiebeâ zum psychisch kranken Menschen schlechthin treiben mich weiter an zum Schreiben. Die Buchreihe ist noch lĂ€ngst nicht unter Dach und Fach. DemnĂ€chst jedoch werden weitere BĂ€nde erscheinen.
Jakob Landolt
Irrsinn in der Geschichte
Diese mehrbÀndige Buchreihe hat den menschlichen Irrsinn zum Thema und versteht sich als Beitrag zur Geschichte der Psychiatrie und Psychologie.
EinfĂŒhrung Band 1.
Dieser Band beinhaltet AusfĂŒhrungen zur frĂŒhesten Geschichte des Irrsinnes. Wir beginnen ab dem Neolithikum, erklĂ€ren den Sinn der Trepanationen des menschlichen SchĂ€dels, streifen KrĂ€uter, Heiler und Heilpflanzen, erleuchten die Antike, beginnend mit dem alten Ăgypten, fahren mit AusfĂŒhrungen ĂŒber das alte China fort und gelangen schliesslich nach Griechenland, wo wir Asklepios, Hippokrates und Galen begegnen. Ăber Rom und Byzanz spannen wir dann einen Bogen bis zum Islam.
Vom Neolithikum zur Antike
Trepanationen, Schamanismus, KrÀuter, Heiler und Heilpflanzen
Trepanationen: Wahnsinn bereits im Mesolithikum�
Bereits in der Steinzeit wurden die ersten âpsychochirurgischenâ Eingriffe am menschlichen SchĂ€del (Cranium) vollzogen. In Marokko und Peru wurden bereits im M...
Table of contents
- Inhaltsverzeichnis
- Band 1: Irrsinn in der Geschichte
- Vorbemerkungen
- Motivation und Intention
- EinfĂŒhrung
- Vom Neolithikum zur Antike
- Schamanismus
- KrÀuter, Heiler und Heilpflanzen
- Ăgypten, China, Griechenland: Asklepios, Hippokrates, Galen
- Rom, Byzanz und Islam
- Ausblick auf Band 2
- Literatur und Quellen
- Impressum
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