Die großen Themen unserer Zeit
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Die großen Themen unserer Zeit

Beobachtungen, Analysen, Positionen · 29. Ausgabe

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Die großen Themen unserer Zeit

Beobachtungen, Analysen, Positionen · 29. Ausgabe

About this book

Der lebendige Austausch ĂŒber gesellschaftlich und politisch relevante Themen ist fĂŒr eine Demokratie maßgebend. Deshalb liegt dem Frieling-Verlag Berlin ein offener und engagierter Dialog zu den rich­tungsweisenden Themen unserer Zeit am Herzen. In dem Sammelband "Die großen Themen unserer Zeit·Beobachtungen, Analysen, Positionen" beziehen Autorinnen und Autoren zu aktuellen Fragen Stellung und diskutieren ihre Beobachtungen zum Zustand der Welt und ihrer direkten Umgebung. Dabei werden bewusst auch kontroverse Sichtweisen veröffentlicht. Der vorliegende Band umfasst auch BeitrĂ€ge zum Schwerpunktthema "Wie wollen wir leben?".

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Information

Year
2021
Print ISBN
9783828036246
eBook ISBN
9783828036253

GĂŒnther Melchert

Hilfen fĂŒr die Dritte Welt
ErzÀhlung mit Einbindung psychogrammatischer sowie psychodramatischer Elemente
„Es war einmal ein Junge, der hieß Semjon, und seine jĂŒngere Schwester hörte auf den Namen Minca 
“
So hĂ€tte vor uralter Zeit ein MĂ€rchen beginnen können, aber hier wird eine Geschichte aufgeblĂ€ttert, die sich in jĂŒngster Zeit ereignet hat und von bitterem Ernst geprĂ€gt ist 

Obwohl unter gleichen humanen Bedingungen Seite an Seite aufgewachsen, hoben die Geschwister sich charakterlich so stark, gar fundamental voneinander ab, dass sie zumindest unbewusst getrennte Wege gingen. Trotzdem wurden sie schicksalhaft miteinander verstrickt 

Nach dem Schulabschluss absolvierte der freundliche, sympathische, aber unauffĂ€llige Semjon eine Handwerkerlehre. Minca, vier Jahre jĂŒnger als ihr Bruder, strebte, als sie sein Alter erreicht hatte, einen anderen beruflichen Weg an als ihre Kusinen, Tanten und viele weitere weibliche Verwandte. In einen sozialen Bereich wollte sie unter keinen UmstĂ€nden einsteigen, weder als Lehrerin noch als Krankenschwester oder Altenpflegerin. Minca amĂŒsierte sich ĂŒber die antiquierte französische Formulierung einer alten Tante: „Minca will partout nicht!“ Auch Kinder wollte sie nicht betreuen. Ihr schwebte eine BĂŒrotĂ€tigkeit vor, zur Not in einem großen Betrieb.
Dass sie sich kurz darauf fĂŒr die Fortbildung in einer entsprechenden Schule auf dem ökonomischen Sektor entschied, erregte Aufsehen, zumal sie nicht ehrgeizig war und auch fĂŒr Volkswirtschaft nie das geringste Interesse gezeigt hatte. Eine nahe Verwandte erklĂ€rte, sie hĂ€tte den Eindruck, Minca sei fremdgesteuert. Allein schon die Aufnahmebedingungen waren enorm – ein fĂŒr Minca unerhörtes Verlangen. In jedem Hauptfach des Zeugnisses musste mindestens eine Drei prangen. Auch die laufenden AnsprĂŒche der Schule waren so hochgesteckt, dass Minca sie nur mit großem Aufwand erfĂŒllen konnte.
Das fĂŒhrte möglicherweise zu ihrem unbewussten Entschluss, sich beruflich nie mehr dermaßen zu engagieren und möglichst große Distanz zu wahren – auch im privaten Bereich. Mit UnterstĂŒtzung von Mister oder Madam Unbekannt bewarb sie sich um einen Ausbildungsplatz in einer Firma mittlerer GrĂ¶ĂŸe.
PrĂ€liminarien dieses Ausbildungsplatzes aus Sicht von Busenfreundin Esther nach Mincas nebulösen Äußerungen:
Erster Akt: Sie bewarb sich schriftlich unter HinzufĂŒgung ihres Lebenslaufs.
Zweiter Akt: Es erfolgte der Anruf einer Mitarbeiterin der Personalabteilung, die den Empfang von Mincas Bewerbungsschreiben bestĂ€tigte, aber hinzufĂŒgte, es seien so viele Bewerbungen eingegangen, dass Minca sich keine starken Hoffnungen machen dĂŒrfe. UnabhĂ€ngig davon wĂŒrde die Firma jedoch gerne wissen, ob sie zur Absolvierung einiger Probearbeitstage bereit sei. Minca fand das Ansinnen seltsam, stimmte aber zu, zumal ihr klar war, dass eine Verweigerung ihre Aussichten auf einen Ausbildungsplatz drastisch senken wĂŒrde.
Dritter Akt: Minca erhielt die Einladung zu einem persönlichen GesprÀch in der Firma.
Vierter Akt: Dieses GesprĂ€ch spielte sich fĂŒr Minca, wie von ihr empfunden, in seltsamer AtmosphĂ€re ab. Nachdem sie vermutlich von jener Personalsachbearbeiterin empfangen worden war, mit der sie bereits am Telefon gesprochen hatte, und dieser gegenĂŒber Platz genommen hatte, hĂ€ndigte Minca ihr nach wenigen nichtssagenden Worten die erbetenen Zeugnisse ein. Die P. blĂ€tterte darin offensichtlich desinteressiert herum, erklĂ€rte dann unumwunden, die Entscheidung ĂŒber die Vergabe von zwei AusbildungsplĂ€tzen sei bereits im Vorfeld getroffen worden. Wegen des scheinbaren Desinteresses fĂŒr ihre Unterlagen ging Minca von einer Absage aus, fragte sich aber dann, weshalb sie eingeladen worden war, und erhielt den Bescheid, dass die Entscheidung zugunsten eines jungen Mannes in Mincas Alter gefĂ€llt worden sei – und fĂŒr Minca selbst. Um kurz zu Wort zu kommen, fragte Minca nach den Probearbeitstagen und erhielt den Bescheid, diese Forderung wĂŒrde aufrechterhalten – wenn auch nur, „der Form halber 
“
Unter den gegebenen UmstĂ€nden blieb kein Zweifel, dass die Bemerkung, Minca sei ferngesteuert, vermutlich im ĂŒbertragenen Sinn stimmte; sie schien also erhebliche FĂŒrsprache genossen zu haben. Aber von wem und aus welchem Grund?
In der fraglichen Zeit trieben nicht nur in dieser Branche Berater alias Manager ihr Unwesen, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, jungen MĂ€dchen und Frauen bei der Beschaffung von Ausbildungs- und ArbeitsplĂ€tzen behilflich zu sein – selbstredend nicht aus purer NĂ€chstenliebe. Ähnlich wie Manager im Profifußball ließen sie sich prozentual am monatlichen Gehalt beteiligen. Minca wurde geradeheraus befragt, ob sie ĂŒber diese Prozedur Bescheid wisse und entsprechend „gefördert“ worden sei. Sie erklĂ€rte, bestens vernetzt zu sein, aber auf die Frage, ob sie in diesem Fall konkret „gefördert“ worden sei und von wem und zu welchem Preis, wich sie wie ĂŒblich aus und beschrĂ€nkte sich auf ein mysteriöses LĂ€cheln.
So blieb ihrer Umgebung, sogar ihren Eltern, keine andere Wahl, als die leidige, unausgegorene Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen, zumal es nicht deren Art war, auf ihre Kinder Druck auszuĂŒben. RatschlĂ€gen aus Familien- und Freundeskreis gegenĂŒber zeigte Minca sich schon in jungen Jahren resistent 

Wegen ihres geringen Einsatzes tat sie sich in der Ausbildung zunĂ€chst schwer, erntete aber, nachdem sie sich akklimatisiert hatte, Anerkennung und durch ihren Chef die Aussicht, nach hoffentlich bestandener PrĂŒfung in ein AngestelltenverhĂ€ltnis ĂŒbernommen zu werden. Aber ihre unkommunikative Art, zumal zur Unzeit, machte ihr in diesem Fall einen Strich durch die Rechnung. Kurz vor der PrĂŒfung wurde sie, inzwischen volljĂ€hrig und motorisiert, von ihrem Chef gebeten, nach dem Dienst wĂ€hrend der Heimfahrt en passant mit ihrem PKW bei einer Firma an der nĂ€chsten Ecke einen vertraulichen Umschlag abzugeben. Aber sie lehnte schroff ab: „Wenn es Ihnen so wichtig ist, dann machen Sie es selber!“ Der Chef wendete sich wortlos von ihr ab. Auch im ĂŒbertragenen Sinn. Jedenfalls wurde sie trotz bestandener PrĂŒfung von der Firma abgeschoben, und sie brauchte ein halbes Jahr, um eine Anstellung zu ergattern (mit erneuter fraglicher UnterstĂŒtzung eines mutmaßlichen Managers?) in einem Unternehmen, das bekanntermaßen regelmĂ€ĂŸig betrĂ€chtliche Gewinne erzielte.
Um Philosophie, Ziel, Stil und Mittel, welche dieses Unternehmen anwendete, kĂŒmmerte Minca sich nicht, zumal Freizeit ihr wichtiger war – vor allem die Freizeit mit einem jungen Mann ihres Alters mit Namen Dankwart, an den sie sich schon sehr frĂŒh gebunden hatte – mit einer seltsamen BegrĂŒndung: „Eigentlich darf ich keine feste Bindung eingehen und auf keinen Fall spĂ€ter heiraten.“ Auf die Frage: „Warum nicht?“, stellte sie klar, wie sie sich ihre Zukunft vorstellte: „Wenn ich eine Ehe schließe, mĂŒsste ich zwei Meineide schwören: in der Kirche und beim Standesamt: ‚Bis der Tod uns scheidet‘. SpĂ€testens nach drei, vier Jahren wĂ€re ich geschieden.“
Nach irritierten Blicken erlĂ€uterte sie fĂŒr ihre VerhĂ€ltnisse offen (meist mauerte sie oder Ă€ußerte sich nebulös): „Auch wenn ich jemanden wer weiß wie gern habe, ist das Ende vorprogrammiert. Denn ich neige dazu, mich zu verknallen. Es gibt zwar einen Uraltschlager ‚Der Mann, der vor dir war, ja der war wunderbar‘. Aber bei mir hoppelt und poppelt der Hase rĂŒckwĂ€rts. Der VorgĂ€nger eines Ex ist mir jeweils so schnuppe, dass ich ihn nicht mehr riechen kann wie saure Suppe, und ihn auf den Blocksberg hexen möchte.“
Wie Dankwart, den sie trotzdem eine Zeit lang akzeptierte, und ihr geheimnisvoller Mentor miteinander zurechtkamen, ist nicht ĂŒberliefert, spielt fĂŒr diese Geschichte auch keine Rolle, allenfalls fĂŒr Mincas Charakterzeichnung, die wegen Mincas Unberechenbarkeit und Undurchsichtigkeit fĂŒr diese Geschichte nicht in vollem Umfang verzichtbar ist. Ein Insider versuchte in dem von Minca verbreiteten Nebel ein wenig Licht zu verbreiten – mit der EinschĂ€tzung, die Vermutung, Minca sei von einem dubiosen Berater gemanagt worden, sei wegen ihrer aufmĂŒpfigen, resoluten Art eher unwahrscheinlich. Aber vielleicht hatte sie sich einen eventuellen Berater inzwischen vom Hals geschafft 

Wichtiger als ihr Job waren ihr wie vielen jungen MĂ€dchen und Frauen (Vorurteile sind nicht totzukriegen) Klamotten, also Shopping, Disco- und Fetenbesuche. Unabdingbar war auch ihre Mitgliedschaft in Cliquen; zunĂ€chst tat sie viel, um dazuzugehören, was sich mehr und mehr als schwierig gestaltete, zumal sie sich auch dort mit unkommunikativer, ĂŒberheblicher Art schwertat. Immerhin bewahrte sie das vor dem Zugriff von Lover Boys und ZuhĂ€ltern. Einen CliquenfĂŒhrer auf Distanz zu halten, war ungleich schwieriger; um dies zu erreichen, erwies sich ihr Freund jedoch als nĂŒtzlich. Ansonsten fĂŒhrte sie ihn an einer kurzen Leine.
Naiv erzĂ€hlte er ihr irgendwann beilĂ€ufig, zufĂ€llig einer frĂŒheren MitschĂŒlerin ĂŒber den Weg gelaufen zu sein. Da beide es eilig hatten, vereinbarten sie einen Telefonanruf, um ein Treffen zu arrangieren. Da geriet Minca in Harnisch: „Das kannst du dir abschminken. Wenn du es jemals wagst, ein MĂ€dchen zu treffen, egal, aus welchem Anlass, dann mache ich ratzfatz Schluss mit dir! Ende der Fahnenstange!“
Er schluckte kurz und fragte, ob er sich wenigstens hin und wieder mit Kumpels treffen dĂŒrfe. Minca ĂŒberlegte kurz und entschied: „Nur, wenn du mir vorher sagst, mit wem und aus welchem Grund. Wenn ihr euch auf ein Bier treffen wollt, okay. Dann fahre ich dich sogar zum Treffpunkt. Aber spĂ€testens nach einer Stunde hole ich dich wieder ab.“
Als sie das ihrer Freundin Esther erzĂ€hlte, erklĂ€rte diese: „Die Tage mit deinem Tankwart, ich meine mit deinem Freund Dankwart, sind gezĂ€hlt. Entweder du wirst ihn auf kurz oder lang verachten, weil er sich von dir gĂ€ngeln und sogar alles gefallen lĂ€sst, oder er bricht aus wie ein stĂ€ndig im Stall angekoppelter und von seiner Stute verstoßener kastrierter Hengst 
“
Minca lachte ĂŒber den Vergleich, widersprach Esther aber nicht.
Noch nicht Mitte zwanzig, nahm Bruder Semjon dank seiner Aufgeschlossenheit und sozialen Ader das Angebot seiner Firma an, die ihn mit einem PersonalĂŒberleitungsvertrag ausstattete und in der Dritten Welt einsetzte, wo er sich trotz Ă€rmlicher Umgebung auch privat engagierte, aufblĂŒhte und wohlfĂŒhlte.
Weitgehend auf sich bezogen, kriegte die mathematisch begabte Minca in dem Unternehmen, in dem sie folglich als Sachbearbeiterin im Finanzwesen tĂ€tig war, nicht mit, fĂŒr welche Werte dieses Unternehmen stand. Und so rauschten das Unternehmen belastende GerĂŒchte an ihr vorbei, zumal sie als unbedarft galt, noch sehr jung war und auch als ZwanzigjĂ€hrige immer noch pubertĂ€res Verhalten an den Tag legte, indem sie nach wie vor sogar Leute mit provokanten Bemerkungen vor den Kopf stieß, die ihr gewogen waren und ihr den RĂŒcken gestĂ€rkt hatten.
Das betraf sogar ihren Bruder. Von Esther zur Rede gestellt (wenigstens von ihr ließ Minca sich hin und wieder „die Meinung geigen“), hatte Minca, als sie noch zu jung war, um einen FĂŒhrerschein zu erwerben, siegessicher grinsend argumentiert: „Na und? Wenn ich als sein Schwesterlein irgendwo hingefahren oder abgeholt werden möchte, steht Semy trotzdem Gewehr bei Fuß – sogar mitten in der Nacht 
“
Ihr peripheres Interesse an den VorgĂ€ngen in dem Unternehmen, in dem sie angestellt war, erlahmte umso schneller, da sie plötzlich von einem persönlichen Schicksalsschlag betroffen wurde, der ihre gesamte Aufmerksamkeit und Widerstandskraft forderte. Dass sie im Hinblick auf ihren Arbeitgeber hĂ€tte besonders aufmerken, sogar argwöhnen mĂŒssen, berĂŒcksichtigte sie nicht.
In dem Land der Dritten Welt, in dem Bruder Semjon tÀtig war, war es zu Unruhen und militÀrischen Auseinandersetzungen gekommen, und Semjon war, obwohl unbeteiligt, zwischen die Fronten geraten. Schwer verletzt, lag er im Wachkoma (Fachjargon: mit nur minimalem Bewusstsein) in einem Hospital.
Jetzt endlich wachte seine Schwester auf, gab ihre bisher auch innerlich geĂŒbte Distanz zu ihm auf und beschloss zum ersten Mal im Leben, haarklein HintergrĂŒnde zu analysieren und welchen Anteil sie persönlich an der Misere haben könnte – vor allem im Zusammenhang mit ihrem Arbeitgeber. Und so recherchierte sie dort, zumal ein weiteres GerĂŒcht auftauchte, das Unternehmen sei womöglich dubios in die Ereignisse um ihren Bruder verstrickt.
Zwischenzeitlich erfuhr Minca, angeblich wÀren erkleckliche Summen am Fiskus vorbeijongliert worden und auf Schweizer Konten geflossen. Aber zu wessen Gunsten?
Dann stellte sich heraus, dass es dem Anschein nach nicht um Betrug oder sogar Korruption ging, sondern um ein Ablenkungsmanöver; die BetrÀge in der Schweiz waren vergleichsweise Peanuts.
Unter der Hand drangen Fakten durch, die Minca in ihrem TÀtigkeitsbereich nicht unmittelbar tangierten, sich aber indirekt auf sie auswirkten und sie psychisch schwer belasteten. Irgendwann war es nicht mehr zu verhehlen: Angeblich gehörte das Unternehmen zu jenen, die erheblich an WaffengeschÀften beteiligt waren. Wiederum angeblich waren Waffen in die Dritte Welt geliefert worden. In vieler Hinsicht immer noch unbedarft, dachte Minca an Handfeuerwaffen und Gewehre, allenfalls an Kanonen.
Als Minca erfuhr, in welches Land die Waffen geliefert worden waren und dass es sich mutmaßlich um Panzer, Schiffe und Flugzeuge handelte, verlor sie den Boden unter den FĂŒĂŸen und machte sich geharnischte VorwĂŒrfe, sich nicht um die VorgĂ€nge bei ihrem ‚Brötchengeber‘, wie sie das Unternehmen verharmlosend genannt hatte, gekĂŒmmert zu haben. Denn es war das asiatische Land, in dem Semjon im Auftrag seiner Firma tĂ€tig gewesen war und wo er jetzt lebensgefĂ€hrlich verletzt daniederlag. Die Umschreibung, es hĂ€tte sich bei den Waffen um Mittel zur Verteidigung respektive Abwehr gehandelt, klang hanebĂŒchen.
Irgendwer erhob gegen Minca VorwĂŒrfe, bezĂŒglich ihres Unternehmens blauĂ€ugig gedacht zu haben: „Wer als Arbeitnehmer in der Schwerindustrie alias Hightechindustrie mitmischt, muss mit allem rechnen“; woraufhin Minca schlagfertig argumentierte: „Und ihr musstet damit rechnen, dass die Schwerindustrie fĂŒr mich als leichtes MĂ€dchen passt wie die Faust aufs Auge 
“
Nicht nur wegen ihrer hervorragenden Schulnoten in Mathematik – ihr mit Abstand stĂ€rkstes Fach –, vermutlich auch, weil ihre StĂ€rken nicht vom pfleglichen Umgang mit Menschen herrĂŒhrten, hĂ€tte sie die Möglichkeit gehabt, es war ihr sogar angetragen worden, in die Finanzbuchhaltung versetzt zu werden und die Laufbahn einer Steuerfachfrau zu ergreifen. Warum hatte sie das Angebot ausgeschlagen? WĂ€re es ihr mit zu viel Arbeitsaufwand verbunden gewesen? War sie zu bequem, desinteressiert und vergnĂŒgungssĂŒchtig, was sie durch regelmĂ€ĂŸige Teilnahme an Feten auslebte, auf denen angeblich der Alkohol in Strömen floss und auch Drogen verabreicht wurden? Wegen ihrer Flatterhaftigkeit war sie nicht einzuschĂ€tzen, denn sie gehörte trotz ihres Faibles fĂŒr Feten einer MĂ€dchenclique an, die heftig gegen Drogenkonsum Partei ergriff.
Ein zusĂ€tzlicher Widerspruch in ihrer Persönlichkeit: Mit weiteren MĂ€dchen ging sie gegen Mobbing vor, entblödete sich aber nicht, selbst ihresgleichen zu schikanieren, was sie im Nachhinein jeweils als Scherz abtat. Offenbar mangelte es ihr auch an FingerspitzengefĂŒhl. Unter ihresgleichen war sie außerdem als arrogant und ĂŒberheblich verschrien. Als sie das irritiert einer nahen Verwandten anvertraute, wurde sie von dieser gewarnt: „Niemand kann so viel, als dass er oder sie sich anmaßend verhalten dĂŒrfte. Nicht von ungefĂ€hr wirken tatsĂ€chliche Überflieger oft ausgesprochen bes...

Table of contents

  1. Hinweise
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Vorwort des Herausgebers
  4. Die schönste aller Welten
  5. Nachtgedanken
  6. Wir öffnen TĂŒren fĂŒr das, was verloren gegangen ist
  7. HORROR – keine Science-Fiction
  8. FRAUENTAG? – „Keiner braucht diesen“
  9. Philosophieren ĂŒber „LEBEN“
  10. Remember: Bakunin, Staatlichkeit und Anarchie und andere Schriften.
  11. Alte Freunde
  12. Der Mond
  13. Eine Wanderung, ein Zwerg und eine Eiche.
  14. Promiparty
  15. Zeit zum Umdenken
  16. Gesetze zum Leben
  17. 70. GEBURTSTAG der AUTORIN
  18. GLÜCKLICHE JAHRE – GESICHT ZEIGEN
  19. FRÜHLINGSWEHEN
  20. GRÖSSENORDNUNGEN IN DIESER WELT
  21. MENSCHWERDUNG DER KLERIKER
  22. Schwerer Abschied in der Pandemie
  23. LEIDEN UND STERBEN VON CORONA-PATIENTEN
  24. GURGELWASSER gegen Corona-Infektion als Vorsichtsmaßnahme
  25. URKUNDE – NÄCHSTLIEBENDER ENGEL
  26. OSTERN BEDEUTET AUFERSTEHUNG
  27. SterbefÀlle auf Höchststand
  28. Lebensfreude
  29. BewÀhrungsprobe
  30. Wie wollen wir leben?
  31. Sakristeiwanze – Lagernummer 25338
  32. Frieden
  33. Aufruf
  34. Brauchen wir Bomben?
  35. SchĂŒtzt unsere Kinder
  36. Kinderhunger
  37. Wir werden es schaffen
  38. Wir kÀmpfen alle
  39. Harmonie muß sein
  40. 80 Jahre alt, mein Lebenscredo
  41. Ein neuer Tag
  42. Zufrieden sein
  43. Lebensfreude
  44. Waldspaziergang
  45. Am Morgen
  46. Gott neu denken
  47. Ein einfĂŒhrendes Beispiel
  48. Medien-Kritik
  49. Sterbende Evolutionstheorie?
  50. Abfall
  51. Angst vor Sterben und Tod
  52. Psychoanalyse
  53. Die Welt
  54. Zeitgedanken
  55. Hilfen fĂŒr die Dritte Welt
  56. Wie sollen wir leben?
  57. Sport und Politik im Nationalsozialismus
  58. Einsamkeit
  59. Leben heute und morgen in der Coronapandemie
  60. Wenn es dunkel wird in mir
  61. Idee Waldschule
  62. Idee Waldgottesdienst
  63. Feldberg – Klima – Gedanken
  64. Ein mathematischer Kompaß als Orientierungshilfe
  65. Was wÀre gewesen, wenn 

  66. Was die Corona-Pandemie mit uns macht
  67. Ins lebendige Leben kommen!
  68. Widmung an das „Kernchen“
  69. Machtwort
  70. Die VielfÀltigkeit der Liebe
  71. NÄCHSTENLIEBE
  72. Heimatliebe ist normal, kein schwieriges GefĂŒhl
  73. Heimat ist MENSCHENRECHT
  74. Liebloses Opfergedenken
  75. vom Ich zum Wir
  76. Der Hochzeitstanz 2021
  77. Modetrends 20/21
  78. Dosis
  79. Aphorismen
  80. „Hab die Hoffnung“
  81. Was ist am wichtigsten in dieser Zeit?
  82. Autorenspiegel
  83. Impressum

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