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Die Minenschlacht von Verdun

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Die Minenschlacht von Verdun

About this book

Ende Juli 1914. Die jungen Franzosen Philippe Grouché und Gilbert Sinclair melden sich freiwillig zu den Pionieren, um dem Schlachtfeld zu entgehen. Aus Freundschaft zu dem Offizierssohn Kurt Faber, meldet sich auf deutscher Seite der Stallbursche Friedrich Preuß zum 30. Pionierbataillon. Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges kommt der deutsche Vorstoß zum Erliegen und beide Pioniereinheiten werden nach Vauquois, einem strategisch wichtigen Bergdorf im Argonner Wald, verlegt.Als es den Armeen nicht gelingt den Ort auf konventionelle Weise einzunehmen, beginnt die Minenschlacht von Verdun, welche die deutschen wie auch die französischen Freunde an ihre psychischen und körperlichen Grenzen bringt. Werden sie den Tunnelkrieg überstehen?

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Information

Year
2021
Print ISBN
9783754333976
Edition
1
eBook ISBN
9783754358788

1. Kapitel

Es war ein heißer Sommerabend Ende Juli 1914. Von der Kaserne auf dem Asterstein bei Koblenz war das Deutsche Eck und der schimmernde Rhein zu sehen, welcher sich mit der Mosel verband. Obwohl ganz Europa in diesen Monaten einem politischen Pulverfass glich, lag eine trügerische Stille über der Stadt. Kurt Faber hatte gerade sein achtzehntes Lebensjahr vollendet und war auf die Anweisungen seines Vaters, Major Ludwig Faber, dem 30. Pionierbataillon beigetreten. Trotz der Kameradschaft fehlten ihm feste Freunde, die dem unsicheren, zurückhaltenden Burschen einen gewissen Halt gaben. Diese tiefe Freundschaft fand er nur bei einem einzigen Menschen, seinem besten Freund Friedrich Preuß. Einem starken, jungen Mann, der ebenfalls kurz vor seinem achtzehnten Geburtstag stand und dessen alter Herr, Konrad Preuß, schon ewig als Stallmeister bei den Fabers arbeitete. Doch Kurts größtes Problem lag nicht darin ein Einzelgänger zu sein, sondern in dem angespannten Verhältnis zwischen ihm, seinem Bruder Albert und dem Vater. Einem neunundvierzigjährigen Mann, der sich seinen Rang als Major hart erkämpft hatte. Wie auch bei seinem Erstgeborenen Albert, war er außer sich vor Freude, als Kurt das Licht der Welt erblickte. Voller Stolz hielt Ludwig seine Jungen im Arm und schwor sich ihnen niemals die psychischen Grausamkeiten anzutun, welche er in seiner Jungend durchmachen musste. Der Major wuchs in einer Militärfamilie auf. Da sein Vater Ferdinand Faber im Deutsch-Französischen Krieg diente, zierten all die Auszeichnungen seine Brust, die dem Jungen Respekt einflößten. Bis 1872 stieg der alte Faber aufgrund seiner Tapferkeit, Führungsstärke sowie seiner Organisations-fähigkeit zum Oberst auf. Im Alter von sieben Jahren ließ der Offizier seinen viertgeborenen Sohn schon spüren, dass er nichts für ihn übrighatte. Weder an Ludwigs Erziehung noch an seinem Werdegang zeigte der Oberst Interesse. Für ihn stand sein erstgeborener Sohn im Vordergrund, was auch zu Reibereien zwischen den Geschwistern führte. Zu oft bekam der stramme Bursche zu hören, dass er ein Versager sei und eh nichts aus ihm würde. Doch dies weckte in Ludwig den Ehrgeiz es seinem alten Herrn zu zeigen. Verbissen versuchte er die an ihn gerichteten Anforderungen zu erfüllen. Aber egal, was der junge Faber erreichte, es war nie gut genug. Nach seiner Hochzeit und der Geburt seiner beiden Söhne, nahm diese Verachtung noch schlimmere Züge an. Selbst an seinen Enkeln ließ Ferdinand kein gutes Haar. Umso erleichterter schien Ludwig, als sein alter Herr 1902 das Zeitliche segnete. Ein Stein schien ihm vom Herz zu fallen. Nun konnte er seine Burschen im militärischen Sinne erziehen, jedoch bemerkte er nicht, wie sehr er in die Verhaltensweisen seines Vaters abrutschte. Das Einzige, was seinem Glück noch fehlte, war sich im Krieg zu profilieren, um den mitschwingenden Erwartungen gerecht zu werden. Doch dieser Wunsch fand nicht nur aufgrund der ruhigen, politischen Lage, sondern auch wegen eines schweren Reitunfalls ein jähes Ende. Seit diesem Ereignis konnte er sein rechtes Bein nicht mehr bewegen und litt unter starken Schmerzen. Von einem auf den anderen Tag erkannte ihn seine Familie nicht wieder. Ludwig redete nicht über seine Pein, wie es ihm vorgelebt wurde. Immer wieder kamen ihm die Worte seines Vaters Ferdinand in den Sinn, der sagte, dass Schmerzen ein Zeichen von Schwäche seien. Sämtliche Schmerzmittel, die der Militärarzt verschrieb, vermochten es nicht seine Qualen zu lindern. Schließlich bekam die gesamte Familie seine Launen zu spüren. Je reifer Albert und Kurt wurden, umso mehr fanden sie sich mit dieser Tatsache ab. Die Söhne, welche zu Gehorsam, Respekt, Ordnung und Höflichkeit erzogen wurden schwiegen meist, wenn sie von der Militärakademie auf Wochenendurlaub waren. Major Faber sah den Krieg 1914 kommen. Daher ließ er seine die beiden Burschen, in das 30. Pionierbataillon versetzen, während er die Ausbildung der Infanteristen auf dem Asterstein leitete. Albert, der im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder ein aufbrausendes Temperament besaß, wollte sich mit dieser Entscheidung, welche über seinen Kopf hinweg gefällt wurde, nicht so einfach abfinden. Der Haussegen hing schief, als sich der Älteste gegen Ludwig auflehnte und seine Versetzung in eines der anliegenden Infanteriebataillone beantragte. An jedem Wochenende, an dem sie aufeinandertrafen, kam es zu derben Streitereien. Niemand wollte von seinem Standpunkt abweichen. Während Kurt dies schweigend ertrug, saß seine Mutter, Maritta Faber, stets zwischen den Stühlen. Die sechsundvierzigjährige Hausfrau wuchs in einer liebevollen, norddeutschen Handwerkerfamilie auf und kam mit diesen verbalen Auseinandersetzungen kaum zurecht. So auch an diesem Freitag, dem 24. Juli 1914. Wie immer machte sich der junge Faber zu den Offiziers-unterkünften auf, welche nur wenige Querstraßen entfernt lagen. Sein Weg führte ihn an den Stallungen vorbei, wo auch das Ross seines Vaters Unterkunft fand. Die Sonne schien noch lange nicht dem Neumond weichen zu wollen und tauchte den Rhein in ein feuriges Rot. Gebannt, fasziniert von diesem Anblick, blieb Kurt noch einen Moment stehen. Die Hände in den großen Uniformtaschen vergraben. Nicht wissend, was ihn an diesem Abend zu Hause erwartete, atmete der Rekrut noch einmal tief durch. In einem der Reitställe sah er seinen alten Freund, Friedrich Preuß, doch keine Spur von dem Major. Fritz arbeitete seit vier Jahren neben seinem Vater als Stallknecht bei Ludwig Faber. Konrad hatte seinem Sohn alles beigebracht, was er für den richtigen Umgang mit den Pferden wissen musste. Zu gerne hätte Konrad gesehen, dass Fritz den Veterenärdienst der Armee abgeleistet hätte. Mit dieser Ausbildung wäre ihm eine erfolgreiche Zukunft sicher gewesen. Er zog es vor seinem geliebten Vater hilfreich zur Hand zu gehen. Seine Eltern gaben sich mit dieser Entscheidung widerwillig zufrieden, dennoch hegten sie die Hoffnung, dass ihr vier Jahre jüngerer Sohn Wilhelm diesen Weg einschlüge. Fritz hingegen sah seinen Platz im Kreis der Familie. Nie im Leben wollte er von ihnen getrennt sein. Das Schicksal hatte jedoch andere Pläne.
Erleichtert, nicht schon jetzt auf den Major zu treffen, ging Kurt in den Stall.
„Hallo, Friedrich“, flüsterte der junge Soldat, um die Pferde nicht aufzuschrecken.
„Ach, Kurt“, sprach der Stallbursche und wischte sich verlegen den Schmutz aus dem Gesicht. „Ich habe dich nicht gehört. Entschuldige.“ Langsam näherte sich sein bester Freund dem Pferdegatter. Er wirkte in diesem Moment nervös.
„Kein Problem.“ Vorsichtig ging er zu dem pechschwarzen Hengst seines Vaters, den dieser liebevoll Zeus nannte und strich ihm behutsam über die weiße, dichte Mähne. Die Hufe pressten sich unruhig in den trockenen Boden. Der aufgewirbelte Staub drang durch jede Ritze des Holzverschlags und erschwerte das Atmen.
„Was suchst du hier?“, wollte sein alter Freund erfahren. „Es ist gleich schon sieben. Zu dieser Uhrzeit sollte sich der Sohn eines Offiziers nicht mehr auf der Straße befinden.“ Kurt strich Zeus weiterhin gedankenversunken über den Kopf.
„Wie macht sich Zeus?“
„Gut. Aber warum fragst du? Der Hengst hat dich doch noch nie interessiert.“
„Er kann ja nichts für die Launen meines Vaters.“ Der Stallbursche wusch sich eilig die Hände im nebenstehenden Wasserfass.
„Hast du dein freies Wochenende?“ Kurt nickte und starrte nachdenklich zu den Offiziersunterkünften hinüber. „Was ist los, mein Freund? Du weißt, dass du mit mir über alles sprechen kannst.“
„Hast du die letzten Meldungen aus Berlin gehört?“
„Ja. Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern“, antwortete Friedrich mit besorgter Miene. „Wie zu hören ist, stehen die Zeichen auf Krieg.“
„Das Gleiche habe ich auch vernommen. Wenn es so kommt, wird meine Ausbildung beschleunigt. Die Pioniere sind dann die Ersten, die in Gang gesetzt werden.“ Preuß trocknete sich die Hände ab und klopfte ihm zuversichtlich auf die Schulter.
„Keine Sorge, mein Bester. Ich lasse dich nicht im Stich. Wenn es hart auf hart kommt, melde ich mich freiwillig zu den Pionieren. Dann bist du nicht allein.“ Kurt wirkte sprachlos, gar überrascht, dass sich sein Freund in diese Gefahr begeben wollte, nur um an seiner Seite zu stehen. Gerührt von dieser Selbstlosigkeit, sprach Faber: „Ich nehme dich beim Wort. Doch ich bete zu Gott, dass es nicht so weit kommen wird.“
„Natürlich. Aber wenn alle Stricke reißen, kannst du dir meiner Unterstützung sicher sein.“ Von Weitem drang das Läuten der Koblenzer Kirchenglocken zu ihnen und der junge Faber wurde unruhig. Er schaute noch einmal in Zeus tiefschwarze Augen und wisperte: „Ich muss los, Friedrich. Mein werter Vater hasst nichts so sehr wie Unpünktlichkeit.“
„Lass dich nicht unterkriegen, Kurt.“ Der Pionierkadett verabschiedete sich und ging mit einem mulmigen Gefühl in der Magengrube die Straße entlang. Schon wenige Meter weiter sah er sein Elternhaus. Ein quadratisches, kaltes Gebäude aus Basaltstein, ohne Blumenbeete oder sonstige Grünstreifen, welche von Leben zeugten, geschweige denn diesen kalten Steinhaufen zu einem Zuhause machten. Wenn die Hausnummer nicht zu erkennen gewesen wäre, hätte er es von all den anderen Wohnungen nicht unterscheiden können. Da die Burschen keinen Schlüssel besaßen, mussten sie klopfen, um eingelassen zu werden. Ludwig befand sich noch bei seiner Infanterieausbildungseinheit und kontrollierte die Stuben der Rekruten. Maritta öffnete und nahm ihren Sohn freudig in den Arm. Sie war sich bewusst, dass ihre Buben momentan kein einfaches Leben führten. Deshalb konnte die Hausfrau, wenn ihr Gatte nicht da war, ihre ganze Liebe zeigen. In eine Kochschürze gehüllt stand die sechsundvierzigjährige Frau da. Mit bleichen Wangen und einem freudigen Lächeln, welches über den Zwist ihrer Männer hinwegtäuschen sollte.
„Mein lieber Junge“, flüsterte sie ergriffen. „Dein Bruder und dein Vater werden auch gleichkommen.“ Ehe er sich versah, zog ihn seine Mutter in den schmalen Flur und verschwand in der Küche. „Nimm schon einmal Platz. Ich komme sofort zu dir.“ Kurt zog seine Uniformjacke aus, hängte sie über einen der Stühle, welche an dem einladenden, bereits gedeckten Esstisch standen. Die alte, viktorianische Standuhr schlug acht Uhr, als sein Vater Ludwig, gefolgt von seinem Albert den Korridor betrat. Mit zorniger Miene streifte sich der Major die Handschuhe ab und warf sie auf die Anrichte. Allein der Anblick seines ältesten Sohnes versetzte ihn in Rage.
„Ist das Essen fertig?“, knurrte der Schleifer und ging wortlos an seinen Söhnen vorbei. Alles war für ein üppiges Mahl bereit. Vor jedem Familienmitglied stand ein flacher Teller, darauf eine kleine Suppenschale sowie das Besteck für ein Dreigängemenü. Ehe Ludwig am Kopfende Platz nahm, schenkte er sich noch einen Cognac ein, welchen er in dem noblen Eichenholzschrank neben dem Fenster aufbewahrte. Nach einem kräftigen Schluck zischte der Offizier abwertend: „Das Beste, was Frankreich je zu Stande gebracht hat.“ Genussvoll strich der Major über seinen angegrauten, kaiserlichen Oberlippenbart. Fordernd legte er sich die aufgefaltete Stoffserviette über den Schoß. Erneut rief er nach seiner Frau. Während Maritta beladen mit Brot, Gemüse und Fleisch aus der Küche kam, sprangen die Jungen auf. Sie wollten ihrer Mutter helfend zur Hand gehen und stellten vorsichtig die Porzellanschüsseln auf die Tischdeckenschoner. Albert nahm ihr die letzte Schale ab und Kurt ging in die Küche, um die Vorsuppe zu holen.
„Dafür sind deine Jungen gut“, murmelte Ludwig zynisch. „Sie hätten Diener werden sollen.“ Schweigend füllte jeder seinen Teller und der Herr des Hauses sprach das obligatorische Tischgebet. Während dem Essen war es so leise, dass eine fallende Stecknadel einen Heidenlärm verursacht hätte. Bis Kurt es nicht mehr ertrug. Krampfhaft versuchte er ein Gespräch vom Zaun zu brechen.
„Gibt es schon Neuigkeiten von der Obersten Heeresleitung, Herr Major?“ Dieser schüttelte desinteressiert den Kopf und schnitt sein Fleisch. „Was glaubst du, Albert? Wird es zum Krieg kommen?“ Sein zwei Jahre älterer Bruder legte sein Besteck zur Seite und faltete die Hände, als ob er ein Stoßgebet senden würde. Er wollte gerade antworten, da unterbrach Ludwig die Konversation.
„Ich habe deine Versetzung veranlasst, Albert.“ Es traf seinen Sohn wie ein Donnerschlag. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Dies übernahm jedoch sein Vater. „Du wirst deinen Dienst, wie dein Bruder, bei den Pionieren fortsetzen.“
„Aber, Vater… Ich…“ Ludwig aß unbeirrt weiter und fuhr ihm strikt dazwischen.
„Die Würfel sind gefallen, wie Cäsar zu sagen pflegte. Ich will nicht, dass deine kümmerlichen Leistungen als Infanterist auf mich zurückfallen. Immerhin untersteht mir die Ausbildung dieser Einheit.“ Albert stand geschockt auf, was den Offizier nur noch mehr in Rage versetzte. Er duldete keinen Ungehorsam seiner Söhne Energisch, mit entschlossenem Blick, schlug er auf den Tisch und rief seinen Sohn zur Ordnung.
„Setz dich gefälligst wieder hin, Albert! Ich bin noch nicht fertig.“
„Jawohl, Herr Major.“ Maritta und Kurt hielten den Atem an. Schon lange hatten sie das Familienoberhaupt nicht mehr so verärgert erlebt. Seine schwarzen Augen funkelten. Franzi, der geliebte Schäferhund, ging angespannt in Sitzposition und beobachtete genau, was geschah. Immer noch gingen Ludwig die Worte seines Vaters durch den Kopf. Er solle gefälligst schweigen, da er noch nie im Krieg gedient habe. Nun standen seine Söhne kurz vor der Einberufung, die ihm verwehrt blieb.
„Ich sollte Stolz auf meine Söhne sein, verdammt nochmal. Stattdessen empfinde ich bloß noch Scham für euch. Wir haben uns bei eurer Erziehung alle Mühe gegeben und Zeit genommen. Anscheinend umsonst.“ Ohne seinen Jungen eines Blickes zu würdigen, genehmigte sich der Major noch einen Schluck feinsten Moselweins, ehe er seinem treuen Hund ein Stück des zähen Bratenendes reichte. Maritta versuchte die Contenance zu bewahren, obwohl ihr zum Heulen zumute war. Bis Albert genug von den Schikanen seines Vaters hatte. Er erhob erst sich und dann seine Stimme.
„Vater. Ich werde deine Entscheidung mit Freuden akzeptieren und nie wieder einen Fuß in dieses Haus setzen. Du bist der kaltherzigste Mensch, den ich je getroffen habe und es tut mir leid, dass Mama dich weiterhin ertragen muss.“
„Bist du fertig?“, fragte der alte Faber emotionslos. Sein ältester Spross salutierte demonstrativ, küsste Maritta auf die Wange und verließ die Familie. Mit dem Zufallen der Haustür wurde der liebenden Mutter bewusst, dass sie eines ihrer Kinder für immer verloren hatte. Dieser Schmerz schien wie ein glühendes Messer, das in ihre Brust getrieben wurde. Auch Kurt folgte ohne weitere Worte zu verlieren seinem Bruder. Seine Gefühle waren in diesem Moment, in dem sich die Familie für immer entzweite, kaum zu beschreiben. Entsetzt stand Maritta auf und zischte: „Bist du nun stolz auf dich? Warum hast du das getan, Ludwig? Es war Alberts Wille zur Infanterie zu gehen.“
„Dies ist meine Entscheidung, Maritta“, zischte der Major. „Es wird Krieg geben. Ich hätte an ihrer Stelle losziehen müssen, um mir ein Eisernes Kreuz zu verdienen. Ich will nicht, dass meine Söhne einen besseren Stand in der Gesellschaft haben, als ich es je hatte.“
„Ich gehe ihnen nach.“
„Tu, was du nicht lassen kannst. Die beiden haben ihre Entscheidung bereits gefällt.“ Er gab seiner Franzi ein weiteres Stück Fleisch, während seine Ehefrau den Kindern folgte. Lautstark schrie sie die Namen ihrer Jungen in die dunkle Nacht hinaus. Plötzlich ertöte Kurts Stimme.
„Mama“, rief er lautstark in die Finsternis und schaute sich nervös um. In der Ferne, im Lichtkegel einer Straßenlaterne erblickte er sie. Weinend auf dem groben Randstein sitzend. Sie hatten beide noch vergeblich versucht, den Ältesten einzuholen, aber...

Table of contents

  1. Über das Buch
  2. Motto
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. 1. Kapitel
  5. 2. Kapitel
  6. 3. Kapitel
  7. 4. Kapitel
  8. 5. Kapitel
  9. 6. Kapitel
  10. 7. Kapitel
  11. 8. Kapitel
  12. 9. Kapitel
  13. 10. Kapitel
  14. 11. Kapitel
  15. 12. Kapitel
  16. Über den Autor
  17. Weitere Romane
  18. Impressum

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