Rahmenvorgaben und Binnenstrukturen der Zentren fĂŒr Lehrerbildung
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Rahmenvorgaben und Binnenstrukturen der Zentren fĂŒr Lehrerbildung

Eine bundesweite Dokumentenanalyse

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Rahmenvorgaben und Binnenstrukturen der Zentren fĂŒr Lehrerbildung

Eine bundesweite Dokumentenanalyse

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Zentren fĂŒr Lehrerbildung und Schools of Education gehören spĂ€testens seit dem "GrĂŒndungsboom" (Roer 2020, 34) zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu einem festen Teil der ersten Phase der Lehrerbildung. Zwar ist in den letzten Jahren eine Zunahme von Studien zu den Zentren festzustellen (Vgl. Böttcher/Blasberg, 2015; Rischke et al. 2015; Roer 2020), doch bestehen vor allem hinsichtlich der Rahmenvorgaben und Binnenstrukturen noch stets Forschungsdesiderata. Das Ziel dieser Arbeit ist jene Desiderata zu schließen und den status quo zu erfassen. Mithilfe der typenbildenden qualitativen Inhaltsanalyse (Kuckartz, 2016) werden zunĂ€chst die Rahmenvorgaben sprich die Hochschulgesetze und Lehrausbildungsgesetze der LĂ€nder typologisiert und ganzheitlich in Form einer Landeskarte abgebildet. Anschließend werden durch die inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse (Vgl. Ebd.) die Hauptkategorien Zusammensetzung und Organisation, Institutionalisierung, Funktionen und Befugnisse erstellt. Jene werden zunĂ€chst auf die Rahmenvorgaben und anschließend auf die Binnenstrukturen, erhoben durch die Satzungen und Ordnungen der Zentren, appliziert. Dadurch wird eine Spiegelung der Rahmenvorgaben auf die Binnenstrukturen evoziert. Das zentrale Resultat der Abschlussarbeit ist, dass die in dieser aber auch in vorangegangenen Studien erhobene Uneinheitlichkeit der Binnenstrukturen der Zentren (Vgl. Hilligus 2005; Böttcher/Blasberg 2015; Roer 2020) ihren Ursprung in der HeterogenitĂ€t der Rahmenvorgaben hat. Der Nutzen der Arbeit liegt in einer erstmaligen bundesweiten graphischen Darstellung der Rahmenvorgaben und in der Konsolidierung von im Diskurs bereits vorliegenden Thesen.

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Information

Year
2021
Print ISBN
9783755713128
Edition
1
eBook ISBN
9783755786986

1. Einleitung

[...] so vertreten wir die These, dass die heutige Lehrerbildung – trotz einiger Fortschritte – den wachsenden Anforderungen an den Lehrerberuf nicht gerecht wird und ihren gesellschaftlichen Auftrag einer professionsbezogenen Vorbereitung nicht oder nur unzureichend erfĂŒllt. (Schubarth 2017, 128)
Die aktuelle Entwicklung der Lehrerbildung1 in Deutschland wurde von Wilfried Schubarth unter Mitarbeit von Wolfgang Böttcher, Ewald Terhart und Peter Tremp in sieben Thesen zusammengefasst. Das Fazit bleibt, wie an der skizzierten These deutlich erkennbar, ernĂŒchternd. Was zunĂ€chst als frappierend erscheint, ist unter BerĂŒcksichtigung frĂŒherer Diskussionen, beinahe als diskursive Konstante zu bezeichnen. Denn die Kritik an der Lehrerbildung ist so alt wie die Lehrerbildung selbst (Vgl. Merzyn 2004). Die letzte Periode, in welcher diese zunehmend in Frage gestellt wurde, ist nun bereits ĂŒber zwanzig Jahre her. Als ZĂ€sur mag hierfĂŒr der Pisa-Schock gelten, welcher die Probleme des gesamten Bildungssystems und damit auch der Lehrerbildung an die breite Öffentlichkeit trug. Innerhalb des bildungswissenschaftlichen Diskurses wurden die Probleme der Lehrerbildung jedoch bereits in den 1990er Jahren ausfĂŒhrlich diskutiert (Vgl. Blömeke et al. 1999; Blömeke 2000a; Bayer et al. 2000). Zu diesem Zeitpunkt bestand weitestgehend der Konsens, dass die Einrichtung von Zentren fĂŒr Lehrerbildung2 eine adĂ€quate Reaktion auf die Probleme der Lehrerbildung zu sein scheint. Hieraus resultierte ein “GrĂŒndungsboom” (Roer 2020, 34) von Zentren fĂŒr Lehrerbildung und mittlerweile sind diese beinahe an jeder Hochschule anzufinden, welche LehramtsstudiengĂ€nge anbietet (Vgl. Rischke et al. 2015). Galten jene damals noch als “Retter in der Not” (Blömeke 2000a, 251), so stehen sie aktuell im Fokus der Kritik. So heißt es in These 4 von Schubarth “Die Lehrerbildung hat an UniversitĂ€ten keinen zentralen Ort. Die Zersplitterung der Lehrerbildung lĂ€sst sich auch durch die Schaffung von Zentren fĂŒr Lehrerbildung nicht auflösen” (Schubarth 2017, 130). Die anfangs noch breit angelegte Euphorie ĂŒber die Zentren fĂŒr Lehrerbildung scheint zunehmend abzuflachen.
Ein Grund hierfĂŒr liegt in jĂŒngeren Studien zu diesen Einrichtungen. Hier ist insbesondere die Studie “Strategisch aufgestellt und professionell organisiert? Eine explorative Studie zu Strukturen und Status der Lehrerbildung” zu nennen, in welcher unter Anderem in Frage gestellt wird, ob die Zentren die von ihnen erwartete Neuerung der Lehrerbildung evozieren können (Böttcher/Blasberg 2015a, 21). Eins ist deutlich: die Zentren fĂŒr Lehrerbildung stehen auf dem PrĂŒfstand und werden immer breiter diskutiert. Dies spiegelt auch die zunehmende Anzahl an Studien zu diesem Themengebiet in den letzten Jahren wider. Freilich stellen Zentren fĂŒr Lehrerbildung bis hierhin noch ein relativ unerforschtes Gebiet dar, doch in den letzten fĂŒnf Jahren wurden neben der Studie von Böttcher und Blasberg zwei weitere groß angelegte Studien zu den Zentren publiziert. Hier sind einerseits die Studie „Form follows function?! - Strukturen fĂŒr eine professionelle Lehrerbildung“ (Rischke et al. 2015) und andererseits „Die Ausgestaltung der Zentren fĂŒr Lehrerbildung in Nordrhein-Westfalen. Ergebnisse einer landesweiten Dokumentenanalyse“ (Roer 2020) zu nennen. Prinzipiell lassen sich auf diesem Gebiet zwei verschiedene Richtungen an Studien eruieren: Wirkungsstudien, die die Wirkung der Zentren messen und steigern wollen, und Diversifizierungsstudien, die die strukturelle Vielfalt der Zentren erfassen wollen (Vgl. Ebd., 42-58). WĂ€hrend die Zentren zu Beginn noch ĂŒberwiegend durch Diversifizierungsstudien, wie etwa „Zentren fĂŒr Lehrerbildung in der BRD“ (Hilligus 2005) oder „Lehrerbildungszentren in Deutschland“ (Wilke 2005), untersucht wurden, ist mit der Studie von Böttcher und Blasberg aktuell ein Trend zu Wirkungsstudien zu verzeichnen. Dem aktuellen Trend entgegen handelt es sich bei der vorliegenden Arbeit um eine Diversifizierungsstudie. Es soll sonach nicht die Wirkung der Zentren analysiert und bewertet werden, sondern die Zentren sollen hinsichtlich der Rahmenvorgaben und der Binnenstrukturen strukturell erfasst und beschrieben werden, um so den Status quo darzustellen. Die Struktur der Arbeit soll im Folgenden dargestellt werden.
Da mit den Rahmenvorgaben und den Binnenstrukturen sowohl die Makroebene als auch die Mikroebene der Zentren untersucht werden soll, ist ein breit angelegter theoretischer Rahmen und damit ein möglichst holistischer Blick obligatorisch. Hierin sollen die Strukturen der Zentren zunĂ€chst aus historischer Perspektive kontextualisiert werden. Das bedeutet konkret, dass zuerst der Entstehungszusammenhang der Zentren fĂŒr Lehrerbildung skizziert werden soll. In diesem soll einerseits ein kurzer Überblick ĂŒber die Geschichte der Lehrerbildung und die Entwicklungen der Lehrerbildung innerhalb der 1990er und 2000er Jahre gegeben werden. Andererseits sollen auch die Strukturreformen des Hochschulwesens in den 1990er und 2000er Jahren aufgegriffen werden, da auch diese, wie spĂ€ter noch ausgefĂŒhrt werden soll, einen Einfluss auf die Entstehung der Zentren fĂŒr Lehrerbildung und deren Strukturen hatten. Mit dem Entstehungszusammenhang soll neben der Kontextualisierung insbesondere das Fundament fĂŒr das anschließende Kapitel des Diskurses zu den Strukturen der Zentren fĂŒr Lehrerbildung3 gelegt werden.
Bis hierhin wurde der Diskurs zu den Zentren fĂŒr Lehrerbildung in erster Linie als Gesamtdiskurs dargestellt und nicht in einzelne DiskursstrĂ€nge segmentiert. Dies fĂŒhrt zu einem sehr unstrukturierten Diskurs, welches auf Dauer in einem „Wuchern der Diskurse“ (Bublitz et al. 1999) enden wĂŒrde. Deshalb soll in dieser Arbeit der Versuch gemacht werden, die einzelnen DiskursstrĂ€nge voneinander zu trennen und diese zu systematisieren. In diesem Zuge soll der Strukturdiskurs kreiert werden, indem die unterschiedlichen Studien, AufsĂ€tze und Monographien etc., die sich mit den Strukturen der Zentren befasst haben, chronologisch und mit einem Fokus auf Interdependenzen zusammengetragen werden. Als Ausgangspunkt fĂŒr diesen Ansatz ist der Tagungsband des 9. Bundeskongresses der Zentren fĂŒr Lehrerbildung zu interpretieren, in welchem die Strukturen der Zentren fĂŒr Lehrerbildung strikt von den Aufgaben der Zentren getrennt wurden (Retzlaff-FĂŒrst et al. 2016). Hierdurch können zwei DiskursstrĂ€nge ausgemacht werden. Diese Arbeit reduziert sich auf den ersteren, wenngleich die Aufgaben der Zentren teilweise implizit mitbehandelt werden.
Auf Basis des theoretischen Rahmens und insbesondere des Strukturdiskurses soll dann der Ansatz fĂŒr den empirischen Teil dieser Arbeit entwickelt werden. Die Fragestellungen, Annahmen und auch die Methodik werden sonach aus dem Diskurs heraus generiert. Der empirische Teil gliedert sich in folgende Kapitel: Forschungsziel, Forschungsmethodik, Stichprobe und Ergebnisdarstellung. Im Anschluss daran sollen in der Diskussion die Ergebnisse des empirischen Teils in Bezug zu dem theoretischen Rahmen gesetzt werden, und die dafĂŒr verwendete Methodik diskutiert werden. Zuletzt sollen im Fazit die zentralen Ergebnisse der Arbeit skizziert und ein Ausblick gewĂ€hrt werden.

1 In dieser Arbeit wird im Sinne der geschlechtergerechten Sprache das generische Maskulinum verwendet. Die weibliche Form ist sonach immer implizit mitzulesen. Wörtliche Zitate verbleiben in ihrer ursprĂŒnglichen Form.
2 In dieser Arbeit sollen die Begriffe Zentren fĂŒr Lehrerbildung und School of Education synonym verwendet werden. Der Grund liegt in der fehlenden TrennschĂ€rfe dieser Begriffe (Vgl. Roer 2020, 18-21).
3 Im Laufe der Arbeit wird der Diskurs zu den Strukturen der Zentren fĂŒr Lehrerbildung regelmĂ€ĂŸig als Strukturdiskurs abgekĂŒrzt.

2. Theoretischer Rahmen

2.1 Der Entstehungszusammenhang der Zentren fĂŒr Lehrerbildung

Um den Entstehungszusammenhang der Zentren fĂŒr Lehrerbildung nachvollziehen zu können, soll nun zunĂ€chst ein kurzer Überblick zur Geschichte der Lehrerbildung in Deutschland angefĂŒhrt werden.
Da Reformen des Schulsystems notwendigerweise auch Reformen der Lehrerbildung evozieren, ist die Herausbildung der Institution Schule im 17./18. Jahrhundert als Beginn der Lehrerbildung in Deutschland zu charakterisieren (Vgl. Blömeke 2009, 483). In diesem Prozess entstanden in Analogie zu einem niederen und höheren Schulwesen zwei unterschiedliche Formen der Lehrerausbildung. Einerseits eine staatlich geregelte, und damit gegen kirchlichen Einfluss gefeite Gymnasiallehrerausbildung an UniversitÀten, welche auf ein berufliches Leitbild des Philologen als Fachgelehrten abzielte. Andererseits eine, an konfessionelle Einrichtungen gebundene, Volksschullehrerausbildung, welche ab der ersten HÀlfte des 19. Jahrhunderts an Seminaren stattfand (Vgl. Blömeke 2000a, 252).
WĂ€hrend die Gymnasiallehrausbildung sich durch fehlende praktische und pĂ€dagogische Anteile charakterisierte, mangelte es Volksschullehrern im 19. Jahrhundert an akademischer Ausbildung (Vgl. Walke/Offenberg 2013, 34). So wurde erstere ab 1890 durch eine zweite Phase, dem Referendariat, ergĂ€nzt, erfuhr aber seitdem kaum VerĂ€nderung (Vgl. Blömeke 2000a, 484). Die Volkschullehrerausbildung (und spĂ€tere Grund-, Haupt-, Real-, Sonderschullehrerausbildung) hingegen verĂ€nderte sich bestĂ€ndig: zunĂ€chst verlagerte sich die Ausbildung von Seminaren auf pĂ€dagogische Akademien, welche in der NS-Zeit in „Hochschulen fĂŒr Lehrerbildung“ umgewandelt wurden und nach 1945 in pĂ€dagogischen Hochschulen resultierten (Vgl. Blankertz 1992).
Da die pĂ€dagogischen Hochschulen dem Desiderat der akademischen Ausbildung nicht hinreichend gerecht wurden, wurden diese in den 1980er Jahren durch das „ZusammenfĂŒhrungsgesetz“ in die UniversitĂ€t integriert und eo ipso aufgelöst.4 Dies fĂŒhrte zu einer wissenschaftlichen Aufwertung der nichtgymnasialen LehramtsstudiengĂ€nge und demonstrierte die Akademisierung der Lehrerbildung (Konrad 2007, 104, zitiert nach Walke/Offenberg 2013, 34). Ferner sollte jene ZusammenfĂŒhrung einen wichtigen Schritt zum Umgang mit der immer „[
] komplexer werdenden Gesellschaft mit erhöhten Anforderungen an die Schule und damit auch an die Lehrerinnen und Lehrer“ (Blömeke 2000a, 252) darstellen.
Obschon die ZusammenfĂŒhrung elementare Probleme der Lehrerbildung zu lösen schien, begann ab den 1990er Jahren ein weiterer Reformdiskurs. Dieser Reformdiskurs entstand indes nicht ausschließlich durch Probleme, die in der Lehrerbildung festgestellt wurden, sondern er wurde ebenso durch externe Entwicklungen beeinflusst. So zeichneten sich einerseits mit der „Krise der UniversitĂ€ten“ (Stölting/Schimank 2001), der Stagnation von Reformen im Hochschulwesen der 1980er (Vgl. KrĂŒcken 2005, 27), der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und der europĂ€ischen Integration mit dem damit verbundenem Bologna-Prozess monumentale UniversitĂ€tsreformen ab. Andererseits fĂŒhrten volkswirtschaftliche Bedenken unter dem Chiffre Bildungskatastrophe, aber auch Werte- und Bildungsreformen zu einem Reformklima, welches sich auf den Diskurs zu Reformen in der Lehrerbildung auswirkte (Vgl. Walke/Offenberg 2013, 10-12). Exemplarisch hierfĂŒr scheint die Einleitung von Manfred Bayer et al.
Die Schwere der Erkrankung bestimmt die SchĂ€rfe der Medizin. „Im Kern verrottet?“ „FĂŒnf vor zwölf an Deutschlands UniversitĂ€ten“ – was Peter Glotz (1996) im Blick auf diese feststellt, wieweit gilt es auch fĂŒr deren Teilbereich, die universitĂ€re Lehrerausbildung? (2000, 7)
Zugleich dekuvrierte das Anwachsen der Studierendenzahlen zu Beginn der 1990er die ReformbedĂŒrftigkeit der Lehrerbildung, da MĂ€ngel in Ausbildungsorganisation und -inhalten deutlich wurden (Vgl. Blömeke et al. 1999, 9). Dies fĂŒhrte unter anderem dazu, dass in NRW im Auftrag der Ministerien fĂŒr Kultus, fĂŒr Wissenschaft und Forschung und der Landesrektorenkonferenz eine Evaluation der Lehrerausbildung an den Hochschulen, welche Probleme und Defizite der Lehrerbildung skizzieren sollten, initiiert wurde. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Lehrerausbildung an den befragten Hochschulen als intransparent und wenig koordiniert darstellen wĂŒrde (Vgl. Ebd., 10).
Als Reaktion darauf beschlossen die nordrhein-westfĂ€lischen Ministerien fĂŒr Kultur, Wissenschaft und Forschung Querstrukturen an UniversitĂ€ten in Form von Zentren fĂŒr Lehrerbildung zu fördern. Jene Zentren sollten die eruierten Defizite durch ĂŒberfachliche Koordination und Organisation der Lehrausbildung in Form von Kooperation mit den bestehenden Einrichtungen nivellieren. Die Förderung manifestierte sich in erster Instanz durch einen Erlass fĂŒr einen Modellversuch „Zentren fĂŒr Lehrerbildung“ im Jahr 1994, welcher bis zum 30.12.1999 anlief. Nach diesem Erlass folgten zunĂ€chst Modellversuche von errichteten Zentren an der UniversitĂ€t Paderborn, der UniversitĂ€t Dortmund, der Bergischen UniversitĂ€t-GH Wuppertal und an der WestfĂ€lischen Wilhelms-UniversitĂ€t MĂŒnster, spĂ€ter kamen noch die UniversitĂ€ten Bochum und Siegen hinzu (Vgl. Ebd., 10-11). Die Relevanz dieser „Pionierzentren“ soll im Verlaufe des Strukturdiskurses noch aufgegriffen werden, deutlich scheint aber, dass der Modellversuch als Erfolg verbucht wurde. So sollten nach dem Modellversuch eine dauerhafte Einrichtung von Zentren an den Hochschulen fĂŒr Lehrerausbildung in NRW und zudem eine Verankerung im Hochschulgesetz erfolgen (Vgl. Blömeke et al. 1999, 11).
Pionierarbeit leisteten die Zentren in NRW bei weiteren Evaluationen der Lehrerausbildung, welche die zuvor skizzierten Erkenntnisse akzentuieren konnten. Als ein Kernproblem wurde dabei die fehlende Integration der einzelnen Studienanteile eruiert: sowohl einzelne UnterrichtsfĂ€cher wie Erziehungswissenschaft, als auch einzelne Teilbereiche wie Fachwissenschaft und Fachdidaktik, ebenso wie die schulpraktischen Studien standen isoliert nebeneinander. Zudem stellte sich heraus, dass gerade die fachwissenschaftlichen Studienanteile nicht speziell auf die Lehramtsstudierenden ausgerichtet waren. Eng daran gebunden ist die Problematik der VerknĂŒpfung von Theorie und Praxis, die von den schulpraktischen Studien generiert werden sollte, und immer wieder als defizitĂ€r beschrieben wurde (Vgl. Blömeke 2000a, 253).
Durch diese Erkenntnisse wurde das Bewusstsein fĂŒr die ReformbedĂŒrftigkeit der Lehrerausbildung noch einmal geschĂ€rft und der Diskurs zu Reformen angeregt. So machte auch die SachverstĂ€ndigenkommission „Lehrerausbildung“ der Gemeinsamen Kommission fĂŒr die Studienreform im Land Nordrhein-Westfalen auf die Defizite der universitĂ€ren Lehrerausbildung aufmerksam und forderte 1996 den Aufbau einer umfassenden außeruniversitĂ€r eingerichteten Institution, die alle Aufgaben in der Lehrerausbildung und Fortbildung integrieren wĂŒrde (Vgl. Gemeinsame Kommission fĂŒr die Studienreform Nordrhein-Westfalen 1996, 108). Ein vergleichbares Modell entwarf die Kommission „Zukunft der Bildung – Schule der Zukunft“, welche explizit Zentren fĂŒr Lehrerbildung fĂŒr die zweite Ausbildungsphase, sprich außeruniversitĂ€r eingerichtet, forderten (Vgl. Bildungskommission NRW 1995, 108). Dem gegenĂŒber standen Diskursteilnehmer, wie etwa die Hochschulrektorenkonferenz, die Gewerkschaft fĂŒr Erziehung und Wissenschaft oder auch die DGfE-Kommissionen, welche Ă€quivalent zum Modellversuch, Zentren fĂŒr Lehrerbildung an den UniversitĂ€ten etablieren wollten. Diese sollten hingegen mit je unterschiedlichen Organisationsstrukturen und Aufgaben aber einheitlich wissenschaftlichen Charakter eingerichtet werden, wĂ€hrend bei den Modellversuchen der wissenschaftliche Charakter noch nicht im Mittelpunkt stand.
In den DGfE-Kommissionen heißt es etwa
Die Zentren bilden Organisationsstrukturen quer zu den FĂ€chern, sind fĂŒr alle Fragen zustĂ€ndig, die ĂŒber die Verantwortung der Fachbereiche bzw. FakultĂ€ten hinausreichen, verleihen den Lehrenden und Studierenden in der Lehrerbildung Mitgliedschaftsrechte und verfĂŒgen ĂŒber eigene Personal- und Sachmittel, um die ĂŒbertragenden Aufgaben zu bearbeiten. Als zentrale wissenschaftliche Einrichtungen sind sie der Verantwortung des Senats bzw. einer Senatskommission fĂŒr Lehrerbildung unterstellt. (Vgl. Die Kommissionen SchulpĂ€dagogik/Lehrerausbildung und SchulpĂ€dagogik/Didaktik der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Erziehungswissenschaft (DGfE) 2000, 46)
Trotz aller Unterschiedlichkeit der Modelle vereinte die einzelnen Diskursteilnehmer, dass sie eine Institution oder Zentren fĂŒr Lehrerbildung vorschlugen, um auf die Defizite der Lehrerausbildung adĂ€quat eingehen zu können, wenngleich es auch kritische Stimmen gab (Vgl. Radtke/Webers 1998). Ferner plĂ€dierten sie gemeinsam fĂŒr eine Vernetzung der an der Lehrerausbildung beteiligten Instanzen, um die Lehrerbildung so stĂ€rker zu zentralisieren.
Aus dem Diskurs der 1990er Jahre, in welchem die ReformbedĂŒrftigkeit der Lehrerbildung sichtbar wurde, entstanden sonach die ersten Zentren fĂŒr Lehrerbildung, welche als Lösung fĂŒr die Defizite deklariert wurden. So richteten neben Nordrhein-Westfalen im Zuge der 1990er Jahre auch Niedersachsen, Brandenburg und Hessen Zentren fĂŒr Lehrerbildung ein und auch in Bremen, Rheinland-Pfalz, und dem Saarland wurde ĂŒber die Einrichtung von Zentren diskutiert (Vgl. Blömeke et al. 1999, 13). Ein bundesweiter Diskurs fand hingegen erst mit der Entsendung der Kommission Lehrerbildung5 durch die Kultusministerkonferenz ab dem Jahr 1998 statt. Dabei sollte die Terhart-Kommission auf Basis der Problemstellungen der 1990er Jahre Optionen fĂŒr eine zukunftsorientierte Lehrerbildung fĂŒr alle drei Phasen, Institutionen und Prozesse der Lehrerbildung eruieren (Vgl. Terhart 2000, 13). Zur Jahrtausendwende prĂ€sentierte die Kommission schließlich ihre Ergebnisse. FĂŒr die erste Phase der Lehrerausbildung sollten, wie bereits im Diskurs der 1990er v...

Table of contents

  1. Vorwort
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. 1. Einleitung
  4. 2. Theoretischer Rahmen
  5. 3. Forschungsziel und -ansatz
  6. 4. Dokumentenanalyse
  7. 5. Forschungsmethodik
  8. 6. Stichprobe
  9. 7. Ergebnisdarstellung
  10. 8. Ergebnisdiskussion
  11. 9. Methodendiskussion
  12. 10. Fazit/Ausblick
  13. 11. Literaturverzeichnis
  14. 12 Anhang
  15. Impressum

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