Das humane CYP1A2, das fĂŒr den Arzneistoffmetabolismus in der Leber und fĂŒr die Aktivierung von Prokarzinogenen von Bedeutung ist, wurde mithilfe von Molecular- Modelling-Methoden theoretisch untersucht. Da die dreidimensionale Struktur des Isoenzyms nicht bekannt ist, wurde zunĂ€chst auf der Grundlage einer Kristallstruktur des SĂ€ugetiercytochroms CYP2C5, die als Substratkomplex vorliegt, ein Homologiemodell erstellt. Die Validierung des CYP1A2-Modells erfolgte anhand einer MDS ĂŒber einen Simulationszeitraum von 2, 5 ns in physiologischer Umgebung, wobei die Simulationsbedingungen zunĂ€chst in einer MDS mit der Kristallstruktur ĂŒberprĂŒft wurden. Es resultierte ein stabiles Proteinmodell von guter struktureller QualitĂ€t, das alle den P450-Isoenzymen gemeinsamen charakteristischen Strukturmerkmale aufwies und dessen dynamisches Verhalten mit dem der Kristallstruktur ĂŒbereinstimmte. Im Hinblick auf die molekĂŒldynamische Untersuchung von Substratkomplexen des CYP1A2-Modells wurde wiederum zuerst eine Validierungsdynamik mit einer Kristallstruktur von CYP2C5 durchgefĂŒhrt. Es zeigte sich, dass der Substratkomplex der Kristallstruktur ĂŒber einen Simulationszeitraum von 5 ns stabil blieb und dass das Bindungsverhalten von Diclofenac im aktiven Zentrum qualitativ gut wiedergegeben werden konnte. FĂŒr die drei strukturell unterschiedlichen Substrate MeIQ, 7-Ethoxyresorufin und Coffein wurde jeweils eine Positionierung im aktiven Zentrum des CYP1A2-Modells gefunden, die ebenfalls zu einem stabilen Enzym-Substrat- Komplex in einer MDS derselben LĂ€nge fĂŒhrte. Die Substrate befanden sich dabei durchgehend in einer fĂŒr eine Umsetzung gĂŒnstigen Orientierung zum HĂ€meisen. Im Fall des MeIQ und des 7-Ethoxyresorufins standen zahlreiche Protein-Substrat- Interaktionen in Ăbereinstimmung mit Mutationsstudien. DarĂŒber hinaus wurden weitere, teilweise wasservermittelte WasserstoffbrĂŒckeninteraktionen identifiziert, die fĂŒr die Substratbindung von Bedeutung sein könnten. FĂŒr das Coffein wurde eine weitere MDS mit der Substratorientierung fĂŒr die Bildung des Nebenmetaboliten Theobromin durchgefĂŒhrt, die bei einer Auswertung der Unterschiede in den Protein- Substrat-Interaktionen einen ErklĂ€rungsansatz fĂŒr die bevorzugte Bildung des Hauptmetaboliten Paraxanthin lieferte. Die abschlieĂende Anwendung des Homologiemodells von CYP1A2 bestand in einer 3D-QSAR-Studie, fĂŒr die ein Datensatz kompetitiver CYP1A2-Inhibitoren, bestehend aus 44 Chinolinen, Naphthalenen, Lactonen und anderen Verbindungen, eingesetzt wurde. Im Hinblick auf die korrekte Beschreibung des HĂ€m wurde zunĂ€chst das verwendete Docking-Programm anhand eines Testdatensatzes von 12 Substraten validiert. Acht der 12 Substrate konnten korrekt im aktiven Zentrum des CYP1A2- Modells positioniert werden. Daraufhin wurden auch die Verbindungen des Inhibitordatensatzes mithilfe des automatischen Dockings in der Proteinstruktur ĂŒberlagert. Die Korrelation von molekularen Interaktionsfeldern der Inhibitorkonformationen aus der Ăberlagerung mit der biologischen AktivitĂ€t der Verbindungen resultierte in einem statistisch signifikanten vorhersagekrĂ€ftigen PLS-Modell.

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Information
Print ISBN
9783865376367
Edition
1