Die Octopindehydrogenase gehört zur Familie der Opindehydrogenasen, den terminalen Enzymen der anaeroben Glykolyse in unzĂ€hligen Invertebraten. Die ODH katalysiert die reduktive Kondensation von Pyruvat und L-Arginin in Anwesenheit von NADH, wodurch D Octopin entsteht. Nach AufklĂ€rung der PrimĂ€rstruktur der ODH aus der Pilgermuschel Pecten maximus und heterologer Expression des Enzyms in E. coli sind ausreichende ODH-Mengen fĂŒr strukturelle Untersuchungen verfĂŒgbar (JanĂen, 2000). In der vorliegenden Arbeit wurden die PrimĂ€rstrukturen von drei verschiedenen ODH-Isozymen identifiziert. Es ist jeweils nur der Austausch einer einzelnen AminosĂ€ure fĂŒr die beobachtete, unterschiedliche Wanderung der Isozyme in der nativen PAGE verantwortlich. Diese so genannten Allozyme unterscheiden sich dabei nicht in ihren kinetischen Eigenschaften. Weiterhin wurden Reinigungsprotokolle fĂŒr rekombinante ODH mit einer Histidin-Fusion als auch fĂŒr das rekombinante Enzym ohne AffinitĂ€tsmarkierung etabliert bzw. verbessert. Die gereinigte ODH wurde in Kristallisationsversuchen eingesetzt. Es konnten drei Bedingungen identifiziert werden, bei denen sich Protein-Kristalle bildeten. Allerdings wuchsen die Kristalle bevorzugt nur in zwei Dimensionen. Die besten Kristalle wurden röntgenographisch untersucht, waren allerdings fĂŒr die Datensammlung nicht geeignet, da es sich nicht um Einkristalle handelte. Mögliche Ursachen, z.B. MikroheterogenitĂ€ten der ODH-PrĂ€paration, wurden als Grund diskutiert.Durch NMR-spektroskopische Untersuchungen konnte die Bindungsreihenfolge der Substrate auf unkonventionelle Weise bestimmt werden. Zuerst muss das Coenzym NADH an die ODH binden. Es kommt zu einer KonformationsĂ€nderung, die eine Bindung von L-Arginin ermöglicht. Durch Bindung von L-Arginin an den ODH-NADH-Komplex Ă€ndert sich die Konformation erneut und das Coenzym wird in rĂ€umliche NĂ€he zum Ăbergangszustand der Reaktion gebracht, auf den ein Hydridion ĂŒbertragen wird. Die ODH verhindert so, dass durch Bindung von Pyruvat und NADH bereits Laktat entsteht. Durch gerichtete Mutagenese konnten neue Einblicke in den molekularen Reaktionsmechanismus der ODH und die an der Katalyse beteiligten AminosĂ€uren erhalten werden. Es wurden drei AminosĂ€uren identifiziert, welche die Aufgabe einer katalytischen Histidin-Aspartat-Arginin Triade in der ODH ĂŒbernehmen könnten. Die Carboxylgruppe des Pyruvats wird durch Arginin 324 stabilisiert. Histidin 212 fungiert als ein SĂ€ure-Base-Katalysator. Neben der korrekten Orientierung des Ăbergangszustandes ĂŒbertrĂ€gt das Histidin ein Proton auf die Carbonylgruppe. Aspartat 329 sorgt fĂŒr eine ausreichende AziditĂ€t des Histidins und ermöglicht so die ProtonenĂŒbertragung. AminosĂ€urereste, von denen man vermutete, dass sie fĂŒr die SubstratspezifitĂ€t verantwortlich sein könnten, wurden ebenfalls durch gerichtete Mutagenese untersucht. Die SubstratspezifitĂ€t der ODH fĂŒr AminosĂ€uren konnte jedoch nicht verĂ€ndert werden. Wahrscheinlich sind die, fĂŒr die Determinierung der SubstratspezifitĂ€t verantwortlichen AminosĂ€uren durch eine rationale Herangehensweise ohne vorhandene Kristallstruktur der ODH nicht erfassbar.

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9783867271585
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1