Die Arbeit handelt von der rechtlichen Aufarbeitung schwerer Menschenrechtsverbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart. In erster Linie vollzieht sie sich durch Strafrecht, sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene. In der Arbeit wird auch eine andere Art der VergangenheitsbewĂ€ltigung skizziert, nĂ€mlich die in Form von Wahrheits- und Ver-söhnungskommissionen. Die Analyse orientiert sich an den BedĂŒrfnissen, Rechten und der Position der Opfer von MakrokriminalitĂ€t. Die These der Arbeit geht davon aus, dass die Opfer im herkömmlichen Strafprozess nur eine marginale Rolle spielen, obwohl sie durch ihre Strafanzeigen und Zeugenaussagen wesentlich zu einer funktionierenden Strafrechtspflege beitragen. Die Opfer sind die sog. "vergessenen Personen" im modernen Strafrechtssystem. Dies gilt auch hinsichtlich der Aufarbeitung von Regimeunrecht. Die Strafrechtswissenschaft und damit einhergehend die Strafgerichtsbarkeit sind meist einseitig und zu stark auf die TĂ€ter ausgerichtet. Die Arbeit geht der Frage nach, inwieweit im Laufe der Jahrzehnte (beginnend mit den NĂŒrnberger Prozessen) eine Verbesserung durch die Statute bzw. Verfahrensordnungen sowie durch die Rechtspraxis der hier behandelten Gerichte und rechtlichen Institutionen (z. B. der Wahrheitskommission) hinsichtlich der Stellung der Opfer (wie etwa Initiativrechte, Antragsrechte, aktive Partizipation, EntschĂ€digungsregelungen) zu beobachten ist und welche Möglichkeiten existieren, die Situation der Opfer weiter zu erleichtern. GeklĂ€rt wird, welche Institutionen zu einer UnterstĂŒtzung der Opfer von MakrokriminalitĂ€t entscheidend beitragen, und auf welche Weise sie das tun. Das Forschungsinteresse der Arbeit gilt einer Verbesserung der Position der Opfer sowohl in rechtlicher als auch in praktischer Hinsicht.Konkret beschĂ€ftigt sich die Arbeit mit der juristischen Aufarbeitung der NS-Zeit, mit Schwerpunkt auf dem Internationalen MilitĂ€rtribunal und dem Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Dieser Prozess sowie die sich daraus entwickelnden NĂŒrnberger Prinzipien beeinflussten das Völkerstrafrecht nachhaltig. Daher kommt ihnen fĂŒr das VerstĂ€ndnis der folgenden Teile der Arbeit eine wichtige Rolle zu. Die zwölf NS-Nachfolgeprozesse vor dem amerikanischen Besatzungsgericht in NĂŒrnberg sowie die französische und sowjetische Besatzungsgerichtsbarkeit und andere auslĂ€ndische Verfahren werden erwĂ€hnt. Ein weiterer Teil des Kapitels beschĂ€ftigt sich mit der deutschen und österreichischen Nachkriegsjustiz. Erörtert wird anschlieĂend die Entwicklung der EntschĂ€digungsfrage der Ăberlebenden bzw. der Angehörigen der Opfer bis hin zur Gegenwart.

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9783867274425
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