Die vorliegende Arbeit befasst sich mit AlterungsvorgĂ€ngen in anthocyanhaltigen FruchtsĂ€ften (BuntsĂ€ften).Die wichtigsten Ziele dieser Arbeit waren die Bestimmung des Gehaltes an gealterten, polymerenPigmenten und die chemische Charakterisierung dieser Verbindungen. In diesem Zusammenhangwurden die VerĂ€nderungen der zur Charakterisierung herangezogenen Parameter wĂ€hrendder Herstellung und Lagerung untersucht. Die Charakterisierung umfasste auch die optischenEigenschaften dieser Verbindungen. ZusĂ€tzlich zu den polymeren Alterungsprodukten wurden dieCarboxypyranoanthocyane als monomere, durch AlterungsvorgĂ€nge gebildete Pigmente, untersucht.FĂŒr diese Untersuchungen standen verschiedene Produkte aus Weintrauben, Schwarzen Johannisbeeren, Sauerkirschen, Erdbeeren, Holunderbeeren und Brombeeren zur VerfĂŒgung.Die Bestimmung des Gehaltes an polymeren Pigmenten erfolgte mittels HSCCC. Hierzu wurden diephenolischen Bestandteile der SĂ€fte und Konzentrate zunĂ€chst mittels XAD-7-Festphasenextraktionisoliert. Die so gewonnenen Extrakte wurden einer HSCCC-Trennung unterzogen. Aufgrund der hohenPolaritĂ€t der polymeren Verbindungen konnten sie in der ersten Fraktion (Durchbruchsfraktion)isoliert und gravimetrisch quantifiziert werden. ĂberprĂŒfung mittels Dialyse und Ultrafiltration zeigte, dass die Durchbruchsfraktion fast ausschlieĂlich polymere Verbindungen enthĂ€lt. Somit erlaubtedie HSCCC die Bestimmung des Polymergehaltes mit einer guten Reproduzierbarkeit. Anhand derauf diesem Wege erhaltenen Daten konnten die VerĂ€nderungen des Polymergehaltes wĂ€hrend Herstellungund Lagerung gut dokumentiert werden. Ein weiterer Vorteil dieser Methode war die hoheAusbeute an aufgereinigten Polymeren und monomeren Anthocyanen, die so fĂŒr weitere Untersuchungenzur VerfĂŒgung standen.Der Polymergehalt wurde unter anderem von frischen FrĂŒchten, SĂ€ften und Konzentraten der unterschiedlichenFruchtsorten bestimmt. Im Fall der Schwarzen Johannisbeere stand Probenmaterial ausverschiedenen Herstellungs- und Lagerungsstufen derselben Charge zur VerfĂŒgung. Des Weiterenkonnten drei verschiedene, unterschiedlich lang gelagerte, sortenreine TraubensĂ€fte (SpĂ€tburgunder, Dunkelfelder und Rotberger) untersucht werden. GrundsĂ€tzlich konnte gezeigt werden, dass derPolymergehalt von frischen FrĂŒchten im Vergleich zu verarbeiteten und gelagerten SĂ€ften deutlichgeringer ist. Nicht verarbeitete FrĂŒchte weisen einen Polymergehalt von unter 25 % auf. Bei verarbeitetenSĂ€ften und Konzentraten ist der Gehalt an polymeren Pigmenten in der Regel höher. Hier warallerdings ein erheblicher Einfluss der technologischen Parameter bemerkbar. So konnte am Beispielder Schwarzen Johannisbeere gezeigt werden, dass eine technisch veraltete Konzentratanlage im155Vergleich zu einem modernen Modell einen deutlich höheren Polymergehalt verursacht. Das auf derĂ€lteren Anlage hergestellte Produkt wies einen Polymergehalt von ĂŒber 60 % auf und war somit inBezug auf das chemische Alter mit einem ein Jahr gelagerten Saft vergleichbar. Ein Anstieg desPolymergehaltes wĂ€hrend der Herstellung ist aufgrund der vielen kaum kontrollierbaren chemischenProzesse im zerkleinerten Fruchtmaterial bei der Herstellung nicht zu vermeiden. Allerdings sollteeine sorgfĂ€ltige Auswahl der Prozessparameter zu einer schonenden Herstellung und somit zum Erhaltdes originĂ€ren Anthocyan- und Phenolspektrums beitragen.Die weiteren Ergebnisse machten deutlich, dass die Lagerung einen wesentlich höheren Einfluss aufden Polymergehalt hat, als die eigentliche Herstellung. Innerhalb von 20 Monaten steigt der Polymergehaltbei Lagerung im Dunkeln bei Raumtemperatur auf ĂŒber 60 % an.Die Bestimmung des Polymergehaltes mittels HSCCC funktioniert sehr zuverlĂ€ssig, ist allerdings fĂŒrden Einsatz in der Routineanalytik zu aufwĂ€ndig. Daher wĂ€re eine photometrische Schnellmethode, die bei Wareneingangskontrollen eingesetzt werden kann, wĂŒnschenswert. Zu diesem Zweck wurdeĂŒberprĂŒft, in wieweit sich die Methode zur Bestimmung des "Monomerindex" fĂŒr die Bestimmungdes Polymergehaltes modifizieren lĂ€sst. Es zeigte sich, dass die Methode zwar im begrenzten MaĂeAussagen ĂŒber das chemische Alter von anthocyanhaltigen Produkten zulĂ€sst, der genaue Polymergehaltkann aber nicht aus den Ergebnissen abgeleitet werden.Zur chemischen Charakterisierung der gefĂ€rbten Polymere wurde der Gesamtphenolgehalt photometrischnach Folin-Ciocalteu bestimmt und die Phenole selbst mittels sĂ€urekatalysierter Degradationin Gegenwart von Nucleophilen (Phloroglucinol, Benzylmercaptan) in Hinblick auf ihren mittleren Polymerisationsgradanalysiert. Des Weiteren wurden die Kohlenhydratbestandteile charakterisiert undder Proteinanteil bestimmt. Um weitere Informationen ĂŒber die Zusammensetzung der Polymere zuerhalten, wurden mit einigen Polymerfraktionen MALDI-TOF-MS-Analysen durchgefĂŒhrt.Der Gesamtphenolgehalt der Polymerfraktionen liegt zwischen 21 % und 50 %. Die Gehalte in denPolymerfraktionen sind grundsĂ€tzlich niedriger als in den korrespondierenden XAD-7-Extrakten. Somitkonnte anhand dieses Summenparameters belegt werden, dass in den polymeren Pigmentenneben phenolischen Verbindungen weitere Substanzklassen vertreten sein mĂŒssen. Erdbeeren, Holunderbeerenund Sauerkirschen weisen mit ca. 30 % geringere Gesamtphenolgehalte auf als Weintrauben, Schwarze Johannisbeeren oder Brombeeren (ca. 40 %). Wesentliche VerĂ€nderungen inBezug auf den Phenolgehalt konnten mit dieser Methode wĂ€hrend der Lagerung nicht festgestelltwerden. Allerdings zeigten die Ergebnisse von 1H-NMR-Experimenten, dass der Gehalt an PhenolenwĂ€hrend der Verarbeitung und Lagerung ansteigt.Anhand der Bestimmung des mittleren Polymerisationsgrades konnte gezeigt werden, dass unabhĂ€ngigvon der Fruchtsorte die beteiligten Flavan-3-ole ausschlieĂlich aus di- und trihydroxyliertenVerbindungen (Epi-/Catechin, Epi-/Gallocatechin) bestehen, wobei die sterochemisch auf Epicatechinbasierenden Flavan-3-ole hĂ€ufiger vorkommen. Galloylierte Flavan-3-ole konnten nicht nachgewiesen werden. Anthocyan-Tannin-Addukte sind nach der Spaltungsreaktion mittels HPLC-ESI-MSnachweisbar, sind aber quantitativ ohne Bedeutung. Die ermittelten Polymerisationsgrade (KettenlĂ€ngen)lagen zwischen ca. 2 und ca. 20. WĂ€hrend der Lagerung kommt es zu starken Schwankungendes nDP. Allerdings ist eine Tendenz zu niedrigeren KettenlĂ€ngen zu erkennen. Dies ist entwederauf eine tatsĂ€chliche Verkleinerung der Tanninstrukturen zurĂŒckzufĂŒhren oder aber auf eine zunehmendeKomplexitĂ€t der Polymere. Letzteres könnte dafĂŒr sorgen, dass aufgrund sterischer Effektetrotz gleich bleibender KettenlĂ€nge nur noch Teile der Ketten fĂŒr die Spaltungsreaktion zur VerfĂŒgungstehen.Die Untersuchung der an den Polymeren beteiligten Kohlenhydrate mittels HPAEC nach Hydrolyseergab, dass Reste von im Produkt enthaltenen Zellwandbestandteilen an den polymeren Strukturenbeteiligt sind. Als Monosaccharide wurden Arabinose, Glucose, Rhamnose, Galactose und Xylosenachgewiesen. Des Weiteren war in allen Proben GalacturonsĂ€ure vorhanden. Dies beweist, dassim Saft kolloidal vorliegende Hemicellulosen und Pektine in die Polymerstrukturen eingebaut werden.Der hydrolysierbare Anteil dieser Verbindungen betrĂ€gt ca. 6 â 7 %. Da diese polymeren Verbindungenvon Anfang an im Produkt vorhanden sind, ist anzunehmen, dass sie zur Entstehung derpolymeren Pigmente maĂgeblich beitragen. Als weitere schon originĂ€r vorhandene Polymere konntenProteine in den Produkten nachgewiesen werden. Der Proteingehalt wurde mittels ElementaranalyseĂŒber den Stickstoffgehalt nĂ€herungsweise berechnet. In allen Polymeren sind Proteine inunterschiedlichen Mengen nachweisbar. Die Gehalte lagen zwischen 2, 4 % und 16, 6 %, wobei Sauerkirschenim Mittel die geringsten und Erdbeeren die höchsten Gehalte aufwiesen. WĂ€hrend derLagerung kommt es zu starken Schwankungen des Proteingehaltes. Dennoch ergaben sich Hinweisedarauf, dass der Proteinanteil in den gefĂ€rbten Polymeren anteilig sinkt.Als weitere Merkmale der polymeren Pigmente wurde die antioxidative KapazitĂ€t mittels TEAC-Testund der mit SO2 nicht bleichbare Anteil bestimmt. Auf diesem Weg konnten VerĂ€nderungen in derReaktivitĂ€t wĂ€hrend Herstellung und Lagerung dokumentiert werden. Die antioxidative KapazitĂ€t derPolymerfraktion lag zwischen 1, 1 und 3, 5 mmol Trolox/g. Dies entspricht ca. 30 â 50 % der AktivitĂ€tvon AscorbinsĂ€ure und ca. 40 â 75 % der AktivitĂ€t von Cyanidin-3-glucosid. Die Polymeren weisenalso noch eine deutliche antioxidative AktivitĂ€t auf. WĂ€hrend der Lagerung kommt es nicht zu nennenswertenVerĂ€nderungen.Im Gegensatz zur antioxidativen AktivitĂ€t konnten mit Hilfe des nicht bleichbaren Anteils sehr deutlicheUnterschiede zwischen FrĂŒchten, verarbeiteten Produkten und gelagerten Produkten aufgezeigtwerden. Der nicht bleichbare Anteil des gesamten XAD-7-Extrakts ist bei allen FrĂŒchten nochsehr gering (< 20 %). Bei einer schonenden Verarbeitung Ă€ndert sich dieser Wert nicht wesentlich.Die Polymerfraktionen lassen sich grundsĂ€tzlich deutlich schlechter bleichen als die Gesamtextrakte.WĂ€hrend der Lagerung steigt der nicht bleichbare Anteil sowohl beim XAD-7-Extrakt als auch bei derPolymerfraktion an. Nach 24-monatiger Lagerung betrĂ€gt der nicht bleichbare Anteil des gesamtenExtrakts bei TraubensĂ€ften ĂŒber 50%, bei Schwarzem Johannisbeersaft 30 %. Die Werte von Polymerfraktionund Extrakt gleichen sich wĂ€hrend der Lagerung an, wobei der nicht bleichbare Anteilder Polymerfraktion sich weitaus langsamer verĂ€ndert. Hier wurde deutlich, dass die polymeren Pigmentewesentlich farbstabiler sind als die originĂ€ren Anthocyane.Zur weiteren Charakterisierung wurden die optischen Eigenschaften der Polymere und der XAD-7-Extrakte mit Hilfe des CIELab-Systems analysiert und die optischen Schwellenwerte ermittelt. Hierzeigte sich der groĂe Einfluss der Lagerdauer auf die Farbe. Sowohl der Bunttonwinkel als auch dieBrillanz verĂ€ndern sich erheblich wĂ€hrend der Lagerung. Die Brillanz nimmt ab, der FarbtonwinkelverĂ€ndert sich. Insgesamt werden die Produkte heller

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