Das bedeutendste pilzliche Pathogen im Raps ist Leptosphaeria maculans (Desm.) Ces. et de Not.; (Anamorph: Phoma Lingam (tode ex Fr.) Desm.) der Erreger der Wurzelhals- und StĂ€ngelfĂ€ule. Ein bundesweit in vier Rapsanbaugebieten in zwei Sorten durchgefĂŒhrtes Monitoring zum Befallsauftreten diente der Entwicklung eines Prognosemodells zur gezielten Herbstapplikation in befallsstarken Jahren.Studien zum Epidemieverlauf von Leptosphaeria maculans / Phoma lingam charakterisieren standort- und jahresspezifische ZusammenhĂ€nge zwischen dem Erreger und der Umwelt. Erfasste Parameter waren die Bestandeswitterung, die Pseudothecienentwicklung, der Ascosporenflug sowie der Befallsverlauf des Erregers an Blatt, Wurzelhals und StĂ€ngel.Die durchgefĂŒhrten Untersuchungen belegen einen Zusammenhang zwischen der Pseudothecienentwicklung und dem Ascosporenflug. Ăber alle Standorte konnte ein jahres- und standortspezifisch differierendes Ascosporenaufkommen beobachtet werden. Der niederschlagsbeeinflusste Ascosporenflug steht dabei nachweislich in Zusammenhang mit dem Herbstblattbefall.Es konnten signifikante witterungs-, jahres- und standortspezifische ZusammenhĂ€nge auf die AusprĂ€gung des Herbstblattbefalls belegt werden. Der bestĂ€tigte Zusammenhang zwischen dem Herbstblatt- und Wurzelhalsbefall im Folgejahr ist signifikant abhĂ€ngig vom Temperaturverlauf in der entscheidenden Infektionsphase (September /Oktober) und dem weiteren Temperaturverlauf bis zum Vegetationsbeginn. Zu signifikanten Standort- und Jahreseffekten kam es bei den ermittelten ErtrĂ€gen; ein Sorteneinfluss blieb aus. Eine signifikante Beeinflussung des Ertrages durch den Erreger konnte fĂŒr das Jahr 2007 belegt werden. Aufgrund der durch den Erreger hervorgerufenen hohen Ertragsverluste im Zusammenhang zwischen dem Herbstblatt- und Wurzelhalsbefall ist es erforderlich das Infektionsrisiko im Herbst zu beurteilen und bei Bedarf zielgerichtete FungizidmaĂnahmen zu ergreifen.Das aus den vorhandenen Daten entwickelte Prognosesystem teilt sich in verschiedene Bereiche. Die Erarbeitung eines witterungsbasierten Modells fĂŒr die tĂ€gliche Infektionswahrscheinlichkeit basierte auf dem Tagesinfektionswert (TIW) und den ermittelten epidemiologischen Grenzwerten (Befallsparameter: BefallshĂ€ufigkeit im Bestand = BHB = prozentualer Anteil befallener Pflanzen im Bestand). Der vom TIW abgeleitete kumulierte Tagesinfektionswert (k-TIW) dient nach Ăberschreiten der definierten Grenzwerte "erstes Erscheinen sichtbarer Symptome" (ESS) und "BefallshĂ€ufigkeit >50 %" (BHB50) als Applikationsempfehlung. ErgĂ€nzt wurde dieses System durch die Visualisierung der einzelnen Infektionsereignisse. Die in den Versuchen mit dem Azolwirkstoff Metconazol durchgefĂŒhrten differenzierten Fungizidapplikationen hatten im Herbst einen reduzierenden Effekt auf die BefallsstĂ€rke zur Folge, der sich im FrĂŒhjahr im Wurzelhalsbereich widerspiegelte. Im Herbst zeigte sich, dass insbesondere die frĂŒhen Applikationen eine Erholung mit Neuaufbau der Erregerpopulation zulieĂen. Ebenfalls konnte ein geringeres Reduktionspotential durch die zeitlich verzögerten Behandlungen im SpĂ€therbst beobachtet werden. Die Wurzelhalsbonituren verdeutlichen bei den differenzierten Herbstapplikationsvarianten bezĂŒglich der Befallsreduktion in der Regel nur geringfĂŒgige Unterschiede. Ertragseffekte der Fungizidapplikationen waren zumeist positiv jedoch nicht immer signifikant gegenĂŒber der unbehandelten Kontrolle.

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9783867276252
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