Bedingt durch den hygroskopischen Charakters des mikroporösen Zementsteins vari-ieren zahlreiche seiner strukturellen und mechanischen Eigenschaften zum Teil er-heblich in AbhĂ€ngigkeit von den Ănderungen im Wasserhaushalt des Materials. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden einige ausgewĂ€hlte hygrische Eigenschaf-ten mit Hilfe neuartiger Messmethoden an filigranen Zementsteinproben experimen-tell bestimmt. Hierzu zĂ€hlen neben dem vorrangig behandelten Trocknungsschwin-den (Ă€uĂeres Volumen) auch Untersuchungen der Reindichte (inneres Volumen) und des statischen ElastizitĂ€tsmoduls. Die gewonnenen Daten geben darĂŒber hinaus Aufschluss ĂŒber die Ănderung der Roh- und Feststoffdichte sowie des Porenvolu-mens. Eine AbschĂ€tzung der Dichte und Schmelzenthalpie des Porenwassers liefern weitere wertvolle Erkenntnisse hinsichtlich der in der Struktur vorherrschenden Me-chanismen. Durch die parallele Bestimmung der Sorptionsisothermen lassen sich die hygrischen Ănderungen mit dem Wassergehalt des Zementsteins korrelieren. Zur Bestimmung der Schwind- und Quellverformungen wird ein neu entwickeltes laser-gestĂŒtztes Messprinzip vorgestellt, welches die Analyse des annĂ€hernd unbeeinfluss-ten Materialverhaltens mit einer Auflösung von etwa 20 nm erlaubt. Verifiziert und ergĂ€nzt werden diese Messungen durch Untersuchungen mit induktiven Wegauf-nehmern. Die weiteren eingesetzten Messmethoden reichen von der Heliumpykno-metrie ĂŒber die dynamische WĂ€gung mit Hilfe einer Magnetschwebewaage bis hin zur dynamisch-mechanischen Analyse (DMA) und der Differenzkalorimetrie (DSC).Eine umfangreiche Analyse der Messdaten, welche im Anhang der Arbeit ausfĂŒhrlich tabelliert sind, erlaubt dabei neue Schlussfolgerungen bezĂŒglich der auf der Nano- und Mikroebene der Struktur vorherrschenden Mechanismen. Getrennt nach Trock-nung und Befeuchtung können im Bereich von 0 % r. F. bis 100 % r. F. verschiedene Teilabschnitte mit jeweils anderen dominierenden Mechanismen nachgewiesen wer-den. In der Vergangenheit postulierte AnsĂ€tze zur ErklĂ€rung der hygrischen VerĂ€n-derungen im GefĂŒge, wie das MĂŒnchner Modell, lassen sich nicht mehr vollstĂ€ndig aufrecht erhalten, sondern mĂŒssen in einigen wesentlichen Aspekten revidiert wer-den. So konnte gezeigt werden, dass sich die Quellverformungen im unteren Feuch-tebereich zur Ănderung der OberflĂ€chenenergie zwar proportional verhalten, eine Energieabnahme wĂ€hrend der Adsorption aber nicht wie bisher angenommen zu ei-ner Expansion, sondern zu einer Kontraktion der CSH-Partikel fĂŒhrt, wĂ€hrend gleich-zeitig der Porenraum wĂ€chst. DemgegenĂŒber dominieren im Bereich der Kondensa-tion die repulsiven Spaltdruckanteile die VorgĂ€nge im Zementstein. Dichte und Schmelzenthalpie der Porenlösung weichen dabei von den makroskopischen Eigen-schaften deutlich ab und bestĂ€tigen die Strukturierung des Wassers infolge von O-berflĂ€chenwechselwirkungen. Allerdings ist auch der Einfluss der Kapillarspannun-gen insbesondere wĂ€hrend einer Desorption nicht zu vernachlĂ€ssigen. Durch Variati-on des Wasserzementwertes kann darĂŒber hinaus ein signifikanter Einfluss der Mi-schungszusammensetzung auf die hygrischen Eigenschaften der untersuchten Pro-ben gezeigt werden.
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9783867275330
Edition
1