Sensorik und Aktorik mit piezoelektrischen Schwingquarzen
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Sensorik und Aktorik mit piezoelektrischen Schwingquarzen

Nachweis von blutgruppenspezifischen Antikörpern in humanem Vollblut

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Sensorik und Aktorik mit piezoelektrischen Schwingquarzen

Nachweis von blutgruppenspezifischen Antikörpern in humanem Vollblut

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Die genaue Kenntnis der in humanem Blut enthaltenen Antikörper ist in Medizin und Forschung von zentraler Bedeutung. Der Nachweis von Antikörpern erlaubt z.B. die Diagnostik von Infektionen, die Charakterisierung des Immunstatus eines Menschen und ist bei der Transfusion von Blutkomponenten essentiell. In der vorliegenden Dissertation wurde ein innovatives Nachweisverfahren fĂŒr Antikörper in Vollblut realisiert, das Vorteile gegenĂŒber konventionellen Detektionstechniken in Bezug auf FlexibilitĂ€t und Handhabung besitzt. Bei diesem Verfahren kommen piezoelektrische Schwingquarze zum Einsatz, die eine aktorische Separation der nachzuweisenden Antikörper von den restlichen Blutbestandteilen ermöglichen und in einem nachfolgenden Prozessschritt eine sensorische Antikörperdetektion erlauben. Das Nachweisverfahren wurde exemplarisch im Bereich der immunhĂ€matologischen Diagnostik angewandt und fĂŒr die Detektion blutgruppenspezifischer Antikörper des AB0-Systems in einer kleinen Vollblutprobe optimiert. Die Verwendung eines Schwingquarzes als Aktor ermöglichte die Separation der Antikörper aus der zu untersuchenden Probe, indem zuerst Erythrozyten als TrĂ€gerpartikel mit spezifischen Bindungsstellen fĂŒr den nachzuweisenden Analyten auf der QuarzoberflĂ€che immobilisiert und mit der Blutprobe in Kontakt gebracht wurden. Dann wurden nicht gebundene Blutbestandteile durch SpĂŒlen entfernt und es erfolgte die elektronische Anregung des Schwingquarzaktors zu Scheroszillationen mit hohen Amplituden, so dass sich TrĂ€gerpartikel mit dem spezifisch gebundenen Analyten von der Quarzelektrode ablösten. Nach dem Transfer der abgelösten Partikel zu einem Schwingquarzsensor (Quartz Crystal Microbalance (QCM)) konnte der separierte Analyt ohne unspezifisch auftretende Adsorptionsprozesse nachgewiesen werden. Die Realisierung des Separations- und Nachweisverfahrens erforderte Entwicklungsarbeiten auf den Gebieten Medizintechnik, Messtechnik, Elektronik, Signal-/Datenverarbeitung, biochemische Funktionalisierung von OberflĂ€chen, physikalische Modellbildung und Prototypenbau: - FĂŒr den aktorischen und sensorischen Betrieb von Schwingquarzen wurde ein elektronischer Aufbau entwickelt, der zum einen die piezoelektrische Anregung hoher Beschleunigungen der SchwingquarzoberflĂ€che von mehreren 10^6 g und zum anderen die Admittanzanalyse des Schwingquarzes ermöglichte. Die Admittanzanalyse erlaubte neben der Maximierung der angeregten Scherschwingungsamplituden auch die Untersuchung mechanischer Eigenschaften von viskoelastischen Schichten auf der QuarzoberflĂ€che. Die zugrunde liegenden physikalischen VorgĂ€nge wurden theoretisch modelliert, eine Gleichung fĂŒr die induzierten Schwingungsamplituden ermittelt und eine Software zur quantitativen Auswertung gewonnener Messdaten erstellt.- Zur Immobilisierung der erythrozytĂ€ren TrĂ€gerpartikel auf einem Schwingquarzaktor wurden biologische Funktionalisierungen der Quarzelektrode mit Lektinen entwickelt. Diese ermöglichten eine dichte Belegung der QuarzoberflĂ€che mit Erythrozyten und deren aktorische Ablösung durch elektronisch angeregte Quarzschwingungen. Die spezifische Detektion der an erythrozytĂ€ren TrĂ€gerpartikeln gebundenen Blutgruppenantikörper mit einem Schwingquarzsensor konnte durch Funktionalisierung des Quarzes mit Anti-human Antikörpern verwirklicht werden.- FĂŒr die Analyse und Optimierung des Verfahrens zum Separieren und Nachweisen von Blutgruppenantikörpern in Vollblut wurden verschiedene Schwingquarzplattformen entwickelt. Die DurchfĂŒhrung des Verfahrens erfolgte zum einen mit zwei seriell angeordneten Schwingquarzen und zum anderen mit zwei ĂŒbereinander positionierten Quarzresonatoren. Mittels einer miniaturisierten Schwingquarzplattform mit einer Batch-Messzelle erfolgte die Untersuchung der durch den aktorischen Schwingquarzbetrieb induzierten Erhöhung der Temperatur, VerĂ€nderung der Resonanzfrequenz und Induktion von stationĂ€ren Biegeschwingungen des Quarzes.- Die miniaturisierte Schwingquarzplattform wurde des Weiteren zur sensorischen Detektion von Erythrozyten verwendet. Ein in die Plattform einsetzbarer mikrofluidischer Chip konnte realisiert werden, in dem ein Schwingquarz als massensensitiver Immunosensor und mikrofluidische Strukturen zur Mischung der zu untersuchenden Vollblutprobe mit Pufferlösung integriert wurden. Das entwickelte Labona-Chip-System ermöglichte den spezifischen Nachweis von Erythrozyten in wenigen Mikrolitern humanem Blut.Die im Rahmen der Dissertation durchgefĂŒhrten Entwicklungsarbeiten und erzielten Ergebnisse veranschaulichen deutlich das große Potenzial von Schwingquarzen in der Blutanalytik. Sie eröffnen die Bearbeitung einer Vielzahl von interessanten Fragestellungen insbesondere im Bereich der Lebenswissenschaften wie z.B. die Separation und Detektion von medizinisch und wissenschaftlich relevanten Antikörpern, Zellen, Viren, Bakterien und Proteinen in Blut oder anderen physiologischen FlĂŒssigkeiten.

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Information

Year
2009
eBook ISBN
9783736929012
Print ISBN
9783867279017
Edition
1

Table of contents