Im Rahmen der Arbeit wurde der Einfluss von industriellen Reststoffen in Form von Glas- und Gesteinsmehlen auf die Verarbeitungs- und Scherbeneigenschaften keramischer Massen systematisch untersucht. Beim Einsatz von Glasmehlen erfolgt in AbhĂ€ngigkeit des Feinheitsgrades und der Zusammensetzung des Glasmehls sowie des pH-Werts der Porenlösung ein chemischer Angriff der GlĂ€ser verbunden mit der Bildung von Kieselgel. Dies hat Einfluss auf die Packungsdichte, den Anmachwasserbedarf, das rheologische Verhalten sowie die Trockenbiegefestigkeiten der Massen. Im Gegensatz dazu verhalten sich Gesteinsmehle in ungebrannten Tonen chemisch inert. In AbhĂ€ngigkeit der KorngröĂenverteilung von Ton und Gesteinsmehl werden hier die Packungsdichte, der Anmachwasserbedarf und die Trockenbiegefestigkeit beeinflusst.Die genannten chemischen Prozesse infolge Glasmehlzugabe ĂŒben einen wesentlichen Einfluss auf die beim Brand ablaufenden Phasenreaktionen aus. Bei beiden Zusatzstoffarten, d. h. sowohl bei Glas- als auch bei Gesteinsmehlen wurde grundsĂ€tzlich eine Erhöhung der Phasenvielfalt festgestellt. Welche Phasen gebildet werden, ist dabei abhĂ€ngig von der mineralogischen Zusammensetzung des Tons sowie von der Zusammensetzung und dem Feinheitsgrad der Zusatzstoffe. FĂŒr die Glasmehlzugabe werden in AbhĂ€ngigkeit vom Carbonatanteil des Tons zwei stoffliche Modelle fĂŒr die Wirkung von Glasmehlen in keramischen Massen vorgestellt.Die beim Brand ablaufenden Phasenreaktionen beeinflussen wiederum die sich einstellenden Scherbeneigenschaften signifikant. Es wird ein mathematisches Modell vorgestellt, das es erlaubt, den Einfluss einzelner Parameter der Ausgangsstoffe auf die Scherbeneigenschaften zu quantifizieren. Damit lassen sich Glas- und Gesteinsmehle entsprechend ihrer chemischen bzw. chemisch-mineralogischen Zusammensetzung sowie der PartikelgröĂenverteilung gezielt zur Masseversatzoptimierung in keramischen Massen einsetzen.Aufbauend auf den gewonnenen stofflichen Ergebnissen erfolgt ergĂ€nzend eine MaterialintensitĂ€tsanalyse. Es wird gezeigt, dass sich der Ressourcenverbrauch durch den Einsatz von Glas- und Gesteinsmehlen reduzieren lĂ€sst. Zur Person Anja Schwarz-Tatarin studierte von 1996 bis 2003 Bauingenieurwesen mit Studienrichtung Baustoffe und Sanierung an der Bauhaus-UniversitĂ€t Weimar. Ab 2003 war sie Doktorandin am F.A. Finger-Institut fĂŒr Baustoffkunde unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. habil. Jochen Stark. Nach einem Auslandsaufenthalt am Manchester Materials Science Centre der Manchester University bei Professor Robert J. Young von Juli bis Dezember 2004 schloss sie ihre Promotion zum Thema "Wirkmechanismen anorganischer SekundĂ€rrohstoffe in silicatkeramischen Massen" im April 2009 ab. Seit August 2008 arbeitet Anja Schwarz-Tatarin bei der Hans Lingl Anlagenbau GmbH & Co. KG im Bereich Konstruktion Verfahrenstechnik / Prozessanalyse. Seit Oktober 2009 ist sie zudem als externe Dozentin fĂŒr den Fachbereich Silicatkeramik am F.A. Finger-Institut fĂŒr Baustoffkunde der Bauhaus-UniversitĂ€t Weimar tĂ€tig.

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9783867279789
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1