Im Rahmen dieser Arbeit wurde das Legierungssystem Ni-Mn-Ga in den Formen Einkristall, dĂŒnne Schicht, Band und Faser untersucht. Ni-Mn-Ga zĂ€hlt zu den magnetischen FormgedĂ€chtnis (MSM) Legierungen. MSM Legierungen sind besonders durch ihre groĂen, magnetisch induzierbaren Dehnungen (MFIS) von etwa 10% interessant sind. Der groĂe MFIS kann entweder durch eine magnetisch induzierte Umorientierung der Kristallstruktur (MIR) durch Zwillingsgrenzenbewegung oder durch eine magnetisch induzierte Phasenumwandlung hervorgerufen werden. Der Schwerpunkt dieser Arbeit lag besonders auf den schmelzextrahierten Fasern und deren Verwendung in NiMnGa-Polymer-Kompositen. Verwendete Untersuchungsmethoden waren: Mikrostrukturuntersuchung durch Rasterelektonenmikroskopie (REM), Lokale Orientierungsbestimmung durch Elektronen RĂŒckstreubeugung (EBSD), Texturmessungen mit Hilfe von Synchrotronstrahlung und magnetische Messungen durch ein Vibrationsproben- oder SQUID-Magnetometer.Die EBSD-Untersuchungen am Ni50Mn27Ga23-Einkristall zeigten das Vorhandensein der drei möglichen Zwillingsvarianten, die durch gerade Zwillingsgrenzen voneinander getrennt sind. Durch die leichte Missorientierung von etwa 4° zwischen der leichten Magnetisierungsachse c und der KristalloberflĂ€che, kommt es zur Streufeldminimierung durch Ausbildung von LanzettendomĂ€nen. Anhand von dĂŒnnen, gesputterten NiMnGa-Schichten wurde gezeigt, dass durch Kristallstrukturdefekte und innere Verspannungen geschwungene Zwillingsgrenzen entstehen können. Sowohl gerade (im Einkristall) als auch geschwungene Zwillingsgrenzen (in der Schicht) können beweglich sein und durch ein Magnetfeld bewegt werden (MIR). Dass die Temperatur der martensitischen Phasenumwandlung Tm nicht nur von der Zusammensetzung, sondern auch von der KorngröĂe abhĂ€ngt, wurde an rascherstarrten Ni50, 9Mn27, 5Ga21, 6-BĂ€ndern gezeigt. Durch verschiedene GlĂŒhbehandlungen wurden unterschiedliche KorngröĂen in den BĂ€ndern eingestellt, wobei sich mit steigender KorngröĂe Tm erhöht.Die durch Tiegelschmelzextraktion hergestellten Ni50, 9Mn27, 1Ga22, 0-Fasern sind etwa 60”m dick, (5-10)mm lang und haben eine KorngröĂe von etwa 5”m. Durch GlĂŒhen der Fasern bei 1100°C werden die KorngröĂe, die martensitische Umwandlungtemperatur (Tm) und die Curietemperatur (TC) erhöht. Die geglĂŒhten Fasern sind ferromagnetisch und martensitisch (5M) bei Raumtemperatur, zeigen eine magnetfeldinduzierte Verschiebung von Tm und haben eine KorngröĂe von etwa 60”m, was dem Faserdurchmesser entspricht. D.h., die Körner sind entlang der Faserachse aufgereiht ("bambusartige" Kornstruktur). MIR zeigen die geglĂŒhten Fasern sowohl im eingebetteten als auch im freien Zustand, was anhand von VSM- und EBSD-Messungen gezeigt wurde. Die geglĂŒhten Fasern brechen bevorzugt entlang der Korngrenzen, weshalb durch eine relativ geringe mechanische Beanspruchung der Fasern (Mörsern oder Zerreiben zwischen Papier) ein- oder oligokristalline NiMnGa-Teilchen hergestellt werden können. Durch Einbetten dieser NiMnGa-Teilchen in eine Polymermatrix entstehen NiMnGa-Polymer-Komposite. Die Vorteile solcher Komposite sind die relativ einfache Herstellung (kristallographisch texturiert und in beliebiger Form), die Verminderung von Wirbelströmen durch die nichtleitende Matrix und ein potentiell gutes ErmĂŒdungsverhalten, da das Brechen einzelner MSM-Teilchen nicht zum Versagen des gesamten Kompositen fĂŒhrt. Als Polymermatrix wurde entweder Polyester oder Polyurethan verwendet. Das viel weichere Polyurethan erlaubt MIR in den eingebetteten NiMnGa-Teilchen, wodurch sich die Polyurethan-NiMnGa-Komposite prinzipiell fĂŒr eine Aktuatoranwendung eignen. Die magnetisch induzierte Dehnung (MFIS) in den Kompositen wird durch den Volumenanteil an MIR-fĂ€higem MSM-Material bestimmt. Dieser betrĂ€gt in den Kompositen fĂŒr die MFIS-Messungen etwa (5-10)%, da nur ein Teil der eingebetteten NiMnGa-Teilchen MIR-fĂ€hig ist. Damit lĂ€sst sich der erreichbare MFIS in den hier untersuchten Kompositen abschĂ€tzen zu maximal ~0, 5% (fĂŒr eine Polyurethanmatrix) bzw. ~0, 1% (fĂŒr eine Polyestermatrix). FĂŒr die Polyurethanmatrixkomposite wird ein maximaler, reproduzierbarer MFIS von (0, 2-0, 5)% gemessen, was der obigen MFIS-AbschĂ€tzung entspricht. Entscheidend ist hier vor allem die vorausgehende Texturierung der MSM-Teilchen durch eine Kompression des Kompositen (senkrecht zur spĂ€teren Magnetfeldrichtung). Eine vorausgehende Texturierung durch ein Magnetfeld liefert nur um eine GröĂenordnung kleinere MFIS-Werte. Aufgrund der zu festen Matrix zeigen Polyestermatrixkomposite keinen MFIS.Sowohl Polyester- wie auch Polyurethanmatrixkomposite zeigen eine spannungsinduzierte Zwillingsgrenzenbewegung. Diese wird sowohl durch Texturmessungen mit Synchrotronstrahlung als auch durch magnetische Messungen an den Kompositen nachgewiesen. Durch eine Kompression wird die Kompressionsrichtung des Kompositen leichter zu magnetisieren, weil sich in dieser Richtung eine (004)-Fasertextur (c-Achse) entwickelt. Der Grad der Zwillingsgrenzenbewegung steigt mit gröĂerer Verformung an und ist fĂŒr eine gegebene Verformung, durch die hĂ€rtere Matrix, gröĂer fĂŒr Polyestermatrixkomposite. Somit eignen sich die untersuchten NiMnGa-Polymer-Komposite als mechanische und magnetisch steuerbare DĂ€mpfer.
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9783869552118
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1