Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) reprĂ€sentieren eine Klasse von Xenobiotika, die â neben anderen Quellen â in unterschiedlichen Arten von Lebensmitteln auftreten. Nach der Nahrungsaufnahme werden die PAK bereits beim Passieren des Gastrointestinaltraktes durch Phase-I- und Phase-II-Enzyme metabolisiert. Die hierbei gebildeten Metaboliten unterliegen anschlieĂend einem Transport durch die in den Epithelzellen entlang des Verdauungstraktes lokalisierten Proteine der ATP-binding cassette-Familie. PAK können ĂŒber ihre jeweiligen Dihydrodiole zu den biologisch aktiven Dihydrodiolepoxiden umgesetzt werden, welche ĂŒber die FĂ€higkeit verfĂŒgen, genotoxische DNA-Addukte zu bilden. Es besteht jedoch die Möglichkeit der Detoxifizierung der Dihydrodiolepoxide durch Konjugationsreaktionen mit Glutathion (GSH) sowie einer nachfolgenden Exkretion der gebildeten Konjugate aus der Zelle. Mit dem Ziel der Bestimmung von GSH-Konjugaten der kanzerogenen PAK Benzo[a]pyren (B[a]P), Dibenzo[a, l]pyren (DB[a, l]P) und Benzo[c]phenanthren (B[c]Phe) wurden spezifische LC-ESI-MS/MS-Methoden entwickelt. Medium- und Zellextraktproben von Caco-2-Zellkulturen, die mit den Dihydrodiolen oder Dihydrodiolepoxiden eines jeweiligen PAK zuvor inkubiert worden waren, unterlagen zunĂ€chst einem Aufreinigungsschritt mittels Festphasenextraktion (SPE). FĂŒr die Quantifizierung der GSH-Konjugate erwies sich die LC MS/MS-Technik im Selected Reaction Monitoring (SRM)-Modus aufgrund der guten SensitivitĂ€t und SelektivitĂ€t als am besten geeignet. WĂ€hrend dieses Prozesses erfolgte eine Fragmentierungsreaktion des jeweiligen MolekĂŒl-Ions zu seinem korrespondierenden Daughter-Ion. ZusĂ€tzliche massenspektrometrische Scan-Modi, wie der Daughter Scan (DAU)-Modus, fanden im Rahmen von StrukturaufklĂ€rungen Anwendung.Die Detoxifizierung mittels GSH-Konjugation konnte im Caco-2-Zellmodell fĂŒr die Substanzklasse der PAK anhand ihrer Vertreter B[a]P, DB[a, l]P und B[c]Phe mit der entwickelten Analytik erfolgreich untersucht werden. Hierbei lag der Fokus auf der Entgiftung der ultimal kanzerogenen Dihydrodiolepoxide (+)-anti-BPDE, (-)-anti-DBPDE sowie (-)-anti-BcPheDE. Dieser Prozess beinhaltete sowohl die Bildung der GSH-Konjugate als auch deren Transport aus der Caco-2-Zelle in das umgebende Medium, der im TranswellTM-System ĂŒberwiegend in basolateraler Richtung erfolgte und daher einer Exkretion in Richtung Blutkreislauf gleichzusetzen war. Das entwickelte analytische Verfahren erlaubte folglich die DurchfĂŒhrung von Transportexperimenten in Zellkultur, ohne dass isotopenmarkierte Substanzen eingesetzt werden mussten.Durch Vorbehandlung des Zellsystems mit spezifischen Hemmstoffen konnten die Multidrug Resistance-associated Proteins und nicht das Breast Cancer Resistance Protein als verantwortliche Transporter von GSH-Konjugaten identifiziert werden. EinflĂŒsse ausgewĂ€hlter Substanzen mit chemoprĂ€ventivem Potential, wie Oltipraz, Quercetin und Butyrat, bewirkten ĂŒberdies detoxifizierungs-fördernde Effekte durch Induktion der GSH-Konjugat-Transportrate. Des Weiteren gaben Inkubationen von Caco-2-Zellen mit den Mutterkohlenwasserstoffen B[a]P, DB[a, l]P und B[c]Phe Aufschluss ĂŒber die metabolische Kompetenz der Zellen und das jeweilige Gesamtmetabolitenprofil. Typische niedermolekulare aromatische Kohlenwasserstoffe mit nur einem Ringsystem sind Benzol und Toluol, die auch zu den volatile organic compounds (VOC) gezĂ€hlt werden. Die genannten VOC können ĂŒber Lebensmittel aufgenommen werden, wobei die Produkte durch eine externe Kontamination belastet sein können. Im Falle des Benzols wird auch eine mögliche Bildung aus dem Konservierungsstoff BenzoesĂ€ure diskutiert. DarĂŒber hinaus sind ebenfalls inhalative Belastungen durch Abgase sowie speziell bei Rauchern der Zigarettenrauch als Hauptaufnahmequelle fĂŒr Benzol anzufĂŒhren. Nach Inhalation, dermaler oder oraler Exposition werden Benzol und Toluol im menschlichen Körper zu ihren korrespondierenden MercaptursĂ€uren verstoffwechselt, die neben anderen Metaboliten mit dem Urin ausgeschieden werden. Dieser Detoxifizierungsprozess kann fĂŒr analytische Untersuchungen im Sinne der Bestimmung von Belastungsmarkern herangezogen werden und stellt gleichzeitig eine nicht-invasive Technik dar. Dem Clean-Up der Urinproben mittels SPE wurde eine SchwefelsĂ€urebehandlung der Urine vorgeschaltet, um eine quantitative Umwandlung von prĂ€-MercaptursĂ€uren in MercaptursĂ€uren zu erreichen. Mit dieser entwickelten Methode lieĂ sich folglich der Gesamtgehalt an S-PhenylmercaptursĂ€ure (S PMA) ermitteln. Zur Bestimmung der als Biomarker fungierenden MercaptursĂ€uren diente die LC-MS/MS-Technik, wobei aufgrund der hohen Empfindlichkeit ebenfalls der SRM-Modus zum Einsatz gelangte. Die im Vergleich zu Nichtrauchern in Raucher-Urinen gefundenen höheren S-PMA-Gehalte verdeutlichen einen stĂ€rkeren Belastungsgrad der Raucher mit Benzol. DemgegenĂŒber lieĂen sich in Raucher- und Nichtraucher-Urinen vergleichbare Konzentrationen der S-BenzylmercaptursĂ€ure nachweisen, was möglicherweise auf eine Ă€hnliche Belastung mit Toluol schlieĂen lĂ€sst. Die S-NaphthylmercaptursĂ€ure als Biomarker des PAKs Naphthalin konnte im Zuge der Untersuchungen nicht detektiert werden.Die entwickelte Methode wurde darĂŒber hinaus zu einer qualitativen Analyse weiterer MercaptursĂ€uren lebensmittelrelevanter Fremdstoffe herangezogen. Die zusĂ€tzlich zum massenspektrometrischen SRM-Modus eingesetzten DAU- und Constant Neutral Loss (CNL)-Modi detektierten hierbei die charakteristischen Masse/Ladungs-VerhĂ€ltnisse der MercaptursĂ€uren von Glycidamid, Glycidol und Acrolein. Dabei zeigte sich aufgrund gruppenspezifischer Fragmente eine mögliche Anwendbarkeit der Methode auch fĂŒr unbekannte MercaptursĂ€uren.Zusammenfassend kann man feststellen, dass die in der vorliegenden Arbeit entwickelten analytischen Methoden eine selektive und sensitive Bestimmung von sowohl GSH-Konjugaten als auch MercaptursĂ€uren unter in-vitro- und in-vivo-Bedingungen mittels LC MS/MS erlauben, welche als Biomarker einer Entgiftung intermediĂ€rer reaktiver Metaboliten von kanzerogenen Fremdstoffen groĂe Aufmerksamkeit verdienen.

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9783869554426
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1