Zur magnetfeldinduzierten Strukturierung von Filterkuchen  Experimenteller Nachweis, Simulation und Anwendung in der selektiven Bioseparation
eBook - PDF

Zur magnetfeldinduzierten Strukturierung von Filterkuchen Experimenteller Nachweis, Simulation und Anwendung in der selektiven Bioseparation

  1. 198 pages
  2. English
  3. PDF
  4. Available on iOS & Android
eBook - PDF

Zur magnetfeldinduzierten Strukturierung von Filterkuchen Experimenteller Nachweis, Simulation und Anwendung in der selektiven Bioseparation

About this book

Die vorliegende Arbeit knĂŒpft an die Untersuchungen von Fuchs an (Fuchs 2005), der sich bereits mit der magnetfeldĂŒberlagerten Kuchenfiltration beschĂ€ftigte und das Prinzip derKombination von Magnetfeldern und klassischer Trenntechnik darstellt. Durch die Beeinflussung der partikulĂ€ren Phase bietet das Magnetfeld bei der Aufarbeitung magnetischer Pigmente Chancen zur Durchsatzerhöhung und Restfeuchteerniedrigung. Ziel der Arbeit ist, das VerstĂ€ndnis ĂŒber die VorgĂ€nge bei der magnetfeldĂŒberlagerten Kuchenfiltration zu vertiefen, apparative Umsetzungen zu entwickeln und neue Anwendungsmöglichkeiten zu finden. Besonderes Augenmerk liegt auf der Unterscheidung zwischen externen und interpartikulĂ€ren MagnetkrĂ€ften und deren Einfluss auf eine Strukturierung des Filterkuchens. Im Vergleich zur Arbeit von Fuchs erfolgt die Erweiterung der magnetischen Stoffsysteme auf Kompositpartikel, die als funktionalisierte TrĂ€gerpartikel bei der Aufarbeitung biotechnologischer Produkte im so genannten Downstream Processing zum Einsatz kommen können. Im Anschluss an eine Adsorption einer biologischen Zielkomponente er-folgt die Abtrennung dieser Magnetbeads durch eine Magnetseparation (Franzreb 2003). Dieses Konzept wird auf die magnetfeldĂŒberlagerte Kuchenfiltration ĂŒbertragen. Bisher existieren keine geeigneten Anlagen zur Untersuchung und Umsetzung der magnetfeldĂŒberlagerten Kuchenfiltration. Die Realisierung geeigneter Trennapparate und Verfahrenskonzepte ist aber die Vorraussetzung fĂŒr die Anwendung dieses neuen Verfahrens. Deshalb werden mit der Magnet-Drucknutsche, dem Magnet-Pressfilter und dem Magnet-Trommelfilter unterschiedliche Möglichkeiten zur FeldĂŒberlagerung und Umsetzung des Prinzips demonstriert. ZusĂ€tzlich erfolgt die Entwicklung einer Analysenzentrifuge zur Bestimmung magnetischer Partikeleigenschaften. Im Rahmen dieser grundlegenden Untersuchungen wird der Einfluss des Magnetfelds experimentell direkt durch die Betrachtung von sich im Magnetfeld ausbildenden Strukturen und indirekt durch verĂ€nderte Filtrationskinetiken und FeststoffdurchsĂ€tze bewertet. Dabei kann in AbhĂ€ngigkeit der jeweiligen Versuchsapparatur eindeutig zwischen den externen MagnetkrĂ€ften und den magnetischen Partikelwechselwirkungen unterschieden werden. WĂ€hrend die externen MagnetkrĂ€fte die Geschwindigkeit des Kuchenaufbaus beeinflussen oder verhindern, initiieren die interpartikulĂ€ren magnetischen DipolkrĂ€fte die Bildung nadelförmiger Agglomerate im Filterkuchen, wodurch dessen Durchströmungswiderstand herabgesetzt wird. Die StrukturĂ€nderung besitzt vor allem bei geringen FeldstĂ€rken großen Einfluss. Das Erreichen einer maximalen Strukturierung begrenzt die auf diese Weise erzielbare Verbesserung. Zur Beschreibung der StrukturĂ€nderung wird ein Modell fĂŒr die HaufwerksporositĂ€t entwickelt, das mit steigender FeldstĂ€rke im Filterkuchen eine geordnete SĂ€ulenstruktur annimmt. In Verbindung mit der von Fuchs modifizierten t/V-V-Gleichung, die den Effekt der externen Magnetkraft auf die Kuchenbildung berĂŒcksichtigt, ist es möglich, beide Effekte der FeldĂŒberlagerung unabhĂ€ngig voneinander zu erfassen. Eine weitere Quantifizierung wird anhand eines Strukturparameters vorgenommen, der Strömungs- und MagnetkrĂ€fte zueinander ins VerhĂ€ltnis setzt und so verschiedene Bereiche der Strukturbildung identifiziert. Die VerĂ€nderung der Kuchenstruktur geht ebenfalls aus einer Simulation der VorgĂ€nge auf Basis der Diskreten Elemente Methode (DEM) hervor. Bislang ist es mit kommerziellen Simulationsprogrammen nicht möglich, ĂŒber die PartikeloberflĂ€che variierende KrĂ€fte wie die magnetischen Dipolwechselwirkungen direkt zu implementieren. Deshalb wird ein eigener Programmcode entwickelt. Deutlich ist die AbhĂ€ngigkeit von der StĂ€rke des ĂŒberlagerten Magnetfelds erkennbar. Ohne ĂŒberlagertes Magnetfeld bauen sich die Partikel zu einem regellosen Haufwerk auf; mit ĂŒberlagertem Magnetfeld besitzt der Filterkuchen eine höhere PorositĂ€t. Außerdem fĂŒhrt die Ausrichtung der kettenförmigen Agglomerate zu einer geringeren TortuositĂ€t bzw. höheren Gradlinigkeit der StrömungskanĂ€le. Bisher existiert fĂŒr das magnetische interpartikulĂ€re Wechselwirkungspotential kein Ansatz, der die Magnetisierungs- und DemagnetisierungsvorgĂ€nge innerhalb der Kompositpartikel berĂŒcksichtigt. Im Rahmen der Arbeit hat sich die AbschĂ€tzung einer effektiven Magnetisierung in Verbindung mit einem resultierenden Demagnetisierungsfaktor als zweckmĂ€ĂŸig erwiesen, die ZusammenhĂ€nge in der richtigen GrĂ¶ĂŸenordnung wiederzugeben. Die entwickelte Analysenzentrifuge ist geeignet, das magnetische Verhalten von Partikelsystemen zu charakterisieren. In AbhĂ€ngigkeit der magnetischen Eigenschaften beeinflusst das ĂŒberlagerte Magnetfeld unterschiedlich stark die Partikelbewegung im Zentrifugalfeld. Der Vergleich berechneter und experimenteller Ergebnisse bestĂ€tigt das Modell der effektiven Magnetisierung und des Demagnetisierungsfaktors fĂŒr Kompositpartikel. Die umgesetzten Anwendungsbeispiele aus der Eisenoxidaufbereitung, der selektiven Filtration und der Bioproduktaufarbeitung demonstrieren die VielfĂ€ltigkeit der magnetfeldĂŒberlagerten Kuchenfiltration. Die Filtration von ferromagnetischem Eisenoxid lĂ€sst sich sowohl in diskontinuierlichen als auch kontinuierlichen Prozessen signifikant verbessern. Daneben zeigt die Untersuchung der selektiven Filtration in der Drucknutsche den großen Einfluss der Produkteigenschaften und des Filtermediums auf die SelektivitĂ€t der Trennung. Bei den Versuchen zur Bioproduktaufarbeitung werden die Einzelschritte des gesamten Aufreinigungszyklus – spezifische Adsorption, selektive Trennung, Waschung, Elution und RĂŒckgewinnung der Magnetbeads – am Beispiel der selektiven Separation von Lysozym aus HĂŒhnereiweiss erfolgreich umgesetzt. Mit besonderem Augenmerk auf der Elution werden unterschiedliche Prozessstrategien untersucht und bewertet. Die Durchströmung des Filterkuchens, analog zu einer klassischen VerdrĂ€ngungswĂ€sche, fĂŒhrt zu den höchsten Elutionsraten des Lysozyms. WeiterfĂŒhrende Arbeiten sollten vor allem die Magnetisierung und die magnetischen Wechselwirkungen von Kompositpartikeln nĂ€her untersuchen. FĂŒr eine exakte Beschreibung der Wechselwirkung zwischen den Kompositpartikeln mĂŒssen zusĂ€tzlich Form und GrĂ¶ĂŸe sowohl von PrimĂ€rkernen als auch von Agglomeraten sowie deren Verteilung im Komposit berĂŒcksichtigt werden. Bei der WeiterfĂŒhrung der DEM-Simulation sollten hydrodynamische Effekte stĂ€rker berĂŒcksichtigt werden, um deren Einfluss exakter wiederzugeben, und eine bessere Übereinstimmung zwischen Simulation und Experimenten zu erzielen. Die Übertragung der magnetfeldĂŒberlagerten Kuchenfiltration auf ProduktionsmaßstĂ€be erfordert die Entwicklung geeigneter Magnetsysteme bzw. -konfigurationen, um das Magnetfeld auch in große ProzessrĂ€ume einzubringen. FĂŒr den erfolgreichen Einsatz der Magnetseparation in der selektiven Bioseparation sollte außerdem die Entwicklung der Magnetbeads intensiviert werden.

Trusted by 375,005 students

Access to over 1.5 million titles for a fair monthly price.

Study more efficiently using our study tools.

Information

Year
2010
eBook ISBN
9783736935327
Print ISBN
9783869555324
Edition
1

Table of contents