Genetische und molekulare Untersuchungen antinutritiver phenolischer Inhaltsstoffe (Tannine) der Rapssaat (Brassica napus L.)
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Genetische und molekulare Untersuchungen antinutritiver phenolischer Inhaltsstoffe (Tannine) der Rapssaat (Brassica napus L.)

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Genetische und molekulare Untersuchungen antinutritiver phenolischer Inhaltsstoffe (Tannine) der Rapssaat (Brassica napus L.)

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Das wesentliche Ziel der Arbeit bestand darin, genetische und chemische Untersuchungen zu antinutritiven phenolischen Verbindungen im Rapssamen, hauptsĂ€chlich kondensierten Tanninen, durchzufĂŒhren. Damit sollten gegebenenfalls ZusammenhĂ€nge zwischen der Samenfarbe und phenolischen Substanzen im Hinblick auf eine verbesserte QualitĂ€t des Rapsschrotes festgestellt werden. Als Untersuchungsmaterial stand die doppelhaploide (DH) Winterrapspopulation YE2 mit 166 DH-Linien zur VerfĂŒgung. Mit Hilfe von 141 AFLP- und 50 SSR-Markern wurde eine genetische Karte fĂŒr die DH-Population entwickelt, die 19 Kopplungsgruppen mit einer genetischen GesamtgrĂ¶ĂŸe von 1171 cM umfasst. Die eher schwache Korrelation zwischen Samenfarbe und Proanthocyanidingehalt fĂŒhrt zu der Schlussfolgerung, dass die Gelbsamigkeit allein nicht als Selektionsmarker fĂŒr eine Reduktion des Proanthocyanidin- oder Gesamtflavonoidgehaltes verwendet werden kann. Mit den HPLC-Messwerten der DH-Population YE2 konnten ebenfalls relevante QTL fĂŒr die verschiedenen Flavonoid-Komponenten bzw. fĂŒr die Flavonoide insgesamt aufgedeckt werden. Dabei konnten neben Loci, die mit signifikanten QTL fĂŒr Samenfarbe in dieser Kreuzung kolokaliseren, auch verschiedene QTL lokalisiert werden, die vermutlich in Verbindung mit farblosen Flavonoiden stehen und daher unabhĂ€ngig von der Samenfarbe einen ernĂ€hrungsphysiologisch relevanten Einfluss auf die Flavonoidzusammensetzung haben. Auf Chromosom N9 kolokalisieren zwei Loci fĂŒr F1PA2 (Sinapoylglucose) und F1PA3 mit dem Haupt-QTL fĂŒr Samenfarbe mit weiteren QTL fĂŒr ADF-, NDF- und ADL-Gehalte sowie einem QTL mit geringem Effekt auf den Flavonoidgehalt. Im Hinblick auf die ZĂŒchtung zur Verbesserung der RapsschrotqualitĂ€t ist dieses Ergebnis signifikant, denn hiermit wird eine Assoziation zwischen der Dicke der Samenschale mit den Gehalten an phenolischen SĂ€uren und anderen antinutritiven Substanzen belegt. Durch eine markergestĂŒtzte Selektion in Bezug auf diesen Lokus könnte ggf. unabhĂ€ngig von der Samenfarbe eine wesentliche Reduktion der Gehalte an PhenolsĂ€uren und Faserkomponenten im Rapsschrot erreicht werden. Die Ergebnisse von HPLC-Untersuchungen auf mono- und oligomerische PAs lassen erkennen, dass die Rapsmehlextrakte keine monomerischen Proanthocyanidine in nachweisbaren Mengen beinhalten. Bei einigen dunkelsamigen DH-Linien wurde interessanterweise festgestellt, dass die Samengehalte an oligomeren PAs sehr niedrig und somit vergleichbar mit den Gehalten in gelben Samen sind. Diese Beobachtungen bestĂ€tigen die Existenz von genetischer Variation fĂŒr Samenzellwanddicke und assoziierte Komponenten, welche die Samenfarbe und RapsmehlqualitĂ€t in dunkelsamigen B. napus-Formen beeinflussen. Diese Ergebnisse zeigen, dass in dunkelsamigen Linien der DH-Population eine große Variation fĂŒr phenolische Substanzen existiert. Somit kann man auch unabhĂ€ngig von der Samenfarbe Selektionsfortschritte bzgl. SchrotqualitĂ€t erwarten. Wegen seiner Rolle in der Regulierung der Samenschalenentwicklung sowie der Flavonoid-Biosynthese ist tt1 ein wichtiges Kandidatengen fĂŒr Samenfarbe und assoziierte SchrotqualitĂ€tsmerkmale in Raps. Die vorlĂ€ufigen QTL- und Spaltungsdaten fĂŒr phenolische Verbindungen lassen vermuten, dass die Vererbung dieser Merkmale in verschiedenem B. napus Material unterschiedlich ist, wobei aber ein einzelnes, dominantes Gen eine Hauptrolle bezĂŒglich der Verringerung einiger Inhaltsstoffe spielt. Auf Chromosom N11 konnten an gleicher Position mit dem SSR-Marker tt1_1 hochsignifikante QTL fĂŒr F1PA1-, F1PA2-, Flavonoid- und Proanthocyanidin-Gehalte lokalisiert werden. Ferner finden sich in unterschiedlichen AbstĂ€nden von 4 cM bis 12 cM auch QTL fĂŒr Samenfarbe, Öl-, F2PA2-, F2PA3 und F3PA4-Gehalte. Dies deutet darauf hin, dass der SSR-Marker mit einer Kopie des Gens tt1 in der DH-Population YE2 gekoppelt sein könnte. Aus der Kartierungsposition des Markers lĂ€sst sich eine schwache Assoziation zur Samenfarbe in B. napus ableiten, da keine direkte Kopplung mit dem Samenfarbe-QTL auf Chromosom N11 nachweisbar war. Die gleiche Position des tt1_1-Markers mit den genannten QTL deutet auf eine mögliche direkte Beteiligung des tt1-Gens bei der Ausbildung der Endotheliumzellen und einen indirekten Einfluss des Genprodukts auf die Anreicherung von Proanthocyanidinen hin. Die Ergebnisse dieser Studie bilden die Grundlage fĂŒr eine markergestĂŒtzte ZĂŒchtung zur Erzeugung hellsamiger Winter-Ölrapssorten mit verbesserter SchrotqualitĂ€t. Dies ist sowohl in Hinblick auf eine Verwendung des PressrĂŒckstandes als Futtermittel als auch als Basis fĂŒr die Gewinnung von hochwertigen Protein-Isolaten und Konzentraten fĂŒr die Tier- und HumanernĂ€hrung relevant. Die eng mit der Samenfarbe und den phenolischen Verbindungen gekoppelten molekularen Marker, die in dieser Studie identifiziert wurden, können wertvolle Werkzeuge fĂŒr die ZĂŒchtung neuer hell- bzw. gelbsamiger Genotypen mit reduzierten Gehalten an antinutritiven Substanzen darstellen.

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Information

Year
2010
eBook ISBN
9783736935402
Print ISBN
9783869555409
Edition
1

Table of contents