Aufmerksamkeitsfunktionen und ihre Entwicklung bei Vorschul- und Grundschulkindern
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Aufmerksamkeitsfunktionen und ihre Entwicklung bei Vorschul- und Grundschulkindern

Eine kulturvergleichende Studie zur Erfassung von neuropsychologischen Funktionen der Aufmerksamkeit bei einer Stichprobe von Kindern in Damaskus (Syrien) und Aachen (Deutschland)

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Aufmerksamkeitsfunktionen und ihre Entwicklung bei Vorschul- und Grundschulkindern

Eine kulturvergleichende Studie zur Erfassung von neuropsychologischen Funktionen der Aufmerksamkeit bei einer Stichprobe von Kindern in Damaskus (Syrien) und Aachen (Deutschland)

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Die Entwicklung von Aufmerksamkeitsfunktionen im Schulalter wurde wenig erforscht. ZusĂ€tzlich wurden die meisten Entwicklungsstudien der Aufmerksamkeit bei Kindern bislang nur in westlichen IndustrielĂ€ndern (hauptsĂ€chlich in den USA und Westeuropa) durchgefĂŒhrt. In der vorliegenden Arbeit wurde die Entwicklung von Aufmerksamkeitsfunktionen aus kulturvergleichender Perspektive (arabisch-syrisch und westlich-deutsch) behandelt. Kinder im Vorschul- und Schulalter aus staatlichen Institutionen in den LĂ€ndern Syrien (Damaskus: mit syrischem und palĂ€stinensischem Hintergrund) und Deutschland (Aachen) wurden zum ersten Mal getestet, um die Rolle des Alters, des Geschlechts, der Kultur und des sozioökonomischen Status (SES) in den aufmerksamkeitsrelevanten Leistungen zu analysieren. Als Testverfahren wurden die Kinderversion Testbatterie zur AufmerksamkeitsprĂŒfung (KITAP) von Zimmermann, Gondan und Fimm (2002) sowie ein Subtest (Alertness) von der Testbatterie zur AufmerksamkeitsprĂŒfung (TAP) eingesetzt. Die KITAP ist eine neu entwickelte computergestĂŒtzte Testbatterie, die eine umfassende Diagnostik der Aufmerksamkeitsfunktionen nach neuropsychologischen Modellen anhand der folgenden Untertests Alertness, Vigilanz, Daueraufmerksamkeit, Visuelles Scanning, GoNogo, Ablenkbarkeit, FlexibilitĂ€t und geteilte Aufmerksamkeit ermöglicht. Die KITAP hat eine nichtverbale Darstellung mit kindgerechter Gestaltung. Insgesamt wurden drei Untersuchungen im Querschnittsdesign durchgefĂŒhrt. In der ersten Pilotstudie wurde die KITAP an einer Stichprobe (n=143) an arabischen Kindern in Syrien im Alter von 5 bis 11 Jahren angewendet, um die Anwendbarkeit des Testverfahrens zu ĂŒberprĂŒfen. Die Ergebnisse zeigen eine gute Anwendbarkeit bei Schulkindern ab dem 6. Lebensjahr. Die Tests Alertness, GoNogo und Vigilanz konnten bei Kindern im Vorschulalter (5 Jahre) durchgefĂŒhrt werden. Wie erwartet spielt das Alter eine entscheidende Rolle in den Leistungen in allen untersuchten Aufmerksamkeitsfunktionen, wobei Ă€ltere Kinder im Vergleich zu jĂŒngeren bessere Leistungen zeigen (kĂŒrzere Reaktionszeiten, weniger LeistungsvariabilitĂ€t, weniger Fehler und Auslassungen). Ein Geschlechtseffekt wurde auch in einigen Tests beobachtet. In der zweiten Studie wurden zusĂ€tzlich Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren (n=562) aus beiden Kulturen (arabisch-syrisch und westlich-deutsch) mit KITAP und TAP (Alertness) getestet. DarĂŒber hinaus wurden die Symptome der Aufmerksamkeits/Defizit-HyperaktivitĂ€tsstörung (ADHS) durch ElterneinschĂ€tzungen (Döpfner & Lehmkuhl, 2000) erfasst. Die Kinder wurden in Altersgruppen (5 Jahre), (6/7 Jahre), (8-10 Jahre) und (11/12 Jahre) eingeteilt. Mit zunehmendem Alter wurden Leistungsverbesserungen in allen Untertests festgestellt, wobei einige Aufmerksamkeitsfunktionen wie Daueraufmerksamkeit, Vigilanz, Geteilte Aufmerksamkeit und FlexibilitĂ€t einem starken Alterseffekt unterliegen. Niedrige Alterseffekte in Alertness, GoNogo und visuelles Scanning deuteten auf eine frĂŒhere Entwicklung dieser Funktionen hin. Die wichtigsten Leistungsverbesserungen geschehen im Allgemeinen im Alter zwischen 8 und 10 Jahren. Die Leistungsgenauigkeit verbessert sich frĂŒher (unter 10 Jahren) als die Leistungsgeschwindigkeit, die bis zum 12. Lebensjahr hin andauern kann. Wie erwartet lĂ€sst sich ein Geschlechtseffekt in einigen Tests zeigen. Jungen zeigten schnellere Leistungen, wĂ€hrend MĂ€dchen eine bessere Leistungsgenauigkeit aufwiesen. Wie erwartet unterschieden sich die Kinder aus beiden Kulturen in mehreren Untertests insbesondere in den Funktionen der visuell-rĂ€umlichen Aufmerksamkeit (visuelles Scanning) und in den Funktionen der exekutiven Aufmerksamkeit (Ablenkbarkeit, FlexibilitĂ€t, geteilte Aufmerksamkeit). Die arabisch-syrischen Kinder zeigten abweichende Leistungen im Sinne von langsameren Reaktionszeiten, mehr LeistungsvariabilitĂ€t und einem höheren Fehleranteil. In dem Test Daueraufmerksamkeit wiesen die deutschen Kinder eine bessere Leistung in drei Parametern (Reaktionszeit, VariabilitĂ€t der Reaktionszeiten und Fehleranteil) auf. Es wurden keine Unterschiede in den basalen Aufmerksamkeitsfunktionen Alertness, Vigilanz und GoNogo in AbhĂ€ngigkeit der Kultur beobachtet. Es scheint somit bestĂ€tigt zu sein, dass die Komponenten der visuell-rĂ€umlichen und der exekutiven Aufmerksamkeit den stĂ€rksten kulturellen Unterschieden unterliegen. Einige bedeutsame ZusammenhĂ€nge zwischen dem sozioökonomischen Status und den Kinderleistungen (Ablenkbarkeit, Daueraufmerksamkeit, FlexibilitĂ€t, Visuelles Scanning) wurden dabei festgestellt. Kinder mit höherem SES zeigten weniger LeistungsvariabilitĂ€t. Bedeutsame ZusammenhĂ€nge zwischen den Leistungen in KITAP und den von den Eltern eingeschĂ€tzten ADHS-Symptomen konnten in einigen Tests (GoNogo, Daueraufmerksamkeit, FlexibilitĂ€t) beobachtet werden. Höhere ADHS-Werte korrelieren deutlich mit fehlerhaften Leistungen in diesen Tests. Es gab kulturelle Unterschiede in der EinschĂ€tzung der ADHS-Symptome durch die Eltern. Die arabisch-syrischen Eltern gaben ihren Kindern höhere ADHS-Werte im Vergleich zu den Deutschen. Die Ergebnisse hinsichtlich der Aufmerksamkeitsleistungen werden im Allgemeinen im Rahmen der biologischen Faktoren (neurale Reifungsprozesse in Hirnarealen) sowie im Hinblick auf die aktuellen soziokulturellen Modelle (Kulturdimensionen: Kollektivismus/Individualismus, Hofstede (2000), kulturelle Selbststruktur: RelationalitĂ€t/Autonomie Kagitcibasi (1996); Markus & Kitayama (1991)) und ihrem Einfluss auf die Entwicklung der Aufmerksamkeitsfunktionen diskutiert. In der dritten Untersuchung wurden dieselben Testverfahren bei Jugendlichen (14/15 Jahre) und jungen Erwachsenen (17-24 Jahre) in beiden LĂ€ndern (Syrien und Deutschland) (n=138) eingesetzt, um die StabilitĂ€t bzw. die VerĂ€nderung der kulturellen Leistungsunterschiede im Jugendalter und jungen Erwachsenenalter zu ĂŒberprĂŒfen. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Leistungen der Altersgruppe 8 bis 10 Jahre von den Leistungen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in allen Tests deutlich unterscheiden. Ab dem Alter von 11/12 Jahren können einige Leistungen von Kindern (insbesondere in Bezug auf die Parameter der Leistungsgenauigkeit) beobachtet werden, die dem Niveau der Jugendlichen und jungen Erwachsenen Ă€hnlich sind. Interessanterweise konnte bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen (wie bei Kindern) das Ă€hnliche Muster von kulturellen Unterschieden in den Aufmerksamkeitsleistungen beobachtet werden. Die arabisch-syrischen Probanden waren in mehreren Tests deutlich langsamer, variabler und fehlerhafter in ihren Leistungen im Vergleich zu den deutschen Probanden. Die allgemeinen Ergebnisse dieser Studie zeigen die Wichtigkeit der kulturvergleichenden Forschung fĂŒr eine bessere Erkenntnis ĂŒber die dynamische Interaktion der biologischen und soziokulturellen Faktoren in der Entwicklung von Aufmerksamkeitsfunktionen und deren Erscheinung auf der Verhaltensebene im Kindesalter. Die Rolle des Alters und Geschlechts lĂ€sst sich deutlich erkennen. Allerdings unterstĂŒtzen die Ergebnisse dieser Arbeit die Annahme ĂŒber die entscheidende, modifizierte Rolle der kulturellen Einflussvariablen (z.B. Wertsystem, Bildungssystem usw.), die die Leistungen in den aufmerksamkeitsrelevanten Aufgaben maßgeblich beeinflussen können.

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Information

Year
2010
eBook ISBN
9783736935181
Print ISBN
9783869555188
Edition
1

Table of contents