Im Rahmen dieser Arbeit wurde die putative Nitrilase aus Saccharomyces cerevisiae (NitSc), die Nitrilase aus Klebsiella pneumoniae subsp. ozaenae (NitKp) und die Nitrilase aus Alcaligenes faecalis subsp. faecalis (NitAf) als Autodisplay-Passagiere auf der ZelloberflĂ€che von Escherichia coli prĂ€sentiert. Die OberflĂ€chenstĂ€ndigkeit der PassagierdomĂ€ne der erzeugten Autodisplay-Fusionsproteine NitSc-AT, NitKp-AT und NitAf-AT konnte mittels ProteasezugĂ€nglichkeitstest nachgewiesen werden. FĂŒr das lediglich aufgrund von Sequenzhomologien zur Enzymklasse der Nitrilasen zĂ€hlende Enzym NitSc ist bisher noch kein Substrat bekannt. Zum Nachweis einer NitrilaseaktivitĂ€t wurde deshalb eine reprĂ€sentative Auswahl an aliphatischen, aromatischen und arylaliphatischen Verbindungen als Substrat getestet. Mit der getroffenen Auswahl war es fĂŒr NitSc-AT tragende E. coli BL21(DE3) Zellen nicht möglich eine NitrilaseaktivitĂ€t nachzuweisen. DemgegenĂŒber konnte fĂŒr NitKp-AT tragende E. coli BL21(DE3) Zellen eine NitrilaseaktivitĂ€t nachgewiesen werden. Dabei akzeptierte NitKp-AT, wie das freie Enzym NitKp, Bromoxynil, Chloroxynil und Ioxynil als Substrat. Desweiteren konnte fĂŒr NitKp-AT das Substratspektrum mit 3-Fluor-4-hydroxybenzonitril und 3, 5-Dimethyl-4-hydroxybenzonitril auch auf fluorierte und nichthalogenierte Verbindungen ausgeweitet werden, die bisher noch nicht als Substrate fĂŒr das freie Enzym NitKp beschrieben wurden. Durch die Expression des Autotransporter Fusionsproteins NitAf-AT in E. coli BL21(DE3) konnte zum ersten Mal das Autodisplay eines multihomomeren Enzyms gezeigt werden, das aus bis zu 14 identischen Untereinheiten bestehen kann. Der erzeugte Ganzzell-Biokatalysator akzeptierte Phenylacetonitril und MandelsĂ€urenitril als Substrat, wobei Phenylacetonitril fĂŒnf Mal schneller umgesetzt wurde als MandelsĂ€urenitril. Die bei 37 °C erzeugte MandelsĂ€ure wies einen EnantiomerenÂŹĂŒberschuss von 99, 2 % fĂŒr das R-Enantiomer auf. Nach fĂŒnf zyklisch wiederholten 24-stĂŒndigen Umsetzungen in Tris-HCl pH 7 bei 30 °C konnte eine RestaktivitĂ€t von 58 %, bezogen auf die MandelsĂ€ureproduktion im ersten Reaktionszyklus, nachgewiesen werden. Der mit MandelsĂ€urenitril als Substrat fĂŒr NitAf-AT ermittelte Km-Wert lag in der gleichen GröĂenordnung wie der aus der Literatur bekannte Km-Wert fĂŒr das freie Enzym NitAf. Bei der Kultivierung von NitAf-AT tragenden Zellen im Fermenter konnte eine maximale Trockenzellmasse von 6, 8 g L-1 erzielt werden. Die nachfolgende Umsetzung von MandelsĂ€urenitril zu R-MandelsĂ€ure im Fermenter fĂŒhrte zu einer durchschnittlichen Raum-Zeit-Ausbeute von 0, 31 g L-1 d-1 MandelsĂ€ure. Im Vergleich zur Umsetzung mit SchĂŒttelkolbenkulturen bedeutete dies eine Verdopplung der MandelsĂ€ureproduktion. Der EnantiomerenĂŒberschuss fĂŒr die im Fermenter bei 45 °C erzeugte R-MandelsĂ€ure lag bei 95, 8 %. Somit konnte zum ersten Mal die generelle Eignung eines Autodisplay-Ganzzell-Biokatalysators zur Kultivierung im Fermenter sowie der anschlieĂenden Umsetzung von MandelsĂ€urenitril im 2 L-MaĂstab belegt werden.

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9783869556161
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1