Im Rahmen dieser Arbeit wurde der Einfluss des Abscheideprozesses auf die Eigenschaften eines organischen Halbleiterbauelements untersucht. Dabei lag das Hauptaugenmerk auf der Abscheidung der Deckelektrode. Diese stellt den energieintensivsten Prozessschritt bei der Herstellung einer organischen Leuchtdiode (OLED) dar und kann zu Degradationseffekten im Bauelement fĂŒhren, wie hier nachgewiesen wird. Untersucht wurden sowohl transparente Kontakte aus kathodenzerstĂ€ubtem, Aluminium dotiertem Zinkoxid (AZO), als auch opake Elektroden aus physikalisch-thermisch abgeschiedenen Aluminium. Das Ziel der Untersuchungen bestand darin, Verfahren mit möglichst hohen Beschichtungsraten zu entwickeln, deren Abscheidung keinen nachteiligen Einfluss auf darunter liegende Schichten nimmt.Der Prozess der KathodenzerstĂ€ubung kann zur Belastung der Bauteile durch UV- und thermische Strahlung fĂŒhren. DarĂŒber hinaus kommt es zur Emission von Partikeln mit hoher kinetischer Energie aus dem Target. Diese Effekte erhöhen die DiffusionsfĂ€higkeit der zerstĂ€ubten Partikel auf der SubstratoberflĂ€che, können aber auch die chemischen und morphologischen Eigenschaften der organischen Halbleiterschichten nachteilig beeinflussen. Im Gegensatz zu Indiumzinnoxid ist es beim hier verwendeten AZO erforderlich, ein MindestmaĂ an OberflĂ€chendiffusion auf dem Substrat zuzulassen um elektrisch leitfĂ€hige Schichten herzustellen. Um eine RĂŒckwirkung der KathodenzerstĂ€ubung auf die darunter liegenden organischen Schichten zu unterbinden wurden die Degradationsmechanismen separat untersucht und eine graduelle ProzessfĂŒhrung entwickelt. Dabei wurde mit der Abscheidung einer schlecht leitfĂ€higen, aber schonend abscheidbaren Schicht auf den organischen Halbleitern begonnen. Die Prozessparameter wurden im Verlauf des Schichtwachstums kontinuierlich in Richtung energiereicher Partikel verĂ€ndert, wodurch leitfĂ€higere Schichtstrukturen entstanden. Die bereits abgeschiedenen Teile der graduellen Schicht fungierten dabei als Barriere zwischen den organischen MolekĂŒlen und dem stetig leitfĂ€higer werdenden Bereichen der Deckelektrode. Dies ermöglichte die Herstellung der weltweit ersten OLED mit einem AZO-Deckkontakt, abgeschieden aus einer planaren Magnetronkathode.Im Bereich opaker Bauelemente wird ĂŒberwiegend Aluminium als Deckelektrode verwendet, welches mittels physikalisch thermischer Gasphasendepositon (PVD) abgeschieden wird. Bei diesem Prozess entsteht sehr viel WĂ€rmestrahlung welche sich nachteilig auf die elektrooptische Effizienz der OLEDs auswirken kann. Um diesen Prozess zu untersuchen wurde zunĂ€chst der Einfluss thermischer Energie auf die morphologischen und elektrischen Eigenschaften dĂŒnner organischer Schichten quantifiziert. Unter BerĂŒcksichtigung dieser Rahmenbedingungen war es anschlieĂend möglich, apparative und verfahrenstechnische Optimierungs- maĂnahmen durchzufĂŒhren, die eine Einflussnahme der Abscheideparameter auf das Bauteil nahezu vollstĂ€ndig unterbinden.Bei diesen Untersuchungen zeigte sich, dass eine höhere Abscheiderate nicht nur den Durchsatz steigert, sondern auch die thermische Belastung der Bauteile insgesamt reduziert. Diese Ergebnisse fĂŒhrten zur Neuentwicklung eines PVD-Systems mit sehr hoher Abscheiderate. Es basiert auf dem Verfahren der Flashsublimation und reduziert die Beschichtungszeit einer 100 nm dicken Aluminiumschicht von 4 Minuten auf etwa 10 Sekunden. Infolge der VerĂ€nderungen im PVD-Prozess konnte die Bildung von Mikrokristallen im abgeschiedenen Aluminium nachgewiesen werden. Die Auswirkungen dieser Kristallisation auf die morphologischen und elektrischen Eigenschaften der Aluminiumschicht wurden ebenso untersucht, wie der Einfluss des Hochratenprozesses auf die elektrooptischen Eigenschaften der OLED. Durch geeignete ProzessfĂŒhrung gelang es, eine RĂŒckwirkung der Hochratenabscheidung des Deckkontakts auf die Funktion der OLED vollstĂ€ndig zu unterbinden. DarĂŒber hinaus konnte das Verfahren der Hochratenabscheidung auf alle organischen und anorganischen Schichten einer OLED ĂŒbertragen werden. Damit konnte der Anwendungsbereich der Flashsublimation erstmalig ĂŒber die Materialklasse reiner Metalle hinaus erweitert werden. Die kurzzeitige, intensive Zufuhr thermischer Energie kann dabei Einfluss auf die chemische Struktur der MolekĂŒle selbst nehmen. FĂŒr das Elektronentransportmaterial Alq3 wurde beispielsweise eine Isomerisierung des MolekĂŒls in AbhĂ€ngigkeit der Prozessparameter nachgewiesen.Der Beginn und die Zeitspanne der Abscheidung wĂ€hrend des Prozesses sind bei diesem Verfahren abhĂ€ngig vom angelegten Temperaturgradienten und der spezifischen PhasenĂŒbergangstemperatur des abzuscheidenden Materials. BefĂŒllt man den Tiegel zeitgleich mit verschiedenen Materialien, so lassen sich bei geringen Temperaturgradienten separate Schichten herstellen. Erhöht man den Gradienten, entstehen Schichten gradueller Durchmischung, deren KonzentrationsverhĂ€ltnis sich aus dem Versatz der AbscheidezeitrĂ€ume ergibt. Am Beispiel von Alq3 und DCM konnte zudem nachgewiesen werden, dass bei hohen Temperaturgradienten eine einzige, homogen durchmischte bzw. dotierte Schicht entsteht. Unter BerĂŒcksichtigung der spezifischen PhasenĂŒbergangstemperaturen erlaubt das hier entwickelte Verfahren die Abscheidung einer OLED aus a-NPD, Alq3, LiF und Al in einem einzigen Herstellungsschritt. Die gesamte Herstellungszeit des Halbleiterbauelements reduziert sich dabei von mehreren Stunden auf etwa zwei Minuten.

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9783869554778
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1