Eine Vielzahl der Produkte der chemischen, der pharmazeutischen und der Lebensmittel-industrie werden als Feststoffe gehandelt. Ein erheblicher Anteil davon wird wiederum als Pulver oder Granulat formuliert. Wenn hohe Anforderungen an die Formulierungen gestellt werden und die Einsatzstoffe als feststoffhaltige, versprĂŒhbare FlĂŒssigkeiten vorliegen, bietet die Wirbelschichtgranulation aufgrund der Prozessintensivierung Vorteile gegenĂŒber anderen Formulierungsverfahren. Die Produkte sind ĂŒblicherweise verkaufsfertig, und es werden keine weiteren Prozessschritte mehr benötigt. Industriell wird das Verfahren fĂŒr verschiedene GĂŒter wie beispielsweise Pflanzenschutzformulierungen, DĂŒngemittel, Waschmittel und Pharmahilfsstoffe eingesetzt. Trotz der besseren Produkteigenschaften kann sich die SprĂŒhgranulation nur schwer gegen andere Verfahren wie beispielsweise die SprĂŒhtrocknung durchsetzen. Aufgrund der ver-schiedenen, im Apparat gleichzeitig ablaufenden und miteinander gekoppelten Mechanismen basieren sowohl Auslegung als auch Betrieb vorwiegend auf Erfahrung und einer aufwĂ€ndi-gen, experimentellen Verfahrensausarbeitung. Daraus resultiert der Wunsch nach einem besseren ProzessverstĂ€ndnis als Basis fĂŒr eine gezieltere Verfahrensauslegung, -optimierung und -steuerung. Die sich ergebenden Fragestellungen fĂŒr die Partikeltechnologie sind die experimentelle MechanismusaufklĂ€rung, die Bestimmung der Kinetiken von Partikelentstehung und âwachstum, die umfassende Ermittlung von Partikeleigenschaften und die Prozessmodellierung und -simulation unter BerĂŒcksichtigung des Zusammenhangs von Partikel- und Produkteigenschaften. Trotz zahlreicher Untersuchungen zu Teilaspekten des Prozesses in der Literatur beschrĂ€nken sich die Kenntnisse ĂŒber die fĂŒr den kontinuierlichen Betrieb besonders relevanten Mechanismen der Keim- und Kernbildung sowie der Staubeinbindung im Wesentlichen auf einige wenig detaillierte Modellvorstellungen. In der Praxis sind die Auswirkungen der technisch realisierten StaubrĂŒckfĂŒhrung auf den Prozess erst nach entsprechenden Versuchsreihen erkennbar und fĂŒhren selbst in Produktionsanlagen mitunter zu erheblichen Problemen. Gegenstand dieser Arbeit ist daher die Betrachtung des Gesamtprozesses unter Einbeziehung der StaubrĂŒckfĂŒhrung. Es wurden insbesondere die Mechanismen von Partikelbildung und âwachstum bei der Wirbelschichtgranulation experimentell untersucht und modellhaft beschrieben. Weiterhin wurde im Hinblick auf industrielle Fragestellungen zu Produkteigenschaften der Einfluss der Staubeinbindung an wachsende Granulate auf die Redispergierbarkeit untersucht. Die Ergebnisse zeigen ZusammenhĂ€nge zwischen den mikroskopischen VorgĂ€ngen und den Auswirkungen auf den Prozess auf. Das bezĂŒglich Partikelbildung und âwachstum aufgrund der StaubrĂŒckfĂŒhrung bisher nur rudimentĂ€re VerstĂ€ndnis wurde vertieft, quantifiziert und formelmĂ€Ăig erfasst. Die Arbeit hat gezeigt, dass es möglich ist, den Wirbelschichtgranulationsprozess durch die Kopplung von Fluiddynamik, WĂ€rme- und Stoff-ĂŒbertragung sowie Populationsbilanzen realitĂ€tsnah zu beschreiben. Das entwickelte Pro-zessmodell basiert auf physikalisch begrĂŒndeten ModellansĂ€tzen und beschreibt den Prozess mit einer hohen Detailtiefe. Daher können die EinflĂŒsse von Betriebsparametern oder auch geĂ€nderten Stoffeigenschaften wiedergegeben werden. Das Prozessmodell wird anhand von Granulationsversuchen validiert.

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Information
Print ISBN
9783869557236
Edition
1Table of contents
- Vorwort
- Inhaltsverzeichnis
- Symbole und AbkĂŒrzungen
- 1 Einleitung
- 2 Experimentelle Vorgehensweise
- 3 Modellierung der Einzelmechanismen und des Gesamtprozesses
- 4 Ergebnisse
- 5 Zusammenfassung und Ausblick
- Literaturverzeichnis
- Anhang
- A Materialien und Methoden
- B ErgÀnzungen zur Modellierung
- C Experimentelle Bestimmung der Filmhöhe bei der Tropfenabscheidung
- D ErgĂ€nzungen zur Untersuchung der Fluiddynamik im DĂŒsenstrahl
- E ErgÀnzungen zu den Versuchen mit tracermarkierten Vorlagen
- F Versuche mit kontinuierlicher Staubdosierung in den DĂŒsenstrahl
- G ErgÀnzungen zu den Untersuchungen der Granulateigenschaften
- H AusgewÀhlte Messdaten in tabellarischer Form