Mit den Entscheidungen zur Niederlassungsfreiheit von Gesellschaften in den FĂ€llen Centros, Ăberseering und jĂŒngst Inspire Art hat der EuropĂ€ische Gerichtshof den Wettbewerb der Gesellschaftsrechtsordnungen im europĂ€ischen Raum eröffnet.1 Deutschen Unternehmern ist es freigestellt, sich auch fĂŒr eine ausschlieĂlich im Inland ausgeĂŒbte TĂ€tigkeit einer der in den fĂŒnfundzwanzig MitgliedslĂ€ndern angebotenen Rechtsformen zu bedienen.2 Diese sogenannten Scheinauslandsgesellschaften mĂŒssen, sofern sie nach dem Recht eines Mitgliedsstaates wirksam gegrĂŒndet worden sind, von allen anderen Mitgliedstaaten grundsĂ€tzlich nach ihrem GrĂŒndungsrecht beurteilt werden.3 Sie sind als rechts- und parteifĂ€hig anzuerkennen und dĂŒrfen keinen zusĂ€tzlichen Mindestkapitalerfordernissen oder TatbestĂ€nden der GeschĂ€ftsfĂŒhrerhaftung unterworfen werden.4 Das Gesellschaftsstatut und damit auch das Innenrecht der Gesellschaft ĂŒber das VerhĂ€ltnis von Mehrheitsherrschaft und Minderheitsrechten bestimmt sich grundsĂ€tzlich nach dem Herkunftsland der Gesellschaft.5Welche Auswirkungen diese erheblich vergröĂerte Freiheit zur Rechtsformwahl auf die deutsche Gesellschaftsrechtspraxis haben wird, lĂ€sst sich noch nicht mit Gewissheit sagen. Ob es sich wirklich um den "Anfang vom Ende" der deutschen GmbH handelt, mag man bezweifeln.6 Ebenso ist wenig wahrscheinlich, daĂ an Stelle der GmbH als derzeit populĂ€rsten deutschen Rechtsform eine chaotische Koexistenz von fĂŒnfundzwanzig verschiedenen Gesellschaftsrechtsordnungen treten wird. Ob der Wettbewerb der europĂ€ischen Gesetzgeber in ein deregulatorisches "race to the bottom" mĂŒnden wird, an dessen Ende in Anlehnung an die Entwicklung in den Vereinigten Staaten ein "europĂ€isches Delaware" als Sieger gekĂŒrt wird, ist derzeit ebenfalls noch ungewiss.7

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9783869556345
Edition
1